Der mühsame Schlussstrich der Telekom unter die Vergangenheit

22.03.2013 | 18:31 |  Von Hanna Kordik (Die Presse)

Nach dem Telekom-Skandal ist die Zeit für einen Neuanfang im Aufsichtsrat gekommen. Doch dazu müssen natürlich diverse (politische) Interessen berücksichtigt werden. Letzter Stand: Fast die Hälfte der Aufsichtsräte wird ausgetauscht.

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Wenn das nicht spannend ist: In rund zwei Monaten laufen die Mandate aller Aufsichtsräte der Telekom Austria aus. Wer bleibt? Wer muss gehen? Das Superwahljahr 2013 ist um einen Termin reicher: Am 29.Mai wird in der Telekom-Hauptversammlung gewählt.

Aber natürlich soll das Ganze die Nerven aller Beteiligten nicht über die Maßen strapazieren. ÖIAG-Chef Rudolf Kemler, der auch Telekom-Aufsichtsratschef ist, lässt sich zwar noch nicht in die Karten schauen, aber einige Entscheidungen sind bereits gefallen. Etwa jene, wer dem Gremium künftig nicht mehr angehören wird.

Dass dort ein ordentlicher Frühlingsputz angesagt ist, war klar: Die Telekom ist ja bekanntlich das Sorgenkind der staatsnahen Industrie. Der Telekom-Skandal und die wirtschaftlich schwierige Situation des Unternehmens schreien regelrecht nach Konsequenzen. Und die soll es nach Wunsch Kemlers zunächst einmal im Aufsichtsrat geben. Jenem Kontrollgremium also, das die Kontrolle offensichtlich suboptimal vollzogen hat.

Aufsichtsrätin Edith Hlawati tritt jedenfalls die Flucht nach vorn an: Im Gespräch mit der „Presse“ erklärt sie, dass sie gehen wird. Und zwar aus freien Stücken, wie sie betont: „Ich habe entschieden, nicht noch um eine weitere Amtsperiode zu verlängern.“ Was sie nicht dazusagt: Ganz zufällig kommt ihr Abschied nicht – der Wirbel um ihre Person hat bereits ohrenbetäubende Ausmaße angenommen.

Hlawati ist die am längsten dienende Aufsichtsrätin der Telekom. Seit Juni 2001 sitzt sie in dem Kontrollgremium, sie hat den Telekom-Skandal also quasi von Anfang an „miterlebt“. Was für ein Aufsichtsratsmitglied nicht gerade ein Renommee ist.

Dazu kommt ein weiteres Problem: Hlawati ist im Hauptberuf Partnerin der Großkanzlei Cerha Hempel Spiegelfeld Hlawati (CHSH). Und in der Funktion ist sie so nebenbei auch Anwältin der Telekom Austria.

Das ist absolut nichts Illegales, „und wir haben die Honorare meiner Kanzlei auch immer in den Telekom-Geschäftsberichten veröffentlicht“, sagt Hlawati. Trotzdem: Die Optik ist unschön. Ein Aufsichtsratsmitglied, das in einem Geschäftsverhältnis zum Vorstand steht, der vom Aufsichtsrat eigentlich zu kontrollieren wäre – es gibt günstigere Konstellationen. Zumal es sich bei der Telekom um ein teilstaatliches Unternehmen handelt.

Nicht umsonst wurde Hlawatis Doppelrolle einigermaßen kritisch gesehen. Extern, wohlgemerkt. In der Telekom selbst sah man da nie ein Problem. Und so kassierte die Hlawati-Kanzlei über die Jahre rund sieben Millionen Euro an Honoraren – ohne, dass viele Fragen gestellt wurden.

Das gilt auch für die jüngste, üppige Honorarnote der Kanzlei CHSH, die jetzt noch dazu kommt: Allein für den Deal rund um den Verkauf von „Orange“ an Hutchison wurden 1,7Millionen Euro für die rechtsfreundliche Vertretung in Rechnung gestellt. Dafür, dass die „Orange“-Billigmarke Yesss! an die Telekom ging.

Die seltsame Doppelrolle wird nun jedenfalls der Vergangenheit angehören, Hlawati geht. Sie ist aber nicht die einzige. So wie es derzeit aussieht, wird fast die Hälfte der zehn Kapitalvertreter das Gremium verlassen. Tabula rasa will Kemler nicht machen, weil damit auch ein Know-how-Verlust verbunden wäre. So weit die offizielle Diktion. Inoffiziell wird es schon so sein, dass diverse politische Interessenslagen nicht ganz außer Acht gelassen werden dürfen.

Neben Hlawati stehen derzeit drei weitere Aufsichtsratsmitglieder auf der „Abschussliste“. Franz Geiger zum Beispiel. Der sitzt zwar erst seit Mitte 2011 im Telekom-Aufsichtsrat und gilt obendrein als einer der wenigen wirklich konstruktiven Mitglieder des Gremiums. Doch als Vorstand der Donau Chemie soll er dort unabkömmlich sein, wie offiziell argumentiert wird. Auch Wilfried Stadler wird gehen. Der frühere Investkredit-Chef hat aber schon lange das dringende Bedürfnis, das Telekom-Kontrollgremium zu verlassen. Man kann es ihm angesichts der mühsamen Skandalaufarbeitung nicht verdenken.

Und schließlich wackelt auch der Sessel von Henriette Egerth-Stadlhuber ganz gewaltig. Sie sitzt seit Mitte 2008 im Telekom-Aufsichtsrat, hat also den Telekom-Skandal teilweise miterlebt. Ob sie tatsächlich gehen wird, ist eben die Frage: Egerth-Stadlhuber gilt als bestens vernetzt – in ÖVP und Industriellenvereinigung.

Die vier sind für Rudolf Kemler jedenfalls so etwas wie „Manövriermasse“. Denn ansonsten ist in puncto Erneuerung des Aufsichtsrates nicht viel herauszuholen: Kemler selbst steht außer Streit. Ebenso die Vertreter des Großaktionärs America Movil, Ronny Pecik und Oscar Von Hauske Solis. Und von Peter Oswald, Chef des Papierkonzerns Monti, will man sich partout nicht trennen. Das Gleiche gilt für Ex-OMV-Chef Wolfgang Ruttenstorfer. Oswald ist wegen seiner exzellenten Beziehungen zur Industriellenvereinigung tabu, Ruttenstorfer ist quasi der SPÖ-Vertreter im Aufsichtsrat. Bleibt noch Aufsichtsrat Harald Stöber. Der Unternehmensberater soll allerdings in dem Gremium bleiben – quasi als großes Statement politischer Unabhängigkeit.

Doch wer kommt neu dazu? Das ist angesichts der unterschiedlichen Interessenslagen schwer zu beantworten. Offiziell ist Aufsichtsratspräsident Kemler auf der Suche nach Kandidaten – und ausschließlich er soll auch die Anbahnungsgespräche führen. Was natürlich nicht heißt, dass nicht Wünsche an ihn herangetragen werden. Oder dass andere nicht heimlich auf der Suche wären. Michael Jungwirth, Assistent von Telekom-Chef Hannes Ametsreiter, war da schon recht umtriebig. Der ehemalige Flughafen-Vorstand Christian Domany ebenso, auch wenn der das bestreitet und völlig unklar ist, in wessen Auftrag er Gespräche führt.

Als potenzielle Kandidaten für den Aufsichtsrat werden demnach, recht vage, Ex-Orange-Chef Michael Krammer, Ex-Bawag-Managerin Regina Prehofer, Infineon-Chefin Monika Kircher, Unternehmerin Ursula Simacek sowie die Chefin der Bundesfinanzierungsagentur Martha Oberndorfer genannt.

Das sind zwar (bis auf Krammer) nicht die großen Telekom-Experten, die sich Kemler wünscht. Aber die Liste kann sich ja noch ändern. In Österreich weiß man ja nie. Und Zeit ist noch.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.03.2013)

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13 Kommentare

eines verstehe ich nicht

Hlawati ist doch angeblich eine der anerkanntesten Kapitalmarktexpertinnen Österreichs. Die hat bei der Kursmanipulation keinen Verdacht geschöpft, keinen Handlungsbedarf gesehen, als Anwältin kein mögliches Vorgehen gegen die Vorstände zum Schutze der Gesellschaft aufgezeigt??? War sie einfach nur happy, dass die bekannt fähige FMA nichts gefunden hat und hat sich dann wieder bequem im Aufsichtsratsessel zurückgelehnt und über die Telekom Honorare ihrer Kanzlei gefreut?

mit einem nassen Fetzen

und außerdem gehören alle angezeigt, die so blind und blauäugig ihre Aufgabe nicht erfüllt haben....

nur abkassieren und keine Verantwortung??

Re: mit einem nassen Fetzen

Damit sie noch möglichst lange so weiter machen können (ihre Parteigünstlinge mit hochbezahlte Jobs zu versorgen) wählen wir sie zum Dank auch noch immer wieder.

WIR verdienen nichts anderes!

Sauber machen und bleiben

Nach den vielen Fehlern der letzten Jahre muss man aufräumen. Hoffentlich bleibt man jetzt sauber

SPÖ+ÖVP haben sich den gesamten Staat untereinader aufgeteilt!

Sie verhalten sich so als ob ihnen auch die Telekom gehören würde! Der "Staatsfunk" berichtet darüber regierungsfreundlich.

China, Nordkorea & Co lassen grüßen!

2 0

Telekom-Experten sind gesucht

die findet man nur außerhalb dieses "Unternehmens"

wer lange genug Antragsteller war, bei berechtigten Wünschen immer nur belehrt wurde, weiß wohin die Reise geht.

bitte weiter solche Organe , dann werden genug Frequenzen frei

So funktioniert Österreich!

SPÖ+ÖVP versorgen auf allen Ebenen lebenslang ihre Parteigünstlinge beim Staat.

Sind fachliche Entscheidungen gefragt werden diese teuer privat (von Experten) zugekauft.

Re: So funktioniert Österreich!

und FPÖ, BZÖ und Verwandte.

Bitte die ganzen Haberer wie Hochegger kamen ja erst durch die FPÖ zu besten Aufträgen.

Und wer glaubt, dass es bei manchen Banken anders ist und da nicht hunderte Leichen im Keller stinken, der ist sehr naiv.

Und nicht nur in Parteinähe, im Wirtschaftsleben funktioniert sowieso so mancher gute Cup nur mit den richtigen Leuten - manchmal braucht man auch die Politik - weil Behörden reden bei uns überall mit...

Re: Re: So funktioniert Österreich!

Stimmt schon, aber die paar Monate von FPÖ und BZÖ sind eine Kleinigkeit zu den 70 Jahren von SPÖ+ÖVP!

Wer hat eigentlich den Schlussstrich gezogen?

Wo doch bei weitem nicht alles, bzw. nur ein Bruchteil des Skandals aufgearbeitet ist?
Was ist mit den aberwitzigen Vermittlungsprovisionen, die die seit 2000 teilprivatisierten, mit 28 % im Staatsbesitz stehenden Telekom AG -Holding z.B. an externe ( ehemals im Staatsdienst stehende ) Vermittler ausgezahlt hat? Warum hat die Telekom die bulgarische mobilkom nicht selbst gekauft, (angeblich zu teuer) sondern hat die beiden bekannten Herren eingeschaltet, die nach kürzester Zeit die bulgarische mobilkom der österreichischen Telekom wieder weiterverkauft haben?
Wer hat die Vermittlungsprovisionen gezahlt? Etwa zur Gänze die mit 28% beteiligte Republik? Dann wäre das ein Betrug am Steuerzahler!
Interessant, dass Schüssel die Umwandlung des Staatsbetriebes Telefon & Post als eine der "ersten" Amtshandlungen vollzogen hat. Er war es auch, der die beiden Herrn persönlich nach Sofia begleitet hat! Profil hat die Causa seinerzeit minutiös dargestellt. Leider ohne Folgen!

Wichtigmacher

Eh klar, Christian Domany der Wichtigmacher in allen ÖVP, Wirtschafts und Industriefragen in Österreich, berät seinen Freund Kemler. Oswald,stadlhuber und Ruttensdorfer, die Alt IVler bleiben. Fehlen nur noch Freunde von Kemler und Domany und schon laufen die Geschäfte wieder wie geschmiert.

Re: Wichtigmacher

Chefin der Bundesfinanzierungsagentur Martha Oberndorfer : damit auch weiterhin die Staatsgelder üppig fließen mögen...

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Re: Re: Wichtigmacher

Und was bzw. wo ist der gemeinsame Nenner? Außer Studium in Wien.

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