Post: Streit in der Türkei eskaliert

Der Streit zwischen der Post und dem türkischen Partner Aras Kargo blockiert nach einer neuen Eskalation die Firma. Ein vom Gericht eingesetzter Treuhänder hat jetzt das Sagen.

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(c) Die Presse - Clemens Fabry

Wien/Istanbul. Es sollte ein Vorzeigeprojekt für das Engagement eines österreichischen Unternehmens im Ausland werden – die Beteiligung der Post beim türkischen Logistiker Aras Kargo. Was vor vier Jahren als vielversprechende Partnerschaft gefeiert wurde, entwickelte sich zu einem Rosenkrieg. Der monatelange Schlagabtausch um die vereinbarte Aufstockung der Postanteile auf 75 Prozent und die Zukunftsstrategie der Aras Kargo, der inzwischen vor mehreren Gerichten ausgetragen wird, hat nun einen neuen Höhepunkt erreicht: Mehrheitseigentümerin und Firmenchefin Evrim Aras, die die Post loswerden will, behauptet, vom Istanbuler Handelsgericht als Treuhänderin der Kargo eingesetzt worden zu sein.

Womit, wie Aras per Aussendung betont, alle finanziellen Transaktionen des Unternehmens über sie als Treuhänder laufen. Die Vertreter der Post seien nicht mehr zeichnungsberechtigt.

„Das stimmt so nicht und entbehrt jeder Grundlage“, kontert umgehend die Post: „Es ist tatsächlich ein Treuhänder bestellt worden, aber nicht Frau Aras, sondern Ileri Akinci“, sagt Postsprecher Michael Homola zur „Presse“. Der Steuerberater und Rechnungsprüfer, der immer wieder von türkischen Gerichten als Treuhänder eingesetzt wird, sei auch nicht von Aras, sondern der Post gefordert worden. Dazu habe man das Istanbuler Anatolische 9. Handelsgericht angerufen – das entschieden habe. Die Zeichnungsberechtigung für bestimmte Finanztransaktionen der Firma Aras, etwa mit Banken, sei nun von der Post und Evrim Aras auf den Treuhänder übergegangen. Sie wiederum behauptet, die Österreicher hätten alle Initiativen, einen Treuhänder einzusetzen, verhindert.

Die Post bestätigt, dass das von ihr angerufene Schiedsgericht in Genf ihren Antrag dazu abgelehnt hat. Mit der Begründung, dass es nicht in den innerstaatlichen Rechtsstreit eingreifen werde.

Es steht also Aussage gegen Aussage, was die Aras Kargo lähmt. Zumal der Streit weitergeht. Nach wie vor sei das Schiedsgericht am Wort, betont Homola. Die Post will aber auch gegen die nunmehrige Verbreitung falscher Tatsachen rechtliche Schritte einleiten. Sie lehnt auch das Angebot von Evrim Aras ab, den Viertelanteil mit einem Aufschlag von mehr als 40 Prozent zurückzukaufen. „Das kommt für uns nicht infrage, wir halten an unserem Engagement fest“, betont Homola.

 

Gewinn unter Erwartungen

Die Post hat 2013 25 Prozent am zweitgrößten türkischen Logistiker übernommen und 50 Mio. Euro gezahlt. Wie vereinbart, hat die Post im Juni 2016 die Option auf weitere 50 Prozent gezogen. Damit begann der Zwist. Vor allem Evrin stellte sich gegen das Vorhaben und erhob massive Vorwürfe gegen die Post. Sie habe Investitionszusagen nicht eingehalten, die Entwicklung des Unternehmens behindert und die Marke zerstört. Jetzt spricht Aras von einem „erheblichen wirtschaftlichen und emotionalen Trauma“. Die Post habe „eine bewusste und boshafte Haltung gezeigt, um die Erhöhung des Wertes von Aras Kargo zu verhindern“. Der Wert ist der springende Punkt: Der Preis für den Zukauf sollte aus dem Gewinn des Geschäftsjahres 2015 errechnet werden. Dieser ist jedoch deutlich unter den Erwartungen geblieben.

Unternehmensberaterin Hannelore Struger-Waniek, die selbst jahrelang in Istanbul für verschiedene Unternehmen tätig war, meint, dass der Konflikt zwischen Post und Aras spezielle Wurzeln habe. Sie verweist dennoch auf eine Studie des Beraters PKF, der Gründe für das Scheitern ausländischer Investoren in der Türkei untersuchte. Dabei zeigte sich, dass österreichische, wie auch französische und russische Firmen zu wenig auf kulturelle und gesellschaftliche Besonderheiten der Türkei eingehen. Sie sind mit ihren Investments weniger erfolgreich als Deutsche und Amerikaner.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.02.2017)

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