Scheinfirmen kosten den Staat eine Milliarde pro Jahr

26.06.2012 | 18:20 |   (Die Presse)

Alle bisherigen Versuche des Gesetzgebers, den Sozialmissbrauch in der Baubranche und der Gastronomie einzudämmen, haben nicht gefruchtet. Helfen gegen die "Pfuscher-Mafia" könnte eine automatische Früherkennung.

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Sechs Monate. Länger brauchen die Gründer von Scheinfirmen nicht, um das Unternehmen komplett auszuschlachten und den Staat dabei um Millionen Euro zu betrügen. Binnen weniger Wochen werden oft hunderte Mitarbeiter angemeldet, die Firma bewusst in den Konkurs getrieben. Das Ziel dahinter ist Sozialbetrug, denn Steuern oder Sozialabgaben bezahlt der Unternehmer nie. Bis zu einer Milliarde Euro Schaden richtet diese Form des organisierten Betrugs jedes Jahr in Österreich an, sagte Sozialminister Rudolf Hundstorfer (SPÖ) am Dienstag vor Journalisten in Wien.

Aber damit nicht genug: In manchen Fällen gibt der Steuerzahler den Betrügern sogar noch etwas drauf. Sind die Mitarbeiter nämlich nur wenige Monate im Jahr beschäftigt, erhalten sie durch den Lohnsteuerausgleich Geld vom Staat zurück, das sie nie abgeführt haben. Vor allem in der heimischen Baubranche ist das Problem altbekannt. Lösen konnten es die Gesetzgeber trotz mehrfacher Anläufe bis dato nicht. Auch die seit April verfügbare Baustellendatenbank ist nur ein erster Schritt. Sie soll helfen, neue Baustellen und deren Arbeiter leichter zu kontrollieren.

„Pfuscher-Mafia“ in Österreich

Eine aktuelle Studie zeigt aber: Die schwarzen Schafe sind nicht mehr nur in der Bauwirtschaft daheim. Auch in der Gastronomie, dem Transportwesen und in der Landwirtschaft werde oft am Fiskus und den Sozialversicherungen vorbeigearbeitet, berichtet die Studienautorin und Strafrechtsuniversitätsprofessorin Susanne Reindl-Krauskopf. Auch seriöse Firmen würden mit Schein- und Deckungsrechnungen arbeiten, um an Schwarzgeld für Schwarzarbeiter zu kommen.

Das größte Problem in der Betrugsbekämpfung sieht Reindl-Krauskopf darin, dass die Behörden meist einen Schritt zurückliegen. Wenn die Polizei von dubiosen Firmen erfährt, ist der Konkursantrag meist schon da, der Großteil des Schadens bereits angerichtet. Helfen könnte eine bessere Vernetzung aller betroffenen Stellen und eine Software, die automatisch nach Verdachtsmomenten sucht.

Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) hat es vor allem auf die großen Fische abgesehen. Zehn Tätergruppen seien derzeit in Österreich aktiv. Der „Pate“ im Mittelpunkt der „Pfuscher-Mafia“ trete nach außen meist als honoriger Geschäftsmann auf, verfüge im Hintergrund aber über eine ganze Reihe an Scheinfirmen. Dabei geht es nicht nur um Schwarzarbeit: Um wenige hundert Euro seien in Wien falsche Arbeitsbestätigungen für einen Kredit, Anmeldungen bei der Sozialversicherung für den nächsten Krankenhausbesuch oder für etwas mehr Geld auch die komplette Firmenhülle inklusive Schein-Geschäftsführer zu haben.

Nicht nur Geschäftsführer strafen

Doch selbst wenn die Behörden den Betrug aufdecken, ist es zu einer Verurteilung noch ein weiter Weg. Denn bisher zielt das Strafrecht vor allem auf den Dienstgeber im sozialversicherungsrechtlichen Sinn ab. Dieser ist in derlei undurchsichtigen Konstruktionen aber in den seltensten Fällen zu finden.

Darum müsste nicht nur die Zusammenarbeit der Ministerien verstärkt werden, fordert die Studienautorin. Auch Gesetzeslücken müssten geschlossen und der Kreis jener, die bestraft werden können, erweitert werden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.06.2012)

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39 Kommentare
 
12
Gast: Personalverrechnung
27.06.2012 19:01
0

alles abliefern sofort und netto

Auszahlung der Gehälter durchs Finanzamt/GKK ... wird doch irgendwann so sein. Die Firma zahlt ans Amt für Geldverteilung und das Amt zahlt dann Gehalt/Pension/Arbeitslose/Mindestsicherung aus. Nur so kann sichergestellt werden, dass wohl wirklich jeder ehrliche und fleissige Mitbürger ordentlich Steuer zahlt.
Funktioniert zu 90 % eh schon so ...
Und hat noch einen Vorteil: die Firmen sparen sich die Lohnverrechnungsabteilung .... dh. eigentlich müssen die Firma da ja auch noch was zahlen ... für die Weiterleitung ....

Gast: gast1984
27.06.2012 17:59
0

Scheinpolitiker kosten Österreich hunderte Milliarden Euro!


Gast: Gugglhupf
27.06.2012 17:41
2

Hart durchgreifen!

Wieso müssen immer weniger immer mehr durchfüttern?
Wer Schwarzarbeiter hat, sehr hart bestrafen sonst enden wir wie Griechenland wo die Millionäre keine Steuern etc zahlen!

Das ist klare Aufgabe des Staates und daher braucht niemand zu jammern!

Was soll die Suderei

Alleine die Triesterstraße von der Gudrunstasse satdauswärts ist ein täglicher Anlaufplatz für Pfuscher.
Da stehen tagtäglich unübersehbar links und rechts bis zu 50 Leute und warten bis sie geholt werden.
Bei selbst bei Großfirmen ist Schwarzarbeit der Renner erwischt werden sie selten und wenn die lächerliche Geldstrafe hat er an einem halben Arbeitstag mit den Blackys wieder herinnen.

Gast: Vogel Strauss
27.06.2012 10:19
1

Glaub ich nicht ...

Der Redakteur ist der Hundstorfer'schen Propaganda erlegen und hätte mal besser selber recherchieren sollen. Wer in Ö eine Firma gründet, rennt erstmal von Pontius zu Pilatus und bekommt vor allem - noch bevor er einen Groschen eingenommen hat - eine Riesen-Rechnung von der Sozialversicherung. Man benötigt hunderttausend Zetteln und Genehmigungen vom FA bis zur Gewerbebehörde - in anderen Ländern geht das wesentlich einfacher. Und trotzdem will dieser Staat nicht fähig sein, der Steuer- u. SV-Beitrags-Hinterziehung Herr zu werden? Kann ich mir so nicht vorstellen ...

Re: Glaub ich nicht ...

1. Glauben können Sie in der Kirche. In diesem konkreten Fall wäre Lesen die bessere Wahl:

"Studienautorin und Strafrechtsuniversitätsprofessorin Susanne Reindl-Krauskopf..."

somit ist es ein Artikel über eine Studie und keine Propaganda! Hören Sie endlich auf mit diesem parteipolitischen Hick Hack! Diesen Zirkus haben wir täglich ohnehin zu Genüge!

Wenn Sie schon die Wege einer Firmengründung so gut kennen, dann wissen Sie bestimmt auch, dass die Sozialversicherung und das Finanzamt sogenannte Pflichtgläubiger sind! Ein Lieferant kann auf Voraus-Kasse bestehen bzw. Sie nicht mehr beliefern. Ein Dienstnehmer erhält hingegen immer seine Leistungen - unabhänging davon, ob der Dienstgeber bezahlt oder nicht. Die Angelegenheit mit der Arbeitnehmerveranlagung tut ihr übriges.

Gast: Kibietz
27.06.2012 10:01
0

Preisnivau

Solange dieDienstleistungspreise so hoch sind (Steuerlast) wird sich am Pfusch nichts ändern.

Gegen Scheinfirmen müsste man im Gewerberecht vorgehen. Firmen müssen mit genügend Eigenkapital ausgestattet sein während der Gründung bzw. muß der Firmengründer mit Haus und Hof dafür haften.

Gast: y7r
27.06.2012 09:56
0

Ego-Sozial

Der Österreicher ist an und für sich immer auf die Maximierung seines persönlichen Vorteils aus.

Je sozialistischer der Staat, desto asozialer seine Bürger....

Gast: 22 Groschen
27.06.2012 09:18
1

Was kosten uns die faulen Beamten?


http://kurier.at/nachrichten/wien/4485773-ministergehaelter-in-spanischer-hofreitschule.php

http://kurier.at/nachrichten/niederoesterreich/4484530-privilegienritter-mit-luxusboliden-im-dienst.php

http://www.krone.at/Oesterreich/Wien_Beamtinnen_erschwindeln_sich_bis_zu_40.000_Euro-Ueberstunden-Krimi-Story-310285

http://www.krone.at/Oesterreich/Wiener_Beamte_haben_sich_Zulagen_erschlichen-Insider_zur_Krone_-Story-312452

http://diepresse.com/home/panorama/wien/752468/AKH_Beamtin-seit-2008-im-Krankenstand?_vl_backlink=/home/index.do

http://www.krone.at/Oesterreich/Rueckverguetung_fuer_Parkpickerl_selbst_eingesteckt_-_Haft!-Beamter_verurteilt-Story-299354

http://www.krone.at/Oesterreich/Wien_spart._doch_Pelargonien-Zulage_fuer_Beamte_bleibt-Absurde_Zahlungen-Story-298775

http://www.vienna.at/bank-austria-wien-haftet-mit-96-milliarden/3045566

http://kurier.at/nachrichten/4314226.php

http://diepresse.com/home/panorama/wien/441368/Neues-Dienstrecht_Extraurlaub-fuer-Wiener-Beamte

http://diepresse.com/home/wirtschaft/economist/718403/Bauerneinkommen-sind-im-Vorjahr-kraeftig-gestiegen?from=gl.home_wirtschaft

http://derstandard.at/1308679634134/Conrad-Seidl-Beamtenabbau-Zeit-fuer-Aufgabenkritik

http://diepresse.com/home/politik/eu/677196/Gleicher-als-gleich_Oesterreichs-PensionsPrivilegienritter?gal=677196&index=2&direct=730774&_vl_backlink=/home/politik/eu/730774/index.do&popup=

http://diepresse.com/home/politik/innenpolitik/726513/Polizisten-gegen-Beamtensteuer_Wir-zahlen

Gast: 1. Parteiloser
27.06.2012 08:45
0

Vorauskassa!

Nur so können den Betrügern die Möglichkeiten zum Betrug genommen werden.

Das müsste für alle jungen Unternehmen gelten, wenigstens solange bis diese ein Vermögen aufgebaut haben und etwas zu verlieren haben.

Das wird aber auch bedeuten, dass die Kunden, auch der Staat, die Zahlungen viel früher leisten wird müssen. Die langen Zahlungszielen und die hohen offenen Beträge sind ohnehin krank.

Antworten Gast: Kibietz
27.06.2012 09:58
0

Re: Vorauskassa wird nicht funktionieren

Da immer noch das Prinzip erst Leitung bzw. Ware und dann Geld gilt und das ist auch gut so.

Antworten Antworten Gast: 1. Parteiloser
27.06.2012 16:48
0

Re: Re: Vorauskassa wird nicht funktionieren

Wo ist das Problem?

Abrechnungen je nach Baufortschritt und viele kleine Abrechnungen. Zahlungsziel 3 Tage!

Dann haben Sie ja auch Ihr Prinzip erfüllt.

Die irren Zahlungsziele müssen endlich weg, genauso wie die Vorfinanzierungen der Unternehmen zur Leistungserbringung reduziert werden müssen.

Pfusch ist nicht`s Ungerechtes!

Pfusch ist Selbstverteidigung! Die Bürger und Bürgerinnen versuchen sich vor den Sozialhyänen und der staatlichen Ausplünderung zu schützen.

Gast: nahdran
27.06.2012 08:33
2

Scheinfirmen kosten Staat Milliarden

Und von den Milliarden welche uns die Volksvertreter kosten redet niemand?

der Grund dafür

in Österreich ist es sehr einfach eine Firma zu gründen. 35.000 € Stammkapital, Eintragung ins Firmenbuch und los geht's. staatszugehörigkeit ist egal.

Re: der Grund dafür

Und die 35 000 € leiht er sich für eine Woche bei der Bank.

Was sind denn schon zwei Milliarden illegaler Firmen

Gegen die Zig Milliarden legaler Banken...

8

So schwer wäre das nicht ...

Man bräuchte nur den Zuständigen Briefträger fragen, wieviel Bauunternehmen die selbe Adresse haben ...

Nicht nur in Baubranche und Gastronomie

Wie schaut es mit dem Sozialmissbrauch bei den Arbeitslosen aus?
Wie schaut es mit dem Sozialmissbrauch bei den "Scheinalleinerziehenden" aus?


Antworten Gast: 1. Parteiloser
27.06.2012 16:59
1

Re: Nicht nur in Baubranche und Gastronomie

Arbeitslose:
In die Pflichtversicherung laufen schon mehr als 5.000 Mio. p.a. rein, ausbezahlt werden aber nur etwa 2.500 Mrd. In diesem Fall ist die Staatlichkeit der Sozialbetrüger mit einem jährlichen Schaden von 2,5 Mrd. Euro!

Scheinalleinerziehende
Die Schadenshöhe ist nicht bekannt, wird aber wohl sehr weit unter dem Schaden bei der Arbeitslosenversicherung liegen. Die Armutsquote ist auch real bei Alleinerzieherinnen hoch.

E- Card
Auch bei diesem, teilweise hervorragend organisierten, Missbrauch sind keine genauen Summen bekannt, dürften aber beträchtlich sein.

Pensionsmissbrauch
Eine Staatlichkeit, welche auch noch Ruhegenüsse bis über 100.000.- Euro unter Soziales bucht, das kann nur ein gewaltiger Sozialbetrüger sein. Diese Typen rauben sich unter dem Titel Soziales schon 10 Mrd. aus dem Steuertopf. Das kommen noch die "Betriebspensionen" bei den Kammern, ORF, OeNB etc.

Die größte Betrüger beim "Sozialen" sind die Parteibonzen bei der Gesetzgebung. Die Typen bedienen sich an den Leistungen der Österreicher derartig unverschämt, halten sich aber auch schon mehr als 1/2 Mio. Menschen in manifester Armut, dass es nur noch ein schwerer Verbrechen gegen die Menschenrechte sein kann.

ausufernd!

Ohne Sozialstaat gebe es keinen Sozialbetrug!
Das Problem an der Wurzel lösen! Weg mit dieser Sozialstaatromantik.

Antworten Gast: Politicus? aha!
27.06.2012 06:47
3

Re: Nicht nur in Baubranche und Gastronomie

Nicht auf die nichts-tuenden Beamten und Politiker vergessen. die für ihren Halbtagsjob dem Steuerzahler zur Gänze zur Last fallen.

Gast: IQ der Fruchtfliege
26.06.2012 20:58
11

Alle bisherigen Versuche des Gesetzgebers, den Sozialmissbrauch in der Baubranche und der Gastronomie einzudämmen, haben nicht gefruchtet.

Wie es aussieht ist der Gesetzgeber dazu
einfach nur zu deppert.

Re: Alle bisherigen Versuche des Gesetzgebers, den Sozialmissbrauch in der Baubranche und der Gastronomie einzudämmen, haben nicht gefruchtet.

Die Flaschen glauben noch immer Gesetze ohne ordentliche Kontrolle genügen.
Zu sehen tagtäglich im Straßenverkehr,jeder macht was er will.
Es lebe die Anarchie !!!

Re: Alle bisherigen Versuche des Gesetzgebers, den Sozialmissbrauch in der Baubranche und der Gastronomie einzudämmen, haben nicht gefruchtet.

Nachdem ich selbst beruflich immer wieder mit solchen Scheinfirmen zu tun habe, meine ich nicht, dass der Gesetzgeber zu blöd dafür ist, sondern vorsätzlich diese Betrügereien nicht unterbinden will - auf Druck der Baukonzerne hin, die so insgesamt billiger bauen können.

Legistisch wären nur einige Einschränkungen im Firmenbuch sowie im ASVG notwendig - und das Problem wäre stark minimiert!

Selber Schuld!!! Der Staat meint zu wissen WIE alles zu funktionieren hat, doch der Staat kann NICHT alles regulieren, vor allem die "Kreativität" der Menschen. So in der Regel man bekämpft Bullsh:t mit Bullsh:t!!!


 
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