Tesla-Fahrer: An die Tankstelle nur fürs Cola

Alle Welt redet vom Elektroauto - aber wer fährt schon wirklich damit herum? Wir dürfen vorstellen: Christoph Haase, einer von acht Tesla-Fahrern in Österreich. 2008 lief die Serienproduktion des Tesla Roadster an.

Christoph Haase und sein Tesla Roadster
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Christoph Haase und sein Tesla Roadster
(c) Clemens Fabry

Wären die Manager von Tesla Motors in San Carlos, Kalifornien, auf der Suche nach dem perfekten Testimonial für ihren 100.000-Dollar-Elektrosportwagen, dann bräuchten sie nur in der Wiener Josefstadt vorbeischauen. Dort wohnt Christoph Haase mit Frau und Kind: ein junger, smarter Unternehmer, der die elitäre Tesla-Zielgruppe mit Jeans und Sportschuhen in kalifornischer Lockerheit verkörpert.

Haase steht auf Sportwagen, und nach Klassikern wie Audi TT, Porsche 911 und Porsche Cayenne („für die Familie“) steht nun ein Tesla Roadster auf seinem Stellplatz in der öffentlichen Garage – aus seiner Sicht eine ganz logische Entwicklung.


Irritierend schnittig. Eigentlich war der 36-Jährige auf der Suche nach einem Zweitwagen für seine Frau, als um 2006 erste Meldungen von dem wundersamen und irritierend schnittigen Elektroauto aus Amerika die Runde machten. 2008 lief die Serienproduktion des Tesla Roadster an, da hatte Haase schon einen Kaufvertrag in der Tasche. Er gehört heute zu acht Österreichern, die Tesla beliefert hat, mit Februar sollen es schon zehn sein.

Es ist dann so gekommen, dass Haase den Roadster fährt, jeden Tag ins Büro, auch im Winter, und seine Frau die „Familienkutsche“, einen großen Volvo. Unlängst ist er wieder den Cayenne eines Freundes gefahren; er fand das Umsteigen „komisch“. Das durstige SUV wäre auch exakt jene Art von Auto, von denen Tesla die Welt befreien möchte. Die geläuterten Kunden sollen dennoch auf nichts verzichten müssen, zumindest nicht auf den Sportwagenkick.

Wenn sich an der Ampel neben ihm ein BMW wichtigmacht, wie vor ein paar Wochen, dann lässt Haase schon die Funken sprühen: „Der hat überhaupt keine Chance gehabt.“ Nach Werksangaben beschleunigt der Roadster in vier Sekunden auf 100 km/h, ein Wert in der Ferrari-Liga. Möglich macht das die freundliche Eigenschaft von Elektromotoren, das maximale Drehmoment spontan, ab Drehzahl null, bereitzustellen. Das kompensiert sogar das Gewichtsmanko des Autos, das in der Version mit Verbrennungsmotor – als Lotus Elise – 400 Kilogramm weniger auf die Waage bringt. Denn nicht eine explodierende Flüssigkeit wie Benzin, sondern der Saft aus 5700 Akkus treibt – recht vehement – die Hinterräder des Autos an. In bester Ausstattung kostet der Tesla bei uns 130.000 Euro; ein Preis, bei dem viele Grünbewegte wohl passen müssen. Und reschen Sound gibt es auch nicht gegen Aufpreis: Mehr als turbinenhaftes Surren ist dem Wagen nicht zu entlocken. Ungewohnt für Sportwagenfreunde, aber, so Haase: „Mir ist das so jetzt lieber.“

Löcher in den Bauch

Seine weiteste Ausfahrt führte den Wiener im Sommer 280 Kilometer nach Kärnten. „Ich habe mich vorher bei zwei Raststätten telefonisch nach Stromanschlüssen erkundigt. Das Aufladen auf dem Weg wäre kein Problem gewesen.“ Doch das Batterie-Pack hielt ohne Schwitzen bis zum Ziel: „Ich bin allerdings vorsichtig gefahren, langsamer als üblich.“ An Tankstellen hielt Haase nur, um sich ein Cola aus dem Kühlregal zu schnappen.

Was wirklich Zeit kostete: Auf der Strecke hat ihn ein Autofahrer aus dem Verkehr gewunken und eine halbe Stunde Löcher in den Bauch gefragt. „Der hat mir jetzt gemailt, dass er sich das neue Modell bestellt hat.“ Das wäre Teslas „Model S“. Es kommt 2011 im Format der oberen Mittelklasse, hat Platz für sieben Personen und soll 50.000 Dollar kosten.

Die familientaugliche Variante seiner gerade 1,2 Meter hohen Elektrorakete hat auch Haase im Auge. In der Garage seiner Firma im 23. Bezirk hat er sich schon eine private Stromtankstelle gebastelt. Er rechnet nicht damit, dass Elektroautos eine Episode bleiben: „Dazu ist es schon zu spät. Momentan explodiert das Thema ja. Wenn von dem Hype auch nur ein bisschen was übrig bleibt, dann wird das immer noch eine Riesenindustrie.“

Nicht zu spät dran

Das könnte auch für die eigene Firma interessant sein. Haases Familienunternehmen besetzt mit 120 Mitarbeitern eine profitable Nische („über die Jahre erarbeitet“) für elektronische Regelsysteme; komplizierte Sachen, die man jedenfalls nicht bei Saturn kaufen kann. Eine eigene Taskforce seiner Leute fahndet schon nach einem Einstieg ins Elektroautobusiness. „Unternehmen wie unseres sind ja verdammt dazu, innovativ zu sein, sich ständig weiterzubewegen.“

Angst, zu spät dran zu sein, hat Haase nicht: „Noch gibt es ja nicht wirklich einen Markt. Aber es entsteht einiges, gerade in Österreich. Wenn die Regierung Impulse setzt, könnten wir vorne mit dabei sein.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.01.2010)

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