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Bilanz: Kärnten erlebt sein blaues Wirtschaftswunder

01.08.2012 | 18:15 |   (Die Presse)

Das System Haider/ Dörfler/ Scheuch hat Kärnten die höchsten Schulden und die niedrigsten Einkommen der Republik beschert. Eine Bankrotterklärung, die für die Akteure bisher folgenlos blieb.

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Die unappetitlichen Blasen, die derzeit permanent aus den Kärntner Korruptionssümpfen aufsteigen, machen Sacharbeit im Land offenbar schwierig. Kein Wunder, dass in den vergangenen Tagen – vor allem aus den Reihen der dominierenden FPK – Stimmen laut wurden, die meinten, man solle jetzt „nicht neu wählen, sondern für das Land arbeiten“.

Womit wir gleich bei der Frage sind, ob es abseits mutmaßlicher strafrechtlicher Verwicklungen aus wirtschaftlicher Sicht eine gute Idee ist, die unschuldsvermuteten Sesselkleber am Klagenfurter Arnulfplatz (von denen erst zwei, weil sie wirklich nicht mehr anders konnten, zurückgetreten sind) weiterarbeiten zu lassen. Die Kärntner erleben ja gerade ihr blaues Wirtschaftswunder.

Bevor wir zu den diesbezüglichen Fakten kommen, klären wir einmal die Verantwortung: Seit 1999, also seit dreizehn Jahren, ist ohne Unterbrechung jene Gruppierung mit Abstand stärkste politische Kraft, die dreimal als FPÖ und einmal als BZÖ gewählt wurde. Als FPK hat sie sich, obwohl ihr vier der sieben Mitglieder der Landesregierung angehören, noch keiner Wahl gestellt.

Weil FPÖ/BZÖ/FPK in dieser Zeit immer satte, aber nie absolute Mehrheiten hatte, brauchten die erst blauen, dann orangen, dann wieder blauen Lichtgestalten immer bereitwillige Steigbügelhalter, die sie in der ÖVP, aber auch in der SPÖ fanden.

Derzeit sitzen zwei SPÖ- und ein ÖVP-Vertreter in der Landes(konzentrations)regierung. Wie sehr sich die beiden von Jörg Haider immer als „Altparteien“ verunglimpften Roten und Schwarzen dabei instrumentalisieren ließen, hat gerade erst der Kärntner Ex-ÖVP-Chef Georg Wurmitzer enthüllt: Als er sich weigerte, den von Haider gewünschten „Vorschuss“ auf den Hypo-Verkauf per Wandelanleihe mitzutragen, und deshalb offenbar von der eigenen Bundespartei abserviert wurde (was letztendlich in ein katastrophales ÖVP-Wahlergebnis bei den folgenden Landtagswahlen mündete), ist der damalige Kärntner SPÖ-Chef Peter Ambrozy als Koalitionspartner und Mehrheitsbeschaffer eingesprungen.

Die Verantwortung für die wirtschaftliche Misere des südlichsten Bundeslandes, die sich unter anderem in den folgenden Wirtschaftsdaten niederschlägt, liegt also überwiegend, aber nicht nur bei FPÖ/ BZÖ/FPK. Und diese Daten haben es in sich:

•Nach dreizehn Jahren unter der Landeshauptmannschaft von Jörg Haider (bis 2008) und Gerhard Dörfler hat Kärnten die bei Weitem höchste Pro-Kopf-Verschuldung aller österreichischen Bundesländer. Statistisch ist jeder Kärntner laut Rechnungshof mit 2890 Euro für sein Land verschuldet. Dazu kommen noch sogenannte „nicht fällige Verwaltungsschulden“ (das sind fixe Verpflichtungen, für die das Geld aber noch nicht aufgenommen wurde) in ähnlicher Höhe.

•Außerdem haftet jeder Kärntner laut Rechnungshof mit 40.444 Euro für Verbindlichkeiten der Hypo Alpe Adria, der Krankenanstaltengesellschaft und für verkaufte (also zweckentfremdete) Wohnbaudarlehen. Die Haftungen liegen insgesamt noch immer über 20 Mrd. Euro (davon rund 18 Mrd. Euro für die Hypo Alpe Adria), machen also fast das Zehnfache eines Jahresbudgets aus. Der Grund: Die seinerzeitige Landesbank hatte das „System Haider“ recht flott finanziert, das Land hatte im Gegenzug großzügig Haftungen in einem Ausmaß übernommen, für das die Verantwortlichen eigentlich vor Gericht gehörten. Schon deshalb, weil diese Haftungen leichtsinnig, aus dem Handgelenk und, wie der Rechnungshof meckert, „ohne eigenständige Bewertung des Risikopotenzials“ durch das Land eingegangen wurden. Hätte der Finanzvorstand einer Aktiengesellschaft so agiert, würde er wahrscheinlich – fristlos gefeuert – wegen Untreue vor Gericht stehen. In der Zwischenzeit ist das aber ohnehin ein Problem aller österreichischen Steuerzahler: Die Hypo musste notverstaatlicht werden (was das Land Kärnten de facto vor dem Konkurs bewahrt hat).

•Kärnten ist (hinter Tirol und Salzburg) zwar die drittwichtigste Tourismusdestination der Republik – aber auch die einzige, in der die Zahl der Nächtigungen von 2000 bis 2011 nicht gestiegen, sondern gesunken ist. Das deutet auf Strukturschwächen hin, die wohl auch mit der Landespolitik zu tun haben werden.

•Als einziges Bundesland hat Kärnten eine schrumpfende Wohnbevölkerung. Was auch daran liegt, dass viele (vor allem Qualifizierte) mangels geeigneter Arbeitsplätze im Land abwandern.

•Was wiederum kein Wunder ist, denn beim verfügbaren Einkommen der privaten Haushalte je Einwohner hält Kärnten laut Statistik Austria mit 19.000 Euro im Jahr souverän den letzten Platz.

 

Reicht das fürs Erste? Man kann sich bei Bedarf aber auch die kleineren Landesdeals anschauen, um zu sehen, wie es im Land der Lindwurm-Sümpfe läuft. Beispielsweise den jüngsten mit der regionalpolitisch bestens vernetzten Flick-Stiftung (dort war Ex-Hypo-Chef Wolfgang Kulterer vor seiner Verurteilung bis 2010 Vorstand), die Mitte Juli im Süden medialen Staub aufgewirbelt hat: Die Stiftung hatte vor ein paar Jahren von der Bundesimmobiliengesellschaft sehr günstig ein knapp 14.000 Quadratmeter großes Seegrundstück am Südufer des Wörther Sees erworben, das einen entscheidenden Makel aufweist: Die Wörther-See-Süduferstraße zerschneidet das Grundstück, der Pöbel kreuzt also täglich die Flick-Gründe.

Per einstimmigen Landesregierungsbeschluss (also auch mit den Stimmen von ÖVP und SPÖ) wurde den Flicks nun erlaubt, die Straße auf eigene Kosten hinter das Grundstück zu verlegen. Dagegen ist noch wenig zu sagen, wenn die Kosten übernommen werden. Die alte, durch das Grundstück führende Straße (rund 5400 Quadratmeter) muss die Flick-Stiftung dem Land im Gegenzug ja abkaufen. Und zwar um 1,5 Mio. Euro.

Wer als Steuerzahler jetzt den Taschenrechner zückt, sollte freilich nicht vergessen, vorher wirksame Medikamente gegen Bluthochdruck zu nehmen: Nach Adam Riese macht das nämlich rund 280 Euro pro Quadratmeter aus. Für ein Stück Boden, das den gesamten restlichen Flick-Grund enorm aufwertet (und damit die so uneigennützig übernommenen Kosten für die Straßenverlegung überkompensiert). Würde Otto Normalnig dort in der unmittelbaren Nachbarschaft Tilo Berlins und der Piëchs einem Privaten Seegrund abkaufen wollen, dann müsste er (je nach Widmung) schon an die 1500 bis 3000 Euro pro Quadratmeter abgezählt bereithalten. Und nicht 280.

Der originelle Landeshauptmann nennt öffentliche Kritik an diesem komischen Deal eine „Neiddebatte“ und das Geschäft selbst eine Win-win-Situation für alle Seiten. Weiß man jetzt, warum die öffentlichen Kassen in so jämmerlichem Zustand sind? Und bekommt man da nicht das Gefühl, dass eine solche Landesregierung ganz unabhängig von strafrechtlichen Verwicklungen auch wegen wirtschaftlichen Versagens aus dem Amt gejagt gehört?


E-Mails an: josef.urschitz@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.08.2012)

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102 Kommentare
 
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Danke, Herr Urschitz!

Die gegenwärtige Situation verlangt klare Worte. Die kärntner Politiker sind angehalten zu solch gut recherchierten Kommentaren Stellung zu nehmen. Aber wahrscheinlich wird es wieder bei einem "Lei losn" bleiben...

Poltiker

Es ist halt leider so dass ein Politiker nur durch die Partei, Freunde oder bestimmte Gruppen zum dem kommt was er ist und denen gibt man halt etwas zurück.

Umso unfähiger die Leute sind um so extremer die Geschichten weil sie wären ja auch sonst zu nichts gekommen, gerade beim BZÖ ist es halt so gewesen dass man relativ fix paar Leute brauchte und so hat man halt jeden genommen aber dadurch ist es vielleicht nur noch ein wenig extremer als bei SPÖ und ÖVP.

Möchte man sagen dann gibts ja noch die Grünen aber die werden auch sagen ohne die ganzen NGOs wären wir nix also bekommen die unser Geld und jeder Abgeordnete von Stronach wird auch genau das machen was Hr. Stronach vorgibt weil er sonst rausfliegt.

Ein Mehrheitswahlrecht wie man an den USA sieht ist auch net die Lösung weil es dann auf ein Zweiparteiensystem hinausläuft.

Wichtig wäre mal die staatliche Förderung von Parteien abzuschaffen und auf ein mehr auf Personen bezogenes System umzustellen, die ganze Klubs und Parteiakademien sollten auf keinen Fall gefördert werden.

Ohne Wahlrechtsreform wodurch sich Abgeordnete wieder mehr den Wählern und weniger der Partei verpflichtet fühlen wird sich nix ändern als Alternative könnte man auch auch sowas wie in der Schweiz andenken dass einfach alle mit genug Stimmen mitregieren dann hat man untereinander automatisch mehr Kontrolle.

Man braucht nur...

..die gesammte Bundesverwaltung aus Wien nach Kärnten verlegen und schon ist Kärnten das reichste Bundesland. Soviel zur Wirtschaftskompetenz der Wiener SPÖ.

Re: Man braucht nur...

Inwiefern kann man die Transferguthaben der Bundesregierung auf ein Bundesland umrechnen? Wien tut dies nicht, warum soll dies Kärnten tun? Halten sie die für so dumm?

Bis zur Krise 2003

erwirtschaftete die Stadt Wien Überschüsse.

Soviel zur Wirtschaftskompetenz der Wiener SPÖ.

Gast: Beobachterer
07.09.2012 01:34
1 0

Saualm & Saustall

Man fragt sich ja allmählich, ob in Kärnten andere Gesetze, Regeln und Moralvorstellungen gelten als sonstwo in der Republik Österreich.... http://kurier.at/nachrichten/4511059-volksanwalt-macht-bei-saualm-ernst.php

3 0

„nicht neu wählen, sondern für das Land arbeiten“....

....das kann ja angesichts dessen, was ans Tageslicht kommt nur als gefährliche Drohung aufgefasst werden. FPÖ & FPK führten Kärnten an den Abgrund und wollen jetzt noch einen Schritt weiter gehen...

Ja der Haider hat halt das System Häupl/Pröll perfektioniert!


3 0

Re: Ja der Haider hat halt das System Häupl/Pröll perfektioniert!

Mit dem Unterschied, dass es die von Ihnen genannten nicht ansatzweise schafften ein Bundesland dermassen abzuwirtschaften...traurig dass Sie solche "Vergleiche" an den Haaren herbei ziehen müssen, denn in der Sache können Sie offenbar nichts dazu sagen...

Gast: Saubere Zukunftschance
06.09.2012 14:25
8 5

Innen Braun und außen Blau

Orange war dabei eine Zwischenfarbe. Zum Glück können die FPKler keinen Krieg mit den Nachbarn beginnen, um von den eigenen Problemen abzulenken. So wie es in wahren Zeiten der ordentlichen Beschäftigungspolitik üblich war.

Gast: whoCares
03.08.2012 02:38
14 0

meist junge Apparatschiks ohne Praxis und Erfahrung im Wirtschaftsleben lässt man über Millionen und Milliarden walten

. . . verantwortungslos, ohne Kontrolle, ohne Verantwortung, im Dunstkreis des Parteifilzes.
Fachleute in die Politik? Nope, Fanatiker, Apparatschiks.
Die grösste Verblödung des Wählers, den Staat einer Partei, welche sich mit ihrer Pfründe- und Privilegienwirtschaft ihre Existenz sichert, zu überantworten.
ÖÜÄäößüß

Re: meist junge Apparatschiks ohne Praxis und Erfahrung im Wirtschaftsleben lässt man über Millionen und Milliarden walten

Glauben Sie vielleicht, dass es in Wien oder NÖ ander ist (Komunalkredit, AKH, Flughafen,...). Politiker kommen meist aus dem öffentlichen Dienst .....

Re: Re: meist junge Apparatschiks ohne Praxis und Erfahrung im Wirtschaftsleben lässt man über Millionen und Milliarden walten

Das mit dem Schmarotzer nehm ich ihnen ab, sie haben nur links mit rechts verwechselt!

Bravo!

Gut gemach ihr hehren Politikerhelden!


Gast: Bänkster
02.08.2012 18:04
16 10

Kärnten = das "Griechenland" Österreichs




Gast: Bänkster
02.08.2012 18:04
12 3

Toller Artikel von Urschitz !

Ein einziger Skandal, was sich in Kärnten seit rund 20 Jahren abspielt !

Kein Wunder, wenn viele gut qualifizierte junge Leute, die dem politischen Establishment nicht in den A.... kriechen möchte, das Land verläßt.

Alles auf Kosten der Kärntner und natürlich auch aller anderen Österreicher.

Haider + seine Büberl Partie und dessen Nachfolger, Freiheitliche... mein(t) es wohl allzu direkt, wenn sie sag(t)en: "unser" Geld und "mein" Kärnten...

aber jeder hat eben die Regierenden, die man sich verdient !

Wann holen die Kärtner die feuchten Handtücher und ziehen zum Kärntner Landtag oder zum Scheuch Bauerhof ??

Gast: Gastdozent
02.08.2012 17:34
9 6

Einfach ehrlich, einfach JÖRG,selig!

das system haider hat kärnten einen wundervollen aufschwung gebracht, wie man aus dem hervorragend abgefassten artikel entnehmen konnte.
wenn die kärntner/innen jetzt nicht endlich schluß machen mit diesem system, dann kann man ihnen beim besten willen nicht mehr helfen, dann sollte aber kärnten als eigenständiges bundesland entmündigt werden und unter kuratell gestellt werden, schließlich haftet die gesamte republik Österreich für diese irrsinnige politik der FPK!

hahaha

in Wien sieht's ja rosig aus geh??
das Wien jederzeit pleite sein kann wenn die Bürgschaften der SPÖ fällig sind ist natürlich nicht von belangen

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Re: hahaha

Sofern Sie fähig sind die Daten der Statistik Austria sinnerfassend lesen können sieht es in Wien im Vergleich tatsächlich rosig aus. Abgesehe davon soll man nicht in die Hand beissen, die Kärnten mittels Transferleistungen füttert. Acht Bundesländer haben die Grot zu fressen, die FPÖ & FPK hintelassen haben...

Re: Re: hahaha

Wien und Transferzahlungen nach Kärnten. Hallo. Gehts noch. Wien ist der größte Schmarotzer in Österreich. Wenn sich jemand beschweren kann, dann Vb, T, Sb und eventuell OÖ. Alle anderen (und besonders Wien) sollen ja still sein.

Gast: Lucent
02.08.2012 16:35
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Will man uns hier etwa einreden, daß Wien besser dasteht? Da lachen aber nicht nur die Hühner!!!


Antworten Gast: gäst
21.08.2012 17:12
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Re: Will man uns hier etwa einreden, daß Wien besser dasteht? Da lachen aber nicht nur die Hühner!!!

Ja. Eine der reichsten, am schnellsten wachsenden Städte Europas mit einem der dichtesten sozialen Netze, 1a ÖV usw.usf..
Wobei: Es stehen so ziemlich alle, inklusive Burgenland, besser da. Von daher auch nicht gerade eine Leistung.

selbstverständlich steht wien mit abstand besser da!


Re: Will man uns hier etwa einreden, daß Wien besser dasteht? Da lachen aber nicht nur die Hühner!!!

Ja, Wien steht besser da:

Deutlich höheres Pro-Kopf-Einkommen, deutliches Wirtschaftswachstum und die Arbeitslosen mit Pendlern gegenverrechnet besteht sogar Vollbeschäftigung!

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Glaub keine Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast

Man kann in jedem Bundesland in irgendeinem Jahr irgendwelche Rückgänge zusammenklauben, um sie dann wirksam zu präsentieren.

In Villach hier haben wir einen Sozen als Bürgermeister. In seiner Amtszeit wurde die ganze Wirtschaft der Region von einem Grossbetrieb abhängig gemacht (Infineon). Wenn dieser mal abwandert, ist Villach sowas von im A...

Das ist die Leistung der roten Bonzen in Villach. Und natürlich Umwidmungen für Freunde gegen ein Taschengeld. Letzteres ist natürlich Mutmassung.

 
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