Der geheimnisvolle Milliardär an Fillons Seite

Milliardär Marc Ladreit de Lacharriere steht im Zentrum der Affäre um den französischen Präsidentschaftskandidaten Francois Fillon. Er unterhält aber auch enge Beziehungen zu dem sozialistischen Amtsinhaber Francois Hollande.

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Der Milliardär an Fillons Seite: Marc Ladreit de Lacharriere
Der Milliardär an Fillons Seite: Marc Ladreit de Lacharriere – AFP (STEPHANE DE SAKUTIN)

Er ist reich, diskret und exzellent vernetzt: In der Affäre um den konservativen französischen Präsidentschaftskandidaten Francois Fillon spielt der Unternehmer Marc Ladreit de Lacharriere eine wichtige Rolle. Um den 76-Jährigen Milliardär geht es auch in dem Ermittlungsverfahren, das die Untersuchungsrichter am Dienstag gegen Fillon einleiteten.

Seit den Enthüllungen der Zeitung "Le Canard Enchaine" Ende Jänner ist bekannt, dass Ladreit de Lacharriere eine ganz besondere Beziehung zu Fillon unterhält, den er selbst als langjährigen Freund bezeichnet. "MLL", wie der Geschäftsmann wegen seiner Initialen auch genannt wird, besitzt unter anderem die traditionsreiche Zeitschrift "Revue des Deux Mondes".

Diese beschäftigte Fillons Frau in den Jahren 2012 und 2013 als Mitarbeiterin. Dafür soll Penelope Fillon 100.000 Euro kassiert haben - ohne dass ersichtlich ist, was sie dafür geleistet hätte.

Vor einer Woche enthüllte "Le Canard" zudem, dass Fillon von dem Unternehmer einen zinslosen Kredit in Höhe von 50.000 Euro erhielt, den er in seiner Vermögensaufstellung für die Transparenzbehörde unterschlug. Die Ermittler fragen sich, ob das Geld ein Dankeschön war. Denn 2011 hatte sich Fillon als Premierminister dafür eingesetzt, dass der Geschäftsmann die höchste Würdigung der französischen Ehrenlegion erhielt. Im Raum steht deshalb der Verdacht der Bestechlichkeit.

Milliarden mit MLL

Der Milliardär selbst hat gegenüber der Zeitung "Le Monde" den Vorwurf zurückgewiesen, er sei der Mäzen des Politikers Fillon: "Ich habe niemals einen Kandidaten finanziert", betonte Ladreit de Lacharriere. "Ich stehe nicht im Dienst irgendeines Politikers."

Tatsächlich ist der Unternehmer, der laut dem Magazin "Forbes" auf Rang 23 der reichsten Franzosen steht, keiner politischen Richtung zuzuordnen. Er gilt als Vertrauter des früheren konservativen Staatschefs Jacques Chirac, mit dem er die Liebe zur Kunst teilt. Er unterhält aber auch enge Beziehungen zu dem sozialistischen Amtsinhaber Francois Hollande.

Sein Vermögen hat "MLL" vor allem seiner Holding Fimalac zu verdanken, die an der Börse mit drei Milliarden Euro bewertet wird. Unter deren Dach sind zahlreiche Beteiligungen versammelt: Unter anderem an der Ratingagentur Fitch, die der Unternehmer 1997 kaufte und an der Fimalac heute noch 20 Prozent hält. Dazu kommen Immobilien, die Mediengruppe Webedia sowie rund hundert Konzert- und Theatersäle in Frankreich.

Sohn aus gutem Haus

Ladreit de Lacharriere stammt aus einer einflussreichen Familie: Nach seiner Geburt im November 1940 wächst er als Sohn eines Generals in einem Schloss im Departement Ardeche im Südosten Frankreichs auf. Er studiert Wirtschaftswissenschaften und absolviert eine Ausbildung an der ENA, der Kaderschmiede für Verwaltungsbeamte. Ein politisches Amt strebt er aber nie an.

Nach seinem Studium geht er zur Bank Indosuez und arbeitet danach 15 Jahre lang für den Kosmetikkonzern L'Oreal. Im Jahr 1991 gründet er seine Holding. Über Fimalac ist Ladreit de Lacharriere auch mit Fillon geschäftlich verbunden: Die Holding war Kunde von Fillons Beratungsfirma 2F, die dieser nach seiner Zeit als Premierminister 2012 gründete.

Über Fillon sagte der Unternehmer einmal: "Wir haben viele Kämpfe zusammen ausgefochten." Inwieweit "MLL" sonst noch von dieser speziellen Freundschaft profitierte, interessiert die Ermittler, die ihn in der Affäre bereits befragt haben. Um ihren Ruf müssen beide Männer nun für sich alleine kämpfen.

(APA/AFP)

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