Diesel: BMW-Rekord mit viel Unsicherheit

Noch nie hat BMW in Steyr so viele Motoren hergestellt, wie 2016. Doch der Diesel ist in Bedrängnis, ein Rückgang um 30 Prozent sei denkbar, glaubt Motorenchef Wölfel.

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1,26 Millionen Motoren wurden vergangenes Jahr in Steyr hergestellt.
1,26 Millionen Motoren wurden vergangenes Jahr in Steyr hergestellt. – (c) APA/MARKUS LEODOLTER (MARKUS LEODOLTER)

Wien. Man kann den Erfolg des BMW-Motorenwerks in Steyr an einem einfachen Umstand messen: es gibt Parkplatzprobleme. Das Werk in Oberösterreich hat 4500 Mitarbeiter, die vergangenes Jahr 1,26 Millionen Motoren hergestellt haben. So viele, wie noch nie in der 35-jährigen Geschichte (der Umsatz erreichte 3,9 Milliarden Euro).

Doch der Rekord des weltweit größten Motorenwerks, in dem 80 Prozent aller BMW-Motoren hergestellt werden, steht auf wackeligen Beinen. Denn es gibt einen großen Unsicherheitsfaktor: die Zukunft des Diesels. Der Treibstoff ist in den vergangenen Monaten öffentlich und politisch massiv unter Druck geraten. Es gibt Fahrverbote für ältere Dieselautos in einigen europäischen Städten, andere diskutieren darüber, die Steuerbegünstigung wird nicht nur in Österreich in Frage gestellt, und eine Studie der Schweizer Bank UBS bescheinigt dem Diesel im Jahr 2025 bei den Neuanmeldungen „weitgehende Bedeutungslosigkeit“.

 

Flexibilität in Steyr

„Ich glaube nicht, dass der Diesel stirbt“, meinte Gerhard Wölfel, Geschäftsführer des BMW-Motorenwerks in Steyr, bei der gestrigen Bilanzpressekonferenz in Wien. Diesel sei schon oft totgesagt worden, aber es gebe derzeit wenig Alternativen in Bezug auf Effizienz, Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit. In Europa hätten 80 Prozent aller verkauften BMW-Fahrzeuge einen Dieselmotor. Auch sei Diesel wichtig, um die Umweltziele in Bezug auf die Treibhausgase zu erreichen (Diesel verursacht weniger CO2,). Elektroautos könnten diese Rolle auch in den kommenden Jahren nicht in dem Umfang übernehmen, glaubt Wölfel.

Privat allerdings – und BMW legte auf Nachfrage leicht nervös ausdrücklich Wert darauf, dass dies ausschließlich Wölfels Privatmeinung sei – glaubt der Motorenchef, dass der Anteil an Dieselfahrzeugen stark zurückgehen wird. „30 Prozent weniger als heute in den nächsten zehn Jahren“, meinte er bei der Pressekonferenz. Vor allem in den unteren Leistungsstufen werde Diesel durch Benzin- oder Benzin-Hybrid-Modelle verdrängt. Gerade Hybridfahrzeuge hätten großes Wachstumspotenzial.

Was bedeutet diese Entwicklung für das Motorenwerk in Steyr, in dem im vergangenen Jahr 868.229 Diesel-, aber nur 393.150 Benzinmotoren hergestellt wurden? Wölfel macht sich darüber – jetzt wieder offiziell – keine Sorgen. Man sei sehr flexibel, eines der drei Produktionsbänder könne sowohl Benzin- als auch Dieselmotoren produzieren. Eine Umstellung auf 50:50 sei „problemlos“ möglich. Von 2015 auf 2016 zeigte sich bereits ein Trend: Die Produktion der Benzinmotoren legte um 19,3 Prozent zu, jener der Dieselmotoren nur um 1,9 Prozent.

In Bezug auf die Belegschaft dürfte es auch bei radikalen Änderungen in Steyr keine massiven Einschnitte geben. Von den 4500 Mitarbeitern sind etwa 25 bis 30 Prozent Zeitarbeiter. Zudem kommen etwa 30 Prozent in den nächsten zehn Jahren ins Pensionsalter. „Wir haben in Steyr Strukturen geschaffen, die den Standort auf jeden Fall für die nächsten 25 Jahre absichern“, meinte Wölfel.

BMW Austria selbst konnte im abgelaufenen Jahr ebenfalls Rekordumsätze verzeichnen. Der Autoabsatz erhöhte sich um 15,9 Prozent auf 19.218 Fahrzeuge, bei Mini gab es ein Plus von 12,8 Prozent (2841 Autos) und bei den Motorrädern von 8,9 Prozent auf 1807 Stück. Der Umsatz der gesamten Fahrzeugsparte legte um 5,9 Prozent auf 905,7 Mio. Euro zu. Für heuer erwartet BMW-Austria-Chef Chris Collet ebenfalls gute Umsätze, weil es einige neue Modelle geben werde.

 

X-Modelle am beliebtesten

Am beliebtesten sind in Österreich die X-Modelle. 41 Prozent aller verkauften BMW kamen aus der SUV-Sparte. Besteller war der X1 (4000 Einheiten). Wichtig für 2017 sei laut Collet der neue BMW 5er, der bei Magna in Graz gefertigt wird. Bei den Elektrofahrzeugen erfreut sich der i3 steigender Beliebtheit. Der Absatz stieg im Vergleich zu 2015 um 170 Prozent auf 794 Zulassungen. Bei den Hybridmodellen erreichten die Bayern in Österreich einen Anteil von 42 Prozent (465 von 1100 Modellen). (rie)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.02.2017)

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