Steirisches Kürbiskernöl aus China

Jedes zweite Kürbiskernöl kommt aus dem Ausland. Auch Herkunfts- oder Qualitätssiegeln geben keine absolute Garantie, so der Verein für Konsumenteninformation (VKI). Alles falsch, sagen hingegen die Firmen.

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(c) APA

Wien/Auer. Die Etiketten versprechen „Steirische Schmankerl“ oder „Erste Pressung aus Österreich“ – garniert mit dem steirischen Landeswappen. Wer im Supermarkt nach Kürbiskernöl sucht, bekommt leicht den Eindruck, dass die Steiermark die heimischen Regale noch fest im Griff hat. Doch der Schein trügt. Von dreißig Kürbiskernölen, die der Verein für Konsumenteninformation (VKI) getestet hat, stammen nur elf mit Sicherheit aus Österreich, bei zweien ist das „wahrscheinlich“.

Von mindestens sechs Produkten stammten die Kerne aus China. Sie sind derzeit rund vierzig Prozent günstiger als jene aus der Steiermark. Elf weitere Öle wurden zumindest teilweise aus ausländischen Kernen hergestellt. Es ist keineswegs illegal, diese Produkte mit typisch österreichischen Bildern zu bewerben. Ehrlich gegenüber dem Konsumenten ist es aber nicht.

„Fingerabdruck“ des Öls

Gewiefte Kunden verlassen sich beim Einkauf aber ohnehin nicht mehr auf bunte Bilder und Werbeslogans. Sie suchen nach geprüften Herkunfts- oder Qualitätssiegeln. Aber auch die geben offenbar keine absolute Sicherheit, sagt der VKI.

So ist die Bezeichnung „Steirisches Kürbiskernöl“ etwa eine „geschützte geografische Angabe“ (g.g.A.). Anders als etwa beim „Tiroler Speck“, bei dem es genügt, wenn das Fleisch in Österreich verarbeitet wurde, ist der Zusatz g.g.A. für Kürbiskernöl deutlich strenger. Laut einer EU-Verordnung dürfen sich nur jene Produkte mit dem Siegel schmücken, die Kerne aus der Steiermark, dem Südburgenland oder Niederösterreich verwenden.

Der Großteil der „g.g.A.“-Öle schnitt zwar gut ab. Bei drei getesteten Produkten, die unter dem Titel „Steirisches Kürbiskernöl“ verkauft werden, blieb die Herkunft aber unklar. Bei zwei Eigenmarken der Handelsketten Billa und Penny sowie einem Produkt der Firma Pelzmann wurden vermutlich russische oder chinesische Kernen gemischt.

Das ist zumindest das Ergebnis einer völlig neuen Messmethode der Montanuniversität Leoben. Dabei suchen die Wissenschaftler nach Spuren von seltenen Erden und ermitteln so einen Fingerabdruck des Öls. Der sieht von Land zu Land unterschiedlich aus.

Die betroffenen Firmen reagierten entsetzt. „Der Test ist ein Blödsinn“, sagt Klaus Pelzmann zur „Presse“. Seine Firma verwende ausschließlich steirische Kürbiskerne. Das bestätige auch der zuständige Verband, die „Gemeinschaft Steirisches Kürbiskernöl g.g.A.“. Die Testergebnisse kann er sich nur mit der Ungenauigkeit der Messmethode erklären. Auch die anderen beiden Firmen beteuern ihr reines Gewissen.

Das „Original“ ist schwarz und zäh

„Wir werden dem Verdachtsfall auf jeden Fall nachgehen“, sagt Andreas Cretnik, Geschäftsführer der Gemeinschaft steirisches Kürbiskernöl, die 2500 steirische Kürbiskernbauern vertritt. Sollte sich der Verdacht in der „Sonderprüfung“ erhärten, drohen Sanktionen, die „bis zum Ausschluss“ gehen. Bisher sei Pelzmann allerdings nicht negativ aufgefallen.

Eigentlich sollte das System an sich einen Betrug schon erschweren. Jeder Bauer aus den definierten Anbauregionen muss seine Erntemengen dem Verband melden. Nur wer bei diesen Bauern Kerne einkauft, erhält auch die nötigen Zertifikate, um daraus „Steirisches Kürbiskernöl“ zu erzeugen.

Im Vorjahr konnten sich die Bauern über eine Ernte von 680 Kilogramm auf jedem der 26.500 Hektar freuen. In manchen Jahren ist der Rohstoff für „echt steirisches“ Kürbiskernöl aber knapp, sagt Franz Seidl, Geschäftsführer vom VKI-Testsieger Steirerkraft. „Dann ist die Versuchung zu tricksen für manche Firmen natürlich groß.“

Wer beim Einkauf sichergehen möchte, dass sein Kürbiskernöl tatsächlich aus der Steiermark kommt, sollte auf zwei Dinge achten: Preis und Farbe. Echt steirisches Kürbiskernöl kommt schwarz und zähflüssig aus der Flasche – um knapp zwanzig Euro je Liter. Landet gelbes oder bräunliches Öl um den halben Preis auf dem Teller, stammt es vermutlich aus Russland oder China.

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