RWE-Konzern steigt aus Nabucco-Projekt aus

Der deutsche Energiekonzern RWE macht seine seit Monaten angekündigte Entscheidung wahr und kehrt dem Gaspipeline-Projekt den Rücken. Die Anteile sollen an die österreichische OMV gehen.

RWEKonzern steigt NabuccoProjekt
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RWEKonzern steigt NabuccoProjekt
(c) REUTERS (KACPER PEMPEL)

Wien/Red./Ag. Wieder ein Rückschlag für das Gaspipeline-Projekt Nabucco. Der deutsche RWE-Konzern will aus dem Konsortium aussteigen und seinen 16,67-Prozent-Anteil an die österreichische OMV verkaufen. Das berichtete das Magazin „Focus“ und berief sich dabei auf Branchenkreise. Der Ausstieg soll noch heuer über die Bühne gehen.

Somit ist dem ambitionierten Projekt ein sehr wichtiger Partner abhandengekommen. Im Konsortium verbleiben neben der OMV noch die ungarische MOL-Tochter FGSZ, die türkische Botas, die Bulgarian Energy Holding und die rumänische Transgaz.

Der Rückzug des deutschen Energieriesen kommt nicht ganz überraschend. Bereits im Frühjahr bestätigte eine Konzernsprecherin, dass der Ausstieg eine konkrete Option sei. „Wir prüfen das Projekt, um zu sehen, ob unter den veränderten Bedingungen unsere kommerziellen und strategischen Vorstellungen immer noch bewahrt sind“, hieß es im Mai. Die veränderten Bedingungen, das waren vor allem die zu erwartenden Kosten. Denn statt der geplanten acht Milliarden Euro gingen die Experten mittlerweile von 15 Mrd. Euro aus, die der Bau der Gaspipline verschlingen sollte.

Während sich also die Kosten verdoppelt hatten, gab es auf der anderen Seite nach wie vor keine Verträge mit Aserbaidschan und Turkmenistan. Dort liegen nämlich die großen Gasfelder, die Europa von den russischen Gaslieferungen unabhängiger machen sollen. 2002 trafen sich auf Initiative der OMV führende Manager jener Energiekonzerne, die auch nun im Konsortium vertreten sind, in Wien. Nach dem ersten Treffen gingen sie gemeinsam in die Staatsoper. Man spielte Verdis „Nabucco“, und schon war ein Name für das Gasprojekt gefunden.

Unabhängigkeit von Russland

Angefeuert wurde das Projekt in der Vergangenheit vor allem durch den russisch-ukrainischen Gasstreit. Als Russland am 1. Jänner 2006 die Lieferungen in die Ukraine stoppte, kam es auch in einigen anderen europäischen Ländern zu Engpässen.

Doch mittlerweile hat sich die energiepolitische Lage völlig geändert. Auch die ungarische MOL hat heuer mehrfach den Rückzug angekündigt. Ein BP-Manager konstatierte im Mai, dass die Pipeline viel zu groß dimensioniert und in der ursprünglichen Form unrentabel sei. BP ist einer der großen Betreiber des Gasfeldes Shah Deniz in Aserbaidschan.

Daraufhin wurde das Projekt kräftig abgespeckt. Die Pipeline soll nun nur noch von Österreich bis zur bulgarisch-türkischen Grenze gehen. Nabucco West ist demnach lediglich 1300 Kilometer lang. Im Gegenzug haben die Türkei und Aserbaidschan das Pipelineprojekt Tanap geboren. Diese Leitung soll nun die restlichen 2000 Kilometer bis zum Kaspischen Meer erschließen.

Mit dieser Light-Variante hofften die Projektinitiatoren, allen voran die heimische OMV, die Bedenken im Konsortium ausräumen zu können. Auch die RWE-Konzernspitze gab sich zunächst mit der kostengünstigeren Variante zufrieden und signalisierte weitere Kooperationsbereitschaft. „Das Gas aus Nabucco wird in Europa weiter gebraucht“, betonte RWE-Strategievorstand Leonhard Birnbaum noch im Frühsommer dieses Jahres.

Nun hat sich die RWE doch von Nabucco verabschiedet. Die Karten werden neu gemischt. Der geplante Baubeginn kommendes Jahr steht wieder einmal auf dem Prüfstand. Keine Überraschung. Denn der Start wurde in der Vergangenheit schon mehrmals verschoben. Die erste Ausbaustufe soll bis 2017 errichtet sein– heißt es zumindest auf dem Papier.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.12.2012)

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