AUA braucht Sparpaket: Jobabbau und Gehaltsverzicht?

Sanierung. Die Fluglinie erhält von der Mutter Lufthansa keinen Cent und muss die Rückkehr in die Gewinnzone aus eigener Kraft schaffen.

Die AUA muss die Rückehr in die Gewinnzone aus eigener Kraft schaffen
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Die AUA muss die Rückehr in die Gewinnzone aus eigener Kraft schaffen
(c) AP (Hans Punz)

[Wien] 100 Mio. Euro wird die AUA heuer einsparen - zu wenig, um wie geplant in die Gewinnzone zu kommen. Vor allem aber ist es zu wenig, um die AUA angesichts der von der Eurokrise ausgelösten neuen Wirtschaftskrise nicht noch tiefer in die roten Zahlen abstürzen zu lassen. Der Hoffnung auf frisches Geld von der Mutter Lufthansa erteilte Konzernchef Christoph Franz bei seinem Besuch am Montag in Wien indes eine deutliche Abfuhr. Weshalb sein Statthalter, AUA-Präsident Stefan Lauer, bei der Aufsichtsratssitzung am Mittwoch über die Alternative keinen Zweifel ließ: Die AUA muss ein neues, substanzielles Sparpaket schnüren.

Details sind noch nicht fix, die soll der neue AUA-Chef Jaan Albrecht jetzt erarbeiten. So viel ist klar: Die Maßnahmen werden alle Bereiche - vom Personal über Arbeitsprozesse bis zum Streckennetz - betreffen. Was das Personal betrifft, stehen Gehaltsverzicht, Kurzarbeit und Teilzeitmodelle genauso im Raum wie längere Arbeitszeiten. Franz hat kürzlich ein entsprechendes Ansinnen geäußert und gemeint, auf Dauer seien 38,5 Stunden pro Woche zu wenig. Zudem ist ein Personalabbau, den die Vorstände Peter Malanik und Andreas Bierwirth noch im Oktober in Abrede gestellt haben, nicht mehr tabu.

Keine Weihnachtsfeiern

Der Brief, den die AUA-Spitze gestern, Donnerstag, den Mitarbeitern sandte, enthält keine Frohbotschaft: „Die volkswirtschaftlichen Annahmen, von denen wir noch im September ausgehen konnten, gelten nicht mehr. Wir werden daher nun eine neue Planung entwickeln - mit konkreten Maßnahmen auf der Kosten- und Erlösseite", heißt es in dem der „Presse" exklusiv vorliegenden Brief. Man habe in den vergangenen zwei Jahren viel geschafft, das reiche aber nicht aus. Deshalb „geht es nun neben kurzfristigen Maßnahmen vor allem darum, unsere Kosten- und Erlösstruktur nachhaltig zu verbessern". Die Weihnachtsfeiern wurden jedenfalls gestrichen.

Nach der Übernahme durch die Lufthansa wurde der Personalstand von 8500 auf rund 6000 Mitarbeiter reduziert. Außerdem haben die Beschäftigten schon einem Gehaltsverzicht von fünf Prozent zugestimmt, der in fünf Jahren 150 Mio. Euro bringt. Deshalb dürfte die Umsetzung des neuen Sparpakets auf Widerstand des Betriebsrats stoßen. Es gebe keinen Speck mehr, der Personalstand sei notwendig, um den Flugbetrieb zu gewährleisten, lautet das Argument der Belegschaftsvertretung.

Die AUA, die in den Jahren 2001, 2005, 2006, 2008, 2009 und 2010 kumuliert weit mehr als eine Mrd. Euro Verlust angehäuft hat, ist gleich von mehreren externen Faktoren hart getroffen:

► Die Natur- und Atomkatastrophe in Japan hat die Reiselust im ersten Halbjahr in viele asiatische Länder beeinträchtigt.

► Die politischen Unruhen in den arabischen Ländern treffen die AUA besonders stark, weil der Nahe Osten und Nordafrika zu ihren Kernmärkten zählt. Die Flüge nach Damaskus sind ausgesetzt.

► Der hohe Öl- und damit Kerosinpreis belastet die Fluglinien trotz Absicherung durch Hedging.

► Zugeständnisse in Form von Tarifreduktionen vom Flughafen Wien und der Austro Control fielen viel niedriger aus als erwartet. Diese Erleichterungen werden außerdem durch die Ticketsteuer wieder aufgefressen.

► Die Forderung, dass die Regierung diese Abgabe wieder zurücknimmt, blieb bisher ungehört.

► Ab 2012 sind europäische Fluglinien in den Emissionshandel eingebunden. Das bedeutet für die AUA Zusatzkosten im zweistelligen Millionenbereich.

► Billig-Airlines wie Air Berlin und „Niki" sowie die Golf-Airline Emirates, die zweimal täglich Wien-Dubai fliegt, verschärfen den Konkurrenzdruck. Eine Erhöhung der Ticketpreise ist nicht möglich.

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 2. Dezember 2011)

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