Ratings, ihre Mythen und die Wahrheit

14.01.2012 | 17:49 |  von Stefan Riecher (Die Presse)

Jeder spricht über sie, nur sie sprechen nicht mit jedem: die drei großen Agenturen S&P, Moody's und Fitch. Warum es sie gibt, wie sie arbeiten und wer sie bezahlt.

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Es sind nicht viel mehr als ein Dutzend Analysten, deren Telefone Freitagabend vermutlich im Sekundentakt geläutet haben. Neun Euroländer hat die Agentur Standard&Poor's (S&P) herabgestuft und zu jedem der betroffenen Staaten einen kurzen Bericht ausgesendet. Am Ende dieser Einschätzungen finden sich die Namen der bearbeitenden Analysten mitsamt deren Telefonnummer. Die Senkung der Bonität Österreichs verantworten demnach zwei Männer, einer sitzt in Frankfurt, der andere in London.

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Womit auch gleich ein Mythos, nämlich jener der unübersichtlichen Strukturen von Ratingagenturen, verbunden mit fehlender Transparenz, zumindest zum Teil widerlegt ist. Alle drei großen Anbieter – Standard& Poor's, Moody's und Fitch – geben stets bekannt, welche Analysten welche Länder und Firmen bewerten.

Analysten in der Öffentlichkeit. Die Schiedsrichter reden zwar nicht mit jedem und heben unter den angeführten Telefonnummern nicht immer selbst ab. Doch wenn sich große Investoren für Details interessieren, stehen die Experten zur Verfügung – und nach wichtigen Entscheidungen treten sie auch stets an die Öffentlichkeit. David Beers etwa erlangte vergangenen Sommer weltweite Berühmtheit. Der Analyst von Standard &Poor's war für die Herabstufung der USA hauptverantwortlich und wurde von einem TV-Sender zum nächsten gereicht. Moritz Kraemer wiederum, der für die Bewertung Österreichs zeichnet, hielt sowohl im Dezember wie auch am gestrigen Samstag eine öffentlich zugängliche Telefonkonferenz ab – in der er unter anderem erklärte, dass der „Vertrauensverlust in die europäische Politik“ der Hauptgrund für die Herabstufungen war.

Als erste der großen Agenturen wurde Standard & Poor's gegen Ende des 19. Jahrhunderts gegründet. Henry Varnum Poor bewertete die Bonität amerikanischer Eisenbahnfirmen, die Investoren vertrauten darauf und ersparten sich viel Geld, das sie zuvor in Unternehmen steckten, die oftmals schon kurz darauf bankrottgingen. John Moody und John Fitch übernahmen das Geschäftsmodell nach der Jahrhundertwende und gründeten ebenso wie Henry V. Poor in New York ihre eigenen Ratingagenturen – die drei großen Spieler, die auch heute noch den Markt dominieren, waren geboren.

Demnach stimmt es zwar, dass die drei wichtigsten Agenturen ihren Ursprung in den USA haben. Wenn aber beispielsweise Bundeskanzler Werner Faymann auf die „politischen Motive der drei amerikanischen Agenturen“ verweist, liegt er trotzdem falsch. Fitch gehört zu 60 Prozent einem französischen Geschäftsmann. Moody's und Standard & Poor's sind zwar in amerikanischer Hand – was die letztgenannte Agentur trotzdem nicht davon abhielt, die weltgrößte Volkswirtschaft vergangenes Jahr herabzustufen und dafür die Politik verantwortlich zu machen.

Österreich bezahlt die Bewerter. Ihr Geld – Moody's beispielsweise machte 2010 mehr als 500 Millionen Dollar Gewinn – verdienen die Bewerter, indem sie ihre Analysen gegen Bezahlung erstellen. Länderratings bestellen in der Regel die Staaten selbst. Der Politik wäre es unmöglich, hohe Schulden zu machen, ohne ihre Kreditwürdigkeit von einer großen Agentur bewerten zu lassen. Kaum ein Investor wäre bereit, Ländern ohne Rating Geld zu leihen. Es sind also Schuldner wie Österreich, die am meisten von den Agenturen profitieren. Machte das Land keine Schulden, wäre es auch nicht von Standard & Poor's, Moody's und Fitch abhängig.

Im Vorjahr bezahlte Österreich für die Ratings in etwa 500.000 Euro. Dafür reisen die Analysten zweimal pro Jahr nach Wien, um sich ein Bild zu machen. Sie sprechen mit Experten des Finanzministeriums, der Notenbank, den Wirtschaftsforschern und mehreren Banken. Dem Vernehmen nach sind sie freundlich, aber bestimmt in der Sache. Und ihren Kaffee, den bezahlen sie stets selbst.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.01.2012)

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18 Kommentare

Downgrade!!!

Downgrade!!! Macht und Ohnmacht der Rating-Agenturen

Rating-Agenturen sind in der Euro-Krise vor allem eine beliebte Projektionsfläche.

http://www.rosalux.de/publication/37743/downgrade-macht-und-ohnmacht-der-rating-agenturen.html

Bilderberger

Oder Finanzhaie?
Hochfinanz oder Wirtschaftskrieg?

Weshalb lassen wir uns das eigentlich von den Amis gefallen?

Ganz einfach:
Unsere Spitzenpolitiker sind selber Bilderberger und haben unser land - und ganz Europa längst an diese selbst ernannten "Herscher der Welt" verkauft!

Die "arbeitende Masse" - auch Volk genannt - sind in deren Augen - und in ihrer Sprache - nur die "Ungewaschenen", also die SKLAVEN.

Deshalb sollen wir auch den Rest unseres mikrigen Heeres verlieren, damit wir ganz zahnlos und hilflos sind...

Antworten Gast: walti
16.01.2012 19:17
0

Re: Bilderberger

Warum lassen wir uns das von den AMI gefallen ??

Weil unser Staat immer mehr Schulden macht !!
Um Anleihen auf dem wichtigsten Markt (USA) zu plazieren, brauchen wir Beurteilung von Ratingagenturen !!

Die müssen in der USA zugelassen sein !!
Nicht umsonst werden diese von uns bezahlt !!
2011 ca. 700.000 Euro für 6 Agenturen
Vielleicht sollten wir die Zahlungen einstellen !!! geht LEIDER nicht !!

Antworten Gast: Pensador
15.01.2012 15:48
1

Re: Bilderberger

Ja, ja wer da dahintersteckt!
Noch dazu haben die den Krieg gewonnen!
Und die Burgers schmecken auch scheusslich.

Gast: Ein Denkender
15.01.2012 09:03
0

Ratingagenturen und das Volk

Genau: sie sprechen mit Banken, mit Wirtschaftsforschern und dem Finanzministerium - aber mit den arbeitenden Menschen, mit den Arbeitslosen spricht keiner.
Typisch menschenverachtender Auswuchs des Desasterkapitalismus...

Re: Ratingagenturen und das Volk

was soll der Maurer aus Simmering mit dem Herrn aus London groß besprechen?

Gast: EinGast
14.01.2012 20:44
0

Den Kaffee bezahlen sie selber ...

... sogar in Österreich,
aber die Rechnung vom Babylon ist dann eine andere Sache ...

Re: Den Kaffee bezahlen sie selber ...

primitiver w..er.

Ratings, ihre Mythen und die Wahrheit


Das globale BIP beträgt 20 Billiarden, dem stehen 2000 Billiarden Geldwert gegenüber.

Und dieses Geld wollen die Agenturen schützen. Durch höhere Zinsen durch Senkung der Wirtschaftsbewertungen bzw, der Kreditwürdigkeit.

Im Vorjahr bezahlte Österreich für die Ratings in etwa 500.000 Euro.

Die wollen gar nichts. ausgenommen ordentliche Risikoanalysen erstellen.

Vermutlich geiferst du auch so herum wenn dir der Bankangestellte sagt, dass du nicht kreditwürdig bist.
Und woher glaubst du hat der diese Weisheit ?
Wenn du auf KSV Auskünfte und einen Riskmanager getippt hast liegst du richtig.
Und das ist eben genau das Gleiche.
Aber Loosern wie dir wird immer etwas nicht passen.

Re: Die wollen gar nichts. ausgenommen ordentliche Risikoanalysen erstellen.

Ihr IQ und Ruhepuls gleichen sich offensichtlich, so Sie mich als Looser bezeichnen.

Schauen Sie sich bitte an, wer die Eigentümer der Rating-Agenturen sind!


Du begreifst gar nichts ! Man MUSS sich ja nicht bewerten lassen !

Allerdings kriegt man dann auch nicht die billigen Zinsen !
Und jetzt zu deinem besseren Verständnis: KEIN Geldgeber wirft sein Geld in den Ausguss sozialer Schluderei.
Also fragt er erstmal wie wahrscheinlich die Chaqncen sind , dass er sein 'Geld zurückkriegt.
Genau das Gleiche machst du, wenn sich jemand bei dir Geld ausborgen will. Du fragt wann es zurückkommt und überlegst ob der Schuldner überhaupt in der Lage ist zu bezahlen. Einem Säufer der bei Gott und der Welt dafür bekannt ist Geborgtes nicht zurückzugeben wirst du nichts borgen. Es sein denn jemand bürgt. In der grossen dir scheinbar unbekannten weiten Welt machen das Versicherungen. Und dafür zahlt man. Compris ?

Re: Du begreifst gar nichts ! Man MUSS sich ja nicht bewerten lassen !

Mein Glaube an die Rating-Agenturen ist so stark, wie der an die Unfehlbarkeit des Papstes!

Übrigens: betriebswirtschaftlich gibt es keine "billigen" Zinsen, sondern beispielsweise hohe, niedrige, günstige, angemessene, überhöhte, usw. Zinsen.

Und die Eigentümer der Rating-Agenturen sind samt und sonders uneigennützige Anleger!

Das Downgrade ist den Rating-Eigentümern als weltweiten Anleger nicht peinlich, zumal die Ertragszinsen steigen.

Versicherungen bei deren Beurteilung der Risken mit Rating-Agenturen in einen Topf zu werfen paßt in "Ihre weite Welt".

Erstere haben Rückversicherungen, letztere rückversichern sich bei den einzelnen Staaten, deren Anleihen sie vorher über ihre "Rating-Besitzer" gezeichnet haben.

Also eine klare Win-Win-Situation.

Also gaaanz langsam, dass auch du das jetzt verstehst !

Man lässt sich bewerten um an gerineg Zinsen beim Leihen von Geld zu kommen.
Dafür zahlt man sogar. Jetzt begriffen ?
Wenn man eine gute Bonität hat, dann zahlt man geringere Risikoaufschläge. Mitgekriegt ?
Schlechte Zahler müssen verswichert werden , also kommen Versicherungen ins Spiel, die das Ausfallsrisiko absichern. Und dieses Risiko wird von den Rating Agenturen spezifiziert.
Hast du jetzt den Zusammenhang mitgelesen ? Villeicht soltest du weniger Propagandamurks aus der Quelle von Wagenknecht und Co lesen ?
Und richtig , auch Versicherungen bewertten Risiken und sichern sich danach bei Rückverischerern ab.
Und noch wichtiger und das scheinst du auch noch immer nicht begriffen zu haben: Rückversicherer verdienen Geld und das Ersparte muß angelegt werden. Also was liegt näher als sich sichere Papiere zuzulegen ?
Vielleicht hast du es jetzt begriffen.
Mir wird das Vermitteln von einfachsten Mechanismen an dich langsam zu mühsam. Am Besten du kaufst dir ein Büchlein UND lass dich zum Kauf bloss nicht von den Sozis beraten. Die verstehen davon nix.

Re: Also gaaanz langsam, dass auch du das jetzt verstehst !

Und ich schlage Ihnen (das Du ist meinen Freunden vorbehalten) die Bücher von O.Univ. Prof. DI Dr. techn. Ulrich Bauer vor. Ebenso http://kleiner.esystems.at/Team So Sie sich dabei nicht überfordert fühlen.

Mit Ihrem oberlehrerhaften, engstirnigen Getue will ich mich nicht länger auseinandersetzen.

Amen!

Also , das du nehme ich mir einfach heraus, denn ein Sie muss man sich bei mir erstmal verdienen und da bist du noch weit davon entfernt.

Und zu deinen Hinweisen: es genügt nicht Büchlein von irgenwelchen Leuten auswendig zu lernen, man muss auch verstehen was gemeint ist und in der Lage sein eine eigene Meinung zu bilden. Auch da weist du massive Defizite auf.
Im Übrigen gibt es zu JEDEM Machwerk irgendein Gegenstück. Das nennt man dann Meinungsvielfalt.
Wie auch immer, deinem Schlusswort kann ich mich nur anschliessen.

Ah ja. Die Tippfehler tun mir leid ich hab einen neuen Schleppi und komm mit dem neuen Keyboard nicht zurecht.

Das "Billig" diente dazu meine Sprache dem aus deinen Posts hervorgehenden kleinen Horizont anzupassen.

Gast: Saiffenstayn
14.01.2012 19:13
2

also das gefällt mir

also das gefällt mir:
"Ihren Kaffe bezahlen sie sich selbst" ....

das sollte Schule machen .....
dann wären die kleinen Gefälligkeiten auch bald aus der Mode,
aber für viele Funktionäre auch das Interesse an politischen Ämtern .....

"Darf ich Sie einladen" als schräges und abwegiges Angebot ....

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