Oberster ÖBB-Personalchef Franz Nigl entmachtet

28.09.2009 | 17:00 |  Hanna Kordik (Die Presse)

Die Krankenstandsaffäre bei den Bundesbahnen hat erste Konsequenzen: Die ÖBB-Aufsichtsräte haben DLG-Geschäftsführer Franz Nigl am Wochenende einstimmig degradiert. Ihm wird ein Aufpasser zur Seite gestellt.

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WIEN. Rund um den Datenskandal bei den Österreichischen Bundesbahnen haben sich die Ereignisse am Wochenende überschlagen: ÖBB-Chef Peter Klugar und Aufsichtsratspräsident Horst Pöchhacker sind in der Angelegenheit aktiv geworden – in einem sogenannten Umlaufbeschluss haben die Aufsichtsräte der ÖBB-Holding einstimmig Franz Nigl als Geschäftsführer der Dienstleistungsgesellschaft DLG entmachtet. Emmerich Bachmayer wurde dem in Ungnade gefallenen Nigl als Aufpasser zur Seite gestellt. Die DLG ist im Konzern unter anderem für das gesamte Personalmanagement der Bundesbahnen verantwortlich.

Die Eile, mit der am Wochenende vorgegangen wurde, ist erstaunlich. Zumal der Aufsichtsrat der Holding am vergangenen Dienstag stundenlang getagt hat – ohne Ergebnis. Damals haben zwar etliche Aufsichtsräte Nigls Rücktritt gefordert, der 46jährige ÖBB-Manager erhielt allerdings massive Rückendeckung von Pöchhacker. Eine Reihe von Aufsichtsräten bezeichnete am Dienstag Franz Nigl als Hauptverantwortlichen für die Affäre: Im Mai 2008 hat ein ÖBB-Betriebsrat im Rahmen einer Aufsichtsratssitzung auf vermutete Missstände bei der Erfassung von Krankenstandsdaten von ÖBBlern hingewiesen. Damals wurde Nigl beauftragt, der Sache nachzugehen. Der gab allerdings einen Monat später Entwarnung: An der Sache sei nichts dran, lautete seine Conclusio.

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Nigl: „Stand unter großem Zeitdruck“

Im Gespräch mit der „Presse“ rechtfertigte er sich vergangene Woche damit, dass sein Bericht damals vom ÖBB-Vorstand „mehrmals urgiert“ worden sei, er sei unter „großem Zeitdruck“ gestanden. Gleichzeitig räumte er ein, einen „Fehler“ begangen zu haben: „Ja, es war ein Fehler, dass ich mit zu wenig Nachdruck den Dingen nachgegangen bin.“

Dass die Aufsichtsräte nun mit einigen Tagen Verspätung die Entmachtung Nigls als DLG-Chef beschlossen haben, liegt daran, dass offenbar „Gefahr im Verzug“ besteht: Intern heißt es, die Causa würde „eskalieren“. Es werden bereits Vergleiche mit der Spitzelaffäre bei der Deutschen Bahn gezogen. Der Aufsichtsrat musste rasch handeln, um nicht selbst haftbar zu werden. Die nächste ÖBB-Aufsichtsratssitzung findet erst Ende November statt – da sei es in der heiklen Causa zu spät für Beschlüsse dieser Art, heißt es.

Ex-Personalchef des Bundeskanzleramts

Der neue DLG-Geschäftsführer Bachmayer, der seit einigen Monaten in den ÖBB als Personalchef unter Nigl arbeitet, gilt als Spezialist für das Beamtendienstrecht – er war vor seinem Wechsel zu den ÖBB Personalsektionschef im Bundeskanzleramt. Dass er jetzt Nigl zur Seite gestellt wird, zeugt von einem massiven Vertrauensverlust gegenüber dem bisherigen Alleingeschäftsführer der DLG. Tatsache ist, dass Nigl allein nichts mehr entscheiden kann. ÖBB-Sprecher Alfred Ruhaltinger zur „Presse“: „Die DLG hat ab sofort zwei Geschäftsführer, die nach dem Vieraugenprinzip entscheiden.“ Insider gehen freilich davon aus, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis Nigl gänzlich abberufen wird.

Mit der Demontage von Franz Nigl ist die Sache für den ÖBB-Vorstand allerdings noch nicht ausgestanden. In Krisensitzungen wird bereits überlegt, forensische Gutachten für gelöschte/zu löschende Krankenstandsdaten anfertigen zu lassen. Dies sei für Dokumentationszwecke, also den Erhalt von Beweismitteln notwendig. Teuer wird das Ganze in jedem Fall: Solche forensischen Gutachten kosten hunderttausende Euro.

Aufregung wegen Vergabeverfahrens

Mittlerweile schlägt auch ein Bericht der „Presse“ von vor wenigen Wochen über angebliche Bieterbevorzugung bei der Bestellung von Containerstaplern durch die ÖBB politisch hohe Wellen: Wie berichtet, hat ein Bericht der Internen Revision im Konzern disziplinarrechtliche Konsequenzen gegen Einkaufschef Walter Eschbacher empfohlen, weil Eschbacher (ein enger Vertrauter von ÖBB-Chef Peter Klugar) während des Bieterverfahrens telefonischen Kontakt mit einem der Bieter gehabt haben soll. Es gilt die Unschuldsvermutung, Eschbacher bestreitet die Vorwürfe. Das BZÖ sieht in der Causa Staatsanwaltschaft und Rechnungshof gefordert.

(Die Presse, Printausgabe, 29. 9. 2009)

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38 Kommentare
 
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Gast: Karl Graus
29.09.2009 18:07
0

Geldverbrennung

Als Netto- Steuerzahler bin ich fassungslos wie in den von der ÖIAG geführten Unternehmungen mein Geld mit System verbrannt wird.
Wo bleiben da unsere Spitzenpolitiker die dem Einhalt gebieten??

Welche politische Richtung nimmt sich dieser Problematik mit Nachdruck an- und liefert keine Scheingefechte...

LÖSUNG AL LA ÖBB

Anstatt die eine "Flasche" hochkantig rauszuwerfen, stellt man ihm eine (wahrscheinlich - es gilt die "Unschuldsvermutung") zweite Flasche zum selben Gehalt daneben.

Eine wahrhaftig grandiose Lösung a la österreichischer Staatsbetrieb!!!

"Inschenoere" wie Franz Nigl gibt es viele in Oesterreich

denn alle HTL Abgaenger glauben Sie wissen alles. Dazu passend wie der Deckel zum Fass : "Those who kick the boot that feeds them, usually lick the boot that kicks them". Nigl unter Druck, Mit Listen von 'Ghostworkers' hatte ich jahrzehnte zu tun, die Ueberpruefung von tausenden Mitarbeitern auf Payroll ist kein Kinderspiel, aber kann forciert werden. Nur mit Arroganz, Spruechemachen, Besserwisserei ist der Sache nicht abgeholfen. Und warum hatten die Aufsichtsraete, das Obere Management, die Controlling, Buchhaltung von den Ghostworkers nichts gewusst? Weil man in Oesterreich sagt : Das geht mich nichts an, das ist Personalsache. Nonsense.

Gast: "mit ein wenig Wissen zur Sache"
29.09.2009 12:23
0

Der Ing. Franz Nigl geht, das Problem bleibt

Leider ist Faktum, dass in der ÖBB und auch in anderen staatsnahen Betrieben (Post, ORF ...) sich ein Filz von unhaltbaren und insbesonders angesichts der derzeitigen Wirtschaftskrise untragbaren "wohlerworbenen Rechten" eingebürgert hatte. Diese werden, ohne Vernunft und Sicht auf die Zukunftssicherheit (vor allem der jungen Belegschaft) von den politisch agierenden Gewerkschaften mit Klauen und Zähnen verteidigt. Geschützt werden dabei nicht zuletzt die eigenen Vorteile. Das Management, heute schon beträchtlich unter Erfolgsdruck, schließlich ist selbst in staatsnahmen Betrieben nicht angenehm kkein Geld mehr zu haben, agiert mit teilweise unakzeptablen Mitteln - der Herr Ing. Nigl ist nur der Erfüllungsgehilfe, der dafür bezahlt und gefördert wird, die Drecksarbeit zu machen und bei Bedarf abgeschossen zu werden.

Antworten Gast: Karl Valentin
29.09.2009 14:22
0

Re: Der Ing. Franz Nigl geht, das Problem bleibt

'mir ein wenig wissen zur Sache'

Dann zählen sie al auf welche wohlerworbenen Rechte sie zu kennen glauben.

Nur der Nigl?

Der Nigl wird jetzt halt "geopfert"? Selbstverständlich ohne seinen Lebensstil zu bedrohen.
Aber er war es sicher nicht alleine, die gesamte ÖBB Führung uns der Betriebsrat haben das selbstverständlich gewusst und zumindest nicht bekämpft.

Solange Datenschutzverbrechen in AT als Kavaliersdelikte angesehen werden, wird sich dies auch nicht ändern.
Für das Stehlen von 50€ aus einer Handtasche wirste in AT härter bestraft.

Nigl als "Retter" der ÖBB

ist wohl der Witz des Tages. Selbst die zuständige Krankenkasse bestätigt eine durchschnittliche Krankenstandsdauer von 14 Tagen bei der ÖBB - und das sind gerade mal 1-2 Tage über dem ASVG Durchschnitt. Wer die 18 Tage erfunden hat? Vermutlich die DLG unter Hrn.Nigl selbst. Der war übrigens bereits bei Post und später TA sehr erfinderisch im Verunglimpfen und Entfernen von Personal. Er scheint aber politisch perfekte Beziehungen zu pflegen - also braucht man sich wohl keine Sorgen um sein zukünftiges Einkommen machen; wird schon brav versorgt werden...

Gast: Radetzky
29.09.2009 10:06
0

Ich schlage Franz Nigl für den Maria Theresien Orden vor !



.

Gast: Lumpazi
29.09.2009 09:58
0

Verzicht


Die ÖBB-Strukturreform 2009 umfaßt auch die Auflösung der Dienstleistungs GmbH.

Da kann man doch leicht auf den Bosnigl verzichten. Oder?



Gast: gast
29.09.2009 09:04
0

die eile ist nicht verwunderlich ..

sie ist entstanden, weil in der Zeitung gestanden ist, dass er vom aufsichtsrat gehalten wird .. da dürften ein paar politiker realisiert haben, dass es schlecht für den wahlausgang ist, wenn kriminelle gehalten werden, und mit den aufsichtsräten halt tacheles geredet haben ..
also bitte weiter so mit der berichterstattung ., vielleicht schafft ihr es doch, zumindestens die offensichtlich kriminellen vom futtertrog zu verdrängen ...

Gast: BSA
29.09.2009 08:29
0

Wie lange noch ?

Wie lange noch wird es dauern, bis sich der einfach Bürger diese Aktionen noch gefallen lässt ? Wann steigt jemand auf die Parikaten und stürtzt diese ganze Meute ???

Der Nigl der sich bemüht hat die Mißstände in den Griff zu bekommen wird jetzt abgeschossen !!!!!

Sind diese Typen alle krank ? die Parteiponzen, der Filtz, Proportz, Pateipolitik.

27Sozialversicherungsanstalten und diese nicht mal in Konkurenz zu einander ?
Gemeindeebene-Bezirksebene-Landesebene-Bundesebene-EU
welche Ebene(n) ist zu viel ?
ÖBB vernichtet Geld, AUA mit 500Mio Mitgift verschenkt, Postämter per Bescheid offen gelassen? Skylinl Baueingestellt

Das ist aber nur die Spitze des Eisberges.

Danke, Danke, Danke an unsere Politiker, ich liebe die SPÖ


Re: Wie lange noch ?

nicht aufregen! es heisst KORRUPTION und davon kann oesterreich ein lied singen, immer natuerlich hinter vorgehaltene hand... du wiesst schon... pssssshhhht! ("der sepp... pfua de hod's riachtig gmocht... supa! und a pension kriagt de a nu dazua!!!)

Ein Sittenbild der ÖBB

zu Zeiten des Aufsichtsratsvorsitzenden. Es ist überaus bedauerlich daß die öffentliche Hand niemanden sonst als Oberaufseher diese Konzerns bestellen konnte.
Entweder du trägst Verantwortung und bestimmst das Personal.
Oder du bist ein Dummschwätzer der gar nichts zu sagen hat und verteidigst die Personalwahl der Politiker.

Typisch österreichisch: da gibt es einen Krankenstandsskandal (27 Tage pro Bediensteten1), aber rausgeworfen wird der Skandalsbekämpfer


Und dann wundern sich die Steuerzahler warum die ÖBB ca. 6.000 Millionen Euro JÄHRLICH kostet!

6.000 Millionen Euro! Jährlich!

Antworten Gast: Gedankenräuber
30.09.2009 18:40
0

Re: Typisch österreichisch: da gibt es einen Krankenstandsskandal (27 Tage pro Bediensteten1), aber rausgeworfen wird der Skandalsbekämpfer

Sprich nichts, wenn`st nicht`s weisst!
Schreib nichts, wenn`st dich nicht auskennst!

Schweig lieber und behalte deine unsinnigen, nachgeeiferten Gedanken für dich!!

es war einmal

ein bediensteter der ÖBB. der gute hat seiner kranken tochter eine niere gespendet und dadurch unglaubliche 30 krankenstandstage angehäuft.
und prompt wurde er nicht befördert. das war allerdings schon vor 5 oder 6 jahren.
sich jetzt hinzustellen und so zu tun als wären das neue schweinereien ist ein starkes stück. die sind schon uralt.

Antworten Gast: ASVG-Sklave
29.09.2009 14:07
0

Re: es war einmal (so fangen alle Märchen an).

verstehe ich jetzt nicht: Wollen Sie damit sagen, dass die ÖBB ein selbstloser Verein von Nierenspendern ist, der zu Unrecht durch den Kakao gezogen wird? Gehen Sie Nieren spenden. Sie vergeuden hier Ihre Zeit.

der diebstahl am steuerzahler zur erhaltung dieser öbb

ist ein weiteres verbrechen welches die spö zu verantworten hat,

Re: der diebstahl am steuerzahler zur erhaltung dieser öbb

wenn wer die steuerzahler bestiehlt,dann die bauern,die wirtschaft und zu guter letzt die gaunerbanken die milliarden kriminell verzockt haben,und dann geld aus dem steuertopf bekommen haben,ahne auflagenn die gaunereien nicht mehr zu begehen!die mißwirtschaft bei den öbb haben die minister der blau-schwarz-orangen gaunerregierung in sieben jahren vervielfacht. dann noch der faymann der schon als minister in dienste der schwarzen gewesen ist.der hat das ganze nicht verbessert und die bures ist halt eine von der wiener partie .

Gast: Richter
28.09.2009 19:02
1

Eine Ende mit Schrecken

Pöchhacker verkommt zur Witzfigur. Mit ihm der komplette Aufsichtsrat. Ähnlich unprofessionell agierte er auch in der Causa Huber. Zuerst die Stange halten, Ansprüche und Ansehen in schwere Konflikte verwickelter wahren helfen, und dann abservieren. Zahlt eh alles der Steuerzahler. Jene die ihrer Arbeit noch mit Anstand nachgehen sind die Dummen un dürfen die Fäuste ballen. Und Faymann wundert sich wie es sein kann das sich immer mehr von dieser SPÖ abwenden? Sind Huber oder Nigl Ausländerprobleme gewesen? Es gäbe genug unter hiesigen Strizzis zu ergründen.

„Stundenlang getagt - ohne Ergebnis“

das passt zum Gewerkschaft Vorzeigebetrieb, arbeiten wo unterm Strich nichts raus kommt. Kurs wird also beibehalten und man baut weiter auf die Hoffnung, d.h. dass sich das Sozialistische Märchen erfüllt.

+++ DLG +++

Nigl hätte die DLG sowieso nur mehr ein paar Wochen geleitet.
Das war seit Monaten so vorgesehen.

Gast: ASVG-Sklave
28.09.2009 18:05
1

instinktiv

Ich glaube dass Krankenstände in der ÖBB niemals zwecks Kontrolle, sondern lediglich zur Verwaltung der verbleibenden "Krankenstandsansprüche" aufgezeichnet wurden. Die Krankenstandsliste fungierte als zweite Urlaubsliste. -- Von einer angeblichen "Überwachung" (im Sinne einer vorbeugenden Maßnahme) kann keine Rede sein.

Gast: ASVG-Sklave
28.09.2009 17:59
1

"zur Seite gestellt" = doppelte Gehaltskosten

nur noch Kopfschütteln

Re: Sie können den Kopf noch schütteln?

Dann beklagen Sie sich, bitte, nicht! Mein offener Mund weigert sich seit geraumer Zeit, zuzugehen und erzeugt dadurch eine unglaubliche Halsstarre, die jedes Kopfschütteln unterbindet.

Nigl manifestiert die Typen bei der TA und wahrscheinlich andere Firmen

Auch andere Manager sind um nichts besser, der Hr. Nigl ist sogar etwas eleganter, es rennen auch ganz andere ungehobelte arrogante dilletante Komplexler durch die Hallen. Nur so zu sagen, niemand hat was gewußt, wäre eine verkürzte Darstellung. Es gibt zwar unterdurchschnittlich schwache Gewerkschafter, aber dann sollen Sie sagen, wir sind der Aufgabe nicht gewachsen und geben unseren akademikerbezahlten Job an Fähigere ab (Wunschdenken von mir) . In unserer Gesellschaft wird gelogen, dass sich die Balken nur so Biegen. Dass ganz wenige unheimlich schnell reich werden, ist damit begründbar, dass die Rosinen unter Aufsicht von ÖIAG etc. aus dem Kuchen gepickt werden. Wenn einzelne Leute Provisionen kriegen in dreistelliger Millionenhöhe bei einzelnen Deals, dann muss man mit Gewalt tausende Mitarbeiter abbauen. Hier sind wir bei den unmoralischen Parteifördergeldern, die Abgaben sind zwar eh nur im Prozentbereich, aber trotzdem für die Partei fulminant. Und nur wer sich ordentlich fürchtet, hackelt bis zum Umfallen und läßt sich alles gefallen. So funktioniet perfektes Mbbing und Bossing wie von selbst. Sklaventreiberbetriebe könnte man meinen.

 
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