"Amerika ist kein Land - Amerika ist nur ein Business"

12.12.2012 | 07:10 |  Von Peter Huber (DiePresse.com)

Der Film "Killing them softly" zeigt am Beispiel des illegalen Glücksspiels, wie die "kapitalistische Idee in ihrer niedrigsten Form" funktioniert.

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Im Dezember 2011 hat sich der Hobbyökonom mit Margin Call den bisher besten Hollywood-Film über die Finanzkrise angesehen (mehr dazu...). Genau ein Jahr später ist nun ein Gangster-Film in unseren Kinos angelaufen, der zwar auf den ersten Blick wenig mit der Finanz- und Wirtschaftskrise zu tun: "Killing them softly". Darin soll ein Auftragskiller der Mafia nach einem Überfall auf eine illegale Pokerrunde die Schuldigen finden und beseitigen. Genauer betrachtet ist der Film aber weniger ein Porträt harter Kerle, sondern eine Metapher auf den modernen Kapitalismus. Umrahmt wird die Handlung vom US-Wahlkampf 2008 samt Wirtschaftskrise.

"Ich fand schon immer, dass es in Krimis im Grunde immer um Kapitalismus geht", sagt Regisseur Andrew Dominik. "Sie zeigen, wie die kapitalistische Idee in ihrer niedersten Form funktioniert." Je länger er sich mit dem Thema befasst habe, umso mehr begann er zu verstehen, dass es sich um eine Geschichte über eine Wirtschaftskrise handle. Im konkreten Fall eine Krise in der kriminellen Wirtschaft des illegalen Kartenspiels. Diese sei "ein Mikrokosmos der größeren Geschichte, die sich damals in Amerika abspielte", sagt Dominik.

Stadt am Boden: New Orleans statt Detroit

Es ist das Amerika des Jahres 2008. Der demokratische Präsidentschaftskandidat Barack Obama kämpft gegen den Republikaner John McCain um die Nachfolge von US-Präsident George W. Bush. Die Finanzkrise hat gerade ihren Höhepunkt erreicht. Die Geschichte spielt nicht zufällig in New Orleans, denn die Stadt spielt eine Hauptrolle. Sie sollte von den wirtschaftlichen Härten der vergangenen Jahre gezeichnet sein. Dominik dachte dabei zuerst an die brachliegende Autostadt Detroit, ehe er sich für das von Hurrikan Katrina heimgesuchte New Orleans - das mancherorts an Bürgerkriegsgegenden erinnert - entschied.

Wie ein Leitfaden ziehen sich Wahlkampf-Slogans durch den Film. "Amerika bietet jedem die Chance, sein Leben so zu gestalten, wie er es will", hört man da etwa. Plakate mit Obama und McCain prangen bedrohlich im Hintergrund, aus Radio und Fernsehen sind ständig die beiden politischen Rivalen zu hören.

Tatort Wall Street: Die Finanzkrise im Film

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Verbrechersyndikat agiert wie Unternehmen

Tatsächlich führt der simple Überfall auf eine illegale Kartenspielrunde zu einem Versiegen einer wichtigen Einnahmequelle eines Verbrechersyndikats. Es gilt, die alte Ordnung wieder herzustellen. Nicht zufällig wird im Hintergrund eine Rede von Obama eingespielt, in der er davon spricht, dass Vertrauen in die Finanzbranche wiederhergestellt werden müsse. "Wir erleben einen entscheidenden Moment in unserer wirtschaftlichen Entwicklung", sagt Obama, "wir müssen Maßnahmen ergreifen, sie zu stabilisieren. Wir wollen diese Maßnahmen nicht. Aber wir müssen jetzt handeln." Umgelegt auf "Killing them softly" heißt das: Als erstes muss ein Bauernopfer her, um zu zeigen, dass das System krisensicher ist. Im zweiten Schritt soll dann an den wahren Tätern ein Exempel statuiert werden - sie sollen ebenfalls getötet werden.

Killer Jackie Cogan (gespielt von Brad Pitt) entpuppt sich dabei als wahrer Kenner der Ökonomie. Er ist es, der einer entscheidungsschwachen Verbrechersyndikats-Führung vorschlägt, die entsprechenden Maßnahmen zu treffen. "So läuft der Laden eben, nach diesen Regeln muss man spielen", sagt Schauspieler Pitt über seine Rolle. Das illegale Glücksspiel muss weitergehen, damit die Bosse Gewinn machen. Cogan begreift sich als Teil des Systems. Ein Job ist nur ein Job. Und den will er so professionell erledigen, wie das möglich ist. "Ich töte sie gerne sanft", sagt Cogan daher auch titelgebend. Es ist ihm zuwider seine Opfer leiden oder betteln zu sehen.

Abgesang auf den amerikanischen Traum

Dominiks Film ist ein Abgesang auf den amerikanischen Traum. Dabei funktioniert der Film aber nur bedingt. Zu aufdringlich und plakativ ist seine Kapitalismus-Kritik. Zu zwanghaft und mitunter nervend wirkt der ständige Bezug zur Finanzkrise. Sogar beim Überfall auf die illegale Pokerrunde läuft das Radio. Weniger wäre eindeutig mehr gewesen.

Es ist allerdings nicht ohne Ironie, dass auch der brave Vollstrecker Cogan um sein Honorar streiten muss. Erhält er nun 10.000 oder 15.000 Dollar pro Mord? Lakonisch - und zermürbt von all den politischen Schönredereien im Hintergrund - stellt er fest: "Amerika ist kein Land, sondern nur ein Business."

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12 Kommentare

Kritik...

Mir hat der Film gut gefallen. Als Gangsterfilm.

Kapitalismuskritik kann man ausblenden.

Der Held kritisiert zwar am Schluss, dass Amerika nur ein Business ist, will aber zugleich 15.000,-- / Mord, also kann man ihn nicht ernst nehmen, da er ihn ja trotzdem lebt, den Amerikan Way of Life.

Und das ist auch gut so.

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ja ja, die welt ist voller "sozialisten" (die dann heimlich im cafe imperial speisen und sich im "biuti salon" verschönern lassen!) und kommunisten (die dann an der spitze gelangt nur vom system bestens leben und sich bedienen!) oder dann die kapitalisten, die angeblich für alles was schlecht ist stehen, doch ALLE brauchen sie und wie, und dann gibt es die Österreicher: die über alles schimpfen, aber dann froh sind wenn sie einen pfuscher gefunden haben die ihnen die whg günstig saniert, so wenig wie möglich zahlen müssen, so wenig wie möglich arbeiten, sich vom vater staat alles bevormunden lassen, und dann natürlich vom frühpensionistentum träumen...


gut beobachtet

Sie haben nur vergessen, dass der Fisch immer am Kopf zu stinken beginnt. Die Menschen versuchen nur das Beste für sich aus dem versauten Sozisystem rauszuholen.

Künstler, Schauspieler, Filmregisseure haben absolut keine Ahnung von Wirtschaft

und sie verblöden die Massen und erziehen sie noch mehr zu Sozialisten als sie ohnehin schon sind.
Jede Phase der Menschheit, in der es eine gute Wohlstandsentwicklung gab, war KAPITALISTISCH!

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Re: Künstler, Schauspieler, Filmregisseure haben absolut keine Ahnung von Wirtschaft

Ja, jede Wohlstandentwicklung war kapitalistisch, aber die Grundlage war immer die funktionierende Marktwirtschaft. Wenn aber jemand glaubt, daß Amerika ein Land mit funktionierender Marktwirtschaft ist, der irrt sich gewaltig. Die Marktverzerrungen durch Oligopole und sogar Monopole sind in jedem Wirtschaftssektor zu orten. Und gerade das macht den so genannten amerikanischen Traum zu einem bloßen Traum mit schrumpfenden Chancen zur Verwirklichung.

Re: Re: Künstler, Schauspieler, Filmregisseure haben absolut keine Ahnung von Wirtschaft

leider haben sie recht
auch das land der freiheit entfernt sich immer weiter weg von den prinzipien, die die gruender-vaeter in der verfasssung verankert haben.
durch den interventionismus der zentralregierung in washington und durch die monopolisierung des geldes (fed) enstehen starke ungleichgewichte, die sich manifestieren in den heutigen problemen, mit denen amerika zu kaempfen hat

Re: Künstler, Schauspieler, Filmregisseure haben absolut keine Ahnung von Wirtschaft

Kapitalismus und Marktwirtschaft sind zwei ganz verschieden Dinge. Wenn Sie meinen daß jede Wohlstandsentwicklung mit Marktwirtschaft verbunden ist, dann stimme ich Ihnen zu. Kapitalismus, dagegen, ist das Prinzip nach dem Reiche immer reicher werden, und zwar auf Kosten jener, die weniger haben. Unregulierter, amerikanischer Kapitalismus war letztendlich der Auslöser der Wirtschaftskrise, und die hat vor allem die "kleinen Leute" getroffen.

Re: Re: Künstler, Schauspieler, Filmregisseure haben absolut keine Ahnung von Wirtschaft

"Allgemein wird unter Kapitalismus eine Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung verstanden, die auf Privateigentum an den Produktionsmitteln und einer Steuerung von Produktion und Konsum über den Markt beruht."

Die USA heute sind weit von der obigen Definition entfernt. Der wichtigste Markt überhaupt, der Geldmarkt, wird von der FED durch Preis-Fixing zerstört.
Der zweitwichtigse Markt, der Immobilienmarkt, wird durch Fannie und Freddie kaputt gemacht.
Der drittwichtigste Markt, die Börsen, werden durch Banken die in der Regierung sitzen missbraucht
usw.

Re: Re: Re: Künstler, Schauspieler, Filmregisseure haben absolut keine Ahnung von Wirtschaft

haette ich nicht besser sagen koennen
...

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leider verstehen viele die fehlauswirkungen des interventionismus als "marktversagen" und befuerworten daraufhin noch mehr interventionismus

Schon 1925 sagte Präsident Calvin Coolidge folgendes: "The Business of America is to make Business !"

Und das sagt doch alles, oder ?

Schrecklich einfältig

Kapitalismuskritik ist langweilig, provoziert keinen und hängt mit mittlerweile zum Hals raus. Dass sich momentan jeder zweitklassige Künstler einbildet er müsse auf die momentane Krise etwas Kapitalismuskritisches schaffen und das dann auch noch von den Medien obligatorisch hochgejubelt wird geht wirklich an die Grenze des erträglichen. Wenn das was wir jetzt durchleben schon die größte Krise des Kapitalismus ist kann das System ja nicht so schlimm sein. Und vom angeblich ausgeträumten amerikanischen Traum habe ich auch schon zuviel in europäischen Medien gelesen und zuwenig davon in den USA erlebt um noch dran zu glauben.

margin call...

sicher nicht der beste, sondern ein weiterer dummer und ziemlich ahnungsloser, einseitiger film über die finanzkrise...vielleicht sollte sich der hobbyökonom mal die mühe machen, sich mit der materie wiklich zu befassen.

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