Moody's stuft Griechenland auf niedrigsten Wert herab

Die Ratingagentur sieht den Beginn eines Zahlungsausfalls. Begründet wird der Schritt mit dem Schuldenschnitt bei privaten Gläubigern.

Moodys stufte Griechenland niedrigsten
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Moodys stufte Griechenland niedrigsten
(c) EPA (ANDREW GOMBERT)

Tiefer geht es nicht mehr. Nachdem die Ratingagentur Standard & Poor's am vergangenen Montag die Kreditwürdigkeit Griechenlands auf „selective default“, also teilweisen Zahlungsausfall, gesenkt hatte, ging Moody's einen Schritt weiter. In der Nacht auf Samstag stufte die Ratingagentur die Bonität des schuldengeplagten Eurolands von „Ca“ auf die niedrigste Stufe „C“, was Zahlungsausfall bedeutet.
Als Begründung führte die Ratingagentur die Einigung auf einen Schuldenschnitt mit privaten Gläubigern an. Berechnungen von Experten zufolge sollen diese Gläubiger – meist Banken, Versicherungen und Investmentfonds – auf etwa 70 Prozent ihrer Forderungen verzichten. Moody's erwartet, dass die prozentuale Differenz von 70 Prozent bei einem Tausch der Anleihen noch überschritten wird.

Zudem sei davon auszugehen, dass auch nach dem Schuldenschnitt weiterhin ein hohes Risiko für einen Zahlungsausfall bestehe, teilte die Agentur am Freitagabend in London mit. Einen Ausblick für die weitere Entwicklung gab es aber nicht.
Bei Standard & Poor's (S & P) sah man die Lage zuvor nicht ganz so schlimm: Wenn genügend Gläubiger ihre Anleihen wie vorgesehen tauschten, könnte sich die Kreditsituation in Griechenland rasch wieder entspannen, hieß es. Die Märkte hatten auf die Herabstufung durch S & P auch relativ gelassen reagiert. Der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) beschloss jedoch, griechische Staatsanleihen und von Griechenland garantierte Wertpapiere nicht mehr als Sicherheiten zu akzeptieren.

Zahlungsausfall oder nicht? Die Frage, ob es sich um einen Zahlungsausfall handelt oder nicht, ist deswegen entscheidend, weil im Fall eines Zahlungsausfalls die Kreditausfallversicherungen (CDS) schlagend würden. Die International Swaps and Derivatives Association (ISDA), die verantwortliche Handelsorganisation für außerbörslich gehandelte Derivate, hatte kürzlich noch festgestellt, dass der Schuldenschnitt kein „credit event“ (Pleitefall) sei. Deshalb werden die Kreditausfallversicherungen vorerst nicht ausgezahlt. Kritiker sprachen von einem „gefährlichen Präzedenzfall“, da Investoren künftig zögern könnten, einem Land mit schlechter Bonität überhaupt Kredite zu geben, wenn man sich nicht dagegen absichern kann. Würden die CDS fällig, könnte das jedoch eine gefährliche Kettenreaktion nach sich ziehen. Zu einer solchen ist es etwa nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers im Jahr 2008 gekommen.

Der Deutsche Bundestag hatte erst am vergangenen Montag dem 130 Mrd. Euro schweren öffentlichen Hilfspaket für Griechenland zugestimmt. Die Hilfen bleiben aber umstritten. Bayerns Finanzminister Markus Söder plädierte am Samstag für einen „Plan B“: „Plan B heißt, Griechenland einen geordneten Ausstieg zu ermöglichen. Was auf keinen Fall geht, dass wir einen dritten oder vierten Rettungsschirm auflegen.“ Als erster prominenter CSU-Politiker hatte der deutsche Innenminister Hans-Peter Friedrich einen Austritt Griechenlands aus der Eurozone in die Diskussion gebracht und war dafür von Bundeskanzlerin Angela Merkel heftig kritisiert worden.

Kritik aus Bayern. Offizielle CSU-Linie ist diese Position nicht: Parteichef Horst Seehofer wollte nicht über ein mögliches Scheitern des zweiten Griechenland-Rettungsschirms spekulieren: „Ich glaube, dass kein Arzt in Deutschland Erfolg hätte, wenn er seine Therapie beginnt mit der Frage, ob diese scheitert.“
Auch die österreichische Finanzministerin Maria Fekter meinte am Samstag im ORF-Radio: „Wenn man ein krankes Kind in der Familie hat, stößt man es nicht aus, sondern therapiert es.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.03.2012)

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