PRO: Warum Heimarbeiter einfach besser sind

04.03.2013 | 12:32 |   (DiePresse.com)

PROSie machen sich daheim einen faulen Lenz, lautet ein gängiges Klischee. Vier Gründe, warum Heimarbeit aus wirtschaftlicher Sicht Sinn macht.

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Durch die Industrielle Revolution wurden Freizeit- und Arbeitsplatz zwei getrennte Dinge. Rund 200 Jahre später scheint es wieder einen Gegentrend zu geben: Heimarbeit gewinnt an Bedeutung, auch wenn momentan der Fall Yahoo (mehr dazu...) - dort wird Heimarbeit massiv eingeschränkt - Gegenteiliges vermuten ließe. Vorab: Nicht jeder Job ist dafür geeignet, von zu Hause aus verrichtet zu werden. Heimarbeiter sind auch keine homogene Gruppe, die Arbeit von daheim kann die unterschiedlichsten Formen annehmen. Unumgänglich ist es zudem, ein gutes Verhältnis zwischen Heim- und Büroarbeit zu finden.

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Nach wie vor sind Heimarbeiter mit dem Klischee konfrontiert, sich daheim einen faulen Lenz zu machen. Im folgenden vier Argumente, die zeigen, dass Heimarbeit aus wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Sicht Sinn macht:

  • Heimarbeiter sind zufriedener und produktiver

Zahlreiche Studien zeigen: Wer von zu Hause arbeitet, ist glücklicher, aber auch produktiver. So kam die IT-Firma Plantronics im Zuge einer Umfrage unter Vollzeit- und Teilzeit-Büroangestellten zu dem Ergebnis: Im Home Office wird effektiver und engagierter gearbeitet. Es gebe zwar viel Ablenkung, doch dafür werde auch länger gearbeitet. Und das in einem Umfeld, in dem Produktivität ein Faktor mit zunehmender Bedeutung ist. Denn eine aktuelle Studie der Wiener Beratung Czipin Consulting zeigt, dass hinter der stetig steigenden Produktivität in Österreich vor allem technischer Fortschritt und strukturelle Veränderungen stecken, die Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter am Arbeitsplatz sich gleichzeitig aber kaum geändert hat (mehr dazu...). Nur 37 Minuten pro Arbeitsstunde sind Mitarbeiter demnach produktiv.

Im klassischen Büro wird also viel Zeit verschwendet - etwa an Arbeitsplätzen im Großraumbüro, die an stark frequentierten Stellen liegen. Da bleiben Kollegen häufiger stehen, um einen Plausch zu halten. Zudem stehen Kommunikation (unnötige Meetings, Ärger über Vorgesetzte, Bürointrigen) und zunehmende Informationsflut der Produktivität mitunter im Weg. Eine 2010 im "Journal of Applied Communications Research" veröffentlichte Studie kommt sogar zu dem Ergebnis, dass eine eingeschränkte persönliche Interaktion Vorteile hat. In der Studie wird in Frage gestellt, dass der persönliche Kontakt  bzw. das Gefühl des Dabeiseins immer etwas Positives ist.

  • Flexibilität: Firma und Mitarbeiter profitieren

Flexibles Arbeiten gewinnt in den neuen Arbeitswelten immer mehr an Bedeutung. Arbeitsort und Arbeitszeit, Privat- und Berufsleben vermischen sich immer mehr. Das hat Nachteile (Rund-um-die-Uhr-Verfügbarkeit, Gefahr des Nicht-Abschaltens etc.), aber auch Vorteile. Familie und Beruf können besser unter einen Hut gebracht werden: Kinder können problemlos von Kindergarten oder Schule abgeholt werden, dafür arbeiten Mutter/Vater auch mal in den Abendstunden. Gerade bei jungen und hochqualifizierten Mitarbeitern ist daher die Heimarbeit beliebt. Beide Seiten profitieren von dem Modell: Der Arbeitgeber wird attraktiver, der Mitarbeiter fühlt sich enger an das Unternehmen gebunden.

Das bedingt aber auch eine veränderte Unternehmenskultur: Ergebnisorientierung und Vertrauen müssen in den Vordergrund rücken. Die Präsenzkultur ist laut einer "Deloitte"-Studie (pdf) in den meisten Firmen aber noch stark verankert. Wer länger im Büro sitzt, ist meist im Vorteil: "Ein sehr hohes Ausmaß an Anwesenheits- und Arbeitszeit wird häufig mit besonderem Engagement und hoher Leistungsorientierung der Mitarbeiter gleichgesetzt und mit Gehaltssteigerungen und Karrierechancen belohnt." Dass gerade so manche Überstunde wenig produktiv ist und nur "abgesessen" wird, davon weiß fast jeder Arbeitnehmer zu berichten.

  • Büroflächen reduzieren - Kosten sparen

Flexibilität bei der Arbeitsplatzgestaltung kann aus Unternehmersicht helfen, Kosten zu sparen. Kleinere Büroflächen sparen nicht nur bei Mieten, sondern auch bei Parkplätzen, Möbeln und Instandhaltung.

Das Beispiel IBM zeigt das Einsparungspotential gut, wie Janet Caldow im IBM-Papier "Working Outside the Box" (pdf) schreibt. 1995 arbeiteten 10.000 IBM-Mitarbeiter mobil. Das Verhältnis von fixem Büro pro Mitarbeiter konnte dadurch im dem Jahr von 1:1 auf 1:4 reduziert werden. 185.000 Quadratmeter Bürofläche und 7500 Schreibtische wurden abgebaut. Die Umstellung kostete 41,5 Millionen Dollar, dem standen Einsparungen von 75 Millionen Dollar gegenüber. Heute arbeiten 40 Prozent der IBM-Mitarbeiter überhaupt ohne Büro. Das Verhältnis beträgt mittlerweile 1:8, an einigen Standorten sogar 1:15.

  • Heimarbeiter sind "grüne" Arbeiter

Telearbeiter tragen einen Teil dazu bei, dass weniger Autos auf den Straßen sind. Weniger Staus bedeuten auch, dass die Wirtschaft besser florieren kann, zumal die volkswirtschaftlichen Kosten für Arbeitsausfälle, Umwelt und Unfälle in den letzten Jahren stetig gestiegen sind. Eine Studie (pdf) der "Mobility Choice Coalition" aus dem Jahr 2011 zeigt, dass in den USA schon jetzt 1,6 Milliarden Liter Erdöl durch Heimarbeit (zumindest zwei Tage im Monat) eingespart werden könnten. Auch der CO2-Ausstoß sinkt beträchtlich.

Bakker Elkhuizen, Spezialist für Computer-Arbeitsplätze, rechnet vor, welche wirtschaftlichen und Umwelt-Vorteile für ein Unternehmen mit 100 Beschäftigten die Einführung eines Heimarbeitstags pro Woche hätte: "Dadurch werden jährlich 22 km x 200 Arbeitstage/Jahr x 20 Prozent (1 Heimarbeitstag/Arbeitswoche) = 880 km pro Person gespart. Das Unternehmen bewirkt also eine Reduzierung um 88.000 km pro Jahr, was einer Verringerung des CO2-Ausstoßes um 11.880.000 Gramm pro Jahr entspricht. Neben dem Umwelteffekt ist die Regelung auch wirtschaftlich interessant: Bei Durchschnittskosten von Euro 0,19 pro Kilometer werden Euro 16.720 an Reisekosten eingespart. Dabei ist die Reisezeit noch nicht einmal berücksichtigt."

>>>CONTRA: Warum Yahoo Heimarbeit zu Recht verbietet

>>>UMFRAGE: Sind Sie für Heimarbeit?

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(phu)

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12 Kommentare

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Ich könnte das nicht (konzentration, kein arbeitszimmer...) geschweige denn würde Ich es wollen. für mich gilt: Arbeit ib der Arbeit...

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Bürotypen denken halt an Büroarbeit.

Lächerlich!

Anstatt diesen unnötigen Parkinson's Law Kram überhaupt zu verringern.

Pro und Contra

wieso denkt man so zweigleisig?

Es gibt Bereiche wo das eine Modell dem anderen überlegen ist.

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Re: Pro und Contra

Die meisten stupiden Akkordarbeiten, die auf Heimarbeit verlegt werden können, lassen sich auch mechanisieren und automatisieren, wenn die Stückzahl einigermaßen reicht.

In Asien sind die Heimarbeiter Kleinstselbständige.

Re: Re: Pro und Contra

Ja, Maschinen könnten uns wirklich die Arbeit wegnehmen. Vielleicht sollten wir aufs Auto verzichten und auf Rikschas umsteigen.

Ich schlag mich lieber mit Luxusproblemen herum - die gehen mir nämlich auch ganz schön am Sack.

Heimarbeit funktioniert

wenn die Manager funktionieren. klare Zielvorgabe = präzises Ergebnis auch und vor allem bei Heimarbeit. Wo nur sind die guten Manager mit klaren Zielvorgaben?

Sinn macht

Sinn HAT. Machen tun wir den Sinn in der englischen Sprache.

Re: Sinn macht

http://www.iaas.uni-bremen.de/sprachblog/2007/10/01/sinnesfreuden-i/index.html

Lesenswertes über den Sinn in der deutschen Sprache und was er so macht ;-)

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Re: Re: Sinn macht

Ich räume 2,5% passende "macht"-Anwendungen ein, der Rest ist denglish. Danke fürn Link.

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Heimarbeit war schon einmal der große Hit

Es war in den Zeiten des Wiederaufbaus nach dem Krieg.
Und nun will man dieses als Erfolg verkaufen !!!!

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Re: Heimarbeit war schon einmal der große Hit

Wissen Sie auch, wie viel Kinderarbeit dahinter versteckt gewesen ist, wo die ganze Familie mitgerackert hat?
Wie aufm Bauernhof.

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Re: Re: Heimarbeit war schon einmal der große Hit

Dafür sitzen heute die Sprößlinge vor der Beriselungsmaschine TV oder sonstigen Spielkonsolen wie schön .
Damals wußten die Kinder wenigstens man arbeitet um zu leben .
Freilich bei der heutigen Anzahl an Sozialschmarotzern ist es nicht unbedingt erforderlich seinen Lebensunterhalt mittels Arbeit zu gewährleisten.
Solange es noch genügend aktive Steuerzahler im System gibt.

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