Juncker kündigt Rückzug als Eurogruppenchef an

Der Luxemburger geht Anfang 2013 nach mehr als acht Jahren an Spitze der Währungsunion. Die Nachfolge ist noch nicht geregelt, als Favorit gilt Wolfgang Schäuble.

BELGIUM EU EUROZONE FINANCE MINISTERS MEETING
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Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker hat wenige Tage vor seinem 58. Geburtstag seinen Rückzug angekündigt. Er werde Anfang 2013 abtreten, sagte der luxemburgische Ministerpräsident am Montag in Brüssel nach der Sitzung der Eurogruppe, die er mehr als acht Jahre geleitet hat. Schon im laufenden Jahr hatte es mehrmals Spekulationen gegeben, dass der längstdienende Regierungschef Europas als Eurogruppen-Chef zurücktritt, doch hatte er im Sommer noch ein fünftes Mandat angehängt. Dieses verlässt er nun - wie im Juli angekündigt - vorzeitig.

Als Favorit für seine Nachfolge gilt weiterhin der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble. Allerdings ist bisher keine endgültige Entscheidung gefallen.

Juncker leitet seit 2005 als "Mister Euro" die Finanzminister der Währungsunion, die sich vor jedem EU-Treffen aller 27 Ressortchefs versammeln, gewählt wurde er erstmals am 10. September 2004. Der 1998 gegründeten Eurogruppe gehören mit Ausnahme Großbritanniens die größten europäischen Volkswirtschaften von Deutschland über Frankreich, Italien und Spanien an. Juncker hatte entscheidend am Integrationsprozess mitgewirkt. Er war bereits mehrmals für höchste EU-Posten gehandelt worden, unter anderem als Kommissionspräsident oder als ständiger EU-Ratsvorsitzender.

Sondertreffen am 13. Dezember

In Brüssel verständigten sich die Finanzminister der Eurogruppe darauf, dass Spanien  "Mitte nächster Woche" die erste Tranche des Bankenhilfsprogramms aus dem Rettungsschirm ESM in Höhe von 39,5 Milliarden Euro erhalten wird. Jean-Claude Juncker erklärte nach der Sitzung der Finanzminister der Währungsunion Montagabend in Brüssel, Portugal werde die nächste Hilfszahlung von 2,5 Milliarden Euro im Jänner bekommen.

Beide Staaten würden sich auf einem guten Sanierungskurs befinden. Spanien habe effiziente Maßnahmen ergriffen, um sein übermäßiges Defizit zu senken. Juncker sprach - nach den zahlreichen vergangenen Treffen der Finanzminister der Währungsunion, die manchmal bis in die frühen Morgenstunden dauerten - von "der bei weitem kürzesten Sitzung der Eurogruppe". Jedenfalls werde die Eurogruppe auch in der Zukunft eine Schlüsselrolle spielen, um die notwendigen Lösungen angesichts der finanziellen Herausforderungen zu treffen.

Zu einem Sondertreffen wollen die Finanzminister der Eurozone am 13. Dezember zusammenkommen, um über die Freigabe ausstehender Milliardenhilfen für Griechenland zu entscheiden. Das Treffen soll vor dem Beginn des nächsten EU-Gipfels am kommenden Donnerstag stattfinden, teilte Jean-Claude Juncker mit. Von dem Erfolg des Programms hängt die Freigabe ausstehender Milliardenhilfen an das überschuldete Land ab. Juncker zeigte sich zuversichtlich, dass die Regierung in Athen das Geld erhalten werde.

(APA/dpa-AFX)

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