Reserven: Nationalbank lüftet Goldgeheimnisse

Jetzt wissen wir, wo unser Gold wirklich lagert. Nämlich zu 80 Prozent am Handelsplatz London. Verliehen sind aber nur noch 16 Prozent des Goldes – Tendenz fallend.

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Gold – c APA ROBERT JAEGER ROBERT JAEGER

Wien. „Am Golde hängt, zum Golde drängt doch alles“, schrieb schon Goethe in „Faust I“. Seitdem hat sich wenig geändert – erst recht, da der Goldpreis seit 2001 stark angestiegen ist. Jetzt rücken die Goldreserven der Notenbanken in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Auch die OeNB hat jetzt erstmals verraten, wo das Gold der Österreicher wirklich lagert. „Die Presse“ hat die wichtigsten Fragen zum Thema beantwortet.

1 Wozu hält die Nationalbank überhaupt Goldreserven?

Gold ist Teil der Währungsreserven. In der Praxis heißt das: Die Nationalbanken können das Gold zur Stärkung oder Schwächung des Euro einsetzen – ähnlich wie die Dollarreserven. Gold hat aber einen besonderen Stellenwert, weil es nicht von einem Land kontrolliert wird oder von einer anderen Zentralbank nach Belieben vermehrt werden kann – wie zum Beispiel der Dollar. Das Eurosystem ist in Bezug auf Gold moderner konzipiert als das Fed-System der USA. Gold wird als Asset in der Bilanz geführt, dessen Wert viermal pro Jahr an den aktuellen Goldpreis angepasst wird. So steigt die Bedeutung der Goldreserven gegenüber der Devisenreserven. Das Reserven-Verhältnis liegt derzeit bei rund 65 Prozent Gold und 35 Prozent Devisen (vor allem Dollar).

2 Warum wurden seit den 1990ern hunderte Tonnen Gold verkauft?

Österreich hatte 1992 noch mehr als 600 Tonnen Gold – heute sind es nur noch 280. Das sieht auf den ersten Blick komisch aus: Warum wurde überhaupt Gold verkauft? Nun, es hat einen Profit gebracht und gleichzeitig den steigenden Goldpreis gedrosselt. Die eigentliche Story ist aber das Ende der Verkäufe: Die Euro-Zentralbanken haben sich 1999 geeinigt, ihre Goldverkäufe einzudämmen und dann völlig einzustellen. Inzwischen haben die Notenbanken weltweit auf die Käuferseite gewechselt. Die Verkäufe wurden wiederum durch den steigenden Goldpreis wettgemacht: Das Staatsgold macht heute fast 60 Prozent der Währungsreserven der OeNB aus – international betrachtet ein sehr hoher Wert.

3 Wo lagern die Goldreserven der Nationalbank?

Das ist erst seit Mittwoch offiziell bekannt: Der Großteil der österreichischen Goldreserven lagert bei der Bank of England in London, rund 50 Tonnen bei der Münze Österreich in Wien (die Münze ist eine Tochter der OeNB) und knapp sieben Tonnen bei der Bank of International Settlements in Basel.

4 Warum lagert nicht das gesamte Gold in Österreich?

Diese Frage beschäftigt auch Oppositionspolitiker. Die Antwort ist simpel. Wenn Währungsgold (wie in Frage 1 vermerkt) für geldpolitische Maßnahmen eingesetzt werden soll, muss es an einem Handelsplatz liegen. London ist der wichtigste internationale Handelsplatz für physisches Gold – das ist auch bedeutsam für Gold-Leasinggeschäfte, ein weiteres Feld voller Mythen und Theorien.

5 Ist das Gold überhaupt noch vorhanden – oder längst verliehen?

Die beliebteste Verschwörungstheorie zu Gold: Die Reserven sind längst weg, verkauft, um den Goldpreis zu drücken und die Papiergelder Dollar und Euro gut aussehen zu lassen. Oder zumindest auf Nimmerwiedersehen verliehen – um ein bisschen Geld zu erwirtschaften. Nun, Leihgeschäfte hat es tatsächlich gegeben. Die OeNB hat so angeblich in den vergangenen zehn Jahren sogar 300 Mio. Euro Profit eingefahren. Anfang der 2000er-Jahre dürften bis zu 80 Prozent des Staatsgoldes an Banken verliehen gewesen sein. Inzwischen sind es aber nur noch 16 Prozent. Tendenz weiter fallend. Das bestätigte die OeNB am Donnerstag gegenüber der „Presse“ erstmalig.

Das Auslaufen der Leihgeschäfte wurde auch schon 1999 von den Eurosystem-Notenbanken vereinbart. Die Deutsche Bundesbank hat laut dem Goldexperten Dimitri Speck inzwischen gar kein Gold mehr verliehen. Nachprüfen kann man das freilich nicht – die Bürger müssen sich in Sachen Gold auf die Vertrauenswürdigkeit der Notenbanken verlassen.

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(c) Die Presse / GK – (c) Die Presse / GK

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.11.2012)

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