RWE-Konzern steigt aus Nabucco-Projekt aus

02.12.2012 | 18:26 |   (Die Presse)

Der deutsche Energiekonzern RWE macht seine seit Monaten angekündigte Entscheidung wahr und kehrt dem Gaspipeline-Projekt den Rücken. Die Anteile sollen an die österreichische OMV gehen.

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Wien/Red./Ag. Wieder ein Rückschlag für das Gaspipeline-Projekt Nabucco. Der deutsche RWE-Konzern will aus dem Konsortium aussteigen und seinen 16,67-Prozent-Anteil an die österreichische OMV verkaufen. Das berichtete das Magazin „Focus“ und berief sich dabei auf Branchenkreise. Der Ausstieg soll noch heuer über die Bühne gehen.

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Somit ist dem ambitionierten Projekt ein sehr wichtiger Partner abhandengekommen. Im Konsortium verbleiben neben der OMV noch die ungarische MOL-Tochter FGSZ, die türkische Botas, die Bulgarian Energy Holding und die rumänische Transgaz.

Der Rückzug des deutschen Energieriesen kommt nicht ganz überraschend. Bereits im Frühjahr bestätigte eine Konzernsprecherin, dass der Ausstieg eine konkrete Option sei. „Wir prüfen das Projekt, um zu sehen, ob unter den veränderten Bedingungen unsere kommerziellen und strategischen Vorstellungen immer noch bewahrt sind“, hieß es im Mai. Die veränderten Bedingungen, das waren vor allem die zu erwartenden Kosten. Denn statt der geplanten acht Milliarden Euro gingen die Experten mittlerweile von 15 Mrd. Euro aus, die der Bau der Gaspipline verschlingen sollte.

Während sich also die Kosten verdoppelt hatten, gab es auf der anderen Seite nach wie vor keine Verträge mit Aserbaidschan und Turkmenistan. Dort liegen nämlich die großen Gasfelder, die Europa von den russischen Gaslieferungen unabhängiger machen sollen. 2002 trafen sich auf Initiative der OMV führende Manager jener Energiekonzerne, die auch nun im Konsortium vertreten sind, in Wien. Nach dem ersten Treffen gingen sie gemeinsam in die Staatsoper. Man spielte Verdis „Nabucco“, und schon war ein Name für das Gasprojekt gefunden.

Unabhängigkeit von Russland

Angefeuert wurde das Projekt in der Vergangenheit vor allem durch den russisch-ukrainischen Gasstreit. Als Russland am 1. Jänner 2006 die Lieferungen in die Ukraine stoppte, kam es auch in einigen anderen europäischen Ländern zu Engpässen.

Doch mittlerweile hat sich die energiepolitische Lage völlig geändert. Auch die ungarische MOL hat heuer mehrfach den Rückzug angekündigt. Ein BP-Manager konstatierte im Mai, dass die Pipeline viel zu groß dimensioniert und in der ursprünglichen Form unrentabel sei. BP ist einer der großen Betreiber des Gasfeldes Shah Deniz in Aserbaidschan.

Daraufhin wurde das Projekt kräftig abgespeckt. Die Pipeline soll nun nur noch von Österreich bis zur bulgarisch-türkischen Grenze gehen. Nabucco West ist demnach lediglich 1300 Kilometer lang. Im Gegenzug haben die Türkei und Aserbaidschan das Pipelineprojekt Tanap geboren. Diese Leitung soll nun die restlichen 2000 Kilometer bis zum Kaspischen Meer erschließen.

Mit dieser Light-Variante hofften die Projektinitiatoren, allen voran die heimische OMV, die Bedenken im Konsortium ausräumen zu können. Auch die RWE-Konzernspitze gab sich zunächst mit der kostengünstigeren Variante zufrieden und signalisierte weitere Kooperationsbereitschaft. „Das Gas aus Nabucco wird in Europa weiter gebraucht“, betonte RWE-Strategievorstand Leonhard Birnbaum noch im Frühsommer dieses Jahres.

Nun hat sich die RWE doch von Nabucco verabschiedet. Die Karten werden neu gemischt. Der geplante Baubeginn kommendes Jahr steht wieder einmal auf dem Prüfstand. Keine Überraschung. Denn der Start wurde in der Vergangenheit schon mehrmals verschoben. Die erste Ausbaustufe soll bis 2017 errichtet sein– heißt es zumindest auf dem Papier.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.12.2012)

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16 Kommentare

wird einen grund haben, warum rwe aussteigt

dass denen das geld ausgegangen ist, glaube ich nicht-dazu sind sie zu groß. und dass sie sich ein geschäft entgehen lassen, auch nicht.

http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftspolitik/energiepolitik/zweifel-an-der-wirtschaftlichkeit-rwe-vor-ausstieg-aus-der-gaspipeline-nabucco-11750210.html

Wieder einmal die alte Indianerweisheit!!

diesmal für die ÖMV:

Wenn du merkt, dass du auf einem toten Pferd reitest, dann steig ab!

Die Russen haben gewonnen und Nabucco das Gas weggekauft!


die omv hat nichts zu verlieren

* wird es ein erfolg, bekommen die manager einen batzen geld als erfolgsprämie und die aktionäre freuts auch

* gehts in die hose, dann zahlen die erdgaskunden und der staat. die industrie hat sowieso immer spezialtarife, die vom privatkunden gestüztz werden.

es ist schwachsinn, eine leitung zu bauen und sich vorher nicht vertraglich mit den zulieferern abzusichern.

der nächste, der am gashahn dreht ist der erdogan-dann werden wir schon sehen, wie schnell die türkei eu-mitglied ist. gefinkelt wie der ist, wird er es auf die kurden schieben-dann kann er gleich mit dem segen der eu gegen sie vorgehen-ich traue dem hund nicht.

Ich bin wirklich überrascht, dass die Presse auch bei reinen Wirtschafts-Artikeln

keine freie Meinungsäußerung zulässt.

schiefergas und flüssiggas per seeweg wäre vermutlich schlauer!

als eine pipeline um den halben erdball zu ziehen, und nicht einmal sichere verkäufer aufweisen zu können!

in den usa zeigt sich ja, dass schiefergas sehr billig gefördert werden kann , in massen vorhanden ist, und der heimischen wirtschaft sehr viel wertschöpfung und arbeit verschaffen kann, warum konzentriert man sich also nicht darauf!

die ewig gestrigen, pankimachenden grünen muss man dabei links liegen lassen, da die seit parteigründung nur populistische, angstmachende propaganda verbreiten!

Re: schiefergas und flüssiggas per seeweg wäre vermutlich schlauer!

Dann passen Sie aber mit offenem Feuer bei Ihrer Wasserleitung das nächste Mal etwas genauer auf...

Re: Re: schiefergas und flüssiggas per seeweg wäre vermutlich schlauer!

nein, da mach ich mir keine sorgen, denn mein wasser kommt irgendwo aus wildalpen bzw der schneebergregion, und wird über ein langes rohsystem in mein haus transportiert, selbst wenn gas in meinem wasser gelöst sein sollte, so ist es bis dahin mit sicherheit schon entwichen!

denn dank des von unsere kommunisten stadtregierung so gescholtenen Dr.Lueger bin ich nicht auf den konsum irgendeines grundwassers angewiesen, die irrationales panikmache der grünen und ihrer veründeten ist mir daher reichlich wurscht!

Re: Re: schiefergas und flüssiggas per seeweg wäre vermutlich schlauer!

Wie oft wird diese vertrottelte Gasland-Propaganda mit dem entzündbaren Leitungswasser noch heruntergebetet?

Das Leitungswasser im von "Gasland" gezeigten Gebiet war schon immer entflammbar, wegen natürlichen Methan-vorkommen im Grundwasser. Das hat aber nichts mit Fracking zu tun.

2.Forts.:

Die Europäer verbrauchen zunehmend mehr Energie, die aus erneuerbaren Quellen wie etwa Sonne, Wind, Biomasse oder Wasser gewonnen wird. Den höchsten Anteil verzeichnen dabei Schweden, gefolgt von Finnland und Lettland. Österreich liegt in dieser Aufstellung zwar am vierten Platz. Da hätte die OMV ein viel wichtigeres Betätigungsfeld! Hoffentlich kommt die Firmenleitung nicht auf die Idee, sich irgendwo an Atomkraftwerken zu „beteiligen“…!

Forts.:

Wann werden unsere Politiker endlich wach? So viel bekannt ist, kann ein wirtschaftlicher Be-trieb von Nabucco so und so nur mit zusätzlichen Gasmengen aus anderen Staaten funktionie-ren. Das heißt aber, entweder Erdgas aus dem Iran - was politisch bedenklich wäre - oder man transportiert zusätzliches Gas aus Russland, dann beißt sich die Katze in den eigenen Schwanz! Aber Hauptsache die OMV verplempert unnötig Investitionsgeld, denn die Österreicher zahlen dieses sowieso durch höhere Treibstoff- und Heizöl-Preise.
Ich sehe nicht ein, warum ein „halbstaatliches“ Unternehmen für die Managergehälter, sowie für die steigenden Gewinne der Aktionäre produziert! Meiner Meinung nach sollten nämlich die Konsumenten von einem österreichischen Unternehmen profitieren!

Nabucco-Ende?

Wieder ein Rückschlag für das Gaspipeline-Projekt „Nabucco“. Der geplante Baubeginn im kom-menden Jahr steht wieder einmal auf dem Prüfstand. Das ist aber keine Überraschung, denn der Start wurde in der Vergangenheit schon mehrmals verschoben. Nach dem Teilrückzug von BP kann man nun Nabucco (hoffentlich) endlich für tot erklären, denn auch der deutsche RWE-Konzern will aus dem Konsortium aussteigen. Nachdem schon andere Geldgeber abgesprungen sind, wird - Gott sei Dank - bald das Ende kommen!
Die „geplante“ Nabucco-Pipeline, von der Türkei bis zum OMV-Erdgas-Verteilerzentrum im niederösterreichische Baumgarten im Marchfeld, macht uns gewollt oder nicht gewollt von der Türkei abhängig. Unter der Federführung der OMV haben die Eurokraten die Bevölkerung Europas hinters Licht geführt, indem sie mit Absicht (?) der Türkei dieses Erpressungsmittel in die Hand gegeben haben. Nabucco ist und bleibt ein Risiko, wir werden es noch erleben, wie die Türkei diese „Waffe“ gegen die EU zur Durchsetzung von Wünschen einsetzen wird!

Re: Nabucco-Ende?

Und Russland hat sicher nur unser Bestes im Sinn...

Da ist mir die Türkei dreimal lieber, besonders wenn wir dann eine Auswegmöglichkeit haben.

Da ist mir die Türkei dreimal lieber

Warum?

Kennen Sie so viele Türken bzw. Russen, daß Sie solche Aussagen machen können?

Re: Da ist mir die Türkei dreimal lieber

Es geht mir um die Ausfallssicherheit und um billigeres Gas durch Konkurrenz.
Ich steh nicht so auf Monopolisten.

Ach

Beendet doch bitte dieses Trauerspiel. Nabucco ging nicht in die Hose weil sich die wirtschaftlichen Gegebenheiten verändert hätten. Die ging in die Hose weil ein paar (im Kopf immer noch) Monopolisten nicht begriffen haben dass im freien Markt diese Mauscheleien nicht mehr gehen.

Wie war es noch unter Monopol? Projekt geplant, Wirtschaftlichkeit peinlich genau vermieden, Abnicken, kostet dann schnell einmal das Vierfache und dann flugs den Gastarif anheben damit es wieder reinkommt. Unter Monopol war das kein Problem weil der blöde Konsument ja eh nicht davonlaufen konnte. Jetzt kann er und dann rechnen sich diese Elefantenprojekte nicht.

Nabucco hat die OMV losgetreten. Und zwar vor langer Zeit. Und es ist nicht die einzige Fehlinvestition bei der Firma.

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