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Haushalt: Rating-Agenturen strafen Ungarn ab

23.07.2010 | 18:23 |  PETER MARTOS (Die Presse)

Moody's ist die Ungarn-freundlichste Ratingagentur: Sie stuft das Land mit Baa1 ein. Bei Fitch ist Ungarn BBB, bei Standard & Poor's ist zu dieser Kategorie schon ein Minus hinzugekommen.

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Budapest/Wien.An Viktor Orbán ist ein genialer Musiker verloren gegangen. Der ungarische Ministerpräsident dirigierte nicht nur souverän das Gesetzgebungsstakkato des Budapester Parlaments. Er ließ sein Orchester auch für die Wählermassen spielen: In Analogie zum „Eisernen Vorhang“ der KP-Ära sprach er vom „Geldvorhang“, der Ungarn nicht einkreisen dürfe. Entsprechend fielen die Beschlüsse aus, unter ihnen die sattsam bekannt gewordene Bankensteuer samt der Absage an den Internationalen Währungsfonds (IWF). Beinahe alle politischen Kräfte links und rechts der satten Fidesz-Mehrheit reagierten erschrocken, die Medien warnten.

„Wir sind verschuldet, unsere Wachstumsaussichten sind schwach, die Forint-Schwäche lastet schwer auf dem Land“, schrieb am Freitag Ilona Kocsi, Starschreiberin der Wirtschaftstageszeitung „Vilaggazdaság“. Sie wünscht der Regierung jene Vernunft, die Orbán am Donnerstag so oft zitiert habe. „Wir werden das Geld des Auslands noch geraume Zeit brauchen.“ Der Preis dafür müsse reduziert werden, „mit Vernunft, Bescheidenheit und berechenbarem Regierungsverhalten“. Nachsatz: „Nicht mit Diktaten.“

Der IWF wiederholte am Freitag seine Position, wonach er zur Wiederaufnahme der abgebrochenen Verhandlungen über die letzte Rate eines 20-Mrd.-Euro-Kredits bereit sei. „Ob mit oder ohne uns: Ungarn muss die offenen Probleme lösen und sein Budgetdefizit reduzieren“, sagte Christoph Rosenberg, Leiter der vergangene Woche aus Budapest abgereisten IWF-Delegation. Orbán hatte gemeint, nach Auslaufen des jetzigen Kreditvertrags Anfang Oktober werde es keine Verhandlungen mit dem IWF mehr geben.

Aber die Märkte sind nicht so konziliant. So brachte die Ankündigung der Ratingagentur Moody's, eine Neubewertung der ungarischen Staatsschulden vornehmen zu wollen, den Forint in eine schwere Krise. Die Budapester Börse erfing sich nach einem kurzen Rückschlag, doch hielt sich der Handel in sehr engen Grenzen.

Dabei hatte Dietmar Hornung, Kopräsident der Moody's Investor Services, nur gemeint, man müsse beobachten, ob die ungarische Regierung ohne IWF auf dem Weg der Reformen weitergehe. Die Überprüfung dauere vier Monate, eine eventuelle Abwertung sei erst Ende November zu erwarten.

 

Moody's erwägt Abstufung

Moody's ist die Ungarn-freundlichste Ratingagentur: Sie stuft das Land mit Baa1 ein. Bei Fitch ist Ungarn BBB, bei Standard & Poor's ist zu dieser Kategorie schon ein Minus hinzugekommen.

Die Hauptbetroffenen des Orbán'schen Aktionsplanes, die Banken, reagierten maßvoll. Tamás Erdei, Chef des Bankenverbands, sprach zwar von einer „groben Maßnahme“, die bei acht bis zehn Instituten zu Verlusten führen könne. Er mahnte dazu, die Höhe der Steuer 2011 zu senken. Noch konzilianter war Sándor Csányi, Chef der größten ungarischen Bank OTP: Der Finanzsektor müsse Opfer bringen, damit die Wirtschaft in Ordnung gebracht werden könne.

Die deutlichste Warnung gab die Pleitenstatistik: Am Freitag meldeten die Firmengerichte die zehntausendste Pleite des Jahres. 2009 war diese Zahl erst am 9.September erreicht worden. „Im Vorjahr rechneten wir damit, dass sich die Zahl auf hohem Niveau stabilisieren und nur langsam steigen werde. Wir waren zu optimistisch“, sagte Hajnalka Csorbai, Strategiedirektorin der Firma Opten, des „ungarischen KSV“.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.07.2010)

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5 Kommentare
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Volksverblödung auf Ungarisch

Orban möchte seine Macht bei den Regional Wahlen im Oktober ausbauen. Da ist seine Strategie sehr einfach:

"Die bösen Banken werden zur Kasse gebeten, und die braven Beamten und Günstlinge können weiter gut bezahlt in ihren Amtsstuben schlafen, und können mit 38 Jahren mit 110% ihres Aktivbezuges in Pension gehen."

Für diesen Unsinn, Herr Orban, werden sie bei den Rating Agenturen herabgesetzt. Aber die Ungarn werden sie feiern, denn die nationalistische Karte zieht immer (siehe Österreich). Wenn das Volk schließlich die Zeche zahlen muß, und ihnen den Hals umdrehen möchte, sind sie mit dem IMF Geld längst über alle Berge.


Gast: banken
25.07.2010 19:04
1 1

Wer regiert eigentlich

Wir werden bald dahin kommen, daß wir nicht Politiker sondern Bänker wählen müssen. Dei Geldgeier wollen jezt an Ungarn ein Exempel Statuieren.
Erst verursachen eine Weltwirtschaftskriese und, wenn sie mal was abgeben sollen, dann drohen sie mit abstufung.

enzo
23.07.2010 22:59
0 0

Ist doch klar

Wer nur ein bißchen gegen die EU aufmüpft wird umgehend bestraft.
Die Lobby ist groß!!!!

Antworten Gast: 2000
24.07.2010 15:57
1 0

Re: Ist doch klar

Das Theater gegen Schüssel-Haider wird
nun gegen die Ungarn neu aufgezogen.

Antworten Antworten Gast: leserderpresse
24.08.2010 21:16
0 0

Re: Re: Ist doch klar

Ist doch klar: Bauernschlau ist der Orban sicherlich nicht., der denkt nur bis Oktober!
Nachher sind wieder die boesen Banken und Spekulanten schuld, wenn der Forint bei 320 zum EURO steht und die armen Ungarn ihre Schulden nicht mehr zahlen koennen.
Europa hat von der Griechenland Krise gelernt, die Baenker lassen sich von Herrn Orban nicht mehr zum Narren halten.
Schaun Sie sich das an! haette Farkas gesagt.