Wien: Groß angelegter Betrug mit Pennystocks

Anlageberater in Österreich und Deutschland sollen Aktienkurse beeinflusst haben. Insgesamt durchsuchte die Exekutive 48 Büros und Wohnungen, drei Personen wurden festgenommen.

Wien gross angelegter Betrug
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Wien gross angelegter Betrug
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WIEN/MÜNCHEN (red./ag.). Was früher nigerianische Millionäre in Not waren, sind heute Anlageberater mit todsicheren Aktientipps, die die Eingangsordner der E-Mail-Programme verstopfen. Die Tricks scheinen zu funktionieren: Die Münchner Staatsanwaltschaft hat diese Woche Razzien bei 31 Personen in Deutschland und Österreich durchgeführt. Sie sollen in großem Stil Pennystocks empfohlen und so den Kurs manipuliert haben. Pikant: Auch ein Mitarbeiter der „Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger“ (SdK) in München soll involviert sein.

Die Ermittlungen liefen laut Auskunft der Staatsanwaltschaft München I seit zwei Jahren. In Österreich sind Personen in Wien, Oberösterreich und Tirol verdächtig. In Wien habe es in drei Büros und Privaträumen, in Wels und Innsbruck in je einer Räumlichkeit Hausdurchsuchungen gegeben, erklärte das Bundeskriminalamt in Wien am Freitag. In keinem dieser Fälle habe man verdächtiges Material sichergestellt, es habe daher auch keine Festnahmen gegeben, so ein Sprecher.

 

Ermittlungen in Wels, Innsbruck, Wien

Insgesamt durchsuchte die Exekutive 48 Büros und Wohnungen, drei Personen wurden festgenommen. Über ihre Identität machte die Staatsanwaltschaft München ebenso wenig Angaben, wie über die Namen der involvierten Firmen.

Die 31 Verdächtigen, in erster Linie Mitarbeiter von Börsenbriefen, die Empfehlungen zu Aktienkäufen geben, sollen den Anlagenbetrug seit Jahren betrieben haben. Sie sollen Aktien von meist wertlosen Firmen, sogenannte Pennystocks, gekauft und anschließend durch gezielt positive Nachrichten in Börsenbriefen, E-Mails, auf Onlineforen und Webseiten den Kurs nach oben getrieben haben. Anschließend verkauften sie ihre Aktien, die Papiere stürzten ab, die Käufer verloren ihre Investition.

Einige Pennystocks wurden von den Betrügern auch umbenannt und in den unregulierten Freihandel der Frankfurter Börse gebracht. Mit einer fingierten Internet-Homepage der Firma, erfundenen Börsenberichten und Einträgen in Börsebriefe wurde der Kurs in die Höhe getrieben, bis die Bande Kasse machte.

 

Wette auf fallende Kurse

Doch nicht nur mit Pennystocks sollen die 31 Personen gearbeitet haben. Angeblich war der Einfluss der Organisation so groß, dass sie auch „seriöse Aktien“ (Staatsanwalt) manipulieren konnten. Laut Exekutive seien die Kurse von 20 verschiedenen Unternehmen durch die Verdächtigen positiv oder auch negativ beeinflusst worden. Angeblich ging es vor allem um nordamerikanische Firmen.

Die Untersuchungen gegen die SdK in München richten sich gegen den ehemaligen Vorstand und einige Mitarbeiter. Bevor sie einer Firma öffentlich Bilanzmanipulation vorwarfen und so deren Kurs drückten, sollen sie auf fallende Kurse des Unternehmens gesetzt haben.

LEXIKON

Als Pennystocks bezeichnet man Aktien, die in Europa weniger als einen Euro, in den USA weniger als fünf Dollar wert sind. Wegen des sehr geringen Handelsvolumens an den Börsen sind diese Aktien oft das Objekt von Spekulanten, weil sie eine hohe Volatilität aufweisen. Sie werden oftmals nur im ungeregelten Freiverkehr gehandelt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.09.2010)

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