2012: Rekord bei Arbeitslosen und Beschäftigten

02.01.2013 | 18:38 |  BEATE LAMMER (Die Presse)

In der Zweiten Republik gab es in keinem Jahr so viele Arbeitslose wie im Vorjahr. Doch kletterte auch die Beschäftigung auf einen Rekordstand. Im EU-Vergleich belegt Österreich nach wie vor den besten Platz.

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Wien. Per Ende 2012 waren in Österreich mehr Menschen arbeitslos gemeldet als im globalen Krisenjahr 2009. Das geht aus den Daten hervor, die das Sozialministerium am Mittwoch bekannt gab (siehe Grafik). So waren Ende Dezember 322.981 Menschen beim Arbeitsmarktservice (AMS) arbeitslos gemeldet. Rechnet man Schulungsteilnehmer hinzu, kommt man auf 385.438 Personen ohne Arbeit.

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Die meisten Arbeitslosen gab es mit 60.213 in der Baubranche, was auch saisonbedingt ist. Im Winter klettert die Arbeitslosigkeit in Österreich im Vergleich zum Sommer traditionell um fast die Hälfte in die Höhe. Den stärksten prozentualen Zuwachs im Jahresvergleich verzeichnen Gesundheits- und Sozialwesen sowie Arbeitskräfteüberlassung. Auch bei Ausländern (plus 11,7Prozent) und Älteren (plus 9,3) fiel der Anstieg stärker aus als im Durchschnitt (plus sechs Prozent). Das hat jedoch auch statistische Ursachen: Bei diesen Gruppen war der Zuwachs jener Menschen, die zusätzlich auf den Arbeitsmarkt drängten, größer als im Durchschnitt.

Rekordhoch in absoluten Zahlen

Übers Jahr gerechnet dürfte die Arbeitslosenquote nach nationaler Definition (Zahl der Arbeitslosen dividiert durch die Summe der unselbstständig Beschäftigten und Arbeitslosen) laut AMS heuer bei sieben Prozent zu liegen kommen. Das ist vergleichsweise hoch, doch war die Quote zuletzt im Jahr 2009 mit 7,2Prozent oder im Jahr 2005 mit 7,3Prozent noch höher.

In absoluten Zahlen gab es jedoch nie so viele Arbeitslose in Österreich wie im Vorjahr. Im Jahresdurchschnitt waren es 260.643 (2009: 260.309). Die Zahl der Schulungsteilnehmer (66.602) war nur im Jahr 2010 noch höher: Damals wurden 73.190 Arbeitslose in Kursen geparkt. Damit hat die Krise nach zwei Jahren rückläufiger Arbeitslosigkeit wieder zugeschlagen.

Es gibt jedoch einen entscheidenden Unterschied zum Jahr 2009: Auch die Beschäftigung dürfte mit 3,47 Millionen unselbstständig Erwerbstätigen ein neues Rekordhoch erklommen haben. Somit wurden mehr neue Jobs geschaffen (44.000), als zusätzliche Arbeitslose hinzukamen (14.000). 2009, im Jahr nach dem Ausbruch der Finanzkrise, war die Beschäftigung geschrumpft.

Klassenbester in der EU

Laut EU-Definition hat Österreich eine Arbeitslosenquote von 4,3 Prozent. Das ist genauso hoch wie im Vorjahr und bedeutet EU-weit den niedrigsten Wert. Die Berechnung basiert auf Umfragen in allen EU-Mitgliedstaaten. Als erwerbstätig werden jene gezählt, die angeben, mindestens eine Stunde pro Woche entgeltlich zu arbeiten. Auch Selbstständige und geringfügig Beschäftigte fließen auf diese Weise in den Nenner ein und drücken die Quote nach unten. Deswegen fällt sie geringer aus als die nationale Berechnung.

Als arbeitslos wird erfasst, wer aktiv eine Beschäftigung sucht. Tut man das nicht, weil man etwa in Frühpension ist, gilt man nicht als arbeitslos. Kritiker führen oft an, dass der hohe Anteil an Frühpensionisten in Österreich zum heimischen Spitzenplatz beiträgt. Denn der Anteil der erwerbstätigen 55- bis 64-Jährigen liegt mit 42Prozent unter dem EU-Schnitt von 47Prozent. Beim AMS schätzt man, dass die Arbeitslosenquote um einen halben Prozentpunkt höher wäre, hätte die Beschäftigung Älterer EU-Niveau erreicht. Damit hätte Österreich im EU-Vergleich noch immer einen der besten Plätze.

Junge Griechen ohne Job

Nach Berechnungen von Eurostat belegt Luxemburg mit 5,1Prozent den zweitbesten Platz, der EU-Schnitt liegt bei 10,7Prozent, die höchsten Werte verzeichnen Spanien (26,2) und Griechenland (26). Unter 25-Jährige sind europaweit häufiger arbeitslos als Personen im Haupterwerbsalter. Mit einer Quote von 8,5Prozent liegt Österreich dabei auf dem zweitbesten Platz nach Deutschland (8,1). Höchstwerte haben erneut Spanien (55,9) und Griechenland (57,6).

Auf einen Blick

Im Dezember fällt die Arbeitslosigkeit traditionell höher aus als im Jahresschnitt. Doch heuer kletterte sie mit 322.981 vorgemerkten Arbeitslosen auf ein neues Rekordhoch für diesen Monat. Inklusive Schulungsteilnehmern waren 385.438 Personen auf Jobsuche.

Im Jahresschnitt 2012 waren 260.643 Menschen arbeitslos gemeldet und 3,47 Millionen unselbstständig beschäftigt. Beide Zahlen waren zuvor in keinem Jahr nach dem Zweiten Weltkrieg so hoch. Die Quote dürfte bei sieben Prozent zu liegen kommen. Zuletzt war sie in den Jahren 2009 und 2005 höher.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.01.2013)

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33 Kommentare
 
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Dilemma

Wenn Sie viel Zeit, Geld und das nötige Wissen und Können haben, werden Sie aus den (anderswo) veröffentlichten Zahlen ganz andere Ergebnisse herausrechnen können. Auf Anfrage erhalten Sie auch noch weitere Schmankerln. Und was dann?
Die Minister für Wirtschaft und Arbeit (mit den größten Budgets) haben sich verhabert und täuschen sichtlich die Bevölkerung seit 2008 nach Strich und Faden - wie figura wieder einmal zeigt!! (Beweis: lesen Sie die den beiden Ressorts zugeordneten ots-Pressemeldungen seit Regierungsbeginn: da gehen Ihnen die Augen auf!) Die Presse nach dem Motto "der Bote ist der Tote" zu steinigen ist kontraproduktiv. Anscheinend verfolgt man von Regierungsseite die Strategie: im Jänner 2013 können wir ruhig etwas mehr Arbeitslose herzeigen, weil es ab März 2013 steil bergauf geht: und das alles wegen unserer tollen Politik" (= Politik für Dumme) Aber dass die Opposition entweder zu dumm zum Nachrechnen und zu faul zum Entgegnen oder zu hinterfotzig ist, um dem Tarnen und Täuschen ein Ende zu machen: das ist demokratie-politisch bedenklich. Kein gutes Gefühl für den Jahresbeginn 2013!!!

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Klassenbester in der EU

ist ja der durchschaubare Schwindel.


Arbeitsplätze

Trotzdem fordern Grüne, daß diese Wirtschaftsflüchtlinge (vulgo Asylanten) sofort bei uns arbeiten dürfen.

Rekord bei Arbeitslosen und Beschäftigten

Bei den Arbeitslosenzahlen wird gemogelt was das Zeug hält,und bei den Beschäftigten ebenso.(Teilzeit).

Ja so ist es bei einem Lug und Trug Bananenstaat!

der maya weltuntergang war nicht so dramatisch

wir nähern uns 2014, dem hundert jahr jubiläum zum ausbruch des 1. weltkriegs.
das datum scheint mir gefährlicher, da sich die geschichte schon seit längerer zeit nicht wiederholt hat.

"Die meisten Arbeitslosen gab es mit 60.213 in der Baubranche, was auch saisonbedingt ist. Im Winter klettert die Arbeitslosigkeit in Österreich im Vergleich zum Sommer traditionell um fast die Hälfte in die Höhe."

der klassiker seit ewigkeiten.

im sommer überstunden. auszahlen lassen natürlich. im winter 'zeitausgleich' auf kosten der allgemeinheit.

den maurer freuts - sein jahresstundenlohn stimmt.
den baumeister freuts - seine lohnkosten bleiben niedrig.
und der rest des landes zahlt für diese freude!


Re: "Die meisten Arbeitslosen gab es mit 60.213 in der Baubranche, was auch saisonbedingt ist. Im Winter klettert die Arbeitslosigkeit in Österreich im Vergleich zum Sommer traditionell um fast die Hälfte in die Höhe."

und wozu gibts dann die BUAK, schon mal gehört davon?

Parteiblatt?!

ist die "Presse" jetzt schon das Partei- und Jubelblatt der Partei des zuständigen Ministers? Ein derart unkritischer Artikel ist einer Qualitätstageszeitung nicht würdig.

Re: Parteiblatt?!

Qualitätstageszeitung??????

Schauen Sie mal woher das Geld stammt...............(Presseförderung,Werbung und die Bank)

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Kein Wunder,dass die Ausländer gerne in Österreich arbeiten.

Ein Pflegebetreuerin aus der Ostslowakei bekommt hier für 14 Tage 750 € netto zuzüglich, weil sie in ihrem Heimatort (Hummene 20 km vor der rußischen Grenze ) 2 Kinder im Alter von 12 und 15 Jahren hat erhält sie vom Staat Österreich monatlich 391.40 an Kinder/Familienbeihilfe.
In Ihrem Herkunftsland bekommt sie für 1 Monat als Pflegerin 300€ bis max 350€ und ein staatliches Kinder/Familienbeihilfegeld von 45€ monatlich.
Da darf sich keiner wundern wenn so viele zu Dumpingpreise den Arbeitsmarkt aufmischen.

Re: Kein Wunder,dass die Ausländer gerne in Österreich arbeiten.

was reden sie. 24 stundenpflege von slowaken also euinländern kostet im schnitt € 3000 pro monat also noch mehr als sie glauben. jetzt müssen sie nur mehr die angehörigen der zu pflegenden davon überzeugen das doppelte zu zahlen wenn sie österr. pflegekräfte beschäftigen.

die langen gesichter der älteren arbeitslosen

werden noch länger werden, wenn sie bis 65 warten müssen, bis sie in pension gehen dürfen.
seniorenchef khol denkt inzwischen schon die nächste pensionsreform an.

wir nähern uns dem zustand von 1930 sagte mir

dieser tage eine betagte zeitzeugin!

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Die 30 Prozent mehr Langzeitarbeitslosen

kommen in der peniblen Aufzählung erst gar nicht vor. Im Gegensatz zu saisonalen und branchenbedingten Schwankungen sind sie der eigentliche Hammer. Diese Zahl wird auch nicht mehr sinken, sondern nur mehr steigen.
Für den, der es darauf anlegt, ist es das bedingungslose Grundeinkommen. Mein 35-jähriger Gegenüber-Nachbar im Ort, der mir, wann immer auch ich in die Arbeit fahre, seine immer praller werdende Wampe vor seiner Haustür entgegenstreckt, ist mein Kronzeuge.
Im Koalitionsabkommen 2008 stimmte die VP der SP der Grundsicherung im Tausch zur Einführung der Transparenzdatenbank zu. Wenn ich wissen will, was politisch durchgesetzt wurde, muss ich nur aus dem Fenster schauen.
So behält die SP, was immer sie sich auch leistet (Zitat Androsch), ihre 30-35 Prozent Wählerstimmen.

Re: Die 30 Prozent mehr Langzeitarbeitslosen

denken sie nach?
um 35jährige ist kein griss am arbeitsmarkt.
da nimmt man 20jährige, die kosten viel weniger.
eine bekannte ist 43 und sucht seit 1 jahr und schrieb schon über 500 bewerbungen.

Re: Re: Die 30 Prozent mehr Langzeitarbeitslosen

auch als 50 jähriger bekommens als neueinsteiger in einer firma heute keinen cent mehr als ein 20 jähriger. im gegenteil: eigene lehrlinge werden nach der ausbildung bevorzugt
oder meinen sie die krankheitskosten eines 35 jährigen?

Re: Die 30 Prozent mehr Langzeitarbeitslosen

Bedingungslos ist ein Grundeinkommen erst, wenn es alle Bürger bekommen, vom Sandler bis zum Schwerverdiener (dann als Steuerfreibetrag).


Re: Die 30 Prozent mehr Langzeitarbeitslosen

Wo bleiben die linken Gewerkschafter, die immer wieder behaupten wenn wir weniger arbeiten gibt es weniger Arbeitslose?

In einer Krise müssen wir mehr und nicht weniger Arbeiten!

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Re: Re: Die 30 Prozent mehr Langzeitarbeitslosen

Aber die Expertenmeinungen !!!!!!!

sobald

die votivkirche wieder frei ist, sofort von unseren arbeitslosen besetzen lassen mit einer forderung wie " bezahlten thailandurlaub statt mickriger arbeitslosenunterstützung" und wenn nicht dann hungerstreik von 340000 menschen.

Ist doch ganz leicht zu lösen

Einfach noch einen Haufen Arbeitskräfte samt Familien ins Land holen, damit die auch in die Sozialtöpfe einzahlen. Mit dem zusätzlichen Geld sind dann ein paar Arbeitslose mehr locker zu derpacken. Und außerdem braucht "die Wirtschaft" ja eh laufend Facharbeitskräfte... :-)

Re: Ist doch ganz leicht zu lösen

.. und Konsumenten.

Weil wenn man dem Österreich zuviel Geld gibt als er für seine Grundbedürfnisse und marginalen Luxus braucht dann macht der Blödsinn damit.

Wie: Sparen, fürs Alter vorsorgen, Anlegen oder ganz schlimm: Edelmetalle kaufen.

Umverteilt man den Überschuss einer frisch importierten Fachkraft samt Familie wird erstmal konsumiert und damit das BIP angekurbelt.

Gleichzeitig werden die Löhne gedrückt und steigende Wohnraumpreise generiert. Selbst für Immo-Schrott.

Also Win-Win für die Wirtschaft. Sinkende Lohnkosten bei steigenden Umsätzen und dicker Reibach mit der Immo-Bubble (kommt uns das bekannt vor ? Stichworte: USA, Mexikaner, Ninja-Loans ???)

Und dies völlig gratis ohne selber auch nur einen Cent (politische Landschaftspflege außen vor) investieren zu müssen.

Und dann macht es Puff und die Blase platzt.


Bezahlte Anzeige des Sozialministeriums

Genau so liest sich dieser Jubelartikel.

Keine kritische Betrachtung der Zahlen.

Kein Hinterfragen, warum gerade die Gruppe der 20- bis 24-Jährigen diejenige ist, wo die meisten Menschen geschult werden müssen.

Ein roter Pressesprecher könnte es nicht besser!

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Danke Rot Schwarz

Genauso wie die realen Staatsschulden versteckt werden, wird auch die Arbeitslosenzahl manipuliert. Diese Regierung ist Weltmeister in der Verschleierung und Arbeitsplatzvernichtung, aus eins mach zwei- Vollzeit wird gegen stundenweise- Teilzeitarbeitsplätze getauscht, Leiharbeiter, ASM-Frühpensionisten, Geldverschleuderer und Verschenker, Steuergeld- Verzocker, ESM, Fiskalpakt usw. Ich höre immer Regierung, ein Casinobetrieb ist das der mit einem Staat nichts gemeinsam hat.

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Re: Danke Rot Schwarz

Das immer wieder schwarz/blau vergessen wird.......

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Subventionen für das Baugewerbe

Mich verwundert, dass es keinen aufregt, dass das Baugewerbe die Lohnkosten im Winter an das AMS auslagert.

 
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