Janet Yellen löst Debatte über das Inflationsziel aus

In der US-Notenbank gibt es Überlegungen, das Inflationsziel anzuheben. Die Idee ist nicht neu. OeNB-Chef Ewald Nowotny hatte kürzlich sogar angeregt, das Ziel einfach zu senken, wenn man es nicht erreiche.

Janet Yellen, die Notenbankchefin der USA.
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Janet Yellen, die Notenbankchefin der USA.
Janet Yellen, die Notenbankchefin der USA. – (c) REUTERS (JOSHUA ROBERTS)

Wien/Washington. Janet Yellen, die Notenbankchefin der USA, gilt nicht als radikale Denkerin. Aber zuletzt hat sie sich in ein Gebiet vorgewagt, das für Notenbanker nicht ungefährlich ist. Sie hat bei ihrer Pressekonferenz in der vergangenen Woche eine Anhebung des Inflationsziels in den Raum gestellt. „Wir freuen uns auf die Erkenntnisse der Ökonomen, die uns in der Zukunft bei einer Entscheidung dazu hilfreich sein können“, so Yellen.

Die Frage nach dem Inflationsziel ist weniger akademisch als politisch. Die Fed-Chefin scheint sich mehr Spielraum für ihre Geldpolitik zu wünschen. Die Leitzinsen befinden sich bereits in einer historisch niedrigen Phase. Die Mittel der konventionellen Geldpolitik sind längst ausgeschöpft. Yellen scheint die Federal Reserve bereits auf die nächste Krise vorbereiten zu wollen. Außerdem dürfe sie denken, dass ein erhöhtes Inflationsziel nicht schaden könne, wenn man das bisherige schon nicht wirklich erreicht.

Das ist die Ironie in der Geschichte. Das Inflationsziel von zwei Prozent gilt erst seit 2012, und trotz eines Wirtschaftsaufschwungs und einer extrem expansiven Geldpolitik hat die Fed Probleme, ihr Ziel auch zu erreichen. Freilich: Ganz neu ist die Idee einer Anhebung auch nicht. Schon 2010 hat der frühere Chefökonom des IWF, Oliver Blanchard, soetwas vorgeschlagen.

Auch bei der Tagung der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) vergangenes Jahr in Wien wurde das Thema intensiv von den Notenbankern diskutiert. Und zuletzt haben mehrere US-Ökonomen die Forderung wieder bekräftigt.

Der Nobelpreisträger Paul Krugman hatte zuvor schon die Notenbanker der EZB davon zu überzeugen versucht, dass das Inflationsziel auf zumindest vier Prozent anzuheben sei.

Dabei ist er aber auf wenig Enthusiasmus gestoßen. Denn die EZB sieht sich der Preisstabilität verpflichtet und hat diese selbst als „nahe bei aber unter zwei Prozent Inflationsrate“ definiert. Wie würde die EZB aussehen, wenn sie dieses Inflationsziel willkürlich nach oben schiebt, um sich mehr Spielraum zu verschaffen? Und wäre es da nicht genausogut möglich, das Inflationsziel einfach zu senken, wie es der Nationalbank-Chef Ewald Nowotny kürzlich angeregt hat? Auch das könnte die Arbeit der Notenbanker erleichtern. (jil)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.06.2017)

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