Wie viel darf ein E-Book kosten?

E-Books sind in der Produktion billiger als gedruckte Bücher. Aber die Kosten, die ein Verlag mit der Entstehung eines Buches hat, gehen weit darüber hinaus.

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E-Book – (c) EPA (FRANK RUMPENHORST)

Seattle/Wien. Bei dem Streit zwischen Amazon und dem US-Verlag Hachette geht es vor allem um die Preise von E-Books. Amazon will diese pauschal auf 9,99 Dollar (7,46 Euro) senken, auf Kosten des Verlages natürlich, und argumentiert damit, dass dieser schließlich keine Druckkosten bezahlen und sich das auch im Preis niederschlagen müsse. Klingt plausibel.
Hachette-Chef Michael Pietsch hält dagegen, dass ohnehin bereits über 80 Prozent der von seiner Verlagsgruppe veröffentlichten E-Books 9,99 Dollar oder weniger kosten würden. Die höherpreisigen Titel würden immer noch weniger als die Hälfte der Hardcover-Version kosten. Die teureren E-Book-Titel würden spätestens dann verbilligt, wenn die Taschenbuchausgabe erscheine.

Einheitspreise nicht realistisch


„Wir wissen aus Erfahrung, dass es nicht nur einen angemessenen Preis für alle E-Books gibt und nicht alle E-Books in die 9,99-Dollar-Kategorie gehören“, schreibt Pietsch in einem offenen Brief an Amazon-Chef Jeff Bezos. „Anders als Händler investieren Verleger stark in einzelne Bücher – oft über Jahre hinweg, bevor wir die ersten Umsätze sehen“, schreibt der Verleger. Investiert werde in Vorschüsse, Lektorat, Gestaltung, Herstellung, Marketing, Lagerhaltung, Versand, den Schutz vor Piraterie und mehr.
Für gedruckte Bücher nannte der Hachette-CEO Kosten zwischen zwei und drei Dollar pro Exemplar, die durch Herstellung, Lagerhaltung und Transport entstehen. Diese Kosten fielen bei E-Books zwar nicht an, aber im Verkaufspreis sei eben ein entsprechender Anteil aller Investitionen enthalten, die für das Buch getätigt wurden. In Österreich und Deutschland sind E-Books nicht ganz so spottbillig wie in den USA. Ein Grund dafür ist die Buchpreisbindung. Diese schreibt den Verlagen vor, für jedes Buch einen unveränderlichen Preis festzulegen und bekannt zu machen. Dieser ist dann auch verbindlich für den Handel. Natürlich variieren diese Preise je nach Ausgabe; Hardcover ist teurer als ein Taschenbuch. Ein E-Book ist aber in den wenigsten Fällen – Ausnahmen wie die auf Vorbestellung erhältliche neue Kindle-Ausgabe von Daniel Kehlmanns Roman „F“ bestätigen die Regel – billiger als die jeweilige Taschenbuchausgabe. Das hat einen einfachen Grund. „Taschenbuchverlage bestehen in den Verträgen darauf, dass der E-Book-Preis gleichauf ist mit dem Taschenbuchpreis“, sagt Roswitha Wonka vom Residenz-Verlag. Die Preise für E-Books (und Taschenbücher) liegen in der Regel 30 Prozent unter jenen der Hardcovers.
„Die Verlage verfolgen bei den E-Books eine Preispolitik, die auf das gedruckte Buch zugeschnitten ist“, sagt Kernstock, Buchhändler und Obmann der Buch- und Medienwirtschaft bei der WKO. Ein E-Book koste in der Herstellung etwa 200 Euro. Das seien einmalige Kosten, das Buch lasse sich dann im Prinzip endlos vervielfältigen. Ein gedrucktes Buch hingegen koste zwischen acht und 15 Euro. Pro Exemplar, versteht sich. Das sind, ungeachtet der Kosten abseits der Vervielfältigung, Unterschiede, die sich im Preis niederschlagen müssten – was sie in den USA auch tun.

Österreichische Autoren wehren sich


Wenn die Verleger weniger verlangen, bekommen auch die Autoren weniger pro verkauftem E-Book. Obwohl für sie in einem E-Book die gleiche Leistung drinsteckt wie in einem Hardcover. Dafür verkauft sich das billigere E-Book auch besser, argumentiert Amazon-Chef Jeff Bezos und rechnet vor, dass sich der auf 9,99 Dollar gesenkte Preis durch gestiegene Verkaufszahlen für alle Beteiligten – Autoren, Verlage und Händler - rechne. Dennoch haben unlängst 900 Schriftsteller, darunter Bestsellerautoren wie John Grisham und Stephen King, in einem offenen Brief die Methoden von Amazon scharf kritisiert. Und die deutschen und österreichischen Autoren ziehen nach: Am Freitag wurde ein Protestbrief an Amazon-Chef Jeff Bezos veröffentlicht, den über 500 Autoren, darunter Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek, Josef Haslinger und David Schalko, unterzeichnet haben. In dem Brief werfen die Autoren dem Unternehmen vor, gezielt Empfehlungslisten zu manipulieren und Bücher bestimmter Verlage verlangsamt auszuliefern, um höhere Rabatte durchzusetzen.
„Wir müssen die Leser aufklären, dass die Manipulation der Empfehlungslisten und die verzögerte Auslieferung von Büchern, deren Verlage sich gegen Amazon wehren, zum Alltag bei Amazon gehören“, sagte Regula Venske, Generalsekretärin des PEN-Zentrums Deutschland, dem „Handelsblatt“ am Freitag. Amazon wollte zu dem Schreiben vorerst nicht Stellung nehmen.

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