04.07.2009 23:50 | Meine Presse Merkliste0

Siemens: Hartes Ringen um Sozialplan

27.08.2008 | 18:27 |   (Die Presse)

Im Zuge des konzernweiten Abbaus von 17.000 Stellen sind in Österreich 500 Jobs betroffen. Die Verhandlungen über sozialverträgliche Maßnahmen laufen.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Wien/München (eid/DPA). Die Fakten liegen auf dem Tisch: Der Elektronik-Multi Siemens baut bis 2010 weltweit 16.750 Arbeitsplätze ab, um vor allem die Kosten in Vertrieb und Verwaltung um 1,2 Mrd. Euro zu senken. Österreich – „Perle“ der Auslandsgesellschaften und Steuerungszentrale für den Ost- und Südosteuropa-Cluster – ist von diesem Rationalisierungsprogramm mit 500 Jobs betroffen.

Das ist aber nicht alles: Insgesamt stehen bei Siemens Österreich im Zuge der konzernweiten Umstrukturierung gut 1100 von 13.000 Arbeitsplätzen zur Disposition. Zu den 500 in der Verwaltung kommen rund 100 in der Bahnsparte, die gestrichen werden müssen. Weitere 500 Beschäftigte arbeiten in jenen drei Mechanik-Werken in Wien, Linz und Siegendorf, die im Zuge der Konzentration auf die Kernkompetenzen Industrie/Infrastruktur, Energie und Gesundheit verkauft werden.

Während der Siemens-Gesamtbetriebsrat am Dienstag dem Maßnahmenpaket zur Abfederung der Stellenstreichungen zugestimmt hat, haben in Österreich die Gespräche zwischen Vorstand und Betriebsrat um den Abbau der 500 Verwaltungsstellen erst begonnen. Die zweite Verhandlungsrunde fand am Mittwoch statt. Zentralbetriebsrats-Chef Friedrich Hagl deponiert klar seine Forderung: „Ich will einen hochwertigen Sozialplan, schließlich haben die Leute ja hart gearbeitet und wesentlich dazu beigetragen, dass Siemens Österreich so gut dasteht“, sagt Hagl zur „Presse“. Der Sozialplan soll „Golden-Handshakes“ und Frühpensionierungen genauso umfassen wie Umschulungen und den Wechsel in andere Sparten. Hagl rechnet mit einem Abschluss Ende September.

 

Kosten belasten Bilanz

Über die Kosten kann und will Hagl nichts sagen – das sei Sache der Konzernspitze in München, „die haben ja das Programm aufgesetzt“. Laut „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ liegen die Gesamtkosten für das Maßnahmenpaket bei 800 Mio. Euro, die weitgehend noch im laufenden Geschäftsjahr 2007/08 (Ende September) in der Bilanz untergebracht werden sollen. Analysten schätzen die Belastung auf 500 bis 900 Mio. Euro. Zu den Eckpunkten der Vereinbarung auf Konzerneben zählen der Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen und eine auf bis zu zwei Jahre angelegte „Transfergesellschaft“. Mitarbeiter, die in diese Gesellschaft wechseln, erhalten 85 Prozent des letzten Bruttogehalts. Sie werden dort geschult, beraten und vermittelt.

Siemens-Personalvorstand Siegfried Russwurm (er ist Aufsichtsratschef von Siemens Österreich) zeigte sich erfreut über die rasche Einigung mit den Arbeitnehmervertretern, die ursprünglich mit einem Streik gedroht hatten. Nun könne mit der Umsetzung des „wirtschaftlich zwingend notwendigen Abbaus“ unmittelbar begonnen werden, sagte Russwurm.

Noch keine Verhandlungen gibt es für den Abbau jener 100 Mitarbeiter in den Werken Wien und Graz der Bahnsparte. Hier hofft Hagl, mittels natürlicher Fluktuation Kündigungen vermeiden zu können.

 

Zusätzliches Geschäft

Für die drei Mechanik-Werke soll ein Käufer gefunden werden. Derzeit ist Siemens-Österreich-Vorstand Reinhard Pinzer mit der Sichtung der Interessenten befasst. Auch hier ist Hagls Wunsch klar: „Ich will einen Partner, der zusätzliches Geschäft bringt und die Arbeitsplätze erhält.“

Auf einen Blick

Der Zentralbetriebsrat von Siemens hat dem Sozialpaket für den weltweiten Abbau von 17.000 Stellen zugestimmt. In Österreich wird noch heftig um einen Sozialplan für die betroffenen 500 Beschäftigten gerungen. Betriebsratschef Friedrich Hagl fordert „Golden-Handshakes“ und Frühpensionierungen. In der Bahnsparte sollen 100 Mitarbeiter durch natürliche Fluktuation gehen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.08.2008)

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Artikel kommentieren Kommentieren BookmarkBookmarken bei [Was ist das?]

Als Gast kommentieren

...oder einloggen um als registrierter Benutzer zu kommentieren (Vorteile dieser Variante)

*... Pflichtfelder

Sicherheitscode
(Was bringt das?)*


Schwer lesbar?
Neuen Code generieren

Verbleibende Zeichen

2 Kommentare
Gast: ein Kunde
28.08.2008 13:31

Ein Käufer

Dass die drei betroffenen Standorte verkauft werden, ist eine Sache. Aber wie diese verkauft werden eine andere.

Leider versucht man 3 kompetente komplett unabhängige Geschäftsfelder auf einmal zu verkaufen.

Aber wer kann schon eine Serien-Leiterplattenfertigung, einen Blechbearbeitungsbetrieb und eine Schaltschrankbau gleichzeitig brauche???? (Aus jedem Dorf ein Hund)

Die Chance einen Käufer zu finden ist nicht real!!!!

Es dürfte aber eine „Freunderlwirtschaft“ sein, da ja Intern jemand gefunden worden ist, der diese in Summe negativen Gesellschaften gerne übernehmen würde.

Für Siemens, na klar „erledigt“

Wirtschaftlich gesehen, währe es für die drei Standorte ein Einzelverkauf sehr viel besser. Die Standorte hätten auch Entsprechende Angebote. Womit sie langfristig den Standort sichern als auch den Personalstand noch verbessern könnten.

Trotz dieser Angebote will Siemens auf ein mal verkaufen.

Gast: observer
28.08.2008 09:38

und Gitti EDERER - in Tauchstation?

Welche Rolle hat eigentlich die Gitti Ederer dabei - als prominente Sozialistin sollte sie doch für die Opfer des Kapitalismus kämpfen,
wofür wird sie eigentlich von Siemens bezahlt?

Schlagzeilen Wirtschaft

  • Flughafen Wien: Die vorprogrammierte Schlammschlacht
    Das Finanzdebakel am Flughafen Wien ist noch lange nicht aufgeklärt. Aber schon jetzt zeichnet sich ab, dass in den rot-schwarz dominierten Führungsgremien kein Stein auf dem anderen bleiben wird.
    Österreichische Schrottautos für Afrika
    Jedes Jahr werden 180.000 gebrauchte Autos mehr oder weniger legal aus Österreich vor allem nach Afrika exportiert. Doch jetzt droht der Markt wegen der Verschrottungsprämie einzubrechen.
    Quelle-Katalog: Bibel der Kleinbürger droht das Ende
    Der Versandhändler Quelle braucht staatliches Geld, um doch noch einen Katalog zu drucken. Seit Jahren spekuliert man über das Ablaufdatum der dicken Universal-Kataloge.
  • Fall Madoff: Neue Spuren führen nach Wien
    Im „Fall Madoff“ gibt es schwere Vorwürfe gegen Sonja Kohn, Gründerin der Wiener Bank Medici. Dabei geht es um umstrittene Geldflüsse von rund 40 Mio. Dollar (28,4 Mio. Euro).
    Traden mit dem Momentum
    Wie man Trendwendenmithilfe von technischen Indikatoren rechtzeitig erkennt. Unter den zahlreichen Momentum-Varianten hat sich der sogenannte „Williams %R Momentum“-Indikator bewährt.
    Ohne Job: Generation Krise
    Der Einstieg ins Berufleben wird schwieriger. Die Jugendarbeitslosigkeit steigt daher deutlich stärker als die allgemeine Arbeitslosenquote. Firmen nehmen lieber freigesetzte Mitarbeiter als Neueinsteiger.
  • Verteilungskonflikt: "Wir brauchen Aufstand der Jungen"
    Keine Pension, kein Job und keine Kinder. Droht ein Kampf der Generationen? „Die Verteilungskonflikte zwischen Alt und Jung werden zunehmen“, meint Experte Wolfgang Gründinger.
    Pflege: 22 Prozent mehr offene Stellen als 2008
    Während am allgemeinen Arbeitsmarkt um 38,2 Prozent weniger Menschen eine Beschäftigung haben, fehlen im Pflegebereich Arbeitskräfte.
    AUA: Streik liegt in der Luft
    Wegen des geplanten Stellenabbaus bei der AUA-Tochter könnte es zu Streiks kommen. Betriebsrat Junghans meint aber, dass man gegen die Kündigungen nicht viel tun könne. Sie sollen nur "sozial verträglich" sein.
  • SPÖ: An der Peripherie der Macht
    Jetzt hat es die SPÖ quasi amtlich: Die Partei hat massiv an Macht und Einfluss in der Wirtschaft eingebüßt. In einem Ranking der hundert einflussreichsten Österreicher findet sich nur eine Handvoll SPÖler.
    Skylink: Rechnungshof macht Druck
    Die Oppositionsparteien fordern eine Untersuchung des Finanzdebakels. Derzeit kann der RH ein Unternehmen nur prüfen, wenn die öffentliche Hand mindestens 50 Prozent der Anteile hält.
    Kroatien/Slowenien: Polemisch um Gäste buhlen
    Slowenien macht Kroatien die Urlauber aus Serbien abspenstig – mit einer Kampagne voller Spott und Ressentiments.