Kaske: „Die Menschen mit 50 plus werden aussortiert“

Der künftige Arbeiterkammer-Präsident Rudolf Kaske kritisiert den „unsinnigen Jugendkult“ und fordert Strafen für Firmen, die zu wenig Ältere beschäftigen. Die Wirtschaftskammer hält davon nichts.

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Rudolf Kaske – (c) Die Presse (Clemens Fabry)

Wien/hie. Noch ist er nicht Präsident, darum hält er sich in manchen Dingen noch zurück. Aber im März wird Rudolf Kaske gewählt – und Herbert Tumpel als Chef der Arbeiterkammer nachfolgen. Theoretisch gibt es zwar eine Gegenkandidatin, praktisch steht sein Sieg fest. Denn die AK ist fest in der Hand der roten Gewerkschafter. Thematisch steckt Kaske sein Gebiet schon einmal ab. Auf dem österreichischen Arbeitsmarkt gebe es einen „unsinnigen Jugendkult“, sagte er am Donnerstag im Klub der Wirtschaftspublizisten. „Ich habe das Gefühl, dass die Menschen mit 50 plus ein bissl aussortiert werden“, so Kaske, bisher Vorsitzender der Dienstleistungsgewerkschaft Vida und derzeit Vizepräsident der AK Wien.

Dass sich daran etwas ändert, dürfe man „nicht nur dem guten Willen der Betriebe überlassen“, so Kaske. Er fordert deshalb ein Bonus-Malus-System, das sich an die Unternehmen richten soll. Wer zu wenig Ältere beschäftigt, soll mit Strafen belegt werden, wer über dem Durchschnitt liegt, einen Bonus bekommen. „Auch Menschen über 50 sind lernwillig“, so Kaske. Die Arbeiterkammer will gemeinsam mit dem Gewerkschaftsbund bis zum Sommer ein Modell vorschlagen.

Auch die Wirtschaftskammer hält etwas von Boni – aber naturgemäß wenig von Pönalen. „Konkrete Betriebe zu bestrafen ist nicht angebracht“, sagt Martin Gleitsmann, Leiter der Abteilung Sozialpolitik in der Wirtschaftskammer. Denn meistens gebe es Gründe, warum ein Unternehmen keine älteren Arbeitnehmer beschäftigt. Zum Beispiel, weil es mit „jungen“ Themen arbeitet oder die schwere körperliche Arbeit ältere Menschen überfordert. Dass Ältere „aussortiert“ werden, wie Kaske sagt, weist Gleitsmann zurück: „Weil schlicht und einfach die Arbeitskräfte knapp werden und man auf die Älteren wird zurückgreifen müssen“, so Gleitsmann.

AK beschäftigt „ein Drittel Ältere“

Laut Daten der Arbeiterkammer Wien wird sich die Anzahl der Menschen im Alter von 15 bis 49 Jahren bis 2030 um acht Prozent reduzieren, während die Altersgruppe der 50- bis 64-Jährigen im selben Zeitraum um 15 Prozent wachsen wird. Und bei der Beschäftigung älterer Arbeitnehmer hat Österreich tatsächlich Aufholbedarf. Denn in diesem Punkt liegt Österreich unter dem EU-Durchschnitt. Quer durch alle 27 Mitgliedsländer waren 2011 in der Altersgruppe 55 plus 47,4 Prozent der Menschen beschäftigt. In Österreich waren es nur 41,5 Prozent. Spitzenreiter ist Schweden mit 72,3 Prozent.

Dort gibt es auch bereits ein Bonus-Malus-System – als Anreiz für die Beschäftigten, länger zu arbeiten. Wer vor dem 67. Lebensjahr die Pension antritt, dem blühen empfindliche Abschläge. Wer länger arbeitet, wird belohnt. Der durchschnittliche schwedische Mann geht mit 66 Jahren in Pension, die durchschnittliche Frau mit 63,6. In Österreich sind es 58,9 bzw. 57,5 Jahre.

Die Arbeiterkammer selbst steht bei der Beschäftigung Älterer übrigens gar nicht schlecht da: Laut eigenen Angaben sind von 674 Beschäftigten 234 älter als 50 Jahre. Der Altersdurchschnitt liege bei 44,5 Jahren, heißt es aus der zuständigen Abteilung zur „Presse“.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.02.2013)

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