2012: Rekord bei Arbeitslosen und Beschäftigten

In der Zweiten Republik gab es in keinem Jahr so viele Arbeitslose wie im Vorjahr. Doch kletterte auch die Beschäftigung auf einen Rekordstand. Im EU-Vergleich belegt Österreich nach wie vor den besten Platz.

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Wien. Per Ende 2012 waren in Österreich mehr Menschen arbeitslos gemeldet als im globalen Krisenjahr 2009. Das geht aus den Daten hervor, die das Sozialministerium am Mittwoch bekannt gab (siehe Grafik). So waren Ende Dezember 322.981 Menschen beim Arbeitsmarktservice (AMS) arbeitslos gemeldet. Rechnet man Schulungsteilnehmer hinzu, kommt man auf 385.438 Personen ohne Arbeit.

Die meisten Arbeitslosen gab es mit 60.213 in der Baubranche, was auch saisonbedingt ist. Im Winter klettert die Arbeitslosigkeit in Österreich im Vergleich zum Sommer traditionell um fast die Hälfte in die Höhe. Den stärksten prozentualen Zuwachs im Jahresvergleich verzeichnen Gesundheits- und Sozialwesen sowie Arbeitskräfteüberlassung. Auch bei Ausländern (plus 11,7Prozent) und Älteren (plus 9,3) fiel der Anstieg stärker aus als im Durchschnitt (plus sechs Prozent). Das hat jedoch auch statistische Ursachen: Bei diesen Gruppen war der Zuwachs jener Menschen, die zusätzlich auf den Arbeitsmarkt drängten, größer als im Durchschnitt.

Rekordhoch in absoluten Zahlen

Übers Jahr gerechnet dürfte die Arbeitslosenquote nach nationaler Definition (Zahl der Arbeitslosen dividiert durch die Summe der unselbstständig Beschäftigten und Arbeitslosen) laut AMS heuer bei sieben Prozent zu liegen kommen. Das ist vergleichsweise hoch, doch war die Quote zuletzt im Jahr 2009 mit 7,2Prozent oder im Jahr 2005 mit 7,3Prozent noch höher.

In absoluten Zahlen gab es jedoch nie so viele Arbeitslose in Österreich wie im Vorjahr. Im Jahresdurchschnitt waren es 260.643 (2009: 260.309). Die Zahl der Schulungsteilnehmer (66.602) war nur im Jahr 2010 noch höher: Damals wurden 73.190 Arbeitslose in Kursen geparkt. Damit hat die Krise nach zwei Jahren rückläufiger Arbeitslosigkeit wieder zugeschlagen.

Es gibt jedoch einen entscheidenden Unterschied zum Jahr 2009: Auch die Beschäftigung dürfte mit 3,47 Millionen unselbstständig Erwerbstätigen ein neues Rekordhoch erklommen haben. Somit wurden mehr neue Jobs geschaffen (44.000), als zusätzliche Arbeitslose hinzukamen (14.000). 2009, im Jahr nach dem Ausbruch der Finanzkrise, war die Beschäftigung geschrumpft.

Klassenbester in der EU

Laut EU-Definition hat Österreich eine Arbeitslosenquote von 4,3 Prozent. Das ist genauso hoch wie im Vorjahr und bedeutet EU-weit den niedrigsten Wert. Die Berechnung basiert auf Umfragen in allen EU-Mitgliedstaaten. Als erwerbstätig werden jene gezählt, die angeben, mindestens eine Stunde pro Woche entgeltlich zu arbeiten. Auch Selbstständige und geringfügig Beschäftigte fließen auf diese Weise in den Nenner ein und drücken die Quote nach unten. Deswegen fällt sie geringer aus als die nationale Berechnung.

Als arbeitslos wird erfasst, wer aktiv eine Beschäftigung sucht. Tut man das nicht, weil man etwa in Frühpension ist, gilt man nicht als arbeitslos. Kritiker führen oft an, dass der hohe Anteil an Frühpensionisten in Österreich zum heimischen Spitzenplatz beiträgt. Denn der Anteil der erwerbstätigen 55- bis 64-Jährigen liegt mit 42Prozent unter dem EU-Schnitt von 47Prozent. Beim AMS schätzt man, dass die Arbeitslosenquote um einen halben Prozentpunkt höher wäre, hätte die Beschäftigung Älterer EU-Niveau erreicht. Damit hätte Österreich im EU-Vergleich noch immer einen der besten Plätze.

Junge Griechen ohne Job

Nach Berechnungen von Eurostat belegt Luxemburg mit 5,1Prozent den zweitbesten Platz, der EU-Schnitt liegt bei 10,7Prozent, die höchsten Werte verzeichnen Spanien (26,2) und Griechenland (26). Unter 25-Jährige sind europaweit häufiger arbeitslos als Personen im Haupterwerbsalter. Mit einer Quote von 8,5Prozent liegt Österreich dabei auf dem zweitbesten Platz nach Deutschland (8,1). Höchstwerte haben erneut Spanien (55,9) und Griechenland (57,6).

Auf einen Blick

Im Dezember fällt die Arbeitslosigkeit traditionell höher aus als im Jahresschnitt. Doch heuer kletterte sie mit 322.981 vorgemerkten Arbeitslosen auf ein neues Rekordhoch für diesen Monat. Inklusive Schulungsteilnehmern waren 385.438 Personen auf Jobsuche.

Im Jahresschnitt 2012 waren 260.643 Menschen arbeitslos gemeldet und 3,47 Millionen unselbstständig beschäftigt. Beide Zahlen waren zuvor in keinem Jahr nach dem Zweiten Weltkrieg so hoch. Die Quote dürfte bei sieben Prozent zu liegen kommen. Zuletzt war sie in den Jahren 2009 und 2005 höher.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.01.2013)

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