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Gesetz: Aktion scharf gegen illegales Zocken

18.03.2010 | 18:44 |  HEDI SCHNEID (Die Presse)

Die Novelle zum Glücksspielgesetz sieht ein Konzessionssystem für Automaten vor. Statt zwölf soll es 15 Spielbanken geben. Die "Presse" hat die Eckpunkte zusammengefasst.

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WIEN. Bis zuletzt wurde um Details gepokert: Jetzt ist die Novelle zum Glücksspielgesetz fertig und soll demnächst im Ministerrat abgesegnet werden, erfuhr die „Presse“ aus dem Finanzministerium. Wann genau, hängt nicht zuletzt davon ab, ob die Interventionen des Automatenverbands erfolgreich sind. Der Grund für die Reparatur des Gesetzes, um das seit gut zwei Jahren zwischen Bund und Ländern gerungen wird: der Wildwuchs an illegalen Spielautomaten und der Druck der EU auf das Glücksspielmonopol.

Die Zahl illegaler Spielautomaten wird bundesweit auf 11.000 bis 12.000 geschätzt. Dem gegenüber stehen rund 8000legale Automaten in den vier Bundesländern Wien, Niederösterreich, Steiermark und Kärnten, wo das „kleine Glücksspiel“ (maximaler Einsatz 50Cent, maximaler Gewinn 20Euro) erlaubt ist. Der Fiskus macht nicht nur wegen des mangelnden Jugend- und Spielerschutzes Jagd auf die illegalen Automaten. Angesichts leerer Staatskassen gilt es, entgangene Steuermillionen zu lukrieren.

 

Kompromiss erzielt

Zudem hat der Generalanwalt des Europäischen Gerichtshofs Ende Februar in einem richtungsweisenden Schlussantrag argumentiert, dass die bestehenden Gesetzesregelungen bezüglich der Konzessionen für Spielbanken und Glücksspiele gegen die EU-Niederlassungs- und Dienstleistungsfreiheit verstoßen. Auch hier besteht also angesichts der anstehenden Neuvergabe der jetzt ausschließlich in Händen der Casinos Austria (Casag) liegenden Konzessionen für die zwölf heimischen Spielbanken und die Lotterien, die 2012 bzw. 2015 auslaufen, Reformbedarf.

Weil sich die Länder, allen voran NÖ und Wien, gegen eine ursprünglich geplante bundesweite Automatenlizenz stemmten, da sie ihre Steuerhoheit nicht verlieren wollten, hat man sich nun auf einen Kompromiss geeinigt. Das heißt, dass das Gesetz den Rahmen für Glücksspiele, die Steuern und Abgaben sowie die Ausschreibungsmodalitäten absteckt, die Länder aber autonom beim Automatenspiel vorgehen können. So wollen Tirol und Vorarlberg das Automatenspiel überhaupt verbieten, Salzburg soll noch überlegen.

Klaus Schneeberger, Klubobmann der ÖVPNÖ, zeigt sich auf „Presse“-Anfrage zufrieden: „Die Verhandlungen zwischen Bund und Ländern sind gut gelaufen, aus unserer Sicht steht nichts im Wege, dass das Gesetz am 23. März in den Ministerrat kommt.“ Die Eckpunkte:

• Pro Bundesland soll es drei Betreiber für Automaten und Video-Lotterie-Terminals (VLTs) geben. VLTs betreibt derzeit nur die Casag. Die Interessenten können sich auch in mehreren Bundesländern bewerben.

• Die Zahl der Automaten wird begrenzt: In Wien kommt ein Automat auf 600Einwohner, in den restlichen Bundesländern liegt das Verhältnis bei eins zu 1500.

• Um die Überwachung und Kontrolle zu verbessern, werden alle Automaten mit einem Zentralrechner beim Bundesrechenzentrum vernetzt.

• Der Einsatz wird auf maximal einen Euro festgelegt. Beim kleinen Glücksspiel liegt das Limit weiterhin bei 50Cent – Kritiker weisen daraufhin, dass dies mittels parallel laufender Spiele am selben Automaten leicht auszuhebeln sei.

Brisanz enthält das Gesetz auch, was die Spielbanken betrifft:

• Statt zwölf soll es künftig 15 Konzessionen für entsprechend viele Casinos-Standorte geben. Sie werden einzeln und EU-weit ausgeschrieben, bewerben können sich in- und ausländische Gesellschaften. Als Fixstarter gelten Novomatic, Bwin und Century Casinos. Wien und Niederösterreich sollen ein zweites Casino erhalten – was für die Casag große Konkurrenz bedeutet.

• Entlastung bringt der Casag – aber auch neuen Anbietern – die geplante Absenkung der Spielbankenabgabe von 48 auf 30Prozent.

• Im Gegenzug wird es eine bundesweite Automatensteuer geben, die den Einnahmenentgang kompensieren soll. Unterm Strich sollen die Einnahmen für den Fiskus höher liegen, heißt es.

• Für Poker wird es auch eine Lizenz geben. Poker bleibt wohl Glücksspiel (und nicht wie viele meinen, ein Geschicklichkeitsspiel), aber wenn es ohne „Bank“ gespielt wird, ist es erlaubt. Das heißt, dass Spieler gegeneinander spielen und nicht gegen die „Bank“.

Auf einen Blick

Die Novelle zum Glücksspielgesetz dürfte bald vom Ministerrat abgesegnet werden. Künftig sollen die Länder in Sachen Automatenspiel autonom vorgehen können, zudem dürfte die Anzahl der Automaten begrenzt werden. Um die Überwachung und Kontrolle zu verbessern, werden alle Automaten mit einem Rechner im Bundesrechenzentrum vernetzt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.03.2010)

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6 Kommentare
Gast: Automatenverband.at, H. Kafka
20.03.2010 19:01
0 0

Schneeberger erfolgreich verscheissert ??

Offensichtlich hat er einen ziemlichen Tunnelblick, wenn er nicht bemerkt hat, dass NÖ nach Ablauf der Übergangsfrist ganz gezielt mit Almosen abgespeist werden wird.
Ab dann gibts nämlich nur noch prozentuelle Anteile an den Bundesabgaben und wer wird noch in den verbleibenden Spielsaloons spielen, wenn seine Identität und Ausgaben ans Finanzamt gemeldet werden und dem Spieler genau elektronisch vorgeschrieben wird, wie wenige Stunden er seinem Freizeitvergnügen überhaupt nachgehen darf.
Noch dazu wo die Auszahlungsprozente extra reduziert sind !!
Die ausländischen Spielhallen und Casinos direkt an NÖs Grenzen werden weiter prächtig florieren und die allermeisten Spieler sind dann längst ins unkontrollierbare Internet abgewandert !

Gast: Stauner
20.03.2010 11:04
0 0

Kasinos und einarmige Banditen

Bei dem Ganzen geht es um ein extrem profitables Geschäft. Es freut mich, dass die Interessen unserer Novomatic jetzt entsprechend berücksichtigt werden.

galli leo
20.03.2010 08:24
0 0

hat irgendjemand

mal behauptet, die eu sei ein lobbyisten-paradies?
wie müsste man dann ö bezeichnen?
also: steigerungsform von lobbyisten-paradies gesucht!

ps.: die lösung könnte natürlich etwas mit övp zu tun haben, wenn man sich die beteiligten personen so betrachtet, von finz bis wirtschaftskammer, von strasser bis.....

Gast: und
19.03.2010 20:34
0 0

werden die BONUStasten

bzw die definition was ein spiel ist bzw die max. zu verlierenden betraege pro stunde beimkleinen glueckspiel endlich konsumenten freundlichh geaendert???

oder laesst sich die politik KAUFEN ??

die politisch elite ist KORRUPT BIS AUF DIE KNOCHEN !!

Gast: legale korruption
19.03.2010 20:31
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man kann sich

ganz offensichtlich GESETZE KAUFEN !!

ganz legal ueber beraterfirmen in denen poltiker fuerstlichst entlohnt werden bzw sogar beteiligt sind!!

was ist das bitte anderes als SCHMIEREN ????

der politiker bekommr kohle und auf zuruf werden die gesetze geandert - DENN die parlamentarier sind nur auf dem papier frei, tatsaechlich sind sie erfuellungsgehilfen der parteioligarchie

was denkt sich da der normalbuerger???

richtig:

steuern hinterziehen wo es nur geht, pfuschen betruegen wo es nur geht!!

UDO "LEBT" !


Gast: marcus
19.03.2010 10:42
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Poker - Wie jetzt?!

Sie schreiben bezüglich Poker: "Das heißt, dass Spieler gegeneinander spielen und nicht gegen die „Bank“. Das taten und tuen sie bisher auch. Das klassische Poker (also nicht die Erfindungen der Spielbanken wie Tropic Stud oder andere) ist NOCH NIE ein Spiel mit Bankhalter gewesen. Am Rande sei erwähnt, dass Poker auf dem besten Wege ist demnächst zu den Mind Spielen (also wie Schach) gezählt zu werden.