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US-Autobranche in der Krise: "Selbst zugefügte Wunden"

19.11.2008 | 10:31 |   (DiePresse.com)

Die angeschlagenen US-Autobauer General Motors, Ford und Chrysler bitten um Staatshilfen. Sonst drohe der US-Wirtschaft ein "katastrophaler Kollaps". US-Finanzminister Paulson zeigt die kalte Schulter.

Die drei angeschlagenen US-Autobauer General Motors, Ford und Chrysler haben im Senat nachdrücklich um Staatshilfen gebeten. Eine Rettung der Unternehmen sei nötig, um die US-Wirtschaft vor einem "katastrophalen Kollaps" zu bewahren, sagte GM-Chef Rick Wagoner am Dienstag bei einer Anhörung des Bankenausschusses der Kongresskammer. US-Finanzminister Henry Paulson zeigte ihnen allerdings die kalte Schulter. Er lehnte es ab, einen Teil des 700-Milliarden-Dollar-Pakets für die Banken an Ford, Chrysler und General Motors abzuzweigen.

"US-Autobranche braucht Brücke"

"Unsere Branche braucht eine Brücke, um den finanziellen Abgrund zu überbrücken, der sich vor uns aufgetan hat", erklärte General-Motors-Vorstandschef Rick Wagoner vor dem Bankenausschuss des Senats. Die drei Konzerne haben um eine staatliche Hilfe von 25 Milliarden Dollar (19,8 Mrd Euro) gebeten. Wagoner machte keine eigenen Management-Fehler, sondern die Finanzkrise für die schlechte Lage verantwortlich. Ein Zusammenbruch der Branche würde den Verlust von drei Millionen Arbeitsplätzen bedeuten, warnte der Chef der Opel-Konzernmutter.

Chrysler steht nach eigenen Angaben vor dem Abgrund, falls er keine staatliche Finanzspritze erhält. Konzernchef Robert Nardelli erklärte vor dem Ausschuss, Chrysler habe pro Monat zwischen vier und fünf Mrd. Dollar an Kosten für Löhne und Gehälter, zur Bezahlung der Rechnungen von Zuliefern und anderes. Falls Chrysler Insolvenz beantrage, wären die Kosten für eine Umstrukturierung größer als die Ausgaben, die der Staat für eine Überbrückungshilfe zahlen müsse, sagte Nardelli weiter. Und es sei nicht sicher, dass Chrysler nach einer Insolvenz weiterbestehen könne.

Auch der Chef der Branchengewerkschaft UAW, Ron Gettelfinger, mahnte rasche Staatshilfen an. Wenn die Regierung GM, Ford und Chrysler nicht schnell unter die Arme greife, seien die Unternehmen zur Geschäftsauflösung gezwungen. Ein Kollaps der Autoindustrie würde den Abschwung der US-Wirtschaft zudem massiv verschärfen.

"Selbst zugefügte Wunden"

Der demokratische Ausschussvorsitzende Christopher Dodd sagte jedoch den Managern, ihre Branche suche eine "Behandlung für weitgehend selbst zugefügte Wunden". Der republikanische Senator Mike Enzi kritisierte, die Finanzkrise sei "nicht der einzige Grund, warum die heimische Automobilindustrie in Schwierigkeiten ist". Er nannte ineffiziente Produktionsstrukturen und kostspielige Tarifverträge.

Die Hilfen für die US-Autobranche sollen nicht über das bereits bewilligte Kreditpaket über 25 Milliarden Dollar hinausgehen, erklärte das US-Präsidialamt. Die Demokraten streben jedoch eine Gesetzesvorlage an, wonach die Autohersteller und ihre Zulieferer 25 Milliarden Dollar aus dem Rettungspaket für die Finanzindustrie erhalten sollen. Im Gegenzug sollen den Managern die Bonuszahlungen gestrichen werden.

Verhandlungen hinter den Kulissen

Hinter den Kulissen wurden Verhandlungen über eine Kompromisslösung geführt, die den Automobilkonzernen noch vor dem Jahresende eine Entlastung bescheren soll. Die Aussichten wurden aber in Washington skeptisch bewertet. "Mein Gefühl ist, dass diese Woche nichts geschehen wird", sagte der republikanische Senator Bob Corker.


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16 Kommentare
 
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Von madmatracing am 20.11.2008 um 00:19
Zum Artikel: USA: Autohersteller zittern ums Überleben

Das Problem ist nicht neu

Es gibt einen natürlichen Markt für jedes Auto. Das gilt vom Kleinwagen bis zum 5 Liter SUV. Die Hersteller sahen sich aber in den letzten 15 Jahren genötigt immer bessere Zahlen, Stückzahlen, an ihre Shareholder zu melden. Dies wurde durch gefakte Verkäufe auch erreicht. Leihwagen Firmen bekamen tausende Fahrzeuge gratis, sogar mit Zuzahlungen. Die Fahrzeuge endeten dann als Gebrauchtfahrzeuge wesentlich billiger am Markt.

Aus diesen "Verkaufszahlen" wurden dann Budgets für die nächsten Jahre errechnet. Natürlich ständig steigend. Daß diese Buble irgendwann platzt wussten Insider seit langem. Da es nicht sehr förderlich für die Karriere der Manager gewesen wäre hier öffentlich auf die Bremse zu steigen beschränkten sie sich darauf, ihr Gehalt für die verbleibende Zeit zu optimieren. Und wie das? Über steigende Verkäufe! Ca. 15 bis 20 Prozent der Verkäufe waren gefaket. Selbst wenn alle Hersteller für 1 bis 2 Jahre zusperren gibt es genug Fahrzeuge aller Kategorien auf dem Markt.

Von Wortmann am 19.11.2008 um 22:11
Zum Artikel: USA: Autohersteller zittern ums Überleben

Dinosauriersterben

Die amerikanische Autoindustrie gehört mit ihrem immer noch generell geltenden rückständigem Fahrzeugkonzept in das Museum der Technik. Die konkurrenzfähigkeit mit hochentwickelten europäischen, japanischen und koreanischen Produkten ist schlichtweg nicht gegeben. Neue schlagfertige Autoindustrie entsteht bereits in Indien und in China. Amerika hat im Anflug der Selbstherrlichkeit auch hier den Zeitpunkt verpasst in dem die Welt an die schrumpfende Ressourcen, Umwelt und technischen Fortschritt dachte. Diese Behauptung kann man ruhig auf das Gros der US Industrie ausweiten ohne Gefahr zu laufen ungerecht zu werden. Die ehemalige Neue Welt ist sehr, sehr verstaubt. Die Grossmacht ist Grossprovinz geworden. In den nächsten 20 Jahren werden die USA ohne einschneidenden Reformen, ihre Vormacht an China abgeben müssen.

Von anna89 am 19.11.2008 um 21:20
Zum Artikel: USA: Autohersteller zittern ums Überleben

WO SIND DIE IN ...

... den letzten 30 Jahren verdienten "Phantstilliarden"?
Beim Otto-Normalverbraucher sprich Steuerzahler???
A-so, d'rum soll der jetzt für den Crash aufkommen - das nenn' ich gerecht!!!

Von Gast: Dekkard am 19.11.2008 um 14:24

No Mercy.

Ein Rick Wagoner kann bei mir auf kein Mitleid hoffen. Er hat keine Ahnung von der Branche, hat den Konzern zu Tode saniert und Unsummen an Geld dafür kassiert. Ideen hat dieser eitle Sack nie geliefert. Man sollte ihn rauswerfen, und sein gesamtes Privatvermögen verpfänden und es unter den hart arbeitenden Leute verteilen die er rausgeworfen hat.

Von Gast: besserwisser am 19.11.2008 um 13:31

Kommentare

Oh das tut weh! Alle diese intelligenten Kommentare zu lesen. Ich bin überwältigt wie viele gescheite Leute es hier gibt. Es mag sein daß deutsche Autos in der Anschaffung mehr kosten als andere. Aber niemand bedenkt, daß die Käufer auch bisher bereit waren diese Preise zu bezahlen. Warum ist wohl das teuerste Kompaktfahrzeug der VW Golf das am meisten verkaufte Auto im deutschsprachigem Raum? Sicher nicht, weil er so viel besser wie Fiat & Co ist. Die wären doch blöd, wenn sie weniger für ihre Fahrzeuge verlangen würden. Das selbe gilt für BMW, Mercedes & Co. Und es wird auch zukünftig das Image der Marken sein welches den Preis rechtfertigt. Und an alle die meinen, der Autoindustrie möge mit einem Dämpfer recht geschehen, wünsche ich niemals direkt oder indirekt einen Arbeitsplatz zu haben, der dadurch gefährdet ist. Jeder 5. Arbeitsplatz in Österreich hat mit der Automobilindustrie zu tun. Also Vorsicht mit solchen Kommentaren.

Antworten Von my2cent am 20.11.2008 um 14:46

Re: Kommentare

das problem ist das "image" zwar gerne gekauft wird wenn man es sich leisten kann, aber ebenso zu den ersten opfern einer sparwelle werden

wenn ich mich einschränken muss, warum nicht entweder mal für ein paar jahre ein billigeres auto fahren oder das auto anstatt 3 jahre 5 jahre behalten

beide effekte treffen die deutsche autoindustrie ins mark

Von Gast: Mike am 19.11.2008 um 13:03

Vor der KFZ-Industrie....

... gehen wieder alle in die Knie!

Schade eigentlich, diese "Lobby" gehört zerschlagen. Aber solange Herr und Frau Österreicher nicht auf ihr döfdöf verzichten können, wird sich nichts ändern. Da kaufen wir lieber noch ein zweites Auto auf Ratenzahlung....

Von Nobodaddy am 19.11.2008 um 12:49

Shareholder Value

Diese Herrschaften brauchen keine "Brücke, um den finanziellen Abgrund zu überbrücken, der sich vor ihnen aufgetan hat" sondern Bretter, um das Grab abzudecken, das sie sich selber geschaufelt haben!

Das passiert, wenn man sich zum Sklaven der Geldgeber macht, die ausschließlich kurzfristiger Nutzen interessiert.

Anstatt des Shareholder Value sollten vielleicht wieder Maßstäbe wie Geschäftsethik und Verantwortung in die Managementebenen einziehen.

Von Gast: pepe am 19.11.2008 um 11:21

Autoverkäufer!

So schlecht kann es doch den Autofirmen nicht gehen. Ich habe in den letzten Tagen 3 deutsche Autohändler in Wien besucht und so etwas von Überheblichkeit und Desinteresse habe ich nicht einmal beim Würstelstand ums Eck erlebt!!

Antworten Von Gast: Hybrid am 19.11.2008 um 12:58

Re: Autoverkäufer!

Das waren halt noch goldene Zeiten für die Deutschen Autohändler als man z.B. bei OPEL noch für Scheibenbremsen vorne, Beifahrersitz verstellbar, geheizte Heckscheibe kräftige Aufpreise verlangen konnte.
Seit damals 1972 fahre ich JAPANER verschiedenster Marken und habe es noch nicht bereut. Wünsch euch was ihr Deutschen Abzocker, Hochmut kommt bekanntlich vor dem Fall. Kein luckerter Steuer Euro für euch.

Antworten Von Gast: Gast am 19.11.2008 um 12:40

Re: Autoverkäufer!

Mir ist das EXAKT selebe passiert! Und vor kurezm auch in Deutschland bei einem Autohändler einer deutschen Marke!

Von peda am 19.11.2008 um 10:58

Autobranche

die Autobranche hat jahrzehnte lang gut verdient, aber das geld niemals an die arbeiter weitergegeben, die gewinne eingesackt

und jetzt bei der krise werden sofort zehntausende ausgestellt, super

wenn bei uns eine kleine baufirma oder zimmerei pleite macht hilft ihnen auch keiner

Von Helmut Magnana am 19.11.2008 um 10:46

Am Weltmarkt vorbei produziert!

Während schon überall auf der Welt die Treibstoffkosten in die Höhe schnellten, hielt man in den USA diese, politisch ausdrücklich gewollt noch lange relativ nieder. Ich kann mich noch gut erinnern. Als während der Clinton-Zeit höhere Benzinpreise einmal zaghaft "angedacht" wurden, hatte dies die Regierung mit dem Hinweis auf die dadurch eingeschränktere Mobilität strikt abgelehnt. Die Kosten für Transport und Telekommunikation müßten im Sinne einer florierenden Wirtschaft schließlcih für alle leistbar sein....

Und weil´s den Amis bekanntlich immer schon schwer gefallen ist, über die Grenzen der USA hinaus zu blicken, wollte und konnte man lange nicht erkennen, was sich sonst noch auf dem Erdenrund tut. Also hatte man primär für den eigenen Markt produziert. Doch als auch hier die Treibstoffpreise stiegen, hatte man nicht die passenden Fahrzeugalternativen dafür.

In Deutschland war es ähnlich. Man produzierte Benzinfresser en masse aus reinen Prestigegründen; auf Halde...

Antworten Von Helmut Magnana am 19.11.2008 um 10:53

Re: Am Weltmarkt vorbei produziert!

FORTSETZUNG: Im gestrigen ZDF-"Kontraste" gab es dazu einen interessanten Test: Man ließ einen Toyota-Mittelklassewagen gegen einen BMW in der selben Kategorie 100km Stadtverkehr fahren und verglich hinterher den Treibstoffverbrauch.

Hier das Ergebnis: Während der Toyota mit 5,6 Litern sein Auslangen fand, verschlang der BMW 17,3! Also rd. 3x so viel!

Und da wundert man sich in Deutschland über den Boom japanischer, koreanischer, franzöischer und italienischer Marken? Zudem haben die alles schon als Grundausstattung mit an Bord, wofür man bei deutschen Herstellern hohe Aufpreise zahlen muß!

Und umweltfreundliche Techniken verwenden die auch noch dazu. Einschlägige Vorschläge, dies auch bei deutschen Autos einzubauen, wurden stets mit Ausreden a la "das kostet zu viel", ungeschaut abgeschmettert.

Jetzt bettelt man um Milliardenunterstützungen vom Staat. Doch davon allein wird kein einziger Wagen mehr verkauft. Patriotismus endet nämlich an der leeren Geldbörse.

Antworten Antworten Von hmphtlbrmpht am 19.11.2008 um 12:07

Re: Re: Am Weltmarkt vorbei produziert!

Als Ergänzung: mir hat gestern ungefragt ein grosser Autohändler (vorzugsweise BMW) einen preiswerten gebrauchten Kleinwagen angeboten: einen 4.5 Liter CAYENNE TURBO mit etwa 450 PS um schlappe sechzigtausend. Ich koennte wohl feilschen.Das Angebot ist sicher nicht schlecht,aber es wird in Zukunft wohl noch bessere geben...Ich weiss nicht,mein Motorrad braucht 3.5 Liter und macht viel Spass,mein Fahrrad noch weniger und macht auch Spass,und der Bus?
Leisten koennte ich mir manches,aber will ich?

Antworten Antworten Von Gast: Gast am 19.11.2008 um 11:59

Und wieso greift

man dann jetzt dieses Firmen unter die Arme? Ich dachte immer der Markt reguliert sich selbst.

 
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