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Finanz: Steuern auf gespendetes Brot

20.07.2012 | 18:22 |   (Die Presse)

Deutsche Bäcker stoppten ihre Brotspenden, da sie Steuern nachzahlen mussten. In Österreich ist die Gesetzeslage zwar gleich, Forderungen gab es vom Fiskus bisher aber nicht.

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Wien/Jaz. Tue Gutes und sprich darüber! Doch so hatte sich der sächsische Bäcker Roland Ermer den Gesprächspartner über seine guten Taten nicht vorgestellt. Denn es handelte sich um Vertreter des örtlichen Finanzamtes. Und diese wollten dem Bäcker im Rahmen einer Steuerprüfung über seine Brotspenden an lokale Obdachlosenhilfen sprechen. Die seien nämlich umsatzsteuerpflichtig.

Für Ermer bedeutete dies eine Steuernachzahlung in Höhe von 5000 Euro und eine jährliche Steuerleistung von 1000 Euro, berichtet der „Spiegel“. Auch andere deutsche Bäcker seien vom Fiskus bereits zur Kasse gebeten worden. Die Folge: Viele kleinere Bäcker, die sich die Steuern für ihre Spenden nicht leisten wollen, haben nun ihre Zusammenarbeit mit den hilfstätigen Vereinen beendet – und werfen das Brot lieber in den Müll. Denn dafür müssen keine Steuern entrichtet werden.

Die deutschen Behörden verteidigen sich mit einem Verweis auf europäische Umsatzsteuerrichtlinien – die auch in Österreich gelten. Und diese ermöglichen es dem Fiskus, für Spenden Umsatzsteuer zu verlangen. Der Grund dafür ist, dass für die Produktionsmaterialien des Brotes von den Bäckern auch Vorsteuer abgezogen wird. Daher muss laut Mehrwertsteuergesetz auch bei unentgeltlicher Leistung oder einem Verkauf deutlich unter den Kosten die Steuer in angemessener Höhe abgeführt werden. Diese Regel gilt etwa auch, wenn ein Skihändler für seinen Sohn Skier aus dem eigenen Lager nimmt.

Welchen Wert hat altes Brot?


„Die gesetzliche Situation ist in Österreich genau gleich“, sagt Gottfried Schellmann von der Steuerberatungskanzlei Müller-Koch & Schellmann. „Eine unentgeltliche Zuwendung ist einer Lieferung gegen Entgelt gleichgestellt.“ Allerdings gäbe es im gleichen Gesetz einen Passus, wonach „für Lieferungen von geringem Wert“ von einer Besteuerung abgesehen werden kann. Zwar erhalten Hilfsvereine wie die Wiener Tafel von Bäckern in der Regel ganze Lkw-Ladungen an Brot, es sei hier also fraglich, ob von geringem Wert gesprochen werden kann. „Ich würde das Gesetz in diesem Fall aber so auslegen, dass ja nicht der Hilfsverein der Endverbraucher ist, sondern der einzelne Bedürftige. Und dieser erhält dann ein paar Semmeln, die nur einen geringen Wert haben“, so Schellmann.

Noch eindeutiger sieht die Lage der für Steuern zuständige Sektionschef im heimischen Finanzministerium Wolfgang Nolz: „Für uns ist entscheidend, dass die Lebensmittel nicht mehr verkäuflich sind und daher nur einen geringen Wert haben. Dafür Steuern zu verlangen wäre unsinnig.“ Das heimische Finanzministerium ist bei gemeinnützigen Tätigkeiten überhaupt sehr entgegenkommend. So seien auch andere Spenden – etwa das Zur-Verfügung-Stellen von Autos – von der Steuer befreit, sagt Nolz.

„Viel Augenmaß bei Finanz“


Dies deckt sich auch mit den Erfahrungen der Wiener Tafel, die täglich drei Tonnen Lebensmittel von 220 ehrenamtlichen Mitarbeitern an rund 10.000 Armutsbetroffene verteilt. „Eine steuerliche Forderung der Finanz war bei unseren Spendern noch nie der Fall. Wir haben bei den Steuerbehörden auch immer sehr viel Augenmaß und Wohlwollen entgegengesetzt bekommen“, so Markus Hübl, der Sprecher der Wiener Tafel.

Die – für die Tafel steuerbegünstigende – Sichtweise der Finanz kann er jedoch nur teilweise nachvollziehen. „Uns ist wichtig, dass die Waren, die wir an die Bedürftigen verteilen, noch immer ein wertvolles Gut sind.“ Es solle keinesfalls der Eindruck entstehen, die Menschen würden quasi „Abfall“ bekommen. Denn sobald Brot und Lebensmittel in den Müll wandern, haben sie definitiv keinen Wert mehr und sind von einer Besteuerung auf jeden Fall befreit.

Und dies geschieht in Österreich trotz gemeinnütziger Organisationen immer noch sehr häufig. So ergab eine Studie der Wiener Tafel zusammen mit dem VKI und der Arge Bäuerinnen im Vorjahr, dass hierzulande jedes Jahr 96.000 genießbare Lebensmittel weggeworfen werden. Pro Haushalt entspreche dies einem Betrag von rund 300 Euro. Besonders häufig betroffen seien Backwaren. Von den 427.000 jährlich produzierten Tonnen wandern laut einer Untersuchung der Boku Wien 63.000 Tonnen in den Müll. Der Grund für die Überproduktion sei, dass die Konsumenten auch kurz vor Ladenschluss noch ein vollständiges Warensortiment erwarten.
Die deutschen Finanzbehörden reagierten am Freitagabend auf den Bericht des „Spiegel“: Künftig soll auch in Deutschland altes Brot keinen zu versteuernden Wert mehr haben.

Auf einen Blick

Spenden von altem Brot brachten in Deutschland Bäckern Steuernachzahlungen. Der Fiskus begründet dies mit dem Gesetz, das auch unentgeltliche Leistungen als steuerpflichtig ansieht. Die heimische Finanz ist kulanter. Hierzulande hat Brot nach Ladenschluss für das Finanzamt keinen Wert mehr, da es unverkäuflich ist.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.07.2012)

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53 Kommentare
 
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Gast: Dr.Feinbein
24.07.2012 15:25
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die Politik ist einfach nur krank

...total krank...sowas zu lesen ist pervers.

Einfache Lösung:

Die Bäcker bezahlen den Obdachlosenhilfsvereinen das Entsorgen des alten Gebäcks. Das können sie als Betriebsausgabe absetzen und die Vereine freuen sich über die Einnahmequelle.

Und ja, das ist legal, denn das Wegwerfen des Brotes kostet auch etwas, nämlich Müllgebühren für weitere Abfalleimer. Zumindestens ist das in Wien so.

crowding out effekt fuer wohlfahrt

wo kaemen wir denn dahin, wenn private etwas kostenlos abgeben um jemand zu helfen, private wohlfahrt - das darf nicht sein - diese aufgabe wurde schliesslich an den staat delegiert.

Gast: Kuya
22.07.2012 01:46
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der Haken, dass die Leut' schamlos unterbezahlt werden

. . . sozial gerecht wäre, wenn jedem das Mindesteinkommen gleich einem Vorsteuerrabatt zustünde.
Damit brächte jeder Job ein vernünftiges Einkommen und eine nachhaltige Umverteilung via Einkommensteuer.

Gast: DI
21.07.2012 20:51
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Kranke Welt

die Tatsache, dass ein Artikel veröffentlicht wird zeigt es sehr deutlich. Wenn man dazu noch bedenkt, griechische Reeder sind Millionäre bzw. Milliardäre und die zahlen keine Steuern. Der Bäcker verschenkt sein altes Brot und bekommt eine Steueraufforderung? Dazu noch in einem Land mit sehr hohem Steuersatz? Wann bekommen die Politiker die Geldtaschen so voll, dass sie Ruhe geben? Antwort, nie, offensichtlich zieht die Normalität erst nach der Revolution wieder ein und das ist nicht sicher.

Gast: Steuerfan
21.07.2012 15:37
2 1

Betriesaufwand

Spenden an caritative Einrichtungen sind eigentlich steuermindernd abzugsfähig

In Bayern

sieht man von einer Besteuerung bereits ab und andere deutsche Bundesländer werden nach neuesten Berichten dem Beispiel folgen. Der Artikel ist somit überholt.

Re: In Bayern

Leider KEINESWEGS ist dieser Artikel "überholt"! Ich habe heute auf 3sat die wöchentliche Sendung "quer" gesehen, in welcher ebenfalls diese Thematik abgehandelt wurde. Darin wurde auch berichtet, daß sich die bayerische Landespolitik für diese Problematik NICHT ZUSTÄNDIG fühlt, es also bei dieser geradezu perversen Steuer belassen wird! Und ob sich die anderen deutschen Bundesländer wirklich definitiv von einer solche Einnahmeidee trennen, ist noch lange nicht entschieden!

Fakt ist nämlich überall in der BRD: Die öffentlichen Klassen sind praktisch leer und kreative Beamte arbeiten überall an solchen neuen Möglichkeiten, den Bürger "abzuschöpfen". Zudem: Die BRD zahlt einen hohen Anteil jener 100 Mrd. Euro, welche die EU zwecks "Rettung" spanischer Banken bereit stellt; wenn der ESM zum Tragen kommt, sogar noch viel mehr! Auf irgend einer Weise müssen diese Summen halt jetzt im eigenen Land "eingespielt" werden. Selbst wenn es die Allerärmsten trifft! In Zeiten wie diesen müssen eben (fast) alle Opfer bringen. Natürlich außer den Reichen und Superreichen, denn deren Vermögen wächst, vielleicht gerade wegen der Krise, immer weiter.

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Re: In Bayern

nicht überholt, denn das grundsätzliche Problem besteht weiterhin

Gast: Bänkster
21.07.2012 13:43
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Brotspenden werden besteuert

aber Reiche schaffen es immer noch mehr (oder oft minder) legal ihr Geld am Fiskus vorbei zu schiffen...

Verkehrte Welt, eine Welt der Banken und der Finanzelite.

Gast: Didi aus Österreich
21.07.2012 12:40
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Hunger

Ich finde das eine Frechheit wen wer was spenden will muß er noch dafür zahlen, das ist nicht recht auch wenn es recht ist. Man sollte allen Finanzbeamten das essen verbitten ein Monat, das wäre dann gerecht. Denn das kann nicht gesetzt sein das ich kein gesetzt das mann für spenden zahlen muß da macht der staat ein schweres verbrechen!!!!

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Re: Hunger

Die Finanzbeamten können aber nichts dafür. Es ist vielmehr umgekehrt, dass sie das eben übersehen, was sie eigentlich nicht dürften.

Die Früchte der Arbeit jedes Staatsbürgers sind Eigentum des Staates. Davon wird ein Teil dem Staatsbürger gelassen - nach Abzug aller Steuern und Abgaben sind das im besten Fall 40%. So ist das halt.

Wenn Sie ein Gefühl von Freiheit haben wollen, können Sie sich ein Motorrad, ein Cabrio oder ein Deodorant kaufen.

Antworten Antworten Gast: Kibietz
21.07.2012 13:37
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Re: Re: Hunger

Die Arbeitslosen machens eigentlich am gscheitesten! Die sind wirklich frei!

Antworten Antworten Antworten Gast: Wer A sagt....
21.07.2012 14:16
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Ist aber nicht ernst gemeint oder?

Haben sie schon mal versucht mit 750 Euro im Monat das Gefühl von Freiheit zu generieren?

Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: Kibietz
21.07.2012 14:58
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Re: Ist aber nicht ernst gemeint oder?

Wenn man was gscheites gelernt hatkann man nebei noch gut pfuschen und istnicht den Zwängen und Abzockerei des Staates unterworfen Die Wertschöpfung bleibt zu 100% bei Ihm.
Es sit tatsächlichauch eine Freiheit wenn man sichnicht bevormunden lassen muß oder das machen muß was andere anschaffen.

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einfach nur krank

Was für eine kranke Welt...

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grundsätzlich ist erstaunlich, dass die Eigenentnahme

denselben Wert haben soll wie das verkaufte Produkt, ist das schon eine völlig falsche Anschauung.
Für eine eigenentnahme müsste ja eine völlig andere Kalkulation gemacht werden. Und da spießt es sich schon.
Weiters müßte dann berücksichtigt werden, dass auch im offenem Verkauf das gestrige Brot meist zum halben Preis verkauft wird.

Das ist bei den Deutschen aber nicht der Fall,

naja, ein Bäcker ist keine Bank!

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Re: grundsätzlich ist erstaunlich, dass die Eigenentnahme

Stellen Sie sich vor, Sie sind der Sklave und Versklavung ist lediglich im Privatbereich verboten, weil Staatsmonopol. Dann stimmt wieder alles mit der Realität überein.

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Re: Re: grundsätzlich ist erstaunlich, dass die Eigenentnahme

arg,
und ist auch Sklaverei, #wie sie richtig sagen;

entspricht nicht den Menschenrechten, aber die haben beim Geld ohnhin keine Bedeutung.

Das spielt ein wenig die...

..."typisch deutsche" Mentalität mit hinein. Die Deutschen können zwar in Vielem als Vorbild gelten, aber mit unseren "österreichischen Lösungen" sind wir ihnen trotzdem oft überlegen. In diesem speziellen Fall sieht man das ganz deutlich.

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Re: Das spielt ein wenig die...

aber das ist keine Freibrief für die sonstigen österreichischen Usancen, die sind sehr oft auch ganz schön happig.

Re: Das spielt ein wenig die...

vollkommen richtig!

Gast: Kibietz
21.07.2012 10:20
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Dannsoll derBäcker doch einfach sagen das er das Brot weggeschmissen hat.

Wie es wirklich war kann sowiso keiner nachprüfen. Man wird ja vom Gesetzgeber dazu ja gezwungen.

Gottseidank ist es bei uns in Österreich nicht so!

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Re: Dannsoll derBäcker doch einfach sagen das er das Brot weggeschmissen hat.

Von den Gesetzen her ist es in Österreich schon auch so. Es wird hierbei aber offenbar Augenmaß angewandt.

Antworten Antworten Gast: Kibietz
21.07.2012 15:00
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Re: Re: Dannsoll derBäcker doch einfach sagen das er das Brot weggeschmissen hat.

NaGottseidank zeigenunsere Beamtenochein Mindestmaß an Menschlichkeit

Gast: Wer A sagt....
21.07.2012 09:29
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Der Staatsapparat und seine verbrecherischen Handlanger...

...gönnt anscheinend den Armen das Brot nicht mehr.
Irgend ein krankes Beamtengehirn wird auch noch den Vorschlag machen das empfangene Essen den H IV - Empfängern von der Grundsicherung abzuziehen.
Der Zeitpunkt Widerstand zu organisieren rückt immer näher.

 
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Hobbyökonom