Lufthansa bereitet sich vor, AUA die Flügel zu stutzen

24.02.2012 | 07:31 |  Von Hedi Schneid (Die Presse)

Für die Verhandlungen über einen Kollektivvertrag für Piloten und Flugbegleiter bleibt wenig Zeit. Sollte AUA-Chef Albrecht keine Fortschritte signalisieren können, werde die Lufthansa der AUA die Flügel stutzen.

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Wien. Es wird geredet. Seit Dienstag sitzt der Betriebsrat der AUA mit dem Management am Verhandlungstisch. Von einer Einigung über einen kostengünstigeren Kollektivvertrag (KV) für Piloten und Flugbegleiter ist man jedoch meilenweit entfernt. Zu weit, um in nur sechs Tagen einen Abschluss zu erreichen. AUA-Chef Jaan Albrecht will jedoch dem Aufsichtsrat am 29. Februar bereits ein positives Ergebnis zum geplanten Sparpaket im Volumen von 260 Mio. Euro berichten.

Das Damoklesschwert einer Redimensionierung der AUA auf eine Regionalfluglinie – der schon bei der Übernahme der AUA durch die Lufthansa kolportierte „Plan B“ – senkt sich daher immer tiefer, wie die „Presse“ aus Unternehmenskreisen erfuhr. Bei der Mutter Lufthansa sollen jedenfalls schon Anfang dieser Woche entsprechende Beschlüsse gefallen sein: Sollte Albrecht nicht ernst zu nehmende Fortschritte aus den Gesprächen mit den Belegschaftsvertretern signalisieren können, werde die Lufthansa der AUA die Flügel stutzen.

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Langstrecke wackelt

Das heißt im Klartext: keine Flottenerneuerung, keine zusätzlichen Langstreckenjets, keine neuen Langstrecken – eher die Einstellung der vorhandenen Interkontinentalziele. Wie berichtet, sollen noch heuer elf Boeing 737 verkauft und durch sieben Airbus A319/320 ersetzt werden. Diese sollen aus dem Lufthansa-Bestand kommen bzw. gekauft werden. Außerdem soll die AUA in den Jahren 2013/14 vier zusätzliche Langstreckenmaschinen des Typs Boeing 777 erhalten.
Da die AUA diese Investitionen nicht allein stemmen kann, hat die Lufthansa Hilfe zugesagt. Immerhin geht es um einen dreistelligen Millionenbetrag. Allerdings hat die Lufthansa diesen Investitionsschub nur zugesagt, wenn die AUA ihre Hausaufgaben erledigt und Einsparungen erreicht. Jetzt sei nochmals die Alternative bekräftigt worden, heißt es. Noch bevor die Lufthansa Ernst macht, hat die AUA Bombay (Mumbai) als Langstreckendestination ab dem Sommerflugplan gestrichen. Zur Disposition soll nun auch Chicago stehen.
Als so gut wie sicher gilt, dass die AUA ihre Eigenständigkeit verliert. Lufthansa-Boss Christoph Franz, der nicht mehr von einem Umbau, sondern einem „Teilabriss und Neubau“ des Airline-Konzerns spricht, hat im Zuge dessen angekündigt, die Töchter stärker an die Kandare zu nehmen. Bei der deutschen Regionaltochter Germanwings ist das schon passiert: Ihre Zahlen werden nicht mehr gesondert ausgewiesen.

Dass der AUA eher die Flügel gestutzt werden – dafür spricht auch der drohende Zwangsumstieg auf den um 20 bis 25 Prozent billigeren Tyrolean-KV. Wie „Die Presse“ exklusiv berichtete, will Albrecht für den Fall, dass kein neuer KV zustande kommt, das Arbeitsvertragsrechts-Anpassungsgesetz (Avrag) mit Änderungskündigungen in Kraft setzen. Das bedeute, dass der Betrieb von AUA und Lauda Air auf die Tyrolean übergeht. „Das Avrag ist ein ernsthafter Plan“, sagt dazu AUA-Sprecher Peter Thier.

Leasing wie bei „Niki“

Dem Vernehmen nach prüft Albrecht als weitere Alternative ein Personalleasingmodell, wie es Konkurrent „Niki“ hat. Piloten und Flugbegleiter der Billigairline sind bei einer Personalleasingfirma beschäftigt. Sie werden nach Leistung bezahlt: Das heißt, sie erhalten ein relativ niedriges Grundgehalt. Je mehr sie fliegen (im Rahmen der EU-Regelung), desto mehr verdienen sie. Das spart in den Wintermonaten Kosten.

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81 Kommentare
 
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da die AUA ab 70 Flugstunden pro Monat hohe Überstundenzuschläge

Der war gut!
Es gibt keine Überstunden für das fliegende Personal der AUA. Das was es gibt ist Mehrleistung und die beginnt je nach Monat bei 70 Std, ausser Feb, oder auch 72:20 und weil das dann anfänglich 1:1 bezahlt wird rentiert es sich nicht einen zusätzlichen Piloten anzustellen.
Aber rechnen war noch nie die Stärke des AUA Management, die sollten sich an LH mal ein Vorbild nehmen.

Allerdings gebe es bei der Lufthansa keine automatischen jährlichen Steigerungen wie bei der österreichischen Tochter, heißt es dort.

Naja, bei den LH Einsteigern sind es jährliche Vorrückungen um mehr als das Doppelte desjenigen was der Junge bei OS alle zwei Jahre als Vorrückung hat.
Es paßt nur nicht, wenn man das veröffentlicht, denn das würde bedeuten, dass bei einem um ca. 2.000.- bto mtl geringerem Einstiegsgehalt der AUA der Kollege bei LH dann auch noch heftigst davonzieht.
Aber anscheind heißt es auch bei LH Nichts. ;-)

Gast: Pieter
28.02.2012 19:12
0

Lufthansa - AUA

Schon nah, die Deutscher am lenkrad von AUA :-)

... Jakob Zirm hat den KV nicht verstanden ...

... daher nehme ich an, daß er ein Praktikum bei der Presse macht, denn für so viel Unsinn bezahlt zu werden, wäre eine Schande für die Presse. Oder er ist Lobbyist und kassiert für diese Falschmeldungen. Oder er hat den Piloten-Aufnahmetest nicht bestanden.

Gehältervergleich mit USA, Gefahr für 13. und 14. Gehalt!

Die Gehälter von Piloten in den USA sind viel niedriger, ähnlich denen von Busfahrern. Komisch oder eigentlich bezeichnend, dass nicht mit den USA, sondern mit Deutschland und arabischen(??) Ländern verglichen wird.

Wie auch immer, die Gehälter der Piloten werden so oder so heruntergehen, sonst bekommt auch die Lufthansa Schwierigkeiten, Flüge zu vernünftigen Preisen anzubieten. Von der Preisdifferenz leben einige Billigfluglinien jetzt schon ganz gut.

Gut, dass die AUA bereits privatisiert ist, sonst hätten wir noch ein unnotwendiges innenpolitisches Thema.

Eine Gefahr wird übersehen. Wenn Gewerkschaften überzogene Forderungen stellen und Privilegien zementieren wollen, dann macht die Kündigung von Kollektivverträgen auch in anderen Bereichen Schule. Das kann bitter enden.

Weil nicht vergessen: Den 13. und 14. Monatsgehalt gibt's für ASVG-Arbeitnehmer nur kraft Kollektivverträgen!

Unkluges Holzhammer-Verhalten von Einzelgewerkschaften kann dem Arbeitsmarkt in Österreich insgesamt schaden.

Antworten Gast: Der Kalkulator
28.02.2012 14:16
3

Re: Gehältervergleich mit USA, Gefahr für 13. und 14. Gehalt!

Herr "Alfred E. (?) Neumann", woher bitte beziehen Sie Ihr Detailwissen über die Gage von US-Linienpiloten? Ihre Vorstellungen sind fern der Realität!! (Und hier schreibt ein Insider.)

Posten denn heute hier nur Busfahrer? Oder Männer, deren Bubentraum, Pilot zu werden, sich nicht erfüllt hat?

Außerdem sei gesagt, dass die Finanz ab einem gewissen Bruttogehalt gut 50 % schluckt. Und gegen die durchaus stattliche Steuerleistung wird wohl niemand etwas einzuwenden haben?

AUA...ein beieindruckendes beispiel...

für die verheerende kombination von unfähigem, weil über jahre rein politisch besetzen, management und völlig realitätsfern agierendem betriebsrat. ein lehrbeispiel für staatsversagen und dafür, was mit unternehmen passiert, wenn sie von der politik gemanagt werden.


also ich bin ja wirklich nicht neidgetrieben...

.. aber 10.200 euro DURCHSCHNITTSGEHALT für einen piloten, der nochdazu wenn es gut geht 3 bis viermal im monat (bei langstrecke) fliegt, ist ein skandal! ab in die marxerstraße mit der aua und gleich mit den öbb hinterher!!!!!

Re: also ich bin ja wirklich nicht neidgetrieben...

bei den 70 Std/Mo geht es um reine Flugstunden, Piloten haben auch andere Arbeiten zu erledigen, auch sie sitzen oft viele Stunden auf Flughäfen herum, zB wenn sie aus welchen Gründen auch immer, nicht gleich starten können, uswusf.
Nachdenken, bitte! Sie verbringen auch Zeit in Schulungen, Dienstbesprechungen, ......

Antworten Gast: Erst denken, dann lästern
28.02.2012 13:30
2

Re: also ich bin ja wirklich nicht neidgetrieben...

Ich möchte nicht wissen, in was für "Depperl-Jobs" die hier so neiderfüllt Postenden sitzen. Für einen Job im Cockpit würde es bei diesen Minderbemittelten mit Sicherheit nicht reichen.

Fliegendes Personal leistet Schwerarbeit (Strahlung, Dienst in der Nacht, an Wochenenden und Feiertagen). Otto Normalverbraucher bekäme für solche "Extras" auch einen Haufen "extra" bezahlt, bei Piloten und Flugbegleitern werden diese durch das Grundgehalt abgedeckt.

In diesem Sinne: Hirn einschalten!

Re: Re: also ich bin ja wirklich nicht neidgetrieben...

ich rede hier ausschließlich von piloten und ihren gehältern, herr "hirneingeschaltet" -
dann setzen wir ihren stand mal mit ärzten, krankenpfleger und schwestern gleich.... noch mehr verantwortung und mehr dienste und auch strahlungen ausgesetzt... aber bei weitem nicht so hoch bezahlt!!!!

also bitte, nicht ihren berufsstand dermaßen überbewerten!!!!

Medizinisches Personal bekommt 4 bis 6 mSV im Jahr ab?

Auf welchem Planeten?
Wo ist die Schwelle für oben Genannte oder Mitarbeiter in AKW/Forschungseinrichtungen & Co.?

Gast: Bank12
28.02.2012 07:53
5

aberwitzige Gehälter

die Gehälter sind grotesk hoch! Sowas geht nur im geschützten Bereich! Von der Leistung her wäre bei den geringen Jahresstunden und zig Pausen max. 4000 brutto pro Monat angemessen.

Antworten Gast: Aero Commander
28.02.2012 09:50
1

Re: aberwitzige Gehälter

Da sieht man sofort wer den Überblick hat.
Sie sind eben ein Auskenner, ein Experte der weiß wie es geht und der uns alle schon lange durchschaut hat!
Bravo!

Antworten Antworten Gast: Auslandsoesterreicher
28.02.2012 10:40
1

Re: Re: aberwitzige Gehälter

Vielleicht waren doch nur 2000 brutto angemessen (fuer diesen depperl-job).

bus-fahrer hat zb dieselbe verantwortung (bei schwererer arbeit), wird aber dafuer geringer entlohnt. also, was solls mit den piloten-depperln-jobs und diesen astronomischen gehaeltern?

...ein Auslandsoesterreicher

Antworten Antworten Antworten Gast: AUAHACKLA
28.02.2012 13:00
2

Re: Re: Re: aberwitzige Gehälter

Ein Pilot und ein Busfahrer haben sicher die gleichen Kurse und Prüfungen.....Hearst "Auslandsösterreicher" wo lebst Du???Mit so Blitzgneißer wie mit Dir geht sicher ka Firma ein.......

Im Gehirn eines Gewerkschafters nimmt die Leistung

eines AUA- Angestellten stetig zu !!
Ist ein Pilot mit 60 wirklich 3 mal so gut wie ein Anfänger ??
Das Senioritätsprinzip "funktioniert" nur im geschützten Bereich, wo kein LEISTUNGSNACHWEIS erbracht werden muss.

Prof. STREISSLER: " Der Staat sollte ALLE Mitarbeiter nach 3 Tagen Streik von Rechts wegen entlassen u. nur jene zu den EINSTIEGSGEHÄLTERN wieder anstellen, die er WIRKLICH benötigt".

Das sind 5 je 1000 Einwohner u. nicht 22 !!??
Schweiz benötigt 8 !

Hans Rauscher im Standard hat den Pseudosozialismus von SPÖVFP gut durchschaut:
"Gerade weil wir uns in der Situation eines Verteilungskampfes befinden, in der mit falschen Begriffen agitiert wird, lohnt es sich vielleicht, ein bisschen Einordnungsarbeit zu leisten. Tatsächlich behauptet ja etwa die Linke, in Österreich herrschten turbokapitalistische, neoliberale Zustände. Sie hat damit in der öffentlichen Debatte die Deutungshoheit erlangt. In Wahrheit ist Österreich ein Ständestaat, zwar mit - relativ wenigen - "Groß"-Konzernen und "Superreichen", aber mit riesigen Lobby-Gruppen, die die wahre Verfügungsgewalt über die ganz großen Einkommensströme haben: Die Bauern-, Beamten-, (Früh-)Pensionisten-, Bundesländer-Lobbyisten haben den organisierten Zugriff.

Der wahre Umverteilungskampf im heutigen Österreich verläuft zwischen geschütztem u. ungeschütztem Bereich".

Re: Im Gehirn eines Gewerkschafters nimmt die Leistung

das Durchschnittsalter der AUA Piloten liegt bei ca. 45 Jahren. Wir müssen jährlich 2 mal checks am Simulator bestehen. Die Übungen sind meistens schwerer als rechtlich gefordert.

Antworten Gast: cpdlc777
27.02.2012 22:33
2

Re: Im Gehirn eines Gewerkschafters nimmt die Leistung

Alle Airline Piloten erbringen ihren (zusätzlichen) Leistungsnachweis halbjährlich am Simulator beim Check zur Lizenzverlängerung. Somit funktioniert das Senioritätsprinzip sehr gut!

Und?

Bei diesen Tests schneiden dann die älteren prinzipiell besser als die Jüngeren ab?
Nur dann wäre es eine Rechtfertigung des Senioritätsprinzips - sonst bleibts nur ein non sequitur.

Gast: Reisender11
27.02.2012 11:43
1

Tirolean

Die Tirolean schreibt doch schwarze Zahlen.
Kämpft deren Personal auch um das Überleben?
Andererseits machen zwei Firmen in einem Konzern Sinn ?

Re: Tirolean

Tyrolean, nur so der Richtigkeit halber.
VO ist ein reiner Produktinsbetrieb hat aber eine eigene Verwaltung, da stimmt also schonmal Einiges nicht. VO ist ein Regionalflugunternehmen und hat im internationalen Vergleich dafür einen verhältnismäßig teuren KV. Wenn man aber diesen KV zu dem der AUA macht dann ist es wiederum sehr günstig.
Daher wird jetzt erstmal, wieder, das Personal betrogen um dem Management Millionenprämien zu sichern. Das Unternehmen wird deswegen nicht besser, günstiger oder sonstwas.
Um solche Szenarien aufrechterhalten zu können macht es Sinn zig Millionen jährlich für Doppelgleisigkeiten auszugeben, ist weder moralisch noch wirtschaftlich vertretbar, aber Manager werden fürs Lügen und Betrügen bezahlt nicht fürs langfristige Wirtschaften.

Antworten Antworten Gast: Der Informant
28.02.2012 00:05
0

Re: Re: Tirolean

Das immer wiederkehrende und offensichtlich nicht greifbare Thema der Doppelgleisigkeit bei Tyrolean wird langsam aber sicher langweilig (dass eine GmbH eine Verwaltung, in welcher Größe auch immer, braucht sei unbestritten); oder glaubt irgendwer ernsthaft noch, dass der Lufthansa-Konzern, welcher jeden Cent einspart, siehe bmi, Jade Cargo, LH Cargo und Causa Leihflugbegleiter, auch nur ein Sparpotential nicht ausschöpfen würde?!

Antworten Antworten Antworten Gast: Wanderervogel
28.02.2012 08:39
1

Re: Re: Re: Tirolean

LH tut gar Nichts! Das AUA Management fuhrwerkt hier völlig ohne Kontrolle und planlos wie immer in einem Bereich herum der zwar viele Möglichkeiten bietet, aber dazu sollte man auch etwas Ahnung haben.

Antworten Antworten Gast: Martin_S
27.02.2012 21:04
1

Re: Re: Tirolean

Aha. Manager sind also per se für Sie Betrüger und Lügner. Was machen Sie beruflich?

Antworten Antworten Antworten Gast: Wanderervogel
28.02.2012 08:36
1

Re: Re: Re: Tirolean

Diejenigen, die momentan den KV Bord "verhandeln" JA!!!
Per se ist etwas weit gegriffen, aber es soll ja anscheinend das vorher geschriebene in ein schlechteres Bild rücken nehme ich an.

 
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