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Schulschikurse: „Verlieren eine Generation Skifahrer“

04.11.2009 | 18:22 |   (Die Presse)

Die Wirtschaftskammer will die Pflicht zum Schulskikurs wieder einführen, um den Nachwuchs auf den Pisten zu sichern. Im Ministerium will man die Wahlfreiheit beibehalten.

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WIEN (cim). Wenn der Nachwuchs nicht freiwillig auf die Skipisten kommt, dann müsse man ihn dazu eben verpflichten. So oder so ähnlich stellt man sich in der Wirtschaftskammer (WKÖ) die Zukunftssicherung des Wintersports vor. Hans Schenner, Obmann der Bundessparte Tourismus der WKÖ, fordert die Wiedereinführung der Skikurspflicht. Immerhin haben 1995 noch 240.000 Schüler an Skikursen teilgenommen, derzeit sind es etwa 150.000 pro Jahr. Einerseits, weil die Schülerzahl sinkt. Aber der Wintersport verliert auch gegenüber anderen Sportarten oder Sprachwochen.

„Wir haben fast eine Generation Skifahrer verloren“, so Schenner. Eine halbe Million Schüler sei seit der Abschaffung der Pflicht zum Skikurs Mitte der 1990er nicht auf Wintersportwoche gefahren.

Schenner fordert die Einführung verpflichtender „Österreich-Wochen“. Je eine Woche in der Unter- und Oberstufe soll als Sportwoche in Österreich verbracht werden, eine davon im Sommer, eine im Winter. Zwei solche „Bewegungswochen“ sind auch jetzt vorgeschrieben. Allerdings werde das oft nicht ernst genommen, meint Ewald Bauer, der Leiter der Abteilung für Bewegung und Sport im Bildungsministerium. Die letzte Erhebung habe ergeben, dass etwa 70Prozent der Schulen Sportwochen anbieten. „Auch dann kann aber niemand die Schüler zwingen, daran teilzunehmen“, sagt Bauer.

 

Teurer Spaß im Schnee

Im Ministerium sieht man keinen Grund für eine neuerliche Skikurs-Pflicht. Schließlich sei die Wahlfreiheit eingeführt worden, weil es ein „enormes Interesse“ an anderen Angeboten gegeben habe, sagt Nikolaus Pelinka, der Sprecher von Ministerin Claudia Schmied. Da die Sportwochen großteils in Österreich abgehalten werden, bleibe die Wertschöpfung ohnehin im Land.

Für den Tourismus bedeutet es dennoch einen enormen Verlust, wenn immer weniger Kinder Skifahren oder Snowboarden lernen. Immerhin hat der Schulskikurs jeden fünften österreichischen Wintersportler auf die Bretter gebracht, besagt eine Studie des Instituts für Sportökonomie (SpEA).

Jemand, der mit weniger als zehn Jahren mit dem Skifahren beginnt, gibt während eines Skifahrerlebens für dieses Hobby im Schnitt etwa 47.000 Euro aus, so eine Erhebung der Seilbahnbetreiber. Der hohe Preis hält viele Kinder von den Pisten fern. Eine Woche Skikurs kostet derzeit zwischen 280 und 450 Euro. Die WKÖ rechnet vor: Eine Woche in Radstadt kommt auf 330 Euro, 200 Euro davon für die Unterkunft, 75 Euro für eine (stark vergünstigte) Liftkarte, 50 Euro für den Transfer, 35 Euro für den Verleih von Ausrüstung.

Kinder aus ärmeren Familien werden unterstützt. Entweder direkt in den Schulen, durch Elternvereine oder private Sponsoren. Wenn eine gewisse Einkommensgrenze unterschritten wird, gibt es öffentliche Zuschüsse von maximal etwa 180 Euro. Schenners Ziel ist, dass jedes Kind, auch wenn es aus einer Migrantenfamilie ohne Bezug zum Wintersport stammt, zumindest einmal auf Skikurs war. Sozial benachteiligten Kindern müsse man den teuren Sport durch Förderungen zugänglich machen.

 

Aufregung um Mehrwertsteuer

In naher Zukunft will Schenner das Geschäft der Wintersportregionen mit einem höheren Budget für die Österreich Werbung sichern. Das sei ihm wichtiger als eine Mehrwertsteuersenkung. In Deutschland zahlen Beherbergungsbetriebe ab 2010 nur mehr sieben statt 19 Prozent Mehrwertsteuer.

„Bei einer Stagnation einen Mitbewerber zu bekommen, der Preise senken kann, ist eine Katastrophe“, meint Peter Peer, der Präsident der Österreichischen Hoteliervereinigung, und fordert eine Senkung von zehn auf sieben Prozent.

AUF EINEN BLICK

Eine Pflicht zum Skikurs soll die Kinder wieder zum Wintersport bringen und die „Tradition des Skifahrens“ für die Zukunft sichern, fordert Hans Schenner, Tourismus-Obmann der WKÖ.

Seit Mitte der 1990er können Schulen wählen, ob sie lieber Ski fahren, klettern oder segeln. Seither hat die Zahl der Teilnehmer an Schulskikursen von 240.000 pro Jahr auf 150.000 abgenommen. Im Ministerium will man die Wahlfreiheit beibehalten.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.11.2009)

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34 Kommentare
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Ich hasse Winter, Schnee, Schifahren!

1/2 h Aufwand für 3 Minuten Abfahrt! Da solltens lieber eine Radtour im Frühjahr oder Herbst machen, oder Segelkurse, wenns sein muss Ruderboot, Kajak ist ja auch recht lustig, Weitwander, Klettern, alles JA, aber Zwang zum dämlichen Schifahren ist abzulehnen!!

jopc
05.11.2009 04:17
1 0

und gibst du dein geld nicht freiwillig her so muss man dich eben dazu zwingen

wir wollen nur ihr bestes - ihr geld

EvE_
05.11.2009 03:10
1 0

Zwangsurlaub

Schifahren mag zwar der österreichische Nationalsport sein, aber es ist eine ganz miese Art, eine Branche auf dem Rücken von Schülern zu subventionieren. Der Wintertourismus soll sich dem freien Wettbewerb stellen und halt sein Angebot attraktiver machen, dann kommen auch wieder mehr Gäste.

Im Übrigen gibt es auch genug Leute, denen diese Art des Zwangsurlaubs die Lust am Wintersport eigentlich erst verdorben hat.

Antworten Gast: Leider.Leider
06.11.2009 17:19
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Re: Zwangsurlaub

Mir zum Beispiel; ich denke auch heute, 40 Jahre nach diesen 2 furchtbaren Wochen in Bad Gastein, nur mit Grausen an diese Schinderei! Ich war nie wieder schifahren.

Gast: Gast
05.11.2009 02:31
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Hans Schenner

Dem Artikel nach scheint der Herr Schenner an einer Krankheit zu leiden..

Gast: Peter Schober
04.11.2009 22:45
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Eine groteske Diskussion

Beim nächtsen Umsatzrückgang wird die Lobby der Trachtenhersteller fordern, dass Kinder zwangsweise mit einem Gamsbart in die Schule kommen müssen.

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Super Idee - ABER

wenn verpflichtend - dann bitte auch gratis! Auch die Wirtschaftslobbyisten können niemanden zu etwas zwingen das man sich nicht leisten kann! Wie stellen die sich das vor, dass die Eltern sich verschulden, damit die Herren Ihr Wachstumsziffern erreichen?

Gast: ET
04.11.2009 20:01
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Machen wir eine gesetzliche Konsumpflicht!

Von den Spitzenfunktionären wird immer wieder vergessen, dass eine grosse von Menschen in Österreich niemals die Mittel zum Skifahren aufbringen können. Wir haben 2,7 Mio. Steuerpflichtige mit einem Einkommen von unter 786.- Euro pro Monat (14/12). Das ist schon jeder 2. Mensch aus der Privatwirtschaft.
Wie sollen sich die Eltern das leisten können.
Die Menschen aus der Privatwirschaft sind schon vollständig ausgraubt.

Der Hr. Schenner kennt offenischtlich auch die finanziellen Möglichkeiten seiner Klientel nicht. Wenn er die Einkommensteuerstatistik studieren würde, dann könnte er erkennen, dass auch diese Gruppe ausgraubt wurde und noch immer laufend ausgeraubt wird. Die Menschen können sich das einfach nicht leisten!

Vielleich kommt aber eine typisch Österreichische Lösung zum Ankurbeln der Wirtschaft. Alle Beamtenkinder bekommen Gratisausrüstungen und einen Gratisskikurs. Wenn man den Beamtenstatus dann noch vererbbar macht, bekommt das Ganze Sinn, weil sich nur diese Bevölkerungsgruppe noch etwas leisten kann.

Ich glaube mal der Senner wäre auf der Alm besser aufgehoben.

Antworten Gast: ökono-mist
05.11.2009 02:27
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Re: "Machen wir eine gesetzliche Konsumpflicht!"


UNGEHEUERLICH!!!

1. KAMMERN UNVERZÜGLICH RAUS AUS DER VERFASSUNG!!!

2. "VERSCHROTTUNGSPRÄMIE" FÜR DURCHGEDREHTE KAMMERFUNKTIONÄRE EINFÜHREN!!!


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Schlagzeilen Wirtschaft