Die ÖBB kommen erst langsam im 21. Jahrhundert an

Die heimische Staatsbahn fährt vielfach noch auf jenen Strecken, die im 19.Jahrhundert während der Monarchie gebaut worden sind. Der teure Ausbau erfolgt langsam. So schnell wie in China oder Japan wird Zugfahren hierzulande nie werden.

Explodierende Schulden und dennoch Fahrtzeiten, die den Umstieg vom Auto nicht attraktiv machen. Seit Jahren hadern die Österreicher mit der heimischen Bahn. Seit Mitte Dezember 2012 kommt zumindest ein Teil von ihnen erstmals in den Genuss der Ergebnisse der vor rund 15 Jahren angestoßenen Bauoffensive der ÖBB – jene Pendler, die aus dem westlichen Niederösterreich nach Wien fahren. Denn seither ist die neue Westbahnstrecke zwischen der Bundeshauptstadt und St.Pölten vollständig in Betrieb.

Statt über die kurvenreiche aus dem Jahr 1860 stammende Strecke durch den Wienerwald werden die Züge künftig durch den neuen Wienerwaldtunnel und eine schnurgerade Neubaustrecke mit bis zu 230 Kilometern pro Stunde durch das Tullnerfeld von Wien nach St.Pölten fahren. Die Fahrtzeit von der niederösterreichischen Landeshauptstadt nach Wien wird sich dadurch von 40 Minuten auf 25Minuten nahezu halbieren. Auch bei Fahrten von Wien nach Linz (1:15) oder Salzburg (2:22) wird diese Zeitersparnis spürbar bleiben. Wer mit dem Auto statt mit dem Zug von Wien in die oberösterreichische Landeshauptstadt fährt, müsste künftig auf der Autobahn eine durchschnittliche Geschwindigkeit von 141,6 Kilometern erreichen, um gleich schnell zu sein.


1–2–3. Der Ausbau auf der Westbahn ist damit zwar schon fortgeschritten, abgeschlossen wird er aber erst im Jahr 2021 sein. Dann soll von Wien aus eine Reise nach Linz in einer Stunde, nach Salzburg in zwei Stunden und nach Innsbruck (derzeit 4:10) oder München in drei Stunden möglich sein.

Vergleichbar mit China oder Japan, wo Durchschnittsgeschwindigkeiten von 300 Kilometern pro Stunde gefahren werden, wird das heimische Bahnsystem aber auch auf der am besten ausgebauten Westbahn nie werden. Denn obwohl ein Railjet bei einer Testfahrt bereits einmal 275 km/h gefahren ist, wird die Höchstgeschwindigkeit im Normalbetrieb auf 250 km/h begrenzt. Zudem gibt es Stopps in für chinesische Verhältnisse winzigen Stätten wie Amstetten, was viel Zeit kostet.

Abseits der Westbahn sieht die Situation wesentlich trüber aus. So quälen sich etwa auf der zweiten Hauptstrecke – der Südbahn – die Züge noch bis zum Jahr 2024 über die 160 Jahre alte Ghega-Strecke über den Semmering. Gefahren wird dabei auch vom Railjet eine Geschwindigkeit von nicht einmal 60 Kilometern pro Stunde.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.01.2013)

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