Bank Austria düpierte Madoff-Opfer

19.12.2012 | 18:19 |  CHRISTIAN HÖLLER (Die Presse)

130 Mio. Euro fordern Opfer des Milliardenbetrügers Madoff von der Bank Austria. Um einer richtungsweisenden Verurteilung zu entgehen, verglich sich die Bank mit einem Kläger.

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Wien. In den USA war die Causa Madoff schnell erledigt. Vor dreieinhalb Jahren wurde der New Yorker Milliardenbetrüger Bernard Madoff zu 150 Jahren Haft verurteilt. Dieser legte das Geld nicht an, sondern verteilte es ähnlich wie bei einem Pyramidenspiel immer weiter. In Österreich verkaufte die Bank Austria die sogenannten „Primeo Fonds“. Das Fondsvermögen wurde Madoff überlassen. In den Verkaufsprospekten von „Primeo“ tauchte der Name Madoff allerdings nicht auf.

Gegen die Bank Austria sind hunderte Klagen von Madoff-Opfern mit einem Streitwert von 130 Mio. Euro anhängig. Im Prozessverlauf gibt es nun eine überraschende Wende. Der Bank Austria wird vorgeworfen, einem Anleger einen namhaften Betrag bezahlt zu haben, um einer richtungsweisenden Verurteilung durch den Obersten Gerichtshof (OGH) zu entgehen. Auf die Entscheidung der Höchstrichter haben viele Madoff-Opfer gewartet.

Die Bank Austria schweigt

Ein Anleger reichte mithilfe einer bekannten Wiener Kanzlei eine Musterklage gegen die Bank Austria ein. Viele andere Anwälte stellten ihre Verfahren in Abstimmung mit der Bank Austria ruhend, um zu warten, was bei dieser Musterklage herauskommt. Für die Bank Austria war der Prozessverlauf verheerend. Sie verlor sowohl in der ersten als auch in der zweiten Instanz. Und dann passierte etwas Eigenartiges.

Als der Fall beim Obersten Gerichtshof landete, zog der Investor plötzlich seine Klage zurück. Dem Obersten Gerichtshof blieb daher nichts anderes übrig, als die Urteile der ersten und der zweiten Instanz aufzuheben.

Jene Anwälte, die die Verfahren ruhend gestellt haben, sind empört. „Vermutlich hat sich die Bank Austria mit dem betroffenen Anleger außergerichtlich geeinigt“, sagt Anwalt Gottfried Thiery, der Madoff-Opfer vertritt.

Die Bank Austria, die bislang alle Vorwürfe in der Causa Madoff kategorisch zurückgewiesen hat, nimmt dazu nicht Stellung. Auch auf die Frage, ob Geld geflossen sei, gibt es keine Antwort.

„Aufgrund der Verpflichtung zur Wahrung des Bankgeheimnisses können wir weder laufende noch abgeschlossene Verfahren kommentieren“, erklärte ein Bank-Austria-Sprecher. Laut „Presse“-Informationen soll das Institut in manchen Fällen angeboten haben, 50 bis 80 Prozent des Schadens zu ersetzen und die Anwaltskosten zu übernehmen.

Die Juristen, die Madoff-Verfahren ruhend gestellt haben, wollen dennoch weitermachen. Sie klagen, dass durch das Hin und Her viel Zeit verloren wurde.

Doch es gibt einen Lichtblick: Ein Anwalt, der sich nicht beirren ließ, war der frühere Justizminister Dieter Böhmdorfer (FPÖ). Er hat das Verfahren nicht ruhend gestellt und sowohl in der ersten als auch in der zweiten Instanz gegen die Bank Austria gewonnen. Sein Fall liegt nun beim Obersten Gerichtshof, der voraussichtlich im Frühjahr 2013 darüber entscheiden wird.

Gerüchten zufolge soll die Bank Austria dem vom Böhmdorfer vertretenen Anleger ebenfalls ein Angebot gemacht haben, damit dieser die Klage zurückzieht, was Böhmdorfer aber bestreitet: „Wir werden das Verfahren durchziehen und hoffen, dass sich der Oberste Gerichtshof bald für unseren Mandanten ausspricht.“

Hoffen auf Böhmdorfer

Sollte sich Böhmdorfer auch in der letzten Instanz durchsetzen, wäre das nach Meinung vieler Juristen ein Durchbruch.

Böhmdorfer übt im „Presse“-Gespräch Kritik an der Justiz, die bei Massenverfahren schlecht organisiert sei. Früheren Medienberichten zufolge sollen die von der Bank Austria und der UniCredit initiierten Primeo-Fonds ursprünglich auf ein Volumen von 700 bis 800 Mio. Euro gekommen sein. Doch so mancher Investor schreckte zurück, die Bank Austria vor Gericht zu zerren. Ein Verfahren durch alle Instanzen dauert Jahre, entsprechend hoch sind die Anwaltskosten. Somit wurden gegen die Bank Austria nur Klagen mit einem Gesamtstreitwert von 130 Mio. Euro eingebracht.

Wer bislang nicht juristisch gegen die Bank Austria vorgegangen ist, hat Pech. Denn Madoff wurde im Dezember 2008 in den USA verhaftet. Somit ist die dreijährige Verjährungsfrist für Anleger im Dezember 2011 abgelaufen. Daher können in der Causa keine Ansprüche mehr geltend gemacht werden.

Hätte ein Gericht in Österreich innerhalb der dreijährigen Verjährungsfrist eine richtungsweisende Entscheidung getroffen, wären vermutlich mehr Madoff-Opfer auf den Zug aufgesprungen und hätten die Bank Austria geklagt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.12.2012)

 
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25 Kommentare
 
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berndmoron
20.12.2012 10:03
15

haben bawag und bank austria

überhaupt noch kunden oder leben die nur noch von steuergeld?

Antworten zeitungleser
20.12.2012 19:39
0

Re: haben bawag und bank austria

ja keine ahnung wieviel kunden jede bank hat. Das ändert sich ja ständig. Aber ich glaub die Bank Austria hat keine Steuergelder erhalten, da sie nicht Teil des " Bail Outs" war.

Antworten Antworten pindonga
22.12.2012 00:07
0

Re: Re: haben bawag und bank austria

richtig
Sowhol die bawag als auch die bank austria werden noch genug kunden haben. Ausserdem machen sie gute geschäfte im Osten.

Minimaximus
20.12.2012 09:02
0

Na sowas

Exakt das ist der Sinn eines Vergleiches, dass man sich zusammenrauft und ein Verfahren für beide Seiten halbwegs zufriedenstellend abschließt. Dass das hier so kritisiert wird ist völlig verfehlt!

Zum einen kriegt der Investor sein Geld, zum anderen ist das Verfahren abgedreht. Dass das natürlich nicht ins linke Weltbild der Journalisten passt, ist klar - die wollen die Banken natürlich brennen sehen.

Die trockene Wahrheit ist, dass die BA von Madoff natürlich genauso vera... wurde, wie alle anderen. Nur dass in Österreich die Banken aus Prinzip nur Täter sein können.

Antworten Dr.Gernot Stöckl
20.12.2012 16:36
1

Re: Na sowas

Die BA vielleicht, sicher nicht aber die Frau Kohn mit ihrer kleinen, aber hochfeinen Bank und den Aufsichtsräten Lacina und Fahrenleitner!!!

Wie geht es eigentlich unserer lieben Frau Kohn und ihren Aufsichtsräten?? Da ist wohl auch der justizielle Mantel des Schweigens drübergebreitet worden !!!

Antworten Walter2
20.12.2012 09:29
7

Re: Na sowas

Zum verar,,,en gehören immer 2. Einer der das macht, und ein zweiter, welcher das mit sich machen lässt. Und eine Bank hat hier sicher mehr Wissen und Möglichkeiten, sich gegen einer Verar...e zu wehren.

PS: Wenn Ihr DVD-Player aus China nicht ordnungsgemäß funktioniert, wenden Sie sich sicher auch an den verkaufenden Händler, wobei Ihnen der chinesische Produzent ziemlich egal sein wird.

Antworten Antworten Minimaximus
20.12.2012 09:47
0

Re: Re: Na sowas

Was für ein Vergleich, das sind nicht einmal mehr Äpfel und Birnen.....

Tatsächlich geht es einfach nur darum, dass die Kunden bewusst in einen Fonds investiert haben, der letztlich aufgrund des Betrugs durch den leitenden Manager den Bach runtergegangen ist. Was jetzt versucht wird, ist, die BA für den Betrug eines Dritten verantwortlich zu machen. Aber NICHT mit dem Argument, dass die BA den Betrug hätte erkennen können, sondern wieder mal über angeblich unklare Fondsbestimmungen. Die ja eh kein Schwein liest.

Prinzip wie folgt:
A bringt Geld zu B und sagt "bitte Geld in XYZ anlegen". B steckt das Geld in XYZ, wobei das Management von XYZ durch M vorgenommen wird. M managt leider nicht wirklich, sondern baut sich mit dem Geld eine Pyramide. Was macht A? Nicht M klagen, neinnein, sondern B, weil B nicht gehörig darüber aufgeklärt hat, wer M ist und dass M Zugriff auf das Geld haben wird.

Als ob es irgendjemanden jemals bei seiner Anlageentscheidung interessieren wird, wer der Fondsmanager eines Fonds ist.

Ach ja, nur so nebenbei: die Geschädigten waren hier natürlich keine armen Mutterln sondern regelmäßig halbwegs betuchte Privatkunden, die sich auch halbwegs ausgekannt haben. In den Primeo-Fonds hat man nicht schnell mal an einem Nachmittag am Schalter investiert.

Antworten Antworten Antworten Walter2
20.12.2012 11:02
1

Re: Re: Re: Na sowas

Wie auch weiter unten mittels anderem Zusatzkommentar bereits gepostet.

Verhandlungsgrundlage können nur die Verträge zwischen der BA mit deren Kunden sein. Sind diese "unklar formuliert", was zu vermuten ist, so wird man die jetzt bei Gericht (die üblichen Sachverständigen) eben entsprechend interpretieren. Genau das sollte ja einer der zu klärenden Kernpunkt der Verfahren in Österreich sein. Gibt's diese Interpretationen, geht's abschließend darum, wer gem. diesen Interpretationen und geltenden Gesetzen (eventuell) schuldhaft gehandelt hat.

Antworten Antworten Antworten Antworten Dr.Gernot Stöckl
20.12.2012 16:44
0

Re: Re: Re: Re: Na genau so ist es mit der ärztlichen Aufklärung !

Bei den allermeisten medizinischen Schadensfällen geht es vor Gericht nie darum, ob ein Kunstfehler passiert ist, sondern immer erst, ob der Patient vollständig und umfassend aufgeklärt worden ist!

Warum sollen die Banken besser gestellt sein, als die Ärzte ???

numerus clausel
20.12.2012 09:00
7

Welche Anwaltskanzlei

Welche Anwaltskanzlei hat dieses Vergleich ausverhandelt? Ich mein ja nur, nicht daß da eine eventuelle Nähe zur AVZ-Stiftung wäre, oder es sich um eine der wenigen Kanzleien handelt, die horrende Beraterhonorare von der ÖBB oder sonst der SPÖ sehr nahe stehenden Betrieben erhalten?

Thronfolger
20.12.2012 07:16
12

Seit Vratz ist die SPoe die Bankster-Paddei

Sie glauben, sie bekommen gengen den roten Moloch RECHT? A LINKE kriegen sie, aber sicher nicht RECHT.

Daily Observer
20.12.2012 07:14
11

ich hoffe nur, dass nachher die bank austria

aufgrund dessen nicht vom steuerzahler gestützt werden muss?

pinegger
19.12.2012 21:56
14

die Bank ist eben nicht serioes..


weder im Geschaeftsleben noch wenn sie sich ihrer Verantwortung vor den Gerichten stellen muss. Aber das ist ja fuer Banken schon normal. Sie tun was sie wollen und kaufen sich wenn es heiss wird mit dem Geld der betrogenen Kunden frei. Die BA ha eine darin sehr geuebte Mutter. Da sitzen Kritiker wie Gustl Mollath seit Jahren unsvhuldig in der geschlossenen Anstalt. Googeln Sie mal dann sind sie gluecklich ueber die sanften Methoden der Bank Austria.
Die Lehre ist vertrauen Sie allen nur nicht solchen Banken.

Antworten doubleg
19.12.2012 22:37
1

Re: die Bank ist eben nicht serioes..

Unabhängig wie man zu BA steht, sie hat das Geld der betrogenen Anleger auch nicht mehr. Somit kann sie dieses Geld für nichts verwenden, auch nicht um klagende Anleger ruhig zu stellen.

Dr.Gernot Stöckl
19.12.2012 21:47
11

Ich hab schon gewußt, warum ich um die Bank Austria immer einen großen Bogen gemacht habe!

Ab nun werde ich auch Erlagscheine lautend auf diese Bank nicht mehr akzeptieren.
dasselbe gilt für die BAWAG.

Antworten alexmalex
21.12.2012 02:45
0

Re: Ich hab schon gewußt, warum ich um die Bank Austria immer einen großen Bogen gemacht habe!

und um die hypo? tatsache ist dass du den bogen um eine sichere bank machst, die keinerlei steuergeld bezogen hat, im gegenzug zu den anderen..

Antworten doubleg
19.12.2012 22:38
3

Re: Ich hab schon gewußt, warum ich um die Bank Austria immer einen großen Bogen gemacht habe!

Pfau, so viel Zivilcourage habe ich schon lange nicht mehr erlebt.

Antworten rafuse
19.12.2012 21:49
2

Interssiert hier..

genau niemanden.

rafuse
19.12.2012 21:35
7

Selbst Schuld, kein Mitleid.

Nicht mit der Bank, aber auch nicht mit den Kunden.

Wer in dubiose Fonds einsteigt, ohne zu wissen, wer oder was da dahinter steckt, der soll auch die Konsequenzen aus solch fahrlässigem Handeln tragen.

Antworten doubleg
19.12.2012 22:40
12

Re: Selbst Schuld, kein Mitleid.

Na interessant, die Bank Austria hatte nicht durchschaut was der nachweisliche Betrüger Madoff da macht und dafür sollen dann einfache Anleger gerade stehen? Sagen Sie mal geht's noch? Ich möchte Sie sehen wenn Sie Opfer eines solchen Betrugs geworden sind.

Antworten Antworten Walter2
20.12.2012 09:35
1

Re: Re: Selbst Schuld, kein Mitleid.

Die Regeln des Fonds stehen im Vertrag BA und Kunde. Sollte sich die BA auf irgendwelche anderen Umstände herausreden wollen, so wird sie es schwer haben. Für diese Annahme spricht auch der Verfahrensverlauf.

Ansonsten hat ein Kunde eben jenes Risiko des Verlustes zu tragen, wie es eben in seinem Vertrag mit der BA steht.

Tangens1
19.12.2012 20:53
8

Warum wurden die BAWAG-Spekulanten wohl freisgesprochen -

weil die Justiz sicher nicht gekauft ist.

Antworten Walter2
20.12.2012 09:42
0

Re: Warum wurden die BAWAG-Spekulanten wohl freisgesprochen -

Spekulation ist nicht prinzipiell verboten. Die Hauptfrage ist eigentlich, macht man das mit Geld welches zu diesem Zweck zur Verfügung gestellt wurde oder nicht.

Es ist aber sicher richtig, dass viele "Kleinspekulanten" das nicht wirklich verstehen und tatsächlich glauben das funktioniert wie beim alten Sparbuch. D.h. das größte Risiko ist 0% Gewinn und das Kapital sicher.

Antworten doubleg
19.12.2012 22:43
4

Re: Warum wurden die BAWAG-Spekulanten wohl freisgesprochen -

Nein, weil Spekulationsverluste im Grunde normal sind. Jeder der riskante Geschäfte macht weiß, dass er alles verlieren kann. Die Schuld kann man letztendlich nur denen geben die das Geld zur Verfügung gestellt haben (Verzetnitsch und Elsner), weil die wußten was sie taten und haben es trotzdem getan. Der Elsner wird keinem glaubhaft machen können, dass er keine Ahnung hatte, dass mit solch spekulativen Geschäften (die ja auch teilweise enorme Gewinne abgeworfen hatten) das Totalverlustrisiko verbunden ist. Der Flöttl war halt einfach zu blöd um richtig zu handeln oder er hatte Pech.

Pete Bondurant
19.12.2012 20:15
21

die kumpane des sozialistischen parteifreundes von burgstaller und häupl

randa läßt grüßen

 
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