23.05.2013 16:08 Merkliste 0

Übernachteinlagen: Geldparkplatz der EZB leert sich

12.07.2012 | 12:09 |   (DiePresse.com)

Die Übernachteinlagen der Banken haben sich fast halbiert. Tatsächlich verschieben sie ihr Geld aber nur von einem EZB-Konto auf das andere.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Die Europäische Zentralbank (EZB) macht Fortschritte bei der Räumung ihres Geldparkplatzes: Die von Geschäftsbanken als Übernachteinlagen gehortete Überschussliquidität ist am Donnerstag von 808,5 auf 324,9 Milliarden Euro und damit auf den tiefsten Stand seit sieben Monaten gesunken, wie aktuelle Zahlen der Notenbank zeigen. Vor einer Woche hatte die EZB im Rahmen ihrer Leitzinsentscheidung mitgeteilt, dass die Mittel künftig nicht mehr verzinst werden.

Die Reaktion der Geldhäuser folgt mit sieben Tagen Verzug, da nun die nächste sogenannte Reserveperiode in Kraft tritt. Die Banken müssen entscheiden, wie viel Geld sie im kommenden Monat vorhalten wollen, um ihre durchschnittlichen Mindestreserveanforderungen bei der EZB zu erfüllen. Für gewöhnlich stellen die Banken gleich zu Beginn der Reserveperiode hohe Beträge auf das entsprechende Konto, um ihre Reservepflicht möglichst schnell zu erfüllen. Dieser Effekt wird aktuell dadurch verstärkt, dass sich die Übernachteinlagen überhaupt nicht mehr rechnen. Deswegen haben viele Banken ihre überschüssige Liquidität auf ihr Sichtguthaben bei der EZB verschoben: Zeitgleich zum Rückgang der Übernachteinlagen stiegen die Guthaben der Banken bei der EZB von 111,53 auf 539,79 Milliarden Euro.

"Schritt nicht fehlinterpretieren"

Der Rückgang der Übernachteinlagen auf den tiefsten Stand seit Ende Dezember entspricht damit nur auf den ersten Blick dem Kalkül, das die EZB mit der jüngsten Senkung ihres Einlagensatzes verfolgt hat. Indem die Notenbank die Zinsen für die über Nacht bei ihr gebunkerten Zentralbankgeldreserven von 0,25 auf null Prozent reduziert, will sie die die Institute animieren, sich gegenseitig wieder mehr Mittel auf dem Interbankenmarkt zu borgen und auf diesem Wege auch die Kreditvergabe an Unternehmen und Haushalte wieder in Gang zu bringen.

Tatsächlich sind die Mittel jedoch lediglich von einem EZB-Konto auf das andere gewandert. "Dieser technische Effekt sollte nicht dahingehend fehlinterpretiert werden, dass enorme Liquiditätsmengen abgezogen oder in Umlauf gebracht werden", erklärt Commerzbank-Analyst Marcel Bross. Viele Experten zweifeln generell, ob die Senkung des Einlagensatzes die Kreditvergabe im Währungsraum ankurbeln kann. Ihr Hauptargument: Nicht der Preis des Geldes ist derzeit entscheidend, sondern das mangelnde Vertrauen unter den Banken.

(APA/dpa)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

Mehr auf DiePresse.com

4 Kommentare
Gast: 1. Parteiloser
12.07.2012 13:22
3 0

Die EZB Geldschöpfung funktioniert nicht!

Die Formulierungen in diesem Artikel zeigen das ganz deutlich.

Die Geldschöpfung würde ja funktionieren, wenn diese Mittel eine Leistung der Gesellschaft provozieren.

Nur, es funktioniert nicht einmal mehr der Geldkreislauf zwischen den Banken. Die geschöpften Gelder kommen überhaupt nicht mehr in der Realwirtschaft an. Diese Billionen wurden vom kranken Finanzsystem und den Staaten einfach aufgesaugt ohne einen positiven Effekt erzeugen zu können. Die Gelder sind ja nur in den Bankbilanzen verschwunden und für die irren Staatsausgaben (ohne Sinn für die Menschen!) verwendet worden.

Es ist auch so, dass es bei den Unternehmen und Privaten erhebliche Bemühungen gibt sich aus der Schuldenfalle zu befreien. Die Unternehmen bauen immer mehr Eigenkapital auf (wenn die es schaffen), die Privaten sind bei Finanzierungen vorsichtiger als je zuvor (wahrscheinlich auch wegen Bedenken der eigenen Zukunft, des eigene Einkommens betreffend). Schulden wollen doch nur die Banken (klar, ist deren Geschäft) und die Parteibonzen (klar, die leben von den Staatsausgaben). Freie Menschen in einer freien Gesellschaft wollen nur einen vernünftigen Anteil an Verschuldung!

Es geht nur noch um kranke Buchungen bei den Staaten, bei den Banken, zwischen den Banken (auch Staaten) und natürlich der EZB: "Tatsächlich sind die Mittel jedoch lediglich von einem EZB-Konto auf das andere gewandert" sagt doch Alles.

Antworten Gast: 1. Parteiloser
12.07.2012 14:00
3 0

Noch die Daten zur erfolgten Geldschöpfung!

Die exzessive Geldschöpfung kann auch gut an der Bilanzsumme der EZB, auch an der Geldmenge M3, beobachtet werden.

http://www.ecb.int/press/pr/wfs/2012/html/index.en.html
06.07.2012: 3.085.006 Mio. Euro
23.12.2011: 2.733.235
23.12.2010: 1.926.154
23.12.2005: 1.019.749
27.12.2002: 832.558

Auch die Geldmenge M3 im Euroraum zeigt es deutlich.
2001: 5.403 Mrd. Euro
2012/03: 9.880

Die meisten Staatsschulden über 10 Billionen Euro! sind noch gar nicht dabei, weil mit über 2 Jahren Laufzeiten platziert.

Ich könnte mir durchaus vorstellen, dass der wesentliche Teil der offiziellen Staatsschulden der Euroländer (10 Billionen!) Schritt für Schritt bei der EZB landen wird. Eine Bilanzsumme von 10 Billionen bei der EZB scheint nur eine Frage der Zeit zu sein.

0 0

>Ich könnte mir durchaus vorstellen, dass der wesentliche Teil der offiziellen Staatsschulden der Euroländer (10 Billionen!) Schritt für Schritt bei der EZB landen wird. Eine Bilanzsumme von 10 Billionen bei der EZB scheint nur eine Frage der Zeit zu sein.<


Zehn Billionen Euro-Staatsanleihen bei der EZB bei einem durchschnittlichen Zinssatz von 4,5% ergibt 450 Mrd Euro Zinserträge.

Aufgeteilt auf die Euro-Länder:
Österreich-Anteil 2,7% = 12,15 Mrd Euro.

Derzeitlg zahlt Ö ca. 8 Mrd Zinsen für seine öffentlichen Schulden.

Wär' doch ein gutes Geschäft für uns, oder (vorausgesetzt, die EZB schüttet diesen Zinsgewinn an seine Anteilshalter aus)?

Gast: Hans im Glück
12.07.2012 13:10
0 0

Wenn das nicht nach hinten losgeht...

Die NULL bei der Einlagenfazilität ist mir auch aufgefallen.

http://www.leitzinsen.info/eurozone.htm

Und voilà da ist schon ein Bericht darüber... :-)

Sollte das Geld inrgendwie den Weg in die Realwirtschaft finden..., na dann gute Nacht...

Eurokrise - Die Begriffe

  • Was ist die Eurokrise? Ein Rückblick auf die Ursachen mehr...

    EFSF Der Rettungsschirm und wie er funktioniert mehr...

    Hebel für EFSF Wie man aus sehr viel Geld noch viel mehr Geld macht. mehr ...

    EFSM Der Mechanismus für Finanzstabilisierung und seine Aufgaben mehr...

    ESM Der Europäische Stabilitätsmechanismus soll 2013 den EFSF-Fonds ablösen. mehr ...

    Eurobonds Was gemeinsame EU-Anleihen bezwecken und wie sie funktionieren sollen. mehr ...

    EZB Die EZB ist Hüterin des Euro und soll eine geringe Inflation garantieren. Zumindest bis jetzt. mehr ...

    Waffen der EZB Was die "Bazooka" ist und welche anderen Waffen die Zentralbank hat. mehr ...

    IWF Der IWF ist die Finanzfeuerwehr der Vereinten Nationen und massiv an den Hilfsaktionen in Europa beteiligt. mehr ...

    Ratingagenturen Die wichtigsten Agenturen und deren Bewertungen. mehr ...

    SPIV Das Special Purpose Investment Vehicle soll die Finanzierung in Euroländern erleichtern. mehr ...

    Troika Die Troika ist eine Gruppe von Experten von EZB, IWF und EU-Kommission. mehr ...

    G20 Die 20 größten Wirtschaftsmächte repräsentieren zwei Drittel der Weltbevölkerung. mehr ...

    PSI Beim Private Sector Involvement geht es um die Beteiligung des Privatsektors an der Krisenlösung. mehr ...

    CDS Kreditausfallsversicherungen werden unter anderem dann fällig, wenn ein Land pleite ist. mehr ...

    Sekundärmarkt Der Sekundärmarkt ist der Markt, auf dem die bereits in Umlauf befindlichen Wertpapiere gehandelt werden. mehr ...

    OMT OMT ist die Abkürzung für Outright Monetary Transactions. Dahinter verbirgt sich das von der EZB am 6.September 2012 beschlossene neue Kaufprogramm von Staatsanleihen der Krisenländer. mehr ...