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Commerzbank stopft Löcher ohne Staat

19.01.2012 | 18:14 |  (Die Presse)

Die zweitgrößte deutsche Bank hat einen Plan zur Schließung ihrer Kapitallücke vorgelegt. Dabei will sie ohne Staatshilfe auskommen. Bereits 17 Mrd. Euro an Risikoaktiva wurden abgebaut.

Frankfurt/Ag. Commerzbank-Chef Martin Blessing will Wort halten: Die teilverstaatlichte deutsche Bank plant, ihre Eigenkapital-Lücke von 5,3 Mrd. Euro ohne neue Hilfe des Staates und ihrer Großaktionäre zu schließen. Ein Loch von drei Mrd. Euro habe die Commerzbank bereits gestopft, sagte Blessing am Donnerstag in Frankfurt. „Das heißt: Wir haben schon knapp 60Prozent der Kapitalanforderungen der Europäischen Bankenaufsicht erreicht.“

Von den 5,3 Mrd. Euro entfallen 400 Mio. Euro auf die Kernbank der Commerzbank. Dieser Bereich beschäftigt sich insbesonders mit der Kreditvergabe an Mittelständler. Die restlichen 4,8 Mrd. Euro resultieren aus dem Staatsanleihen-Portfolio der Tochtergesellschaft Eurohypo, das zu 60 Prozent aus italienischen Anleihen besteht.

Um die Kapitallücke zu schließen, habe die Bank bereits 17 Mrd. Euro an Risikoaktiva abgebaut. Zudem werden rund 1,2 Mrd. Euro Gewinn im vierten Quartal wieder dem Unternehmen zugeführt.

 

Aktie macht Luftsprung

Außerdem wird der Verkauf des 14,4-Prozent-Anteils an der russischen Promsvyazbank noch im vierten Quartal 2011 wirksam, obwohl dieser erst Ende Jänner 2012 stattfindet. Der Verkauf soll einen positiven Einmaleffekt von 150Mio. Euro bringen.

An der Börse herrschte große Erleichterung über die Pläne der Commerzbank. Die zuletzt bis auf 1,11 Euro abgestürzte Aktie sprang um mehr als zehn Prozent in die Höhe. „Das hört sich alles viel besser an als erwartet“, sagte ein Händler. „Für die Aktie heißt das: viel Luft nach oben.“

Blessing will den Abbau von Risken konsequent fortsetzen. „Dabei steht aber fest: Der Abbau geht nicht zu Lasten unserer Kunden in den Kernmärkten“, unterstrich er. Diese sieht die Bank in Deutschland und Polen.

Mit dem vorgelegten Plan will die Commerzbank den Anforderungen der EBA gerecht werden. Die Commerzbank muss bis zum Juni 2012 auf die geforderte harte Kernkapitalquote von mindestens neun Prozent kommen.


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