26.05.2012 21:42 | Meine Presse Merkliste 0

Loch in den Länderkassen geht dramatisch auf

16.12.2010 | 18:27 |   (Die Presse)

Herbe Kritik: Länder- und Gemeindedefizite explodieren, der Bund hat keine „Perspektive“ für eine Rückführung der Staatsschulden – und Österreich bewegt sich auf einen Steuerquoten-Europarekord zu.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Wien/Ju. Die österreichischen Bundesländer sind im Vorjahr in ein tiefes Schuldenloch gestürzt. Noch 2008 hatten sie (einschließlich Wien) nach Maastricht-Kriterien 357 Mio. Euro Budgetüberschuss erwirtschaftet – und damit zur Verkleinerung des „Maastricht-Defizits“ der Republik beigetragen. Ein Jahr später klaffte ein Zwei-Milliarden-Loch in den Länderkassen, geht aus dem am gestrigen Donnerstag präsentierten jüngsten Bericht des Staatsschuldenausschusses hervor.

Dazu kommt, dass der „Maastricht-Saldo“ der Gemeinden (ohne Wien) im selben Zeitraum von plus 56 Mio. auf minus 486 Mio. Euro kippte. In absoluten Zahlen ist freilich immer noch das Bundesdefizit am stärksten angestiegen: von 1,9 auf 7,3 Mrd. Euro.

 

„Defizit-Kaiser“ sitzt in Graz

Die „Landes-Schuldenkaiser“ saßen 2009 (in dieser Reihenfolge) in Graz, St.Pölten und Linz. In der Steiermark explodierte das Maastricht-Defizit von 2008 auf 2009 von sechs auf 670 Mio. Euro, hat sich also mehr als verhundertfacht.

Niederösterreich (das hinter Kärnten und weit vor den anderen Bundesländern die zweithöchste Pro-Kopf-Verschuldung der Republik aufweist), „gelang“ es, ein Maastricht-Defizit von 233 auf 565 Mio. Euro mehr als zu verdoppeln. Und Oberösterreich stürzte von 31 Mio. Euro Überschuss auf 351 Mio. Euro Fehlbetrag ab. Überschüsse weisen nur noch Salzburg, Tirol und das Burgenland auf.

Kein Wunder, dass der Vorsitzende des Staatsschuldenausschusses, IHS-Chef Bernhard Felderer, massiv darauf drängt, dass die Beiträge der Länder und Gemeinden zur Sanierung der Staatsfinanzen möglichst schnell „vereinbart und konkretisiert“ werden.

Die Konsolidierung der Staatsfinanzen geht dem Staatsschuldenausschuss im Übrigen zu wenig ambitioniert voran: Zwar liegt Österreich mit einem Staatsdefizit von heuer 4,3Prozent des BIPs (für 2011 sind 3,6Prozent eingeplant) innerhalb der EU recht gut, die öffentliche Verschuldung von 70,4 Prozent heuer und 72Prozent im kommenden Jahr ist aber bestenfalls unteres Mittelmaß. Dabei sind hier die ausgegliederten Schulden gar nicht eingerechnet. Sie machen noch einmal über zehn Prozent des BIPs aus.

Durch die jüngsten Regierungsmaßnahmen ist die Schuldendynamik laut Felderer zwar „eingebremst“ worden, bis 2014 wird die Quote aber trotzdem noch leicht auf 72,5Prozent steigen. Und für die Zeit danach „fehlt die Perspektive“, wie Felderer bekrittelt.

Um die Staatsverschuldung in einem vernünftigen Zeitrahmen auf die angepeilten 60Prozent des BIPs herunterzubringen, müsste ein annähernd ausgeglichenes Budget über den Konjunkturzyklus erreicht werden. Jedenfalls müsse das Defizit ab 2015 bei höchstens einem Prozent des BIPs liegen. Die Regierung geht derzeit für 2014 noch von 2,2Prozent Defizit aus.

Bei einem Prozent Defizit im Schnitt würde es bei einem angenommenen Wirtschaftswachstum von nominell drei Prozent pro Jahr bis 2028 dauern, bis die Staatsschuldenquote wieder unter der Maastricht-Grenze von 60Prozent des BIPs zu liegen käme. Bei zwei Prozent Defizit wäre Österreich erst 2038 wieder innerhalb der Maastricht-Kriterien für den Euro.

 

Europameister in hohen Steuern

Als drückend empfindet der Staatsschuldenausschuss die Steuerlast. Laut Felderer ist Österreich auf dem besten Weg, „Steuer-Europameister“ zu werden: Mit 44,1 Prozent des BIPs wird die österreichische Steuer- und Abgabenlast innerhalb der Eurozone heuer nur noch von Belgien übertroffen. In der EU haben auch noch Schweden und Dänemark eine höhere Belastung.

Allerdings: Während die Quote 2011 in den drei derzeit noch „führenden“ Ländern 2011 zurückgehen wird, steigt sie in Österreich auf 44,3Prozent weiter an. In dieser, der EU-Herbstprognose entnommenen Vorschau sind die Auswirkungen des 2011 in Kraft tretenden Belastungspakets noch gar nicht enthalten. Die machen Österreich zu einem ernsthaften Sieganwärter in der europäischen Hochsteuer-Champions-League.

vergrößern

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.12.2010)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo
Als Gast kommentieren

...oder einloggen um als registrierter Benutzer zu kommentieren (Vorteile dieser Variante)


Mit dem Absenden Ihres Kommentares erklären Sie sich mit den Forenregeln einverstanden.

*... Pflichtfelder

Sicherheitscode
(Was bringt das?)*



Schwer lesbar?
Neuen Code generieren

Verbleibende Zeichen

7 Kommentare
Gast: goethe
19.12.2010 13:47
0 0

vorbei

Für die Generation um die 30 gibt es nur noch eine ökonomisch rationale Entscheidung:

Auswandern

ASTRO-WOLF
17.12.2010 17:28
1 0

Soweit die OFFIZIELLEN Zahlen.......

Mal sehen, wie lange die ECHTEN Schuldenberge noch umbenannt, ausgegliedert, umgeschichtet, ausgelagert, oder in rätselhaften Bilanzen versteckt werden können?

Wann beenden wir diesen LÄNDERIRRSINN endlich?????

Erich Bahn
17.12.2010 14:51
3 0

Österreich wird zu einem ernsthaften Sieganwärter in der europäischen Hochsteuer-Champions-League.


Um dieses Ziel zu erreichen wurde notwendiger weise die Bundesverfassung missachtet.

Es ist nicht schwer, stündliche intelligentere Leute zu treffen als beispielsweise Faymann und Pröll.

Antworten Gast: Kater Karlo Harr Harr
17.12.2010 18:03
0 0

Es ist nicht schwer, stündlich bessere

Kein Wunder, hat sich doch z.B. Faymann nicht mit Brillianz, sondern mit Wahlgeschenken qualifiziert. Der Wähler ist so dumm, nicht zu schnallen, daß er damit Korruption begeht und am Ende alles doppelt zurückzahlen darf.

Gast: Fred88
17.12.2010 13:12
1 0

Um die hohen Schulden zu verschleiern

werden immer mehr Aufgaben an die Gemeinden ohne finanziellem Ausgleich abgewälzt.
Nach dem Motto. Maximum an Steuern, Minimum an Sparen!

Gast: Plach2
17.12.2010 13:08
3 0

Weil wir viel zu wenig Politiker haben!

Neben der EU Verwaltung, die bereits täglich über 22 Mio kostet - und es werden immer mehr, - leisten wir uns im eigenen Land über 770 aktive Politiker im Bund, Ländern und Bundesrat. Weit über 4.000 ehemalige Politiker lassen sich monatlich ihre Pension zwischen 10.000 und 15.000 überweisen.
Dann haben wir auch noch"wegen der Bürgernähe" (wie es LH Pröll immer wieder formuliert) 99 BH´s uns 3.000 Gemeinden.

Vom Bundespräsidenten Ministerien, Parlament, Landtage, Landesregierungen usw.... überall ein Heer von Spitzenbeamten.
Über 6 Mrd. kann man jährlich in der Verwaltung sparen. Faymann und Pröll erhöhen halt wieder einmal die Steuern!

Gast: 1. Parteiloser
16.12.2010 19:15
0 0

Der Plan für 2011!

Diese Wahnsinnigen wollen auch 2011 die gesamten Staatsausgaben noch weiter schrauben wie das Budget deutlich aufzeigt. Dass es bei den 152.091 Mio. Euro dann noch weniger Leistungen für die Bürger gibt, passt dann doch ganz zu den Versagern!

www.bmf.gv.at/Budget/Budgetsimberblick/Sonstiges/Budgetsimberblick/Budget2011/TabellenDownload/Eckwerte_Tabellen.xls

Tab.2 gesamte Staatsausgaben beachten!
Staatsausgabenentwicklung

Die Entwicklung des Staatsausgaben und des VIP sehen dann so aus:
2011: 152.091 = 404 %
2005: 121.934 = 321 %
2000: 107.830 = 284 %
1995: 98.188 = 259 %
1990: 70.139 = 185 %
1985: 54.848 = 145 %
1980: 37.905 = 100 %

VPI 1980
(Achtung hedonische Berechnung!)
2011: ca. 214 %
2005:......196 %
2000:......178 %
1995:......166 %
1990:......141 %
1985:......127 %
1980:......100 %

Unsere Beamten und Parteibonzenherrschaft ist vollkommen außer Kontrolle wie auch die Planung zu den Staatsschulden dieser Regierung deutlich aufzeigt.

Noch Ende 2007 waren die Staatsschulden bei 175 Mrd. Euro, per Ende 2013 sind 247 Mrd. Euro geplant. Die Versager drücken den Kindern Österreichs also lockere 70 Mrd. Euro, in nur einer Legislaturperiode drauf, bei Null Gegenleistung!

Die geschützten Bereiche, samt der Parteibonzenherrschaft geht dem Ende zu, weil diese Typen einfach zu gierig waren. Es wird erst eine Ende haben, wenn die Finanzierung fehlt. Das dauert nicht mehr lange!

Ein Plan für 2014 ist sicher nicht mehr notwendig!

Fokus Steiermark

Erstmals in Österreich

  • Sichern Sie sich jetzt die Jahresvorschau des renommierten Magazins "The Economist", erstmals mit Österreichschwerpunkt aus der Wirtschaftsredaktion der "Presse".

    Für "Presse"-Abonnenten statt 6,90 nur 4,90 Euro.