Insider: Libor-Lüge läuft seit Jahrzehnten

Ein ehemaliger Morgan-Stanley-Händler berichtet von Manipulationen des Zinssatzes im Jahr 1991. Diese dürften aber noch weiter zurückreichen.

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(c) AP (Lefteris Pitarakis)

Die Manipulation des Interbanken-Zinssatzes Libor findet möglicherweise schon seit Jahrzehnten statt. Darauf lässt der Kommentar eines ehemaligen Morgan-Stanley-Händlers schließen. Unter dem Titel "Wie ich versuchte, den Libor-Skandal aufzudecken" schildert Douglas Keenan in der "Financial Times Deutschland" seine Erfahrungen im Jahr 1991.

"Erfahrenere Kollegen sagten mir, dass Banken den Libor falsch angeben, um davon zu profitieren. Das heißt, Libor-Manipulationen könnten bereits seit mindestens 1991 an der Tagesordnung gewesen sein", so Keenan. Und: "Der Unterschied zwischen dem ausgewiesenen und dem tatsächlichen Satz mag klein erscheinen, aber insgesamt ging es um beträchtliche Summen, denn am Libor hängen Kontrakte im Wert von mehreren Hundert Billionen."

"Versäumnisse früherer Arbeit vertuschen"

Keenan zufolge war 1991 Bob Diamond bei Morgan Stanley in London für den Zinshandel zuständig. Diamond ist Anfang Juli wegen der Libor-Zinsmanipulationen als Chef der britischen Bank Barclays zurückgetreten. Keenan vermutet daher, dass Diamond bereits damals vom Falschausweisen des Libors wusste.

Der ehemalige Händler Keenan geht davon aus, dass auch die Ermittlungsbehörden seit Jahrzehnten von der Praxis wissen. "Ich vermute, dass sie nach der Finanzkrise von 2008 zu dem Schluss kamen, dass sie ihre Pflichten besser erfüllen sollten. Das würde erklären, warum die Ermittlungen offenbar Falschausweisungen aus der Zeit vor 2005 außen vor lassen: Sie wollten die Versäumnisse ihrer früheren Arbeit vertuschen", schreibt Keenan.

"Das widerspricht der offiziellen Version"

Und daran dürfte sich bis heute nichts geändert haben, glaubt man Keenans Aussage. Er habe Anfang Juli mit einem Experten gesprochen, der an den Ermittlungen des Finanzausschusses des britischen Unterhauses beteiligt ist, und ihm angeboten unter Eid auszusagen. Als sich nach bekundetem Interessen aber niemand mehr bei ihm meldete, rief er an und fragte nach, was los sei. "Der Experte sagte mir, meine Aussage sei nicht erwünscht, denn sie widerspreche der offiziellen Version", behauptet Keenan.

(Red.)

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