Andritz bricht Gewinn weg

01.05.2013 | 18:15 |   (Die Presse)

Erhebliche Mehrkosten für ein Zellstoffwerk in Brasilien belasten den erfolgsverwöhnten steirischen Konzern schwer. Die Andritz-Aktie zählt seit 2011 zu den großen Gewinnern der Wiener Börse.

Drucken Versenden AAA
Schriftgröße
Kommentieren

Wien/Eid/Ag. Auch Musterschüler sind vor bösen Überraschungen nicht gefeit. Diese schmerzhafte Erfahrung muss der steirische Anlagenbauer Andritz machen. Nach einem unerwartet starken Gewinneinbruch im ersten Quartal, der durch erhebliche Kostenüberschreitungen bei einem Zellstoffwerk in Brasilien verursacht wurde, muss das Unternehmen das Ergebnisziel für 2013 kappen. Hat Konzernchef Wolfgang Leitner noch Anfang März einen steigenden Gewinn in Aussicht gestellt, so rechnet er jetzt mit einem Ergebnisrückgang. Der Umsatz soll indes steigen.

 

Bekanntgabe nach Börseschluss

Da die Ad-hoc-Meldung am Dienstagabend erst nach Börseschluss erfolgte und gestern, am 1. Mai, kein Handel stattfand, wird sich erst heute, Donnerstag, zeigen, wie die Aktionäre auf die Hiobsbotschaft reagieren. Die Andritz-Aktie zählt seit 2011 zu den großen Gewinnern der Wiener Börse und hat ihren Wert allein im Vorjahr fast verdoppelt. Nach dem Höchststand Mitte März von 55 Euro verbilligte sich das Papier in den letzten Wochen etwas auf rund 50 Euro.

Während der Umsatz im Vergleich zum Vorjahresquartal mit 1,164 Mrd. Euro nur um 1,8 Prozent zurückgegangen ist, sackte das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebita) um 80,4 Prozent auf 14,2 Mio. Euro ab. Netto schaffte Andritz mit 4,1 Mio. Euro (minus 92 Prozent) gerade noch schwarze Zahlen. Wie dieses Ergebnis zu werten ist, zeigt sich daran, dass der Anlagenbauer nicht einmal in der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/09 Verluste schrieb.

Die Kostenüberschreitungen im Zusammenhang mit Lieferungen von Produktionstechnik und Ausrüstungen für ein Zellstoffwerk in Südamerika hätten eine Rückstellung im mittleren zweistelligen Millionenbereich erforderlich gemacht, gab Andritz bekannt. Das Ebitda (Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen) der Sparte Papier und Zellstoff drehte dadurch von plus 35,3 auf minus 18,1 Mio. Euro. Die Geschäftsbereiche Hydro und Metals (inklusive der Erstkonsolidierung der im Vorjahr übernommenen deutschen Schuler-Gruppe) lieferten hingegen zufriedenstellende Ergebnisse.

 

Weitere Rückstellungen möglich

„Die Entwicklungen im ersten Quartal sind sehr unerfreulich“, kommentierte Leitner die enttäuschenden Ergebniszahlen. Auch will er noch keine Entwarnung geben: „Wir sind der Meinung, dass die nun gebildeten Vorsorgen ausreichend sind, können aber nicht garantieren, dass in den kommenden Quartalen nicht weitere Vorsorgen getroffen werden müssen.“

Weil nach Meinung des Unternehmens ein beträchtlicher Teil der Mehrkosten in Brasilien durch Faktoren außerhalb des eigenen Verantwortungsbereichs verursacht worden sind, werde man diese Ansprüche im Rahmen der rechtlichen Möglichkeiten geltend machen, teilte Andritz mit.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.05.2013)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

15 Kommentare
0 0

Andritz: Gewinn-Einbruch & Unerfreuliche Entwicklungen

Für uns Menschen die in Brasilien leben eine hoffnungspendende Notiz. Ist doch der Kakanierkonzern heute eines jener Rouge-Unternehmen, denen kein Geschäft zu dreckig, zu zerstörerisch, zu rechtlich vage (wenn nicht schier illegal, wie im Belo-Monte-Fall) ist, um sich auf Kosten des Lebens jetztiger und zukünftiger Menschen vor Ort finanziell zu bereichern. Ein Spezialist für Investitionen in Ländern wo der Rechtsstaat eine Farce ist. Wie eben bei uns. Traditioneller Weise. Und noch viel mehr seit die (ehemalige) Arbeiter-Partei vor elf Jahren an die Macht gekommen ist und eine Instantmetamorphose in ein mafiöses neoliberales Gremium geschafft hat. Mit ständigem Bemühen (wie ebenjetzt wieder) die (Unabhängigkeit der) Justiz immer weiter zu reduzieren.
Kein Wunder, sitzen doch im parlamentarischen Justizauschuss Leute die vom Obersten Gerichtshof rechtskräftig verurteil wurden. Allerdings zu Gefängnisstrafen. Und nicht in den Justizausschuss. Allein, bei uns ist alles (Surreale) möglich. Hinter der Mogeletikette „Estado Democrático de Direito“. Und rücksichtslose Bulldozerkapitalisten und ihre Börsianer (wie Andritz und Co.) haben ihr Idealhabitat. Ich wünsche allen Aktionären dieser Firma ergo nicht (nur) einen Wertverfall von 55 auf 50 Euro. Sondern dass ihnen ihr blutgetränkter Reichtum völlig entschwinde und ein Gewissen aufgehe. Und Erfolgsmanagern wie Wolfgang Leitner wünsche ich „Hals- und Beinbruch“, wie’s im heiter-korrupten Kakanien bis heute so schön heisst.

0 5

bela monte

wenn nur die Profitgier zählt und die Umwelt nicht, dann gibt es keine Zukunft.
wer den Stausee baut, der gibt sich besser gleich eine kugel in den kopf.
diese Firma wird zusperren.

0 0

Re: bela monte

Und wer sowas nicht baut, kann mangels Aufträgen ohnehin zusperren.

ähm..

sie haben immerhin noch einen satten gewinn gemacht. alle mitarbeiterInnen und manager konnte entlohnt werden. wo ist das problem?

kenn mich ja mit all den steuertricks, abschreibungen, tochterunternehmensgründungen, investitionen usw nicht so aus. aber bei gleichen umsatz so einen unterschied im gewinn zu erzielen, wird wohl mit was von den mir genannten umständen zu tun haben können.

problem könnte werden, dass andritz nun argumente hat, zu rationalisieren, sprich Mitarbeiter innen zu kündigen bzw auslagern der arbeit in andre länder...

0 0

Re: ähm..

Oder der Gewinneinbruch hat damit etwas zu tun:

"durch erhebliche Kostenüberschreitungen bei einem Zellstoffwerk in Brasilien verursacht wurde"

andritz geht ein...

Andritz hat doch grosse Geschaefte mit dem Iran und anderen sogennanten BOESEN? Arbeiter dieser Firma bedankt Euch bei den drei Linksparteien und freut Euch auf die Mitgliedschaft beim AMS!

Die Gewinne bei den Firmen brechen dreastisch ein, aber die Aktienkurse steigen ...


Die Rechnung geht

auf die Dauer nicht auf. Wolfgang Leitner ist eine schrillende Persönlichkeit -> neben miesen Bezahlung für die MitarbeiterInnen ist die gewaltige Zerstörung der Umwelt und Lebensgrundlagen der Ureinwohner ein Dauerthema bei Andritz in der Öffentlichkeit (ein negativer Aushängeschild für Österreich). Nur weil wir Geld und Know how haben, ist es noch lange nicht ok, Menschen und Umwelt so auszubeuten. Das Absacken der Aktie ist eine logische Folge, Ursache und Wirkung eindruckvoll bestätigt.

3 14

belo monte

wer aus Profitgier überall mitmacht,
der fällt in Zukunft hin. der Staudamm darf nicht gebaut werden, denn er zerstört das biologische Gleichgewicht am Amazonas. sollten die steirischen kürbisköpfe es dennoch versuchen, können sie gleich zusperren.

13 4

Re: belo monte

Geh setz dich unter einen Regenbogen und sing ein Lied darüber.

und du schreibst jetzt alle konkursfirmen auf, die glaubten die öffentliche meinung sei wurscht.


0 0

Re: und du schreibst jetzt alle konkursfirmen auf, die glaubten die öffentliche meinung sei wurscht.

Firmen die keine Produkte für private Endkunden produzieren (so wie Andritz) kann die öffentliche Meinung getrost wurscht sein.

1 8

bela monte

wer aus Profitgier bei jeder schweinerei mitmacht
der fällt in Zukunft auf die schnautze. der Staudamm belo monte darf nicht gebaut werden, denn er zerstört das biologische Gleichgewicht am Amazonas. sollten die steirischen kürbisköpfe es dennoch versuchen, können sie andritz gleich zusperren.

8 1

Schade, trotzdem danke...

...wer vor 10 Jahren in die Adritz investiert hat, ist sehr gut gefahren....fuer .at sicher eines der Aushaengeschilder.

Respekt an das Team!

PS: Habe selber nie Andritz Aktien besessen (leider) oder dort gearbeitet....denke, dasz ist einfach ein geiler Laden...hoffe, die Leute genieszen ihr Geld!

Re: Schade, trotzdem danke...

Mr. Market wird den Preis schon wieder mal runterprügel.. So wie in 2009 zum Beispiel. Dann kannst du dir welche kaufen. Brauchst net glauban dass der Kurs NUR deshalb so gestiegen ist weil das Unternehmen gut ist. Viel billiges Geld hat auch was damit zu tun!

» Jetzt unter mehr als 6.000 Jobs
die perfekte Stelle finden.

Umfrage

AnmeldenAnmelden