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Ökostrom aus Holz kläglich gescheitert

15.05.2012 | 18:20 |  NORBERT RIEF (Die Presse)

Millionen an Förderungen steckte man in den Bau von Biomassekraftwerken. Jetzt sperren mehr und mehr zu, und sogar der Biomasseverband rät: „Finger weg davon.“

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Wien. Im Winter ist das Biomassekraftwerk in Wien-Simmering, das größte Europas, ein Öko-Traum: 80Prozent des Holzes, das man hier verbrennt, wird für etwa 60.000 Wiener Haushalte in Strom und Wärme umgewandelt. Im Sommer ist das ein wenig anders: Dann heizt man mit dem Kraftwerk vor allem den Donaukanal.

Wie ein Experte, der nicht genannt werden will, erklärt, liegt der Wirkungsgrad bei der Stromerzeugung in Simmering aus Holz bei 35 Prozent. Der Rest ist großteils ungenutzte Wärme, der Dampf muss gekühlt und zurückgeführt werden– eben in den Donaukanal. Denn der Wiener Wärmebedarf werde im Sommer durch die Müllverbrennungsanlagen voll abgedeckt.

Wien-Simmering ist das weithin sichtbarste Beispiel für das Scheitern einer einst als „Zukunft der Energiegewinnung“ gefeierten Idee: Holz wird zu Ökostrom und zu Wärme. Nur machte der Markt allen Hoffnungen auf eine umweltfreundliche und billige Energiequelle einen Strich durch die Rechnung: Die Holzpreise sind in den vergangenen Jahren so stark gestiegen, dass viele Anlagen unrentabel geworden sind.

(c) DiePresse

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Bundesforste verkauften Anlagen

Eines der ehrgeizigsten Ökostromprojekte Österreichs endete im vergangenen Jahr in einer Beinahe-Insolvenz: Die österreichischen Bundesforste (ÖBf) hatten gemeinsam mit der Kärntner Kelag 30Hackschnitzelanlagen betrieben und dafür etwa 200 Millionen Euro investiert.

Seit 2003 versuchte man, mit den Anlagen Gewinn zu machen. Im Juli 2011 gab man auf und verkaufte 28, zwei betreiben die ÖBf weiter. Die Banken mussten 100Millionen Euro schlucken, die Bundesforste stiegen relativ unbeschadet mit einem hohen einstelligen Millionenverlust aus.

„Biomasse ist zur Stromerzeugung schlicht nicht geeignet“, erklärt Harald Proidl, Leiter der Abteilung Ökoenergie bei der E-Control. Holz habe einen Wirkungsgrad von etwa 30Prozent, andere Rohstoffe seien weitaus effizienter. Wenn man mit der Anlage neben Strom auch zugleich Wärme erzeuge, sei das eine „viel vernünftigere Nutzung des Rohstoffs“. Und am Ende vielleicht auch finanziell rentabel.

Anfang der 2000er-Jahre schütteten Bund, Länder und EU Millionen Euro an Förderungen für den Bau von Hackschnitzelanlagen aus. In Österreich garantierte der Bund den Betreibern einen Strompreis von 10,2 Cent pro Kilowattstunde (der reguläre Strompreis liegt bei fünf bis sechs Cent pro Kilowattstunde ohne Leitungsaufschläge und Steuern).

Doch die Nachfrage nach Holz stieg seither weltweit kontinuierlich an. Die Folge: Die Preise liegen heute um fast 50Prozent höher als noch 2003 (siehe Grafik). Um den Bedarf der Holzkraftwerke zu decken, mussten viele Betreiber Holz zukaufen. Selbst die Wälder der ÖBf lieferten nicht genug Rohstoffe für die 30Anlagen: Zwei Drittel mussten auf dem Markt gekauft werden.

„Wir sagen: Hände weg von Biomassekraftwerken für Strom“, betont sogar der Vorsitzende des österreichischen Biomasseverbands, Horst Jauschnegg. Bei den derzeitigen Verhältnissen sei es schlicht nicht rentabel, Holz für die Gewinnung von Strom zu verbrennen. „Es hat einen Grund, warum es seit einigen Jahren keine neuen Kraftwerke mehr gibt.“

 

Tarife blieben gleich

Jauschnegg sieht als eines der gravierenden Probleme, dass das Ökostromgesetz die Entwicklungen auf dem Markt nicht berücksichtige. „Die Tarife, die die Betreiber für Ökostrom erhalten, sind gleich geblieben. Aber die Preise für den Rohstoff sind massiv gestiegen.“ Bei Gas sei es anders: Sobald es teurer werde, würden die Energieunternehmen die Preise umgehend an die Kunden weitergeben.

Für die Wärmegewinnung sei Holz trotzdem nach wie vor der günstigste Energieträger. In Österreich heizten 2010 laut Statistik Austria 20Prozent aller Haushalte mit Holz oder Pellets. Gas und Öl verwenden 20,5Prozent, Fernwärme hat mit 23Prozent den höchsten Anteil.

Wien-Simmering trägt dazu bei. Zwei Experten meinen jedoch, dass man das Kraftwerk „heute so nicht mehr bauen würde“. Seine Zukunft ist jedenfalls ungewiss: Der Betreibervertrag läuft 2019 aus.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.05.2012)

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17 Kommentare
Gast: 294 294
25.06.2012 17:58
0 0

Das hören die Bauern

aber gar nicht gerne ... da muss wohl mal wieder ein Bauernbündler oder ein Landwirtschaftsminister klar machen, dass des so net geht!

Die überschwänglichen Träume von der Bioenergie, die fossile Brennstoffe ersetzen soll, sind völlig unrealistisch!

Holz ist ein wertvoller Rohstoff, von dem längst nicht so viel vorhanden ist, dass man damit einen nennenswerten Anteil an der Energieerzeugung abdecken könnte. Schon der im Vergleich zu heute sehr geringe Holzbedarf der alten Römer hat vor 2000 Jahren dafür gesorgt, dass weite Landstriche am Balkan und im Libanon abgeholzt wurden und noch heute unfruchtbares Land sind. Weil die Holzpreise bei uns explodieren, kaufen die Biomasse-Kraftwerke große Mengen nicht als Bauholz geeignetes Holz von den Russen, die deshalb die Tundra abholzen und ähnliche Schäden anrichten wie seinerzeit die Römer. Das soll umweltfreundlich sein?

Das Problem mit dem schlechten Wirkungsgrad haben alle Kraft-Wärme-Kopplungen, egal ob mit Holz oder sonst etwas geheizt wird. Diese Kraftwerke brauchen Gegendruckdampfturbinen, die nicht die ganze im Dampf enthaltene Wärme nutzen, sondern genug Abwärme übrig lassen, um damit noch Heizungen versorgen zu können. Im Winter erreichen sie damit einen hohen Wirkungsgrad. Wenn die Heizenergie aber nicht gebraucht wird, ist die überschüssige Abwärme nutzlos und verloren. So ein Kraftwerk nur im Winter zu betreiben, würde zu wenig Einnahmen bringen, das tut niemand. Deshalb wird auch im Sommer Strom geliefert, was im Jahresschnitt einen viel schlechteren Wirkungsgrad ergibt, als bei gewöhnlichen Wärmekraftwerken.

Bioenergie auch dort zu fördern, wo die Nachteile im Sommer größer sind als die Vorteile im Winter, ist reine Ideologie und energetisch sinnlos!


Gast: Bärenfalle...
17.05.2012 15:56
2 0

Wie bei den Biogasanlagen

Wenn ich sehe welche Tonnen an Material da mit Traktoren, Radladern und LKW durch die Gegend gefahren werden frage ich mich auch immer ob es nicht ökologischer wäre den verfahrenen Diesel gleich zu verstromen.

Und jedes Jahr Mais auf den selben Pachtflächen anzubauen um dann mit 3-Achser Abschiebewägen bei der Ernte alles plattzuwalzen ist für den Boden sicherlich auch ganz gut.

Na immerhin der Straßenmeisterei wird nicht langweilig, die darf nach jedem stärkerem Regen die Straßengräben und Kanäle erneut von abgeschwemmter Erde freilegen.


Gast: oberforstmeister
16.05.2012 11:12
3 0

Ökologischer LKW Antransport

Als besondere ökologische Pointe kommt ja noch dazu, dass das Holz teilweise mit LKW aus der Steiermark und durchaus weiter entfernten Teilen Niederösterreichs nach Wien transportiert wird. Von der Verwendung von teilweisem Nutzholz, das auch in der Holzindustrie verwendet werden könnte, mal ganz zu schweigen. Der eigentliche Schaden für die Lieferanten, im Falle der ÖBF auch der Steuerzahler, liegt ja viel höher.

Antworten Gast: bjs
25.06.2012 18:01
0 0

Naja, versuchen Sie

doch mal Biomasse per Bahn zu transportieren. Der nächste ÖBB-Bahnhofsvorstand wird Ihre Waggons mit ewigen Ausreden festhalten....

Gast: öko - joschi
16.05.2012 05:28
1 0

"es wächst jährlich mehr holz nach,als wir verbrauchen!"

vorschlag: ÖSP (österreichische spinner partei). jeder parteibuchinhaber erhält monatlich 1200,- euro aus steuergeldern. dafür muss er/sie sich von allem fernhalten,was dem rest österreichs schadet.

Gast: unfähiger unter den unfähigsten
16.05.2012 05:18
2 0

die banken mussten 100 mill euro schlucken. die öbf stiegen glimpflich aus...!?

ja gehts no?! völlig durchgeknallte, unfähige ökoheinis - mit saublöd lächelnden politfuzzis auf öko inbetriebnahmen verheizen auf kosten der steuerzahler teures geld.politiker,banken,...etc.
armes,schönes österreich.

Experten

"Holz habe einen Wirkungsgrad von etwa 30Prozent"
Was ist denn das für eine Aussage???

"In Österreich heizten 2010 laut Statistik Austria 20Prozent aller Haushalte mit Holz oder Pellets. Gas und Öl verwenden 20,5Prozent, Fernwärme hat mit 23Prozent den höchsten Anteil."
Und die restlichen 37,5%???

Antworten Gast: oekonomist
16.05.2012 06:50
4 0

Re: Experten

Wer lesen kann, ist hier zweifellos im Vorteil. Bei Biomassekraftwerken ergibt die Umwandlung der im Holz gespeicherten Energie (Heizwert) max. 30% Wirkungsgrad bei reiner Stromerzeugung (bei Wärmeerzeugung schafft man etwa 80%). D.h. 70% der im Holz enthaltenen Energie können nicht in Strom umgewandel werden und gehen verloren. Bei kleinen Anlagen beträgt der Wirkungsgrad sogar "nur" 10-12%". Daher ist es Raubbau an der Natur und reine Geldverschwendung, aus der Biomasse hochsubventioniert Strom zu erzeugen. Das wollen diverse Umweltaktivisten zwar noch immer nicht zur Kenntnis nehmen und auchdie Politiker getrauen sich nicht das zuzugeben, aber sogar die Bundesforste, welche ja vom Holzverkauf leben, geben das nun zu. Der Hinweis auf das moderne Kraftwerk in Simmerng, welches trotz hoher Subventionen nicht wirtschaftlich genug betrieben werden kann, bestätigt das ebenfalls. Zum Vergleich: moderne Kohlekraftwerke haben etwa 53% Wirkungsgrad, die effizientesten Gasturbinen kommne nahe 60% (reine Stromerzeugung). Das ist etwa doppelt so gut, wie bei Biomassekraftwerken. Bleibt also die sinnvollere Variante mit dem wertvollen Rohstoff eine höhere Wertschöpfung zu erzielen (weniger Verbrauch, mehr dauerhafte Arbeitsplätze - z.B. in der Papier-, Möbelerzeugung, Bauwirtschaft) als es unter hoher Staubbelastung zu verbrennen. Unsere Kinder werden es uns danken, wenn sie auch in 50 Jahren noch in einem nicht der Ökostromerzeugung geopferten Wald spazieren gehen können

Antworten Antworten Gast: auch_so_viel
17.05.2012 20:41
0 0

Re: Re: Experten

Weiß jetzt gar nicht warum ich mich genötigt fühle hier noch meinen Senf abzugeben. Aber es ist wohl vermeidliches „Expertenwissen“ und fossile Brennstoffliebhaberei.
Stellen Sie sich vor man könnte neben dem Strom auch die Wärme nutzen! Effizient betrieben nennt sich das Ganze „Wärmegeführte Kraft-Wärme Kopplung“, KWK schon mal gehört? Der Gesamt-Wirkungsgrad heißt dann Nutzungsgrad und beträgt bei richtig ausgelegten Anlagen bis zu 90%. Dazu gehört diese Anlage in Simmering definitiv nicht.
Bitte lassen Sie sich beim nächsten Mal nicht durch schlechten Journalismus hinreisen etwas zur Biomasseverbrennung zu posten. Und keine Angst die Papier- und Holzwertstoff-Lobby hält die Subventionen eh gering. Siehe neues EEG. Wir lernen: Neue KWK-Anlagen rechnen sich so gut wie gar nicht mehr in Österreich!
Also viel Spaß mit Windrädern und Biogasanlagen die euren Sterz verteuern. Aja wir haben ja noch unser ÖL von der ÖMV und das Gas von Putin.

Re: Re: Re: Experten

Die für Wärmekraftanlagen ursprünglich übliche Wirkungsgradberechnung nach dem Carnot-Prozess wird in der Praxis kaum mehr verwendet. Man berechnet den Wirkungsgrad nach dem Ackeret-Keller-Prozess, dem Joule-Prozess oder dem Clausius-Rankine-Prozess und erhält dabei jedesmal einen anderen Wert. Vergleichbar sind Wirkungsgrade nur dann, wenn man weiß, nách welcher Methode sie berechnet wurden.
Ohne diese Zusatzinformation sind Wirkungsgradvergleiche einfach nur Unsinn!

Antworten Antworten Gast: auch_so_viel
17.05.2012 20:30
0 0

Re: Re: Experten

Weiß jetzt gar nicht warum ich mich genötigt fühle hier noch meinen Senf abzugeben. Aber es ist wohl vermeidliches „Expertenwissen“ und fossile Brennstoffliebhaberei.
Stellen Sie sich vor man könnte neben dem Strom auch die Wärme nutzen! Effizient betrieben nennt sich das Ganze „Wärmegeführte Kraft-Wärme Kopplung“, KWK schon mal gehört? Der Gesamt-Wirkungsgrad heißt dann Nutzungsgrad und beträgt bei richtig ausgelegten Anlagen bis zu 90%. Dazu gehört diese Anlage in Simmering definitiv nicht.
Bitte lassen Sie sich beim nächsten Mal nicht durch schlechten Journalismus hinreisen etwas zur Biomasseverbrennung zu posten. Und keine Angst die Papier- und Holzwertstoff-Lobby hält die Subventionen eh gering. Siehe neues EEG. Wir lernen: Neue KWK-Anlagen rechnen sich so gut wie gar nicht mehr in Österreich!
Also viel Spaß mit Windrädern und Biogasanlagen die euren Sterz verteuern. Aja wir haben ja noch unser ÖL von der ÖMV und das Gas von Putin.

Re: Re: Experten

@oekonomist: Im Prinzip haben Sie recht, der Wirkungsgrad kann aber auf unzählige Arten berechnet werden. Ein Vergleich von Wirkungsgraden hat deshalb nur dann Sinn, wenn man sicher ist, dass sie auf die gleiche Art berechnet wurden.
Bei den Angaben in Ihrem Kommentar ist das aber offensichtlich nicht der Fall, daraus Schlüsse zu ziehen, ist sinnlos!

Re: Re: Experten

Danke für die Belehrung.
Trotzdem hat der zitierte Satz keine Aussage. Auch Journalisten sollten sich verständlich ausdrücken.

Gast: halikimundus
15.05.2012 22:03
1 1

So stark ist Bauernlobby in Österreich!

Nicht nur Milliarden an Direktförderung sondern auch durch Falschpropaganda (Biodiesel, Pelletsheizung...) sichern die Bauern ihre Pfründe ab.

Schämts eich Bauern!

Antworten Gast: PISA 1
16.05.2012 09:48
1 0

Re: So stark ist Bauernlobby in Österreich!

Die ÖBF ist der STAAT. Also auch DU, und die verwendeten Gelder sind sogenannte "Bauerngelder" für Dein Holzkraftwerk.
Übrigens, ich habe meinen Ofen im Sommer nicht in Betrieb.

show down für die grünen Spinner


aus allen politischen Lagern. Ein Alternativenergieprojekt nach dem anderen geht baden. Nur mehr durch exorbitante Belastungen der Energiekonsumenten kann dieser energiepolitische Turmbau zu Babel noch gepölzt werden. Ohne Kernenergie werden in der westlichen Welt bald die Lichter ausgehen und die Maschinen still stehen. Auch in Österreich wird jeder grundvernünftige weitere Ausbau der Wasserkraft durch Querulanten und Grünspinner verhindert und verzögert. Wieviel öffentliches Geld = Geld unserer Bürger wird denn noch für derlei alternativen Schwachsinn verschleudert?

Hobbyökonom