Solarinsolvenzwelle beginnt zu rollen

Solon ist in den Ausgleich geschlittert, weitere deutsche Hersteller werden folgen. Überkapazitäten und Preisverfall machen den Solarfirmen weltweit das Überleben schwer.

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(c) Dapd (Jens Schlueter)

Berlin/Red/Dpa. Die befürchtete Pleitewelle in der Solarbranche hat offenbar begonnen: Der börsenotierte Solarmodulhersteller Solon hat am Mittwoch Antrag auf Eröffnung eines Invsolvenzverfahrens gestellt. Die Verhandlungen über eine einvernehmliche Lösung zur Restrukturierung hätten sich zerschlagen, hieß es. Konkret war es um die Verlängerung von Krediten über insgesamt 275 Mio. Euro gegangen.

Auslöser der Insolvenz seien die schwache Nachfrage und der anhaltende Preisdruck auf den wichtigsten Märkten gewesen, teilte das Unternehmen mit. Speziell Billiganbieter aus China machen den deutschen Solarunternehmen schwer zu schaffen.

 

Preise nicht kostendeckend

Überraschend kam die Solon-Pleite freilich nicht: Die globalen Produktionsüberkapazitäten haben dazu geführt, dass kaum noch ein Hersteller kostendeckende Preise für seine Produkte bekommt. Eine „Marktbereinigung“ per Insolvenzen war für Brancheninsider also abzusehen.

Unter Analysten kursiert seit einiger Zeit eine „Todesliste“ der Solarhersteller. Ganz oben auf dieser Liste findet sich neben Solon das frühere Solarvorzeigeunternehmen Q-Cells. Auch dem deutschen Hersteller Conergy werden schlechte Karten im Überlebenskampf eingeräumt.

Q-Cells gerät zudem direkt in den Strudel der Solon-Insolvenz: Das Unternehmen war ein wichtiger Lieferant von Solon. Für Q-Cells kommen die neuen Probleme zu einem höchst ungünstigen Zeitpunkt: Das Unternehmen muss demnächst eine 200-Mio.- Euro-Wandelschuldverschreibung zurückzahlen – und weiß noch nicht wirklich, wie. Die Aktie von Q-Cells, die schon seit Langem im Pennystock-Bereich herumgrundelt, brach am Mittwoch prompt um mehr als fünf Prozent ein.

Die Solon-Pleite wird auch die deutschen Steuerzahler treffen: Das Unternehmen kämpfte seit einiger Zeit mit Finanzierungsproblemen, der Bund und die deutschen Bundesländer Berlin und Mecklenburg-Vorpommern mussten deshalb schon 2010 mit einer Bürgschaft über 146 Mio. Euro einspringen. Dieses Geld dürfte jetzt verloren sein. Ob das Unternehmen, das 800 Mitarbeiter beschäftigt, weitergeführt werden kann, ist derzeit ungewiss.

Experten erwarten, dass die Solon-Pleite nur die erste einer Reihe von schlechten Nachrichten ist, die demnächst aus der Branche kommen werden. Lauren Licuanan, Analystin bei der Commerzbank, meinte gestern, die Solon-Insolvenz könnte „der wahre Anfang der Marktbereinigung sein. Wir machen uns auch Sorgen um Q-Cells.“

 

Pleitewelle auch in den USA

Diese Marktbereinigung werde sich aber wohl nicht auf Deutschland beschränken. Die CleanTech-Expertin der Investmentbank Jefferies, Martina Ecker, sagte, sie stelle sich die Frage, „wann auch auf globaler Ebene eine wirkliche Marktbereinigung beginnt“. In den USA hat eine Pleitewelle unter Solarfirmen schon begonnen. In China, wo der Großteil der Überkapazitäten aufgebaut worden ist, aber noch nicht. Den China-Unternehmen geht es aber nur wegen üppiger staatlicher Förderung so gut. Und diese Förderung dürfte bald zusammengestrichen werden.

Von der Förderseite dürfen sich auch die deutschen Produzenten nicht viel erwarten: Deutschland überlegt eine „Deckelung“ der Solarförderung auf 1000 Megawatt pro Jahr, was die Branche weiter unter Druck bringen wird.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.12.2011)

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