Grüne Start-ups entdecken die Crowd

Mit Collective Energy startet Österreichs erste Crowdfunding-Initiative für grüne Projekte. Das Pilotprojekt ist die Finanzierung einer Anlage für die Brauerei Erzbräu.

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(c) APA/EPA/PALAZZO CHIGI

Wien. Crowdfunding ist vom Modetrend zur beliebten Finanzierungsquelle für Jungunternehmer geworden: Auf mehreren Plattformen buhlen bereits Start-ups aus Österreich um Anleger-bei Erfolg ihrer Geschäftsideen locken zweistellige Renditen. Nun startet mit Collective Energy die erste Initiative, um Crowd-Projekte im Bereich erneuerbare Energien zu finanzieren. "Der Grundgedanke ist simpel", sagt Gründer Patrick Würschl, einer der Einreicher beim Wettbewerb Greenstart. "Beteiligen sich viele Menschen mit einem kleinen Geldbetrag, können auch größere Projekte gestemmt werden. Wir bieten eine alternative Finanzierungsform für den Ausbau der Erneuerbaren und möchten Menschen die Möglichkeit geben, sich direkt am Wandel im Energiebereich zu beteiligen."

Collective Energy tritt dabei auch als Beratungsorganisation auf und unterstützt Unternehmen, Bildungseinrichtungen, Gemeinden und Privatpersonen bei der Konzipierung und Umsetzung gemeinschaftlich finanzierter Projekte im Bereich erneuerbarer Energie. Los geht es mit der Ausarbeitung des Beteiligungs-und Finanzierungsmodells: Je nach Wünschen der Gründer und Dimensionierung des Projektes wird ein passendes Realisierungsmodell erarbeitet. Darüber hinaus unterstützt Collective Energy Start-ups bei der Realisierung des Projektes. Würschl holt Angebote für die Errichtung der Anlage ein, klärt technische Fragen und lotet Fördermöglichkeiten aus.

Anlage für Brauerei

Das erste Projekt wird mit der Bruckners Bierwelt GmbH (Erzbräu) im niederösterreichischen Gaming umgesetzt. Unter dem Motto "Aus Sonne wird Bier-mit Dir" errichtet Collective Energy gemeinsam mit der Brauerei eine gemeinschaftlich finanzierte Photovoltaik-Anlage auf dem Betriebsgelände. Geplant ist eine 20-Kilowatt-Photovoltaik-Anlage, deren Strom in die Brauerei eingespeist wird. Das Projekt spart pro Jahr vier Tonnen CO2.Anleger können Sonnenstrom-Gutscheine zu je 200 € erwerben und bekommen 300 € innerhalb von fünf Jahren in Form von Warengutscheinen zurück. Dies entspricht einer jährlichen Verzinsung von zehn Prozent. Die Anlage wird gebaut, wenn alle 255 Gutscheine verkauft sind. Rund einen Monat nach Beginn des Projektes war bereits ein Drittel vergeben.

Würschl will nicht nur Projekte umsetzen, sondern auch einen alternativen Zugang zu erneuerbarer Energie aufzeigen: Es gehe nicht nur darum, wie Energie erzeugt werde, sondern auch darum, wie der angestrebte Wandel im Energiebereich finanziert werden könne und wer letztendlich im Besitz dieser Energie sei, sagt er: "In unseren Augen ist es wichtig, dass die Menschen möglichst stark eingebunden werden. Denn ist die Energie erst mal in Besitz der Menschen, werden sie auch sorgsamer mit ihr umgehen."

Berater. Business Angel für grüne Start-ups

Johann Jauk, früheres Vorstandsmitglied der RLB Steiermark sowie Vizepräsident und Finanzvorstand von Sturm Graz, setzt seit 2012 mit seinem Unternehmen Aurea Management erfolgreich auf Consulting. Nun hat er auch den Bereich Start-ups entdeckt: "Laut dem KSV1870 ist die Hauptursache für das Scheitern von Start-ups fehlendes Management-Know-how",sagt Jauk, der auch bei der Initiative Greenstarts dabei ist. "Unsere Zielsetzung ist es, Start-ups mit ihren Projekten durch die Early-Stage-Phase zu begleiten und zur Marktreife zu führen."

Jauks Projekt trägt den Namen Green Angels: Die Idee ist, jungen, innovativen und hoch motivierten Entrepreneurs im Bereich Green Technologies, zu helfen, die ihre Produkte oder Dienstleistungen in Form von praxistauglichen Geschäftsmodellen am Markt etablieren wollen. Der Fokus von Green Angels liege dabei auf Jungunternehmern mit Projekten in den Bereichen erneuerbare Energien, Energieeffizienz, LED, Smart Homes, solare Heizung und Kühlung sowie Green Mobility, wie Jauk sagt. Green Angels agiert dabei als One-Stop-Shop. "Der große Vorteil für Start-ups ist es, dass sie qualifizierte Informationen für einen erfolgreichen Start ihres Unternehmens aus einer Hand erhalten",sagt Jauk.

(WirtschaftsBlatt, Print-Ausgabe, 2014-05-28)

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