Zahlungsverzug: Alle warten auf den Scheich

24.01.2011 | 18:47 |  NICOLE STERN (Die Presse)

Al Jaber lässt nicht nur die Kneissl-Gläubiger auf eine Geldspritze warten. Auch eine Wiener Privatuni wird wegen versprochenen Stipendien ungeduldig und setzt dem Millionär eine Zahlungsfrist.

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Wien. Die Geschichte erinnert ein wenig an den reichen Onkel aus Amerika, auf den alle verarmten Verwandten hoffen. In diesem Fall geht es um den reichen Scheich aus Saudiarabien, auf den mehrere österreichische Unternehmen hoffen – und der ähnlich schwer fassbar scheint wie der Onkel.

Seit Monaten kündigt Mohamed Bin Issa Al Jaber eine Millionenspritze für die vor der Pleite stehende Skifirma Kneissl an. Nur: Hier fließt ebenso wenig Geld wie bei der Wiener Privatuniversität Modul. Der reicht es: Sie setzt Al Jaber eine Zahlungsfrist bis Ende der Woche. Dann werde man „über weitere Schritte beraten“, erklärte der 90-Prozent-Eigentümer, die Wiener Wirtschaftskammer.

Bei der Privatuni geht es um vergleichsweise bescheidene 375.000 Euro an ausstehenden Stipendien, die der Scheich versprochen, aber nie bezahlt hat. Heikler ist die Situation für Kneissl: Seit Ende November wartet man bei der Tiroler Firma auf eine Kapitalspritze in Höhe von 1,2 Millionen Euro. Geschäftsführer Andreas Gebauer muss den Medien fast wöchentlich ausrichten, dass das Kapital „demnächst“ fließen wird. Die vorerst letzte Ankündigung betraf die vergangene Woche, geflossen ist nichts.

Andrea King, neue zweite Geschäftsführerin, ließ in einem E-Mail wissen, dass man alles für die Kapitalspritze vorbereite. Die involvierten Personen beruhigt das nicht: „Bis jetzt wurde uns fünf oder sechs Mal versprochen, dass das Geld kommt“, sagt Helmut Atzl, Anwalt von Fritz Unterberger, dem ehemaligen Eigentümer der Firma Kneissl. Der Skihersteller schuldet ihm einen Betrag von 900.000 Euro.

Der Exekutor beschlagnahmte bereits Anfang Dezember in der Kneissl Star Lounge in Innsbruck alles Verfügbare, selbst Champagnerflaschen. Unterbergers Konkursantrag lehnte das Gericht aber ab, da Al Jaber den ausstehenden Betrag bis Jahresende überweisen wollte. Mittlerweile wird über einen zweiten Konkursantrag verhandelt. Firmenchef Gebauer muss am 7. Februar vor Gericht erscheinen und dort die Zahlungsfähigkeit des Unternehmens nachweisen. Gelingt ihm das nicht, kommt das Insolvenzverfahren.

Al Jabers einziges Problem ist das nicht: Die Modul University in Wien wartet ebenso auf Geld. Al Jaber hatte die Finanzierung von jährlich 15 Stipendien versprochen. Im aktuellen Studienjahr gab es entgegen der Vereinbarung keinen einzigen Al-Jaber-Stipendiaten. Die Wirtschaftskammer will nun bis Ende Jänner Geld von Al Jaber sehen, dem zehn Prozent an der Privatuni gehören. Sein Wiener Statthalter Karim Jalloul erklärt dazu, dass der Scheich die Universität „bislang mit 1,7 Millionen Euro finanziert hat“. Zu den Ausständen meint er: „Warum soll er das nicht zahlen?“

 

„Baubeginn im März, April“

Und noch eine Baustelle gibt es – im wortwörtlichen Sinn: 2007 erwarb Al Jaber die Nutzungsrechte für das Wiener Palais Schwarzenberg, das er in ein Hotel umbauen will. Eine entsprechende Baubewilligung liegt seit Juni 2009 vor, „passiert ist seither nichts“, erklärt Rudolf Zabrana, Bauausschuss-Vorsitzender in Wien Landstraße. Jalloul erklärt: „Wir arbeiten auf Hochtouren.“ Man sei derzeit auf der Suche nach einem Generalunternehmer, der das Projekt – auch wirtschaftlich – umsetzen könne. Verzögerungen gebe es aus mehreren Gründen: Das Hotel würde nicht auf der grünen Wiese entstehen, es gebe daher einfach „tausend Sachen“ zu bedenken.

In Summe sollen 90 bis 110 Millionen Euro investiert werden. Den Baubeginn stellt Jalloul nun mit „März oder April“ in Aussicht. Nachsatz: „Im schlechtesten Fall ein paar Monate später.“

Auf einen Blick

Scheich Mohamed Bin Issa Al Jaber ist Eigentümer der Skifirma Kneissl und mit rund zehn Prozent an der Privatuni Modul University Vienna beteiligt. Beide warten auf Geld vom Scheich – bislang vergeblich. Al Jaber besitzt auch das Grandhotel und das Hotel „The Ring“ in Wien.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.01.2011)

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4 Kommentare
Gast: gast
25.01.2011 15:16
0 0

warten auf den scheich



DON'T HOLD YOUR BREATH !

Gast: Novalis
25.01.2011 07:22
1 0

Auch zu Beginn des AUA-Absturzes ...

... gab es ein geplatztes Geschäft mit dem "reichen Onkel".

Gast: gastlich
25.01.2011 07:07
1 0

*LOL*

Wenn man sich auf arabische ÖlMilliardäre verlässt, hat man nichts anderes verdient.

Der reiche Onkel aus Saudiarabien

Ich möchte jetzt Keinem Naivität vorwerfen, aber das war abzusehen.

Für Kneissl tut es mir leid, die Kammer wirds verkraften, schmeißen sie doch an allen Ecken und Enden Geld zum Fenster raus, allein die Verköstigung und die Blumen der gnädigen Frau Präsidentin könnten einen Menschen sehr gut über den Monat bringen.
Und wenn gewisse Personen die im selben Stock sitzen wie sie mal nicht mehr Stunden schinden würden und von halb 8 bis 10 Zeitung lesen würden und stattdessen arbeiten.

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