Billa-Hausverstand wird weiblich

Die Handelskette Billa setzt auf Frauen und erweitert ihr Sortiment mit Services wie Paketannahmen.

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Billa

Wien. Am liebsten hätte man einfach den Artikel verändert. Weil aber „Die Hausverstand“ statt „Der Hausverstand“ dann doch nicht so überzeugend rüberkommt, ist die Supermarktkette auf „Mein Hausverstand“ umgeschwenkt. Beworben aber wird der Retailer ab sofort eindeutig von einer Frau. Das treffe den Zeitgeist der Menschen, erklärte Billa-Vorstand Josef Siess am Mittwoch gegenüber Journalisten in Wien: Frauen würden eben eher Attribute wie Nähe, Achtsamkeit, Intuition und Leichtigkeit verkörpern. Ja, und sie stellen immerhin zwei Drittel der Billa-Kundschaft.

Getrieben von Amazon

Zehn Jahre nach dem Strategiewechsel geht Billa nun also wieder einen neuen Weg. Das demonstrative Gendern ist dabei nur eine der Veränderungen. Die andere ist der Schwenk hin zum Rundumversorger, weil die Beschränkung eines Lebensmittelhändlers auf den Verkauf von Lebensmitteln heute einfach nicht mehr ausreiche, so Siess und sein Vorstandskollege Robert Nagele. Die dritte Weichenstellung betrifft die Digitalisierung und den Online-Versand.

Besonders beim letzten Punkt ist es mehr als ein Zufall, dass gerade einmal einen Tag zuvor Billa-Konkurrent Spar als letzter Vollsortimenter den Einstieg in den Online-Versand von Lebensmitteln – vorerst in Wien – bekannt gab. In der Branche ist man sich einig, dass im Online-Handel noch lange nicht das große Geschäft zu machen sein wird. Aber ob man will oder nicht, man muss dabei sein, zumal der Internetriese Amazon in Deutschland bereits den Versand von Lebensmitteln testet.

„Amazon und Google dringen vor in die Haushalte, da wollen wir dabei sein“, erklärte denn auch Billa-Vorstand Nagele gestern das Motiv, die Online-Aktivitäten, die erst 2015 richtig angelaufen sind, zu forcieren. Billa kann immerhin bereits ganz Österreich als Vollsortimenter beliefern. Im ersten Halbjahr 2017 wird ein Food Fullfillment Center in Wien errichtet, um den Großraum Wien mit frischen Lebensmitteln zu beliefern.

Gleich wie bei Spar sind die bisherigen Online-Umsätze von Billa mehr als marginal. Zwar sind sie bei Billa gegenüber 2015 um 200 Prozent gestiegen. Damit generiert der Online-Shop derzeit aber dennoch nur so viel Umsatz wie fünf Billa-Filialen zusammengenommen. Bis 2030 soll er so hoch sein wie von 25 bis 30 Filialen. Zur Einordnung: Billa betreibt derzeit 1050 Filialen. Spar-Chef Gerhard Drexel hatte tags zuvor erklärt, er erwarte künftig drei bis vier Prozent aus dem Online-Geschäft, aber nicht zehn Prozent.

Rundumversorgung

Online hin oder her: Wirklich im Fokus steht bei Billa momentan ohnehin der Schwenk hin zum Rundumversorger. Man wolle vom Paketservice über Bankdienstleistungen und Stromversorgung bis zum Partyservice alles anbieten, sagten die Billa-Vorstände gestern.

Stichwort Paketservice: Zum gegenwärtigen Zeitpunkt nehmen 135 Filialen Pakete – etwa von DHL – auf Wunsch der Kunden zur Lagerung und späteren Abholung entgegen. Bis zum Jahresende sollten es 400 bis 500 Filialen sein.

Um die zusätzlichen Serviceangebote, zu denen auch Bankomaten oder Bargeld-to-go gehören, unterzubringen, vergrößert Billa die Filialen. Im Unterschied zu den derzeit durchschnittlich 600 Quadratmetern pro Filiale sind neue Standorte mit 800 bis 1.000 Quadratmetern konzipiert. Für 2016 erwartet Billa ein Umsatzplus von fünf Prozent gegenüber 2015. (est)

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.09.2016)

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