„Europa schont die Bankengläubiger“

Steuerzahler tragen die Hauptlast der Bankensanierungen, Gläubiger kommen zu billig davon. Besonders krass haben Deutschland und Frankreich zur Kassa gebeten.

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Europa schont Bankenglaeubiger
Europa schont Bankenglaeubiger – (c) EPA (FRANK LEONHARDT)

Frankfurt. Bei den Bankensanierungen der vergangenen Jahre wurden europäische Steuerzahler unnötig heftig zur Kasse gebeten, private Gläubiger der betroffenen Banken dagegen auffallend geschont. Zu diesem Schluss kommt eine Studie des Frankfurter Center for Financial Studies.

Besonders krass haben Deutschland und Frankreich ihre Steuerzahler zur Kassa gebeten, statt, wie im Wirtschaftsleben normalerweise üblich, die Bankengläubiger zahlen zu lassen. Aber auch bei belgischen und irischen Banken wurde die Zeche in überproportionalem Ausmaß den Steuerzahlern umgehängt, geht aus der Studie hervor.

Bei der Sanierung der deutschen Pleitebank Hypo Real Estate haben die Gläubiger beispielsweise nur fünf Prozent des Schadens bezahlt, bei der belgischen Dexia und der irischen Anglo Irish Bank waren es auch nur knapp über zehn Prozent. Zum Vergleich: Die Sanierung der zypriotischen Laiki-Bank musste zu rund 70 Prozent von den Gläubigern geschultert werden.

Die Sache ist auch noch nicht ausgestanden: Studienautor Achim Dübel findet es beispielsweise sonderbar, dass Gläubiger der Hypo Real Estate noch immer aufrechte Forderungen über vier Mrd. Euro gegen die Bank haben, obwohl die Steuerzahler schon 19 Mrd. Euro für die Sanierung der Bank aufbringen mussten.

Dübels Resümee: Angesichts der ungenutzten Potenziale der Gläubigerbeteiligung müsse der vor allem von Deutschland und Frankreich favorisierte „klassisch europäische Ansatz“ einer „Kombination aus Nachsicht der Regulierungsbehörden und öffentlichen Rettungsmaßnahmen“ als gescheitert betrachtet werden: In der Studie wird die Sanierung von acht ins Schleudern geratenen europäischen Großbanken im Detail untersucht, österreichische Institute waren nicht darunter. (ju/red)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.10.2013)

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