Moody's stuft Griechenland auf niedrigsten Wert herab

03.03.2012 | 08:51 |   (Die Presse)

Die Ratingagentur sieht den Beginn eines Zahlungsausfalls. Begründet wird der Schritt mit dem Schuldenschnitt bei privaten Gläubigern.

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Tiefer geht es nicht mehr. Nachdem die Ratingagentur Standard & Poor's am vergangenen Montag die Kreditwürdigkeit Griechenlands auf „selective default“, also teilweisen Zahlungsausfall, gesenkt hatte, ging Moody's einen Schritt weiter. In der Nacht auf Samstag stufte die Ratingagentur die Bonität des schuldengeplagten Eurolands von „Ca“ auf die niedrigste Stufe „C“, was Zahlungsausfall bedeutet.
Als Begründung führte die Ratingagentur die Einigung auf einen Schuldenschnitt mit privaten Gläubigern an. Berechnungen von Experten zufolge sollen diese Gläubiger – meist Banken, Versicherungen und Investmentfonds – auf etwa 70 Prozent ihrer Forderungen verzichten. Moody's erwartet, dass die prozentuale Differenz von 70 Prozent bei einem Tausch der Anleihen noch überschritten wird.

Zudem sei davon auszugehen, dass auch nach dem Schuldenschnitt weiterhin ein hohes Risiko für einen Zahlungsausfall bestehe, teilte die Agentur am Freitagabend in London mit. Einen Ausblick für die weitere Entwicklung gab es aber nicht.
Bei Standard & Poor's (S & P) sah man die Lage zuvor nicht ganz so schlimm: Wenn genügend Gläubiger ihre Anleihen wie vorgesehen tauschten, könnte sich die Kreditsituation in Griechenland rasch wieder entspannen, hieß es. Die Märkte hatten auf die Herabstufung durch S & P auch relativ gelassen reagiert. Der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) beschloss jedoch, griechische Staatsanleihen und von Griechenland garantierte Wertpapiere nicht mehr als Sicherheiten zu akzeptieren.

Zahlungsausfall oder nicht? Die Frage, ob es sich um einen Zahlungsausfall handelt oder nicht, ist deswegen entscheidend, weil im Fall eines Zahlungsausfalls die Kreditausfallversicherungen (CDS) schlagend würden. Die International Swaps and Derivatives Association (ISDA), die verantwortliche Handelsorganisation für außerbörslich gehandelte Derivate, hatte kürzlich noch festgestellt, dass der Schuldenschnitt kein „credit event“ (Pleitefall) sei. Deshalb werden die Kreditausfallversicherungen vorerst nicht ausgezahlt. Kritiker sprachen von einem „gefährlichen Präzedenzfall“, da Investoren künftig zögern könnten, einem Land mit schlechter Bonität überhaupt Kredite zu geben, wenn man sich nicht dagegen absichern kann. Würden die CDS fällig, könnte das jedoch eine gefährliche Kettenreaktion nach sich ziehen. Zu einer solchen ist es etwa nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers im Jahr 2008 gekommen.

Der Deutsche Bundestag hatte erst am vergangenen Montag dem 130 Mrd. Euro schweren öffentlichen Hilfspaket für Griechenland zugestimmt. Die Hilfen bleiben aber umstritten. Bayerns Finanzminister Markus Söder plädierte am Samstag für einen „Plan B“: „Plan B heißt, Griechenland einen geordneten Ausstieg zu ermöglichen. Was auf keinen Fall geht, dass wir einen dritten oder vierten Rettungsschirm auflegen.“ Als erster prominenter CSU-Politiker hatte der deutsche Innenminister Hans-Peter Friedrich einen Austritt Griechenlands aus der Eurozone in die Diskussion gebracht und war dafür von Bundeskanzlerin Angela Merkel heftig kritisiert worden.

Kritik aus Bayern. Offizielle CSU-Linie ist diese Position nicht: Parteichef Horst Seehofer wollte nicht über ein mögliches Scheitern des zweiten Griechenland-Rettungsschirms spekulieren: „Ich glaube, dass kein Arzt in Deutschland Erfolg hätte, wenn er seine Therapie beginnt mit der Frage, ob diese scheitert.“
Auch die österreichische Finanzministerin Maria Fekter meinte am Samstag im ORF-Radio: „Wenn man ein krankes Kind in der Familie hat, stößt man es nicht aus, sondern therapiert es.

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.03.2012)

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20 Kommentare
Gast: Faymarx und Spindelenin
03.03.2012 16:15
1

Ja, und? Wie würden Sie es einstufen, wenn ein Schuldner 70% seiner Schulden nicht zurückzahlt? AAA?

Griechenland ist pleite. Ein ganzer Staat, der nur aus Umverteilung besteht: Umverteilung von den Gläubigern zu den Griechen.

Hunderte Milliarden an EU-Strukturhilfe sind einfach verpufft, weil man statt auf Wertschöpfung auf Konsumation gesetzt hat. Vom kleinsten Bauern bis zum Reeder, vom Beamten bis zum Pensionisten, vom Taxifahrer bis zum Energieunternehmen, alle, ALLE haben nur auf Kosten der Staatsschulden ihren Wohlstand vermehrt.

Jetzt ist eben Zahltag. Und wieder zahlt jemand Anderer.

So wird Griechenland zum ewigen Pflegefall. Und auch die Pfleger an den Rand des Ruins treiben.

Diesen Ratingagenturen

fehlt einfach die politische Weitsicht eines Josef Pröll oder einer Maria Fekter. Nach wie vor können wir beruhigt sein, denn Griechenland ist für uns alle ein sehr gutes Geschäft. *fg*

Die Banken sind wohl gerettet!

Die Staaten des Euroraumes verschuldet sich weiterhin. Wer bezahlt? Das sage ich am liebsten nicht. Denn sonst gehen diese Herrschaften gleich auf die Strasse!

Re: Die Banken sind wohl gerettet!

Am Beispiel Griechenland bewahrheitet sich wieder einmal der alte Spruch: "Operation gelungen, Patient tot."

Gast: Die haben etwas übersehen
03.03.2012 13:49
0

Die Wertung D

D für Konkurs, Chaos, Anarchie, Plünderung, Unruhe, Intervention des Militärs...

Allerdings ist das alles Unfair, den Frankreichs Wertung müßte angesichts der AKW-Zustände detto auf C herabgestuft werden, mit einem einzigen Unglück wird das Land sofort zahlungsunfähig, gleiches gilt für England, wo die Situation noch katastrophaler ist.

Auch unverständlich das bei de Bewertung nicht auch soziale Elemente berücksichtigt werden, die immer einhergehen mit Aufruhr und Unruhe, London und die Unruhen, Paris und die brennenden Vororte, Deutschland und ihr Harz IV, für Investoren sicher alles sehr unsicher...

Gast: hodel dodel
03.03.2012 12:26
1

endlich unten,

oder geht es noch tiefer, aber hoffentlich Ruhe
mit dem blöden Getue. Wir können es nicht ändern,denn uns hat keiner gefragt, so sieht es aus.

Gast: 1. Parteiloser
03.03.2012 12:14
1

Passt schon so!

Die Bonitätsbeurteilung betrifft die Rückzahlungsfähigkeit von Schulden in den kommenden 12 Monaten. Griechenland wird aber in den nächsten 12 Monaten eher mehr Schulden aufbauen als wirklich zurückzahlen.

Diese Situation besteht als schon seit vielen Jahren, also war die Bonitätsbeurteilung in den letzten Jahren sehr falsch.

Eigentlich zahlen die meisten Länder die Schulden schon lange nicht mehr zurück, es sind ja nur Umbuchungen und eine Erhöhung des gesamten Schuldenstandes. Alle diese Länder würden also eine Bonitätsbeurteilung wie Griechenland verdienen.

Gast: Dummer Michel
03.03.2012 12:05
1

Nää!

Niedrigster Wert? Ih wo, Das kann gar nicht sein!
"Griechenland" wurde doch gerade mit großem Getöse, hunderten Milliarden zum x ten Mal gerettet von den doofen Zonensteuerzahlern. Ja wie denn nun?

Gast: Pensador
03.03.2012 10:51
3

Der Fall wird zum Verbrechen

Und das Verbrechen der Konkursverschleppung und der Zahlungen für den Defraudanten Griechenland geht unwidersprochen weiter.
Wie lange noch lassen sich das die Völker der
Zahlerstaaten inkl. Österreich noch gefallen?
Und zu den Zahlungen kommen noch ungeheure Haftungen. Will man uns noch immer einreden, die würden nie schlagend werden oder seien sogar ein "Geschäft"?

Gast: africano
03.03.2012 10:47
3

Was für einen Wert ,soll schon ein Fass ohne Boden haben ?


Österreichs Bürger werden in naher Zukunft die Zeche für die Hochrisikospekulationen unserer Regierung mit Steuergeld bezahlen müssen.

Bei einem politisch erzwungenen "freiwilligen" Schuldenschnitt von 70 oder mehr % eine logische Konsequenz. Richtig turbolent wird es erst wenn die Credit Default Swaps eingelöst werden müssen (Versicherung auf Zahlungsunfähigkeit Griechenlands), was meines Erachtens nach noch vor dem Sommer bzw. dem heurigen Herbst sein dürfte.

CDF

werden wenig Auswirkungen haben da exakt jene Finanzinstitutionen die die CDS ausgegeben haben (de facto Rückversicherung oder Wetten, je nachdem wie man das sieht), diese auch im Defaultfall einlösen müssten.
Was die unmittelbare Auswirkung sein wird ist, das der CDS Markt Geschichte sein wird und sich Kreditraten & Versicherungsraten für den traditionellen Handel erhöhen werden

Gast: aufstiegderbadbanker
03.03.2012 10:07
6

der konkurs GR ist längst fixiert von den hunderten miliarden eu bankenhilfen-steuergelder profitieren nachweislich nur die banken und reichen vermögenden; aber kein einziger staat und steuerzahler wird gerettet- im gegenteil; die arbeitnehmer/pensionisten werden mit massiven sparpaketen und einschnitten belastet. "für die casinobanken gibts keine finanzkrise"


Der Schärdinger

Jeder der eins und eins zusammenzählen kann, wußte das. Also nichts Neues.

moody's von us-gnaden

ist doch selber nur ein 1€-shop.
eigene kreditwürdigkeit?
eben _glaubwürdigkeit_?

die sind nicht die
selbst ernannten
verkünder der botschaften:

die sind die hässlichen manipulierer und verzerrer - weil merke:

*
us wird als homogenes staatengebilde definiert
(auch wenn darin schon etliche staaten effektiv pleite sind)

*
während eu nach ratingssh°t auf gesplittet wird
und nach liquidität von nationalstaaten bewertet.

_das_ _ist_ _krank_.

ratingagenturen wurden installiert
damit us weiterhin seine wertlose währung
-einstweilen noch-
relativ stabilisiert. das ist währungskrieg gegen eu.

eibnwände gern allzeit willkommen. -


Re: moody's von us-gnaden

Wenn Sie schon mit solchen Bezeichnungen arbeiten, dann wär's jedoch kein Währunskrieg der USA gegen die EUR-Länder, sondern ein Währungs-Bürgerkrieg innerhalb der EUR-Länder.

Und die "selbst ernannten" Boten wurden (auch) von den EUR-Ländern ernannt und werden (auch) von denen bezahlt.

Den USA wäre zudem ein hoch bewerteter EUR viel sympatischer, genau so wie ein höher bewerteter Yuan. Denn das wäre für die eine weitaus größere Hilfe, wirtschaftlich wieder auf die Beine zu kommen, als umgekehrt.

PS: Ideologie, an Stelle von Vernunft und Realität, wie sie auch derzeit im EUR-Raum eher die Handlungen zu bestimmen scheint, war noch niemals ein guter Ratgeber für Problemlösungen.

Antworten Gast: Hanibal L.
03.03.2012 11:09
1

Re: moody's von us-gnaden

wirre gedanken ? waehrungskrieg, verschwoerung, US ostkueste, bilderberger und was sonst noch ? dabei ist es ganz einfach, zahlungsausfall = staat kann seinen schuldenzins nicht mehr bezahlen, keiner will mehr anleihen (schuldscheine) = bewertung "ramsch". insofern ist es richtig das manche europaeische wohlfahrtsstaaten schon schlechter bewertet werden als zb. thailand.

Antworten Gast: Pensador
03.03.2012 10:53
2

Re: moody's von us-gnaden

Geh, mach Dich doch nicht lächerlich.
Der Überbringer der schlechten Botschaft ist schuld?
Vielleicht glaubt ausser Dir das noch der Faymann. Sonst keiner.

Gast: BO
03.03.2012 09:18
2

Das ist schon lustig,

wie sich alle (bis auf Obama) vor diesen Ratingagenturen in die Hose sch....en.Dort sitzen auch nur irgendwelche Hanseln, die über keiner Regierung stehen oder alles wissen.Was ist das eigentlich für ein Berufsbild?
Ich kann auf jeden Fall Namen wie Moodys, Poors, tc. nicht mehr hören und deren Urteil juckt mich nicht.Ich glaube da bin ich zumindest nicht der einzige.

Antworten Gast: jou
03.03.2012 15:09
0

Re: Das ist schon lustig,

so isses

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