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Schweiz: Steuerparadies mit Abstrichen

29.09.2012 | 18:07 |  von andreas Zumach (Genf) (Die Presse)

In der Schweiz müssen reiche Ausländer künftig höhere Steuern zahlen. Vielen Eidgenossen gehen ihre Privilegien zu weit. Denn der Reichtum von außen birgt auch einige Probleme.

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Die Schweiz hat als Steuerparadies für reiche Ausländer an Attraktivität verloren. Im Kanton Bern votierten die Eidgenossen am letzten Sonntag bei einer Volksabstimmung für die Anhebung der Pauschalsteuern, die rund 220 in Bern lebende vermögende Ausländer an die kantonale Finanzverwaltung entrichten müssen. Eine entsprechende Entscheidung trafen zwei Tage zuvor auch die beiden Kammern des Schweizer Parlaments. Im Kanton Basel-Land beschlossen die Stimmbürger gar die Abschaffung der Pauschalbesteuerung. Ebenso votierte das Parlament im Nachbarkanton Basel-Stadt.

Eingeführt wurde das Instrument der Pauschalbesteuerung in den Dreißigerjahren des letzten Jahrhunderts. Viele Prominente zog es daraufhin in die Schweiz. Etwa den englischen Schauspieler Charles Chaplin, der von 1952 bis zu seinem Tod 1977 oberhalb von Vevey bei Montreux wohnte. Nach ihm wurde die Pauschalbesteuerung zeitweise auch „Lex Chaplin“ genannt. Die rund 5000 Ausländer, die heute das Privileg der Pauschalbesteuerung genießen, zahlten im letzten Jahr rund 700 Millionen Franken in die Schweizer Staatskassen.

Für die Bemessung der Pauschalsteuer wird ein Mindestjahreseinkommen von 250.000 Franken (210.000 Euro) angesetzt. Hinzu kommt das Fünffache der Miete, die der Ausländer an seinem Schweizer Wohnsitz zahlt oder zahlen müsste. Dieser Satz soll auf das Siebenfache und das zugrunde gelegte Mindestjahreseinkommen auf 400.000 Franken erhöht werden. In Bern werden nach Schätzung der Finanzbehörden 80 Prozent der 220 pauschal veranlagten Ausländer künftig mehr Steuern bezahlen müssen.

Wer um Pauschalbesteuerung ansucht, darf keine Einkünfte in der Schweiz beziehen und muss mehr als die Hälfte des Jahres im Land verbringen. Einer, der gegen diese Bedingungen ständig verstößt, ist der französische Altrocker Johnny Hallyday. 2006 verlegte er seinen offiziellen Wohnsitz von Paris nach Gstaad im Kanton Bern. Hier besitzt Hallyday ein feudales Chalet, das er aber nur während einiger Winterwochen für die Skiferien nutzt. Ansonsten verbringt der 69-Jährige nach eigenen Angaben die meiste Zeit des Jahres in Los Angeles und Paris.


Kein Problem für Schumacher und Co. Den superreichen französischen Rockstar kratzt die im Kanton Bern beschlossene Anhebung der Bemessungsgrundlage für die Pauschalsteuer auf 400.000 Franken überhaupt nicht. In Frankreich müsste er jährlich 4,2 Millionen Franken (vier Millionen Euro) Steuern zahlen. In der Schweiz sind es 900.000 Franken.

Kaum schmerzen wird die Erhöhung der Pauschalsteuer auch den deutschen Rennfahrer Michael Schumacher. Der siebenfache Formel-1-Weltmeister hat in Gland am Genfersee ein Anwesen für 66 Millionen Franken erstanden. Schumachers Jahreseinkommen wird auf 100 Millionen, sein Vermögen auf eine Milliarde Franken geschätzt. Die Pauschalsteuer, die er dem Kanton Waadt abliefert, sind im Vergleich dazu Peanuts: zwei Millionen Franken pro Jahr. Das entspricht einem Steuersatz von zwei Prozent.

Aber nicht nur die prominenten Sportler oder Künstler unter den privilegierten Ausländern haben den Stimmungsumschwung gegen die Pauschalsteuer bewirkt. Sondern auch die vielen gutbezahlten Bürger aus aller Welt, die infolge der enormen Steuervergünstigungen einiger Kantone für ausländische Firmen in die Schweiz übergesiedelt sind. Sie erhalten von ihren Unternehmen Vergünstigungen, von denen Schweizer nur träumen können. Vor allem in Zürich, Zug und in den beiden Westschweizer Kantonen Genf und Waadt siedelten ausländische Unternehmen ihre Welt- oder Europazentrale an. Zu gut 90 Prozent brachten diese Unternehmen ihre Beschäftigten mit und schafften kaum neue Arbeitsplätze für Schweizer. Zusätzlich zu den guten Löhnen zahlen diese Unternehmen ihren Mitarbeitern oftmals erhebliche Spesen und Zuschüsse, insbesondere zu den Wohnkosten – in Genf von bis zu 5000 Franken monatlich. In der Folge explodierten die Miet- und Immobilienpreise.

Schweizer Normalverdiener können sich die Mieten nicht mehr leisten und werden verdrängt. In Zug, dem Kanton mit den für Ausländer und Schweizer niedrigsten Steuersätzen, ziehen immer mehr Ausländer zu, während immer mehr Schweizer abwandern. Diese Vertreibung aus ihrem eigenen Steuerparadies haben viele Eidgenossen satt.

Steuern
5000

reiche Ausländer
leben offiziell in der Schweiz und profitieren dort von den Steuerprivilegien. Sie zahlten im vergangenen Jahr 700 Millionen Franken in die Staatskassen.

2

Prozent Steuern
zahlt der deutsche Formel-1-Weltmeister Michael Schumacher in der Schweiz. Sein Jahreseinkommen wird auf 100 Millionen Franken geschätzt. Alleine seine Villa in Gland am Genfersee kostete 66 Millionen. Zwei Millionen Franken zahlt Schumacher im Kanton Waadt an Steuern.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.09.2012)

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16 Kommentare
Gast: b745
30.09.2012 17:46
0 3

der einfluß der schweiz scheint recht groß zu sein es wird praktisch alles zensiert was kritisch über die schweiz gesagt wird

aber es sei gesagt alle steueroasen haben die schweiz als vorbild und mit dem geld werden verbrechen und kriege finaziert

Gast: Schweizer
30.09.2012 12:03
4 1

Schon lustig eure Zensur

Armes Österreich und ihre Medienlakaien.

Antworten Gast: Die Wahrheit macht frei
30.09.2012 17:09
1 0

Re: Schon lustig eure Zensur

Nein, lustig ist das bei Gott nicht!
Es ist eine Schande und ein unbeschreibliches Trauerspiel.......

0 0

ein harakiri in quoten!


Durcheinander

Wenn ich den Artikel so lese, kommt es mir vor, als ob der Verfasser ständig Vermögen und Einkommen durcheinander bringt?

Re: Durcheinander


Außerdem haben sie nur Extrembeispiele gebracht!

Viele, die kein 66 Mio. Anwesen besitzen, zahlen nur 80.000 Fränkli im Jahr Steuer!

Da sich die Steuer in erster Linie an der Wohnsituation orientiert, es ist eine reine "Aufwandssteuer"!


1 0

Re: Re: Durcheinander

Ja die Schweizer zahlen Steuern für eigene Wohnungen und Häuser danach, was es einbringen würde, sie zu vermieten. So wie in Griechenland deswegen nie ein Haus fertiggebaut wird, weil erst dann Steuern fällig werden wenn das Haus fertig ist, zahlen Schweizer ewig an dem Kredit fürs Haus, weil so lange keine Steuer dafür fällig wird.

Gast: Steuerflüchtling aus Salzburg
29.09.2012 20:12
4 7

Wie ist die Meinung unseres künftigen Kanzlers Frank

über den Sachverhalt im Nachbarland?

Gast: andi007
29.09.2012 19:20
3 3

höre ich richtig?

die schweiz stellt die grundlage ihrer wirtschaft in fragen? eher weniger....

die erhöhung der pauschalsteuer wird auf jedenfall nichts an der sache ändern, tja liebe schweizer, euer land gehört nicht mehr euch

Antworten Gast: Schweizer
30.09.2012 09:10
11 1

Re: höre ich richtig?

Mag sein aber immerhin gehört uns noch mehr von unserem Land als dem Resteuropa...

Antworten Antworten Gast: andi007
30.09.2012 12:04
1 2

Re: Re: höre ich richtig?

nicht wirklich, mehr ausverkauft, als die schweiz, ist vielleicht london oder paris oder ein paar seestreifen!

kein land in europa, ist so ausverkauft, wie die schweiz! und natürlich nicht hauptsächlich von nicht-europäern, sondern von deutschen, österreichern, franzosen, etc....

ist schon fein durch zürich und genf zu gehen, man trifft so wenige schweizer

Re: Re: höre ich richtig?

ohne das Geld der Steuersünder, Diktatoren, Mörder, Staatsunterdrücker wäre die Schweiz am A... Der Export von Uhren, Schocki und Schweizermesser reicht wohl nicht für ein eigenes hohes BIP.

Die CH hängt mehr mit drinnen, als Sie glauben. Seinen Erfolg auf Papiergeld aufzubauen, ist wohl nicht so weise...

Re: Re: Re: höre ich richtig?


Die Schweiz hat die höchste Produktivität in Europa!

Vielleicht ist das der Grund?

Außerdem keine Sozialschmarotzer!


Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: Rüti
01.10.2012 10:45
0 1

Re: Re: Re: Re: höre ich richtig?

Neben den Arbeitslosen gibt es ja noch die Ausgesteuerten. Also die welche nicht mehr zu den Arbeitslosen zählen weil sie es zu lange sind. Das wiederum denke ich sind etwa 3-5% der Bevölkerung.

Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: yamo
30.09.2012 14:01
1 7

Re: Re: Re: Re: höre ich richtig?

Man konzentriert sich statt dessen auf die Steuerschmarotzer, das ist wirtschaftlich vorteilhaft.

Pauschalbesteuerung

Ein gelungener Artikel. Er beschreibt insbesondere auch (in gebotener Kürze und Vereinfachung) die Probleme, die sich mit der massiven Flucht von EU-Bürgern in die CH ergeben haben.

Auf einen Umstand sollte noch zusätzlich hingewiesen werden: Durch die beinahe penetrante Negierung der entstandenen Probleme (ein weiteres Stichwort dazu wäre die an ihre Kapazitätsgrenze angelangte Infrastruktur) durch die massive Nettozuwanderung (ca. 70'000/Jahr! Bei 8 Mio. Einwohnern versteht sich) und der gleichzeitigen Untätigkeit von Regierung und Parlament, stieg der Unmut in der Bevölkerung laufend. Auch dies dürfte sich in den Volksvoten niedergeschlagen haben.

Zusätzlich gilt es festzuhalten, dass die Erfahrungen aus dem Kanton Zürich zeigen, dass eine Abschaffung der Pauschalbesteuerung durchaus mit Mehreinnahmen einhergehen können. Dies dürfte ebenfalls zum (moderaten) Umdenken beigetragen haben.

Hobbyökonom