Teuerung: Umverteilung von unten nach oben

27.12.2012 | 17:16 |  von Nikolaus Jilch (Die Presse)

Die Teuerung lag in Österreich im vergangenen Jahr 2012 bei rund 2,5 Prozent. Damit bleibt die Inflationsrate weiterhin über dem Wunschziel der Europäischen Zentralbank, das bei „knapp unter zwei Prozent liegt“.

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Wien. Die Teuerung lag in Österreich im vergangenen Jahr 2012 bei rund 2,5 Prozent – so lautet jedenfalls die vorläufige offizielle Schätzung der Statistik Austria. Damit lag die Inflationsrate deutlich über dem offiziellen Inflationsziel der Europäischen Zentralbank, das bei „knapp unter zwei Prozent liegt“. Im Vorjahr war die Inflation aber deutlich stärker: 3,3 Prozent. Und im kommenden Jahr soll sie sich auch in Österreich weiter abschwächen.

Dabei ist zu beachten: Fallende Inflationsraten bedeuten keineswegs fallende Preise – Produkte und Dienstleistungen werden lediglich langsamer teurer. Beziehungsweise: Manche Produkte werden deutlich teurer, während andere sich verbilligen. Außerdem basiert die Teuerungsrate immer auf dem Wert vom Vorjahr. Heißt: Wenn 2011 ein besonderes Inflationsjahr war, ist es nicht überraschend, dass die Inflation 2012 wieder gesunken ist. Beim Einkaufen ergibt sich subjektiv sowieso ein anderes Bild.

Beim Tanken und im Supermarkt fällt die Teuerung deswegen verstärkt auf, weil Benzin und Nahrung Notwendigkeiten des Lebens darstellen, die ständig teurer werden. Auch 2012 waren diese beiden Sektoren in der „Preistreiber“-Tabelle der Statistik Austria ganz oben zu finden. Gedrückt wird die offizielle Inflationsrate aber durch Preissenkungen bei Computern, Handys und Tablets: also bei Produkten, die zwar nachgefragt werden aber keinesfalls lebensnotwendig sind. Das illustriert auch das Problem, dass Inflation vor allem die Ärmeren trifft, die einen großen Teil ihres Einkommens für Essen und Energie ausgeben.

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Ungerechte Umverteilung

Teuerung ist eine Folge der Geldentwertung, die entweder angebots- oder nachfrageseitig stattfindet. Also wenn die Geldmenge stark steigt oder das Vertrauen in Geld stark sinkt. Wenn die Preise aber steigen während die Löhne der Masse es nicht tun, kommt dies einer Umverteilung von unten nach oben, von Arm zu Reich gleich. Ein wunder Punkt jener, die inflationistische Politik als Heilmittel und als „sozial gerecht“ verkaufen wollen – und solche sitzen in fast allen Regierungen der EU und auch bei „kritischen“ Organisationen wie Attac. Die Deutschen sind nach den Erfahrungen mit der Hyperinflation in der Weimarer Republik (die damals fast alle Ersparnisse vernichtete) sehr inflationsempfindlich. Und nach vier Jahren Krise sorgen sich heute laut einer aktuellen Umfrage schon 42 Prozent der Deutschen, dass ihr Geld „bald nichts mehr wert ist“.

Dazu kommt für die Konsumenten das zusätzliche Problem der „versteckten“ Inflation. Denn tatsächlich herrscht bei vielen Produkten ein derartig starker Konkurrenzkampf, dass die Hersteller sich eklatante Preissteigerungen gar nicht leisten können. Seit die EU aber 2009 die Einheitsgrößen für Verpackungen im Lebensmittelhandel abgeschafft hat, können sich die Hersteller neuer Tricks bedienen. Statt die Preise zu erhöhen verkleinern sie die Packungsgrößen. Oder sie packen weniger Produkt in eine Packung derselben Größe. Solche Praktiken werden von Konsumentenschützern immer wieder angeprangert.

Das Magazin „Konsument“ des Vereins für Konsumenteninformation (VKI) hat jetzt gar einen Computertomografen bemüht, um verdächtige Verpackungen zu durchleuchten. Das Ergebnis: Manche Verpackungen sind sogar zur Hälfte nur mit Luft befüllt. Babykekse von Hipp und Stärke von Mazena zum Beispiel. Selbst manche Branchenverbände verurteilen diese Praxis und schlagen einen maximalen „Verpackungsleerraum“ von 30 Prozent vor.

Hilft aber alles nichts, wenn ein Hersteller die Mehrkosten irgendwie weitergeben muss, ohne die Kunden allzu offensiv zu verprellen. So konnte der VKI binnen kurzer Zeit zwei fast idente Packungen von „Kotanyi Muskatnuss“ finden. Der Preis beider Packungen war gleich, nur der Inhalt nicht. Der schrumpfte von 13 Gramm auf nur neun Gramm. Kunden können dies nur durch sehr genaues Hinschauen entdecken.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.12.2012)

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75 Kommentare
 
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Tut ruhig ordentlich viel Geld drucken !!


Kommt eh nie ((c) E.Novotny) in die Realwirtschaft !!

Nehmt den Zentralbanken das Gelddruckmonopol u. der Schuldensozialismus samt Nebenerscheinungen wie Inflation ist zu Ende !!

Zumindest A. F. von Hayek meinte, man müsse den halbkriminellen Schuldenpolitikern das Gelddrucken brachial abgewöhnen.

Gab schon 300 Jahre OHNE Inflation mit Goldwährung !!!!!!

die ezb

beklagt die teuerung. der verursacher soll sich selber beklagen.

Bärenfalle...

Es gibt keine Teuerung.

Es gibt nur Geldmengenauswertung ... diese sickert dann langsam in die Realwirtschaft.

Die Waren werden nicht teurer, das Geld wird weniger wert.


. . . und die Umverteilung der Privilegien- und Pfründewirtschaft!?

. . . Unilever: "Die Armut kehrt nach Europa zurück"
(mit dem Euro)
http://diepresse.com/home/wirtschaft/eurokrise/1283163/Unilever_Die-Armut-kehrt-nach-Europa-zurueck?from=suche.intern.portal


Frage an alle Experten in diesem Forum

Den VPI hat auch meine Versicherung zum Anlass genommen, die Prämie zu erhöhen. Was ich nicht verstehe: die Statistik Austria kommt lt. Versicherung auf einen Wert von 129,2, was einer Erhöhung um 3,2 % entspricht, die jetzt bei den monatlichen Prämien draufgeschlagen werden. Davon abgesehen, dass keine Branche einen derartigen Inflationsausgleich erhalten hat, scheint der VPI ein Wert zu sein, den man nach Gutdünken und wie's grad zum Klientel passt, veröffentlicht. Ist das nicht Betrug? Oder mach ich einen Denkfehler?

Die Gewerkschaft fördert heftig das Auseinanderdriften der Einkommensschere

Die Gewerkschaft kämpft Jahr für Jahr dafür, dass die, die eh schon das Meiste haben, wiederum den größten Batzen dazubekommen, während die, die nur sehr wenig haben, bekommen auch nur ganz wenig dazu.
Rentner mit 800 Euro und Abgeordnete mit 8000 Euro bekommen "gleich viel" Zuschlag, nämlich 1,8%. Der Rentner bekommt 14,4€ mehr, der Abgeordnete 144 Euro.
Das Brot die Wurst und das Gurkerl dazu wurden aber für alle um den gleichen Betrag teurer.

Die Gewerkschaft beschimpft die bösen Arbeitgeber, aber die Gewerkschaft kämpft selbst verbissen dafür, dass die Einkommensschere heftig auseinanderdriftet.

Die inflationsausgleichenden Erhöhungen sollten grundsätzlich nicht prozentuell sondern mit einem Fixbetrag abgegolten werden, dafür soll die Gewerkschaft kämpfen.
Dann gäbe es aber weniger Ungerechtigkeit und damit hat die Gewerkschaft weniger Chancen Ungerechtigkeiten anzuprangern. Das kann nicht im Interesse der Gewerkschaft liegen.

re: Die Gewerkschaft fördert heftig das Auseinanderdriften der Einkommensschere

. . . sozial wäre, die Inflation mit dem reellen, gleichen Wert den unterdurchschnittlichen Einkommen über die Einkommensteuer zu vergüten, bzw. das Mindesteinkommen zu erhöhen.
Das entspreche einer Umverteilung von oben nach unten.

Gewerkschaften sind in aller Regel zuerst...

...für sich selbst da.
Beamtengewerkschaften gehören überhaupt verboten.

Re: Gewerkschaften sind in aller Regel zuerst...

Wirtschaftskammer, Industriellenvereinigung gehoeren abgeschafft in einer Marktwirtschaft. Beamtengewerkschaft ist notwendig, da immer versucht wird, das Urteil der Beamten zu beeinflussen.

Re: Gewerkschaften sind in aller Regel zuerst...

In Wien wäre davon in erster Linie der Dienstgeber (stimmt so) selbst betroffen, eine bessere Interessensvertretung als die GdG (zuständig für Beamte und Vertragsbedienstete!) kann es für ihn nicht geben.
Genosse/Kollege Meidlinger ist ein würdiger Nachfolgers seines Genossen Ministers.

Falsche Überschrift!

Keine Umverteilung von unten nach oben, sondern eine Umverteilung von arbeitend zu nichtarbeitend!

Re: Falsche Überschrift!

???
Müssen"arbeitende"mehr als 25% der inflation versteuern?-mir ist da noch kein eigener satz bei der nominellen"vermögenszuwaxsteuer"aufgefallen!

hier ist der Warenkorb der Statistik Austria


einfach selber Kosten eines Monats erfassen und vergleichen:

Gewichtung für Inflationsberechnung:

Nahrungsmittel und Getränke: 11,7 %
Alkohol und Tabak: 3,7 %
Bekleidung und Schuhe: 6,01 %
Wohnen, Wasser, Energie: 18,4 %
Hausraut, Instandhaltung: 7,73 %
Gesundheitspflege/Medikamente 4,7 %
Verkehr/Auto: 14,33%
Telefon/Internet: 2,36 %
Freizeit/Kultur: 11,51 %
Erziehung/Unterricht: 1,29 %
Restaurants/Hotels: 8,37 %
Verschiedenes/Kosmetik: 9,83 %

http://www.statistik.at/web_de/statistiken/preise/verbraucherpreisindex_vpi_hvpi/faqs/index.html

Re: hier ist der Warenkorb der Statistik Austria

Wie geht sich das wohl aus auf einen Schnitt von 2,5%? Liegen ja nur die Punkte Erziehung/Unterricht sowie Telefon/I-Net drunter, und manch andere (deutlich) drüber. Ich würde ja vermuten gar nicht - aber irgendein "Warenkorbvergleich" wird schon zum entsprechenden Ziel führen.

In jedem Fall kann ich mit Blick auf die paar Zahlen oben mit Sicherheit angeben von einem Vergleichswarenkorb ders auf 2,5% Inflation schafft beliebig schlecht representiert zu werden.

Re: Re: hier ist der Warenkorb der Statistik Austria

Wer lesen kann ist klar im Vorteil.
(schon mal gehört was das Wort "Gewichtung" bedeutet?)

Re: Re: Re: hier ist der Warenkorb der Statistik Austria

Dann posten Sie mir doch eine sinnvolle Gewichtung obiger Posten die in Summe 2,5% oder weniger ergibt.

Auch Menschen mit mathematischen Defiziten - zu denen Sie gehören dürften - sollten zumindest nach dem x-ten Fehlschlag erkennen dass das gar nicht so leicht ist.

Re: Re: Re: Re: hier ist der Warenkorb der Statistik Austria

So, nochmal durchgelesen - Sie (FvHayek) haben Recht, da war ich unaufmerksam beim Lesen des Originalkommentars. Verzeihung.

War immer so

Höhere Preise auf Treibstoffe und Energie verursachen immer Teuerungswelle.

Höhere Treibstoffpreise sind "gerechter" meint die SPÖ, die ÖVP sagt dazu "ökologischer", gemeinsam erhöhten sie die Steuern auf knapp 75% vom Zapfstellenpreis.

Seit wir nun die gerechteren und ökologischeren Preise haben geht es uns und der Umwelt gleich viel besser.

Wir sollten uns dafür bei SPÖ+ÖVP bedanken und sie wieder wählen.

Re: War immer so

wobei ich nur sehr wenig benzin trinke("lebensnotwendig");
bierpreisrechner
gibt es keinen,bei literpreisen um die €6.-(cs€2)
doppelter anstieg seit 30jahren...

............................

Seit die EU aber 2009 die Einheitsgrößen für Verpackungen im Lebensmittelhandel abgeschafft hat, können sich die Hersteller neuer Tricks bedienen.

Warum hat die EU die Einheitsgrößen abgeschaffen? Auf bestechung der führenden Globalplayern?
War das auch nicht bei der OST-erweiterung so? Damit Unternehmen in kostengünstigeren Ländern expandieren können, um mehr Gewinn machen zu können durch niedrige Steuern und billige Arbeitskräfte???

Die Gewerkschaft, Arbeiterkammer, etc... sind sowieso Instrumente des Staates, sie sind alle bestächlich!! Dienen zum Vorteil des Staates. Sowie die Betriebsräte in Unternehmen, welche für die Rechte des Unternehmens kämpfen anstatt die Arbeiter zu beschützen!!! Alles wird schön gezeigt, damit jeder sieht was für ein demokratisches, soziales Land wir sind.

Offizielle Teuerungsraten und Statistiken sind mir eigentlich egal,

denn ich muss, wie alle anderen auch - die ReGIERung einmal ausgenommen - schauen, dass ich mit meinem Geld auskomme. Noch kann ich für mich noch etwas Sparpotenzial generieren, aber das Ende ist bald erreicht und ich werde auf das Eine oder Andere einfach verzichten müssen.

Re: Offizielle Teuerungsraten und Statistiken sind mir eigentlich egal,

Um die Sparpotentiale aber auch der Steuergerechtigkeit zuführen zu können, brauchen wir sehr rasch eine Vermögenssteuer auf alle Vermögen

Re: Re: Offizielle Teuerungsraten und Statistiken sind mir eigentlich egal,

25%der inflationsrate(=1.5-2%der substanz p.a.,ab dem 1.€"schonvermögen)sind ihnen zu wenig???-
die spö forderte"nur"0.5%-ab einer mio...-
die kriegen NIE genug ;-(((

wir haben mittlerweile einen Staat

(EU-weit, Japan, detto die USA...) der wegen seiner jahrzehntelang aufgebauten inferioren Staatsverschuldung höhere als manipulativ niedrigste Zinsen nicht mehr akzeptieren und leisten KANN. Denn die Zinsenanteile an den Budgets sind jetzt schon kaum mehr darstellbar und die absolut dominierende Ausgabenposition. Eine vernünftige Geldpolitik ist damit de facto abgeschafft. Die verbliebenen Alternativen sind (bequemer) Inflation + Geld drucken oder (unbequemer) jahrzehntelange Rezession, die wir ja mittlerweile schon haben, wenn wir nur zart in Richtung von Nulldefiziten steuern.
Und die Politik ist eben verlogen und bequem.
That's it, - bis zum nächsten Crash - alles nur eine Frage der Zeit...

Umverteilung nicht nur von unten nach oben

Handys und ähnliche Spielereien werden sehr stark von bildungsfremden Bevölkerungsschichten nachgefragt, hier setzt auch das Marketing auf, um Lifestyle Gegenstände billig zu verpacken und unter die Massen zu bringen. Im Gegensatz dazu muss eine Familie mit durchschnittlichem Einkommen jedes Jahr wesentlich mehr Geld fürs Heizen und den täglichen Einkauf aufbringen - ohne dass das Gehalt im selben Ausmaß mit steigen würde. Hier profitieren Ärmere von leistbareren Wohnungen, Heizkosten Zuschuss, etc.

abgesehen ob man diese zahl

glaubt oder nicht- knapp ueber wunschziel ist wohl die falsche wortwahl. das ist die geziehlte staatsentschuldung auf kosten jener die gespart haben via inflation. an sich kann man es auch als eine steuer betrachten. und sehr gewuwnscht von seiten ezb!!!

 
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