Wenn Mitarbeiter auspacken: Es war eine "harte Schule"

30.01.2013 | 18:14 |   (Die Presse)

Die Mitarbeiter der Constantia Privatbank fühlten sich von den nun im Immofinanz-Prozess angeklagten Vorgesetzten "missbraucht". Sie schildern, was unter einer diktatorischen Führung zu verstehen sei.

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Wien/Eid. Die Constantia Privatbank (CPB) und die von ihr gemanagte Immofinanz und Immoeast mit Holdings, Stiftungen und rund 800 „Leintuchgesellschaften“: Man möchte glauben, dass in einem solchen Firmenkomplex Freiraum besteht. Offenbar nicht, wenn an der Spitze Karl Petrikovics steht. Mitarbeiter, die am sechsten Tag des Immofinanz-Prozesses als Zeugen geladen sind, schildern Richterin Claudia Moravec-Loidolt anschaulich, was unter einer diktatorischen Führung zu verstehen sei.

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Petrikovics sei zwar eine fachliche Autorität gewesen, aber nicht „gutmütig“, meint der Immobilienexperte Harald Heinzl. Petrikovics habe ihn, Heinzl, in 80 Firmen zum Geschäftsführer gemacht, weil er den Vorgänger rausgeschmissen hatte. „Wenn ich nicht zugesagt hätte, hätte ich eine Minute Zeit gehabt, meinen Platz zu räumen“, berichtet Heinzl. „Sie wurden anscheinend missbraucht“, konstatiert die Richterin, nachdem sich Heinzl über die „harte Schule“ ausgelassen hat. „Das sehe ich auch so.“

 

Nicht in den Büchern aufscheinen

Hohe Loyalität und Vertrauen nennt der damalige Vorstandsassistent, Martin Schneeweiß, als Grund, warum er auf Geheiß des mitangeklagten Ex-Aufsichtsrats Helmut Schwager für diesen Immoeast-Aktien um 1,4 Mio. Euro gezeichnet und ein Treuhandkonto bei der CPB eingerichtet hat. Ohne Bedenken. Schwager habe ihm gesagt, er möchte nicht in den Büchern aufscheinen.

Das dürfte auch einen Sinn gehabt haben, wie sich zeigt, als die ehemaligen Immofinanz-Aufsichtsräte Guido Schmidt-Chiari und Erhard Schaschl in den Zeugenstand treten. Beide betonen, dass sich der Immofinanz-Aufsichtsrat am 13.März 2003 mit dem Ankauf von Immoest-Aktien aus der Kapitalerhöhung durch Petrikovics und seinen ebenfalls angeklagten Vorstandskollegen Norbert Gertner befasste. Nicht aber sei es um ein ebensolches „Incentive“ für Schwager gegangen. „Ein Aufsichtsrat kann ja nicht für sich selbst etwas beschließen“, sagt Schmidt-Chiari.

Schaschl, er ist Schwiegervater von Gertner, will geglaubt haben, dass Schwager die Aktien für seine langjährigen Dienste für die CPB-Eigentümerfamilie Turnauer erhalten hat. Bei dem Aufsichtsratsbeschluss (dass dies ein solcher war, bezweifelt die Anklage) sei es auch nur um die Finanzierung durch die Immofinanz gegangen. Weder Schmidt-Chiari, dessen Antworten sehr knapp ausfallen, noch Schaschl wollen gewusst haben, dass die Aktien nicht physisch gekauft, sondern in Tochterfirmen „geparkt“ und später in Optionen gewandelt wurden, die vom ebenfalls angeklagten Steuerberater Ernst Hable gehalten wurden.

Deutlich unterscheiden sich die Aussagen der beiden hingegen zur Frage, ob sich die drei bzw. zwei Prozent Aktien für Petrikovics, Gertner und Schwager nur auf die Kapitalerhöhung oder das gesamte Aktienkapital der Immoeast bezogen. Während Schmidt-Chiari eindeutig von der 49-prozentigen Kapitalerhöhung spricht, verstrickt sich Schaschl in einen Wortschwall und nervt die Richterin gewaltig. Ihre wiederholte Belehrung, dass er sich der Aussage entschlagen hätte können, fruchtet nichts.

Auf einen Blick

Im Immofinanz-Prozess schilderten am Mittwoch ehemalige Mitarbeiter das „System Petrikovics“ und belasteten die Angeklagten schwer. Eine Zeugin erklärte, wie Geld innerhalb des stark verflochtenen Firmennetzwerks rund um die Constantia Privatbank hin- und hergeschoben wurde, um die Liquidität für Käufe von Aktien der Immofinanz und Immoeast zu bekommen. Schriftlich gab es dazu meist nichts.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.01.2013)

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18 Kommentare

Die haben sicher auch schon im Kurhotel neben Elsner gebucht...

Die werden sicher auch sehr schnell sehr krank und haftunfähig...
Wetten?

einfach ..

dokumentieren .. und wenn er das nächstemal schreit ihm die wahl lassen zwischen die goschen zu halten, oder eine anzeige zu riskieren ..
funktioniert natürlich nur, wenn man genauso schnell denkt und hart sein kann wie der schreihals :-)


Re: einfach ..

Man kann einen Konzernchef nicht anklagen nur weil er schreit. Da muss die Anklage schon Substanz haben.

die mischung machts

im gehobenen banking der foinen gesellschaft kennt man sich doch. wie viele akteure gibts da in wien und der rest von ö zählt nicht. 200 akteure oder so, wenn überhaupt. vielfach vernetzt und verschwägert. dann brauchts ein paar hungrige aufsteigertypen die tun und schweigen und nicht viel fragen. einen haufen vermittler die man frech anlügt und die selbst glauben die weisheit gefressen zu haben. und ab geht die sause.

Organisierte Anstandsverweigerer auf dem Egotrip

Ein Geschäftsführer für 80 Unternehmen! Unglaublich. Auch, wie weit sich kluge Leute drangsalieren und entwürdigen lassen um dabei mitzumachen.

Ohne juristische Beurteilung und mit den letzten Ressourcen an vermuteter Unschuldsvermutung nach Studium dieses Berichtes:

Besser kann man nicht verständlich machen warum Österreich seitens OECD schon seit Jahren als Korruptionsoase eingestuft wird.

Aber auch wieviel organisierte Anstands- und Gesetzesvermeidung in feinen Banken des Landes offenbar an der Tagesordnung ist? Erpressung , Nötigung etc. als gängige Führungsinstrumente.

Und das alles vor den Augen vorgeblich pflichtbewusster Aufsichtsorgane nach Machart der drei Affen "nix sehen, nix hören, nix wissen".


as usual

und wo war der wieder politisch daheim. zum kotzen

Wenn ich nicht zugesagt hätte, hätte ich eine Minute Zeit gehabt, meinen Platz zu räumen", so Heinzl.

Kein Charakter und schwach

Der "Beschuldigte hat uns belogen,

hätten wir das gewusst, hätten wir Ihn angehalten die Gesetze zu befolgen." Die Bankenaufsicht ist derart naiv und zahnlos. Unfassbar!

Re: Die Bankenaufsicht ist derart naiv und zahnlos?

Unfassbar ... ist das nicht, das ist Österreich!
.
In einem Land wo Ermittler an der Kette gehalten werden, ist es doch nicht verwunderlich, wenn "Aufseher" nicht hinsehen!

bald wird es so sein dass die wärter ihn anschreien


Petrikovics wird ein Synonym für Wirtschaftskapitalverbrechen in diesem Jahrhundert werden

So wie Darabos für Sesselkleber des Jahrhunderts
Strasser für die dümmste Lüge des....
Und Burgstaller für Ahnungslosigkeit des ....

Das Jahr 2013 wird nicht nur mit Hirschers Schieerfolgen in die Geschichte eingehen.

Leider!

Re: Petrikovics wird ein Synonym für Wirtschaftskapitalverbrechen in diesem Jahrhundert werden

... und wir Wähler werden leider auch den Rekord als die Dümmsten in Mitteleuropa aufstellen ;-)

Re: Re: Petrikovics wird ein Synonym für Wirtschaftskapitalverbrechen in diesem Jahrhundert werden

Richtig, siehe Wasserhysterie, Neutralitätsgefasel, Etc. Etc.

Petrikovics ist ein Fakename


Sein richtiger Name: BETRÜGOWITSCH

Re: Petrikovics ist ein Fakename

:) :):):):):):)

mimmerl

Schlimm ist nicht die mimosenhafte Aussage (nix gwust und nix verstanden) schlimm ist, dass das wohl der Wahrheit entspricht

Re: mimmerl

Ganz normal bei "Nützlichen Idioten", auch auf hohem Niveau. Ohne die ginge sowas nicht und sonst auch nichts.

Re: Re: mimmerl

Leistungsgesellschaft halt! Er hat viel verdient, weil er viel Leistung brachte ... (es gilt die Unschuldsvermutung)

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