Elsner: "Bawag-Geld nach Österreich zurückgeflossen"

18.04.2012 | 16:42 |  von Manfred Seeh (Die Presse)

"Presse"-Interview. Ex-Bawag-General Helmut Elsner beklagt, dass im Rahmen des Bawag-Verfahrens „etwas vertuscht werden soll“. Er bezweifelt die angegebenen Spekulationsverluste und spricht von „Geldwäsche“.

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Die Presse: Herr Elsner, Sie wurden aus medizinischen Gründen aus der Haft entlassen, wie geht es Ihnen? Rechnen Sie damit, wieder inhaftiert zu werden?

Helmut Elsner: Das Ergebnis der letzten Untersuchungen - insbesondere der Tuberkuloseverdacht - schockierte meine Familie und mich. Mein allgemein schwacher Gesundheitszustand hat das Immunsystem geschwächt, und die Ansteckung mit Tuberkulose in der Justizanstalt Josefstadt ist das Ergebnis. Durch die Enthaftung und den seither reduzierten Stress ist aber hoffentlich das unmittelbare Todesrisiko ausgeschaltet worden. Ein erneute Inhaftierung könnte den lebensbedrohlichen Zustand laut ärztlicher Meinung aber wieder herstellen.

Wie sieht ein typischer Tag in Ihrem Leben aus - offenbar nutzen Sie Ihre Freiheit, um die Akten des Bawag-Verfahrens zu studieren? Was bereiten Sie vor?

Der typische Alltag ist durch das Bawag-Verfahren und meine Krankheit dominiert. In der Haft hatte ich kaum Gelegenheit, das Beweismaterial zu studieren, teils aus gesundheitlichen Gründen, teils weil die Kommunikationsmöglichkeiten stark eingeschränkt sind. Mit meinen Anwälten und Sachverständigen legte ich den Behörden seit meiner Enthaftung Dokumente vor, die eindeutig belegen, dass Wolfgang Flöttl (Investmentbanker, der für die Bawag arbeitete, für ihn gilt die Unschuldsvermutung, Anm.) die Bawag betrogen hat. Das bedeutet auch, dass dem Gericht im ersten Prozess falsche Unterlagen vorgelegt wurden. Das ist ein klassischer Fall von Prozessbetrug. Im Übrigen hätte die Staatsanwaltschaft Wien dem Verbleib der Gelder selbst nachgehen müssen. Deswegen regten wir eine von Amts wegen wahrzunehmende Wiederaufnahme des Verfahrens an, diese Anregung wurde lediglich mit dem Kommentar „Des is nix Neues" quittiert. Da nach wie vor keine Behörde Nachforschungen nach dem Verbleib des Flöttl von der Bawag anvertrauten Geldes anstellt, entsteht schon der Eindruck, dass etwas vertuscht werden soll.

Was soll vertuscht werden?

Der Verbleib der Gelder. Es wird uns auch von Dritten immer wieder zugetragen, dass namhafte Summen des gestohlenen Geldes in dunkle Kanäle nach Österreich im Zusammenhang mit Geldwäsche zurückgeflossen sind.

Wie beurteilen Sie die von der Bawag P. S. K. gegen Sie eingebrachte Subsidiaranklage, mit der ein zusätzlicher Schuldspruch wegen Untreue und schweren Betruges erwirkt werden soll?

Die Einbringung der Subsidiaranklage ist klarer Rechtsmissbrauch, da bereits verjährte und rechtskräftig beendete Sachverhalte aufrechterhalten werden. Die Bawag setzt sich somit über die höchstrichterliche Rechtsprechung hinweg. Die Untreuetatbestände werden getrennt vom Betrugstatbestand verhandelt, obwohl der OGH entschied, dass eine Trennung unzulässig ist. Richter Christian Böhm spielt mit und hat die Verhandlung auch so angesetzt. Man will meine Anwälte in Teilen des Prozesses nur im Zuschauerraum teilhaben lassen! Dadurch sollen unangenehme Fragen an Flöttl verhindert werden. Diese Farce überbietet noch den blamablen ersten Bawag-Prozess.

Helmut Elsner: Der gefallene Ex-Banker

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Wie ist der aktuelle Stand in Ihrem Bemühen, die verschwundenen Bawag-Gelder aufzuspüren?

Ich hatte schon während des ersten Bawag-Prozesses den Verdacht, dass Flöttl die Bank betrogen hatte, konnte mir aber damals die Sache noch nicht erklären, weil die Verluste von Arthur Andersen (US-Prüfgesellschaft, die zwei Gutachten zu den Verlusten schrieb, Anm.) bestätigt wurden. Heute ist klar: Die Andersen-Prüfung war Teil des Betrugs an der Bank. Die Kontoauszüge der Flöttl-Firmen belegen, dass es sich um Diebstahl und Betrug handelt, die Bank war das Opfer. Flöttl hat dann im Prozess falsche Urkunden vorgelegt, um seine Verbrechen zu decken.

Wie sehen Sie Flöttls Rolle?

Von der Bank wurde nicht Geld verspekuliert. Die diesen Geschäften zugrunde liegenden Verträge wurden seinerzeit vom Finanzministerium geprüft und genehmigt. Flöttl hat sich über diese Verträge hinweggesetzt und die Bank betrogen. Wenn auch im zweiten Prozess die Unterlagen zu den Geschäften nicht vorgelegt werden, wird die Justiz das angekratzte Vertrauen, von dem heute oft gesprochen wird, endgültig verlieren. Die Justiz hat die Möglichkeit, den Verbleib der Gelder viel einfacher aufzuklären als ich als Privatperson.

Wie beurteilen Sie rückblickend die Aktivitäten des früheren Bawag-Chefs Ewald Nowotny, unter Nowotny - er ist heute Nationalbank-Gouverneur - wurde die Bawag an den US-Hedgefonds Cerberus verkauft? Und wie sehen Sie den Vergleich der Bawag mit den Refco-Gläubigern?

Es handelt sich offenbar um einen Kriminalfall Ewald Nowotny, Stephan Koren (Ex-Bawag-Vize-General, Anm.) und andere. Die Anwälte der Refco-Gläubiger haben das in einer eidesstattlichen Erklärung so beschrieben: „Kein vernünftiger Mensch konnte die Handlungsweise der Bawag damals erwarten, noch erhoffen, dass sich eine derartige Konstellation in der Zukunft noch einmal ergeben wird." Nowotny, Koren, Rudolf Hundstorfer (SP-Sozialminister, Anm.) und andere haben sich in die Annalen der US-Justizgeschichte eingetragen, allerdings in eher peinlicher Weise. Man hat der Bawag ein Eigentor geschossen, dem Gegner gratuliert und sich selbst mit dem Treffer gebrüstet.

Wie beurteilen Sie die aktuelle Performance der österreichischen Banken vor dem Hintergrund der Finanz-/Eurokrise? Haben Sie noch Kontakte zu „Ihrer" Bawag, verfolgen Sie deren Entwicklung?

Ich befinde mich seit 2003 in Pension und maße mir kein Urteil zur Performance anderer österreichischer Banken an. Über die Entwicklung der Bawag seit der Übernahme durch Cerberus bin ich entsetzt, die Bank ist von einer seinerzeit systemrelevanten Großbank zu einer nunmehr relativ unbedeutenden Retailbank geschrumpft. Die Bilanzsumme reduzierte sich seit 2003 von nahezu sechzig Milliarden Euro auf nunmehr unter vierzig Milliarden Euro. Das Familiensilber wurde verscherbelt, Cerberus hat offensichtlich die Bank als Müllhalde für seine toxischen Wertpapiere verwendet.

Auf einen Blick
Helmut Elsner ist wegen Untreue rechtskräftig zu 10 Jahren Haft verurteilt. Vor Neustart des Bawag-Prozesses (25. April) greift er den Investmentbanker Wolfgang Flöttl an. Dessen Verurteilung wurde vom OGH aufgehoben. Es gilt die Unschuldsvermutung. Elsner erneuert auch Vorwürfe gegen Ewald Nowotny und Stephan Koren, denen jedoch nichts nachgewiesen werden konnte. Das Interview wurde per Mail geführt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.04.2012)

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127 Kommentare
 
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Der Elsner mag ein Fallot und widerlicher Parvenü sein aber...


in der Summe hat er natürlich 100% recht.

Es wurde für jedermann sichtbar enormer politischer Druck auf die (rote) Justiz ausgeübt nur ja nicht auf den Punkt zu kommen:
Nämlich wo die Gelder abgeblieben sind. Meine Version lautet: Sie waren nie weg, sind nicht verschwunden sondern "Schlaffen" nur in einem anderen Börsel.
Jenem Pouvoir, das auch die frugalen SPÖ Feste ausgerichtet hat und die Partei saniert hat.

gell Schlaffi und Guss?...


Re: Der Elsner mag ein Fallot und widerlicher Parvenü sein aber...

Welche rote Justiz?

Antworten Gast: Miller
24.04.2012 23:16
3

Re: Der Elsner mag ein Fallot und widerlicher Parvenü sein aber...

Elsner mag ein Fallot sein, aber es wurde ganz einfach ein "Dummer" gesucht dem man so etwas möglichst glaubhaft in die Schuhe schieben kann.

Ich hoffe er schafft das augenscheinlich Unmögliche, denn dann würden wohl viele im Knast landen.

An die Zweifler.. ich sags mal mit einem Lieblingswort der Jehova.

Erwachet!

Gast: lotte
22.04.2012 13:26
1

na gott sei dank kann sich herr seeh wieder um sein lieblingsthema kümmern

- erbärmlich, dass die presse für so jemanden wie elsner und seine frau immer wieder als plattform fungiert

...

na was glauben sie warum sollte der floettl nicht schmieren, wachen sie auf! das ist in oesterreich die einzige art zu irgendeiner leistung zu kommen... einfach nach kaernten schauen... wie war das bei der russeneinreise: der straftaeter war ueberrascht, deshalb wurde er freigesprochen: was glauben sie wieviel das kostet?

Re: ...

ich mag das nicht, die haben jetzt 5 korruptionsabteilungen und nicht einen einzigen fall geloest, klar ist das strafbar, aber es geht ja darum einen terrorstaat zu finanzieren - was glauben sie warum das studium int entwicklung abgeschafft wird?

2ter BAWAG Prozess

Es wird spannend zu sehen ob die obskure BAWAG Gestalten Verzetnitsch, Tümpel und Flöttl, wieder neben Elsner auftauchen. Das Trio ist leise verschwunden und genießt bis heute (!) sowohl die Freiheit wie die Frechheit.

Gast: hannking
19.04.2012 18:31
4

die spö wie sie leibt und lebt....


Der Bürger - wie er speibt & bebt


Dass man dem Verbrecher eine öffentliche Bühne bietet ist eine Schande.

Da kommt mir die Galle hoch. In ein paar Jahren wird er uns wohl, wie ein anderer Krinmineller Androsch, uns noch in seiner Unverschämtheit belehren. Was für eine schreiende Frechheit! Elsner gehört hinter Gitter.

Einsperren. Jetzt.


Gast: TRiernpurg
19.04.2012 14:20
6

sicher is was zurueckgeflossen

zb 72000 fuern vranitzky, aber dem stand eine ganz klare leistung gegenueber: ein stueck telefonat.

Re: sicher is was zurueckgeflossen

72.000 €uro für A F.

Denn nach diesem teuren Beratungstelefonat ging die Bank den Bach hinunter.

Re: Re: sicher is was zurueckgeflossen

Bei ihrem Freund

KHG

war aber viel mehr Geld im Spiel!

Re: Re: Re: sicher is was zurueckgeflossen

Nicht viel mehr.

Und dies aber nur über die Gerüchtebörse ohne vor Gericht haltbare Anschuldigungen.

Und so wie es aussieht, bleiben auch nur gelogene böswillige Anschuldigungen.

Re: Re: Re: sicher is was zurueckgeflossen

Café rosa

Bitte endlich:

Verzetnitsch
Hundsdorffer
Trumpel
Novotny
Edlinger etc
vor Gericht

Re: Bitte endlich:

Nur möge man bitte berücksichtigen, dass Novotny sich den Koren geholt hat, weil der den roten Saustall nicht mehr mitmachen wollte.

Novotny mit den anderen Herrn in EINE (dieselbe) Spalte zu pressen wäre unfair.

im alter kommt die erinnerung - weiter so, aber präziser!


Overboard

Lieber Herr Elsner!
Es ist mittlerweilen in Österreich jedem klar, dass dem Herrn Flöttl bei einem Segelturn während er am Deck über einen versehendlich abgestellten Gegenstand gestolpert ist den Koffer voller Kohle nicht verloren haben kann und sich das Geld sicher nicht selbstzerstörerisch in die Tiefe des Ozeans gerissen hat, leider hat die österreichische Justiz das noch nicht ganz verstanden.

Sie sind sicher nicht unschuldig, aber bei einem muss ich ihnen recht geben, die anderen sicher auch nicht!

Antworten Gast: ovi
19.04.2012 11:46
8

Re: Overboard


die Justiz hat wohl verstanden; doch darf sie nicht suchen ...

Gast: noch ein Redakteur
19.04.2012 10:49
2

Frage vergessen...

Wieso haben Sie unmittelbar nach dem Verzocken der Kohle nicht auf Betrug durch Ihren Auftragnehmer Flöttl plädiert, sondern die Sache vertuscht und dazu u.a. Kreditnehmer wie Rohrmoser/Atomic hops gehen lassen?

Mir scheint in Österreich wird im politischen Umfeld nur unter zwei Bedinungen aufgeklärt

a) es gibt einen Bezug zum Ausland insb Deutschland dann macht die deutsche Staatsanwaltschaft ihre rechtsstaatliche Arbeit (Hypo etc)

b) jemand ist bei den derzeitigen Machthabern in ungnade gefallen bzw es wird ein Sündenbock gesucht (das war von Androsch über Elsner bis Grasser so)

In dieser Beziehung ist Österreich mehr Ukraine als westlicher Rechtsstaat. Für einen Justizminister und für das Parlament gibt es genug Arbeit.

Geld verschwindet nicht,

es ist nur wo anders!

so ist das halt mit prozessen,

deren termin von der parteizentrale diktiert wird, damit man im wahlkampf munition hat.

(dass TROTZ dieses medienereignisses das volk "nein, danke, aus, schluss!" sagte, empfindet der wolfi noch heute als himmelschreiende ungerechtigkeit...)

Re: so ist das halt mit prozessen,

Herr Oberst

"dass TROTZ" ... Ihre Worte;-)

Die Roten mutierten immer schon zu TROTZkyisten, wenn man ihre Vergehen aufdecken wollte.

Dann aufeinmal entdecken sie "die demokratischen Freiheitsrechte", verstecken sich hinter diesen und diffamieren die Aufdecker, dass sie aus dem reaktionären und nationalen Lager kommen.

 
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