Eurokrise: Deutschland und die Münchhausen-Nummer

17.04.2013 | 18:21 |  von Josef Urschitz (Die Presse)

Deutschland dafür zu prügeln, dass es im Gegensatz zum „Club Med“ global mithalten kann, ist eigenartig. Wohin der von einigen Ökonomen bevorzugte französische Weg führt, kann man ja gerade mitverfolgen.

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Ganz neu ist der Vorwurf nicht, aber rund um die Zypern-Krise hat er jetzt wieder Hochsaison: Schuld an der ganzen Eurokrise seien die Deutschen, weil sie ihre Wettbewerbsposition in den vergangenen Jahren durch „Lohndumping“ unfair verbessert hätten und mit ihren Leistungsbilanzüberschüssen nun den Rest Europas an die Wand drücken beziehungsweise in die Staatspleite treiben.

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Die Patentlösung hat eine ganze Reihe von (überwiegend linken) Ökonomen auch schon parat: „Exportweltmeister“ Deutschland möge seine Wettbewerbsfähigkeit (etwa durch überproportionale Lohnerhöhungen) einfach so lange verschlechtern, bis der „Club Med“ wieder mithalten kann.

Gute Idee, die auch in anderen Gebieten ausbaufähig ist. Man könnte beispielsweise die Ungleichgewichte in der obersten spanischen Fußballliga dadurch einebnen, dass man den FC Barcelona und Real Madrid grundsätzlich nur noch mit schweren Bleiwesten aufs Spielfeld laufen lässt. Das bringt Spannung in die Meisterschaft. Ob Spanien dann freilich international in der Champions League noch eine Rolle spielt, ist eine andere Frage.

Genau das ist aber der springende Punkt: Natürlich ist der Leistungsbilanzüberschuss des einen das Defizit der anderen. Aber die Welt hört leider nicht an den Eurozonen-Grenzen auf. Ja es soll, auch wenn sich das einige bipolar denkende Ökonomen nicht vorstellen können, außerhalb dieser Grenzen, in Asien etwa, sogar so etwas wie wettbewerbsfähige Unternehmen geben. Wer die Exportlokomotive der Eurozone willkürlich schwächt, bremst damit also wohl die Wirtschaft der gesamten Zone – und schadet damit auch denen, denen er nützen will.

Anders gesagt: Natürlich kann man VW, BMW und Mercedes durch mutwillige Kostensteigerungen so lange teurer machen, bis sich die Käufer entnervt anderen Herstellern zuwenden. Ob sie dann freilich zu Peugeot greifen (was das französische Handelsdefizit verringert) oder ob es doch Toyota oder Kia wird, ist allerdings die Frage.

Wobei: Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird es Letzteres werden. Denn Frankreich führt das den Deutschen so sehr ans Herz gelegte Modell ja im Echtzeit-Modellversuch gerade vor. Seit Jahren liegen die Lohnsteigerungen deutlich über dem Produktivitätszuwachs. Mit dem erwartbaren Ergebnis, dass die Wettbewerbsfähigkeit der zweitgrößten Eurozonen-Wirtschaft dramatisch sinkt. Eigentlich sollte das den Küchenökonomen, die jetzt auf Deutschland hinprügeln, zu denken geben.

Denn diese hier praktizierte klassische „Steigerung der Inlandskaufkraft“ samt Ankurbelung des Inlandskonsums gilt ja als Voraussetzung für die Münchhausen-Nummer, mit der sich die Eurozone am eigenen Schopf aus dem Krisensumpf ziehen soll. Dass vom steigenden französischen Leistungsbilanzdefizit die übrigen Krisenstaaten nennenswert profitieren, ist allerdings nicht überliefert. Dafür fährt die französische Wirtschaft mit atemberaubender Geschwindigkeit in Richtung Wand, das Land gilt als einer der nächsten Absturzkandidaten. Scheint also doch nicht eine so tolle Methode zu sein.

Dabei ist der deutsche Leistungsbilanzüberschuss, der im Vorjahr schon mehr als die von der EU „erlaubten“ sechs Prozent erreichte, tatsächlich ein Problem. Vor allem für die Deutschen selbst.

Ein Teil der hohen deutschen Forderungen (zuletzt knapp 600 Milliarden Euro) gegenüber dem EZB-Clearingsystem Target2, das seit einigen Jahren offenbar als Institution für versteckte Transfers an die Krisenstaaten missbraucht wird, stammt ja aus Exportlieferungen – die von den Empfängern nicht beglichen wurden. Anders gesagt: Innerhalb der Eurozone, in die mehr als die Hälfte der deutschen Exporte gehen, zahlen sich die Deutschen ihr Exportwunder in ziemlich hohem Ausmaß selbst. Ein nicht gerade optimaler Zustand.

Den kann man aber nicht verbessern, indem man den Deutschen ihre Wettbewerbsfähigkeit nimmt und damit die Stellung der Eurozone in der globalen Wirtschaft insgesamt schwächt. Sondern nur, indem die anderen, so schwierig das ist, einen Aufholprozess starten. Österreich hat diesen Prozess in den Siebzigerjahren bei der Anbindung des Schillings an die D-Mark durchgemacht. Und die damit verbundene „Produktivitätspeitsche“ hat dem Land (nach anfänglichem Leiden) alles andere als geschadet.

 

Für den Club Med gestaltet sich dieser Prozess schwieriger, weil er hier sehr schmerzhafte strukturelle Änderungen voraussetzt. Aber es gibt sichtbare Fortschritte: Der negative Trend in den Leistungsbilanzen der Problemländer Griechenland, Portugal, Irland und Spanien hat sich bereits gedreht. Nur beim Problembären Frankreich, der noch immer eine Wirtschaftspolitik betreibt, als könnte er aus dem Vollen schöpfen, geht es noch bergab. Ein langfristig angelegter „Aufbau Süd“ könnte also durchaus ins Laufen kommen.

Es gibt dazu ohnehin keine Alternative, auch wenn dabei das eine oder andere Euromitglied, das nicht mitmachen will oder kann, den Club verlassen muss. Die Kreativität sollte sich eindeutig mehr auf diesen Aufbau konzentrieren als auf das Verzieren von Merkel-Fotos mit Hitlerbärtchen. Und Ökonomen, die es für eine gute Idee halten, den größten Zahler für das ganze Schlamassel – das ist nun einmal Deutschland – zu schwächen –, die vergisst man am besten.


E-Mails: josef.urschitz@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.04.2013)

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160 Kommentare
 
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Wir brauchen Wissen, Daten, Selbst-Ermächtigung

Es ist zum weinen, es tut mir weh. Egal wo ich hinlese oder hinhöre, überall werden Spekulationen und Mutmassungen auf unzureichendem Basiswissen über Geldsysteme und in Unkenntnis der Geschichte angestellt. Österreich hatte, wie auch De-land nie die Souveränität die Geldmenge und den Wert von öS und DM zu beeinflussen. Die Emitenten und Profiteure von öS und DM sind die selben, wie die des Euro. Die Probleme sind nicht mit dem Euro gekommen, sie sind eher im Zusammenhang mit den Folgen der beiden Weltkriege im 20.Jhdt. zu verstehen.
Oddo weiß fast alles und wenn er sagt, daß er zu den besten 10 Geldverstehern im Sprachraum gehört, mag das sicher Arrogant erscheinen. Es gibt aber kaum eine Frage zur Krise, die er nicht schlüssig beantworten könnte.
Hypersensibel und klug wie Einstein kennt er die tieferen Ursachen und die Lösung.

In Demut ist er dankbar für diese Talente, doch vermag er die Verantwortung die ihm das Wissen und die Erkenntnis aufgebürdet haben, nicht allein zu tragen.
...................

Mit unversehrter Integrität kann ich versichern, daß diese Mitteilung nicht auf einen persönlichen Nutzen abzielt und erlaube mir, die ersten Sätze der "Goldenen Rede" von Königin Elisabeth I. aus dem Jahr 1601, zu zitieren:

There is no jewel, be it of never so rich a price,
which I set before this jewel.
I mean your love.

Elizabeth I.

egal

all die angestellten Überlegungen sind aber sowas von egal, da das gegenwärtige Wirtschaftssystem weltweit unausweichlich zusammenbrechen muss - mittlerweile gibt es das "reale" Geld weltweit nicht mehr, um einfach nur mehr die Summe aller Schuldendienst zu bespielen

nun, da hat der autor wohl den "anfängerfehler"

draghis gemacht: nämlich r e a l ... und n o m i n e l l ...verwechselt!

zumeist fand ich die kommentare des autors relativ gut (auch wenn sie, wen wunderts, ideologisch oft "verbrämt rüberkommen!) - aber solche einen naiven ... fehler von draghi einfach "abzuschreiben" ... macht keinen schlanken fuss - offen gesagt!

draghi: lieber heimlich doof - als unheimlich schlau?
Mit seiner „Religion“: Die Löhne müssen runter - hat er sich selbst ins Knie geschossen - und als "arglistigen Lügner"... selbst entlarvt !
Nun - Draghis Überrumpelung Hollandes bestand in einem arglistigen Trick, der sicher nicht unter „Versehen“ oder politischer Naivität abzubuchen ist. Der stets arrogante EZB-Chef hat einfach Äpfel mit Kürbissen verglichen, indem er die Produktivität r e a l berechnete (also inflationsbereinigt) – die Lohnentwicklung jedoch n o m i n e l l dieser in der Grafik gegenüberstellte: das Ergebnis führte zu einer Darstellung, die die Lohnsteigerung „explosiv ansteigend“ darstellte – währenddessen sich die Produktivität gemächlich entwickelte.

http://www.agenda2020.at/a20_joomla25/index.php?option=com_content&view=article&id=167:euro-desaster-ezb-chef-lieber-heimlich-doof-als-unheimlich-schlau&catid=34&Itemid=160

... es soll in Asien wettbewerbsfähige Unternehmen geben?

Na klar. Auch die Presse hat darüber schon berichtet:

° Kinderarbeit
° Ausbeutung durch Niedriglohn
° umwelt- und gesundheitsschädliches Verhalten

machen den Output konkurrenzlos billig.

Deutschland ist zumindest hinsichtlich seines Lohndumpings auf dem besten Weg, sich mit Emerging-Markets auf gleicher Höhe, also Aug in Aug zu matchen!

Aufbau Süd

Der Süden soll Gas geben und aus dem Euro raus zum eigenen Vorteil.

Die deut. Propaganda hat die Hitlerbärtchen aber selbst zu verantworten. Die 'Faulen Griechen' und die 'Faulen Südländer' ---

Damals ( spätes 2010/ Mitte 11) war die Idee, einen Schuldner zu finden und .de hat sich angeboten. Dann die nächste Propagandakeule Deutschland als 'Motor des Aufschwungs'. 1000jährige Wachstum wird eingeleutet. Der Berglöwe befriedet die Weltwirtschaft. 55Mrd falsch verbucht und im Budget wurden die Kredite für die Bankenrettung versteckt.

Die Schulden werden dem ESM überantwortet und der plan ist selbige über 2 bis 3 Dekaden abzuschreiben in der Hoffnung, dass irgendetwas besser.

Schauen sie mal in die Zahlen. Jugenarbeitslosigkeit. Großes Heulen, selbst wenn man Manipulation der Statistik unterstellt, nicht wirklich viel höher als vor dem EURO auch. Die Basis hat sich verkürzt. In Spanien haben sie auf einmal stat 1,5 mio Arbeitslose in der Altersgruppe über 25 - 5,5 Mio. Die Arbeitslosen fallen nach 6 bis 12 Monaten aus der Statistik.

BIP ist kaum verändert. Der Finanzierungsbedarf sinkt kaum - somit ist die Frage - Warum?

Die Illusion dass Hände arbeit Wachstum bringt. In den Weltbankdaten bezüglich Wachstum sehen sie 2 Entwicklungen. Die Staaten haben 'investiert' und jene die auf Industrie gesetzt haben sind weiß und jene die in die Finanzdienstleistung sind bekannt.

Was wird kommen. Eurobonds ...

Lohnzurückhaltung schafft mehr Arbeitsplätze als Kaufkraftstärkung durch Erhöhung !!


Agenda 2010 hat dies bewiesen. Doch wir fordern Arbeitszeitverkürzung, "einen kräftigen Schluck" aus der Produktivitätszuwachsflasche etc.

Wann werden linke Pseudoökonomen Realitäten akzeptieren ??

Was nicht zusammenpasst gehört auch nicht zusammen!

Genauso wie der jüngste Volksaustausch bei uns

Reduzierung der Leistungsbilanzdefizite Club-Med

Die Leistungsbilanzdefizite von Griechenland, Spanien und Portugal sind wegen der hohen Arbeitslosigkeit und der schrumpfenden Lohneinkünfte gesunken. Außerdem wird weniger investiert. Das verhindert aber gerade den Aufschwung. Das ist eine Todesspirale.

Auf www.querschuesse.de gibt es dazu ausführliche Analysen.

Diese 3 Länder und zusätzlich Zypern werden aus der Rezession nicht herauskommen.

Die müssen sofort raus aus dem Euro. Dann die neue Währung abwerten und zusätzlichen ist ein radikaler Schuldenschnitt erforderlich.

Das wird aber der Euro nicht überleben !

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jeder, der zu fleißig arbeitet wird bestraft

das bekommen die Deutschen jetzt zu spüren...

Danke Hr. Urschitz !! Hoffentlich können unsere Möchtegernökonomen von den unSozialpartnern sinnerfassend lesen !


Wahrscheinlich gibt es demnächst eine Replik mit dem Titel: "Wie man sich aus der Krise konsumiert" oder "Löhne rauf, denn die Kaufkraft ist unsere Rettung" oder "Geld ist genug da, irgendein Reicher muss es doch haben".

Der Glaube an den Primat der Politik über ökon. Gesetzmässigkeiten ist schwer heilbar.

Karl MARX, Böhm Bawerk, Schumpeter, Mises u. A. F. von Hayek waren einfach nicht konsequent genug im analysieren...


UNBEGREIFLICH

1. Deutschland ist eines der wenigen Laender, dass Privatfirmen direkt und unmittelbar mittels Austockern subventioniert.
2. Die Verteilung der Einkommen innerhalb Deutschlands hat sich in den letzten 20 Jahren massiv zu Ungunsten der Erwerbstätigen verschoben
3. Deutschland ist durch seine Lohnpolitik völlig dem Export ausgeliefert, da der Binnenkonsum stockt
4. Target2 Salden sind aufgebläht wie noch nie in der Geschichte!
5. Lohn und Produktivitätszuwachs sollten sich in einer gesunden Volkswirtschaft parallel entwickeln.
Das wären einige Tatsachen, die man vielleicht in diesem Zusammenhang auch erwähnen sollte, wenn man vom Exportwunder spricht

Re: UNBEGREIFLICH

Hinzufügen muss man, dass Lohn- und Produktivitätszuwachs in Deutschland vor einigen Jahren durch überzogene Lohnforderungen der Gewerkschaften völlig aus dem Gleichgewicht gerieten, sodass Deutschland zum "kranken Mann Europas" wurde.

Schröders Agenda 2010 hat die Gewerkschaften zur Zurückhaltung bei Lohnforderungen gebracht, was dieses Gleichgewicht wieder ins Lot gebracht und aus dem kranken Mann einen Muskelprotz gemacht hat!

Diese vorübergehende Zurückhaltung bei Lohnforderungen wird von Südländern gerne als "Lohndumping" verunglimpft, was absolut unsinnig ist! Immer noch ist das Lohnniveau im deutschen verarbeitenden Gewerbe hinter Belgien das höchste der Welt!
Hinzufügen muss man, dass Lohn- und Produktivitätszuwachs in Deutschland vor einigen Jahren durch überzogene Lohnforderungen der Gewerkschaften völlig aus dem Gleichgewicht gerieten, sodass Deutschland zum "kranken Mann Europas" wurde.

Schröders Agenda 2010 hat die Gewerkschaften zur Zurückhaltung bei Lohnforderungen gebracht, was dieses Gleichgewicht wieder ins Lot gebracht und aus dem kranken Mann einen Muskelprotz gemacht hat!

Diese vorübergehende Zurückhaltung bei Lohnforderungen wird von Südländern gerne als "Lohndumping" verunglimpft, was absolut unsinnig ist! Immer noch ist das Lohnniveau im deutschen verarbeitenden Gewerbe hinter Belgien das höchste der Welt!

Re: UNBEGREIFLICH

Sie haben mehrere Denkfehler!

1. Ohne gemäßigte Lohnpolitik kann man heutzutage am Markt nicht reüsieren!

2. Ohne die Wirtschaftskraft Deutschlands sowie der maßvollen Politik von CDU/FDP
wäre "unsere" EU schon längst Geschichte (pleite).

Re: UNBEGREIFLICH

Das stimmt. Die Ausweitung der Ungleichgewichte innerhalb von .de ist in jüngster Vergangenheit die Periode zwischen 2002 und 2006.

Alles andere hängt eher mit mit folgendem einfach Sachverhalt zusammen.

Aus der Sicht der globalisierten Wirtschaft ist der Nationalstaat interessant insofern - er haftet über den Cashflow (Steuern) und die Guthaben der Bürger.

Das ist der triviale Zusammenhang.

Die DAX Unternehmen sind ja keine Deutschen Unternehmen, die 'Hauptanteilseigner' sind Hedge Fonds, die Streuen internationales Kapital. Die wollen sichere Rendite sehen.

Haben sie sich schon mal durchgerechnet wo die größer als 70% (ohne Berücksichtigung von Zins) der Kosten für ihre Arbeit hinlaufen. Es ist nicht die Einkommensumverteilung allein.

Und dann gibt es noch Euro.

Der Euro hat keine Spekulation auf die Währung verhindert, Spekulation auf die Höhe der Renditen der Staatsanleihen ist das gleiche.

Warum ist das alles so ein Problem. Den Investoren wurde versprochen, dass es keine Abwertung mehr gibt und keinen Staatsbankrott. Ansonsten ist eine Abwertung ist ganz natürlich. Warum muss man das versprechen. Salopp formuliert müssen die Europäischen Staat die Oligarchen um Kohle anpumpen, ... auch Mini-Oligarchen wie Inhaber von Rentenfonds.

Es gibt ein ganz einfachen Grund. Es gibt zuviel Geld und es wird immer schwieriger das Gut zu verknappen. Jetzt frägt man sich - 'Warum' - wenn man am Ende die Rechnung zahlt ... bekommt man wenig davon. Seltsam oder?

Re: UNBEGREIFLICH


Hinzufügen muss man, dass Lohn- und Produktivitätszuwachs in Deutschland vor einigen Jahren durch überzogene Lohnforderungen der Gewerkschaften völlig aus dem Gleichgewicht gerieten, sodass Deutschland zum "kranken Mann Europas" wurde.

Schröders Agenda 2010 hat die Gewerkschaften zur Zurückhaltung bei Lohnforderungen gebracht, was dieses Gleichgewicht wieder ins Lot gebracht und aus dem kranken Mann einen Muskelprotz gemacht hat!

Diese vorübergehende Zurückhaltung bei Lohnforderungen wird von Südländern gerne als "Lohndumping" verunglimpft, was absolut unsinnig ist! Immer noch ist das Lohnniveau im deutschen verarbeitenden Gewerbe hinter Belgien das höchste der Welt!

Deutschland zu stark für den Euro

Eine Währungsunion funktioniert nur bei volkswirtschaftlichem Gleichgewicht.

Die deutsche Volkswirtschaft mit ihren Leistungsbilanzüberschüssen (2012 - 6,4 % vom BIP) ist auf Eroberung ausgelegt.

Das drückt sich in den Target 2 Salden aus. Die Südländern und auch Frankreich haben Leistungsbilanzdefizite. Sie konsumieren mehr als sie produzieren.

So funktioniert aber keine Währungsunion.

Der Euro ist eine Fehlkonstruktion und gehört geordnet aufgelöst.

Besser wäre ein Nordeuro.

Dank an Josef Urschitz

Einer der wenigen Journalisten, die nicht dem dem linken Lager zugeordnen sind und die Dinge ohne rot-grüne Farbenbrille analysiert.

Hierzu ein heute veröffentlichter interessanter Blog von Jan Fleischhauer im Spiegel Online. Er wundert sich auch, dass Zweidrittel der im Meinungsgeschäft Tätigen mit Rot-Grün sympathisieren.

Im ORF sind es 95 %, im Standard 99 % (Ausnahme Rauscher).

Die Deutschen werden sich nur einen kleinen Teil ihres “Exportwunders” selbst bezahlen müssen!

In der EU ist das so organisiert, dass die deutschen Exporteure ihr Geld nicht von den Käufern der Waren, sondern von der Deutschen Bundesbank bekommen, die dafür eine Forderung an die EZB erhält. Das Verrechnungskonto Target2 registriert die grenzüberschreitenden Geldströme. Dessen Saldo entspricht ungefähr der Höhe der Forderungen der Deutschen Bank an die EZB.
Kann die EZB die Kaufpreise nicht eintreiben, weil die Importländer eigentlich zahlungsunfähig sind, so wird die EZB-Bilanz negativ. Die Euroländer sind aber verpflichtet, das Minus der EZB entsprechend ihrer Kapitalsanteile auszugleichen. Die Deutschen zahlen daher “nur” 24,493 Prozent der aushaftenden Summe, die Österreicher 2,3594 Prozent. Bei dieser Aufteilung hat sich regelmäßig ergeben, dass die Österreicher pro Kopf mehr zahlen müssen als die Deutschen!

Das Problem dabei ist, dass viele Eurostaaten in Wirklichkeit längst pleite und daher zahlungsunfähig sind. Ihre Anteile müssen von den noch kreditwürdigen Eurostaaten übernommen werden. Es kann daher leicht geschehen, dass die Deutschen, Finnen, Niederländer und vielleicht auch die Österreicher viel mehr zahlen müssen, als jetzt theoretisch absehbar ist, was sie womöglich alle in die Pleite treiben wird!

Reichlich naiv

wollen Sie es ausprobieren? Da wird sich aber dann schnell die Grenze der deutsch-französischen Freundschaft zeigen.

Re: Reichlich naiv

Die deutsch-französische Freundschaft gibt es ja nicht. An der 1000-jährigen gegenseitigen Missachtung hat sich nichts geändert.

Die beiden sind nur dahintergekommen, dass sie, wenn sie gemeinsame Sache machen, die EU überall dorthin bringen können, wo sie sie hintreiben. Die "Freundschaft" ist in Wirklichkeit nur die Lust an dieser Tyrannei!

tjo :D

wieder jemand, der auf drahdis kreative grafiken reingefallen ist.
siehe otmar pregetters gestrigen artikel hiezu auf http://www.agenda2020.at ;)

Ein großes, wenn nicht das größte Problem

aller EU-Staaten incl. jener die nicht den Euro haben, ist doch, dass aus einer funktionierenden Wirtschaftsgemeinschaft eine politische Union wurde. Die Hintergründe dafür sind bekannt. Man kann aber nicht Länder verschiedener wirtschaftlicher Stärke bzw. Schwäche unter einen Hut bringen, denn jedes Land hat sein "Eigenleben" und das gibt doch kein Land und seine Bevölkerung auf, nur weil es gewisse Bonzen in Brüssel so verlangen. Die Krise hat doch gezeigt, wie verschieden die einzelnen Länder auf diese reagierten und das kann auch das "Wundermittel" Euro nicht ändern. Der Euro ist somit keine Währung im herkömmlichen Sinn, sondern ein Politikum, dessen sich so manche Politiker gerne bedienen um für ihr Land das Beste herauszuholen auf Kosten der Anderen. Der Euro wird das allerdings nicht lange überleben.

Re: Ein großes, wenn nicht das größte Problem



Das Schlimmste ist aber, dass die Euroeinführung im europäischen Süden zu einer Preisexplosion führte, die die Wettbewerbsfähigkeit dieser Länder schwer beeinträchtigt hat. So lange dieses Problem nicht behoben wird, kann die Eurokrise immer nur noch ärger werden!

Die EU-Strategie, die Preise durch Lohn-, Pensions-Kürzungen und Arbeitslosigkeit zu senken, hat zwar zur Verarmung der Bevölkerung aber nicht zur erwarteten Preisreduktion geführt.

Der einzig wirksame Ausweg aus einer solchen Lage ist die Abwertung der Währung dieser Länder. Da müsste aber zugegeben werden, dass die Ausdehnung des Euroraumes auf diese Länder ein fataler Fehler war!

Paul Krugman schreibt in der New York Times, dass die europäischen Machthaber dies genau wissen aber aus Angst vor ihrem totalen Prestigeverlust nicht sagen wollen. Das muss auf Dauer zum Scheitern der EU führen!

mio. hartzIV empfänger, mio. arme familien, lohndumping u mio. ältere in der altersarmut(nach 40 jahren arbeit) - dieses deutsche exportweltmeisterwunder ist sehr bitter erkauft

Frankreich,spanien, Portugal, Griechenland. die europäischen völker brechen immer schneller auseinander u.der sozialabbau bei den asvg pensionen nimmt dramatische ausmaße an. mio.deutsche müssen trotz vollerwerb mit hartzIV leben, die alten menschen in europa leben immer mehr mit altersarmut u. minipensionen- trotz 40 jahren versicherungszeit; die schere arm reich geht immer schneller auseinander; massenarbeitslosigkeit bei den jungen in europa, keine fairen asvg pensionen mehr-trotz 40 jahren arbeit u.beitragszahlungen,oder altersarmut. auch in österreich gibts einen sozialabbau bei den asvg-u.invalidenpensionen durch die SPÖ. Wo es verlierer gibt,gibts auch gewinner.
die reichen u.spekulanten werden durch die finanzkrise sogar reicher u.mächtiger. die finanzeliten konnten hunderte mrd. in steueroasen verschieben u.österreich hat beinahe die welthöchste millionärsdichte. die echten kapitalvermögenssteuern in Ö. machen lt. medien nur mehr ca.0,5% der gesamtsteuerleistung aus. abermrd.steuergelder werden weiter in die finanzmärkte u.banken gesteckt (unter dem titel eulandeshilfen) um die verzockten bankenspekulationen zu finanzieren. U.noch immer werden die bankenmärkte nicht reguliert u. voll zur verantwortung gezogen. die real- u.volkswirtschaften werden durch den von den bankern u. finanzeliten erzwungenen spardiktaten weiter geschwächt. Der sozialabbau bei den asvg pensionen u.die massenarbeitslosigkeit bei den jungen gefährden nachhaltig den sozialen frieden in europa.

Re: mio. hartzIV empfänger, mio. arme familien, lohndumping u mio. ältere in der altersarmut(nach 40 jahren arbeit) - dieses deutsche exportweltmeisterwunder ist sehr bitter erkauft

Habe mich durch den eigentlich unlesbaren Text gequält. Sie haben ein bisschen recht, dass das Bankenwesen aus dem Ruder gelaufen ist, aber - die Hartz IV - Empfänger bekommen noch weniger Geld, wenn es in ganz D bergab geht. Und mit linken (ja, durchaus im doppelten Sinne!) Sprüchen kann man und Staat in einer GLOBALISIERTEN Welt nicht überleben. Wer das verspricht ist schlicht ein Scharlatan.

Re: Re: mio. hartzIV empfänger, mio. arme familien, lohndumping u mio. ältere in der altersarmut(nach 40 jahren arbeit) - dieses deutsche exportweltmeisterwunder ist sehr bitter erkauft

Stimmt eine Ökonomie ohne eigen Währung überlebt nicht.

Ansonsten

Hartz IV gliedert sich in 2 Themenbereiche. Die ursprünglich notwendige Grundidee, das Sozialsystem etwas zurückzufahren und den Exzessen die daraus erwuchsen.

Das Bankwesen ist aus dem Ruder gelaufen weil zuviel Geld da ist. Dem wirkt eine neoliberale Denke, insbesondere der Deutsche staatl. organisierte Neoliberalismus nicht entgegen.

Wer kein Geld in der Tasche hat kann nichts kaufen und wenn die Preise fallen, 'fallt' der Sozialstaat - besser die sog. wohlerworbenen Ansprüche. Würden die Güter billiger wärs ok, aber das ist eine Illusion.

Preisniveau fällt nicht schnell, wenn überhaupt. 'Arbeitslosigkeit' ist ein Instrument den Durchschnittslohn zu senken, es verzichtet ja keiner, da die Preise nicht sinken. Griechenland hätte man - gäbe es einen passenden Product Mix - ganz einfach durch staatl. Eingriff - Preisfestsetzung - Bewertungskorrekturen minus XX% und Lohnkostenabsenkung wettbewerbsfähig machen können. Das will keiner - warum wohl?

Deswegen gab ja auch die Abwertung im Außenverhältnis.

Sie brauchen einen Product Mix den sie verkaufen können, egal wie billig sie produzieren. Wir können aus dem Süd Euro Raum - Little China machen. Das wird nicht gehen. Es wandern ja 'keine' Güter aus dem EURO Raum im großen Stil ... die Gewinne werden konsolidiert.

Im Prinzip wäre es egal. Wir könnten locker im Süden wieder eine Blase machen, wenn wir uns das selbst drucken.

 
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