Die Target-Falle: Der gefährliche Fehler im Euro-System

15.10.2012 | 10:56 |  Von Peter Huber (DiePresse.com)

Der deutsche Ökonom Hans-Werner Sinn warnt vor den sogenannten Target-Krediten. Diese würden die offiziellen Rettungskredite in den Schatten stellen. Das sei alles nur ein Mythos, sagen Kritiker.

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Heute bezeichnet es der deutsche Ökonom Hans-Werner Sinn als den Beginn einer "richtigen Detektivarbeit". Ende 2010 machte ihn der ehemalige deutsche Bundesbank-Chef Helmut Schlesinger auf mysteriöse Posten in der Statistik der Bundesbank aufmerksam: Dort tauchten Forderungen an andere Notenbanken in der Höhe von mehr als 300 Milliarden Euro auf. "Am Anfang hatte ich ja auch nur diese Zahl und wusste nicht so recht, was sie bedeutet", erinnerte er sich im Gespräch mit "Spiegel Online" daran. Zudem tat die Bundesbank die sogenannten Target-Salden als irrelevant ab. Bis heute muss sich der ifo-Chef manchmal wie Don Quijote, der verzweifelt gegen die Windmühlen kämpfte, fühlen. Denn seine Ergebnisse wurden und werden von vielen Notenbanken und Ökonomen heruntergespielt.

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Doch wer Sinn kennt, weiß, dass er hartnäckig sein kann. Und deshalb hat er nun ein Buch mit dem griffigen Titel "Die Target-Falle" zu dem Thema geschrieben. Darin spricht er Klartext: Die Target-Kredite stellen die offiziellen Rettungskredite in den Schatten. Solange die Währungsunion erhalten bleibt, ist das kein Problem. Doch sobald ein Land austritt, oder die Eurozone überhaupt zerfällt, sieht das schon ganz anders aus.

Ein Fehler im System

Das Problem: Die Europäische Zentralbank hat 31 Milliarden Euro Eigenkapital. "Wenn der Euro zerbricht, werden sich Deutschland, Finnland, Österreich, Luxemburg und die Niederlande, die insgesamt etwa 1000 Milliarden Euro an Target-Forderungen haben, um diese 31 Milliarden Euro streiten", sagte Sinn im "Welt am Sonntag"-Interview anlässlich der Veröffentlichung des Buches.

Allein die Target-Forderungen der deutschen Bundesbank haben sich bis Juni 2012 auf 727 Milliarden Euro summiert. Rechtlich gibt es keine Möglichkeit, das Geld bei den anderen Ländern, die Verpflichtungen gegenüber der EZB haben, einzutreiben. Sinn spricht in diesem Zusammenhang von einem "Konstruktionsfehler". Da ist es auch wenig tröstlich, dass der Target-Kredit ursprünglich nicht beabsichtigt war. Denn das Target-System sollte nur dem "Clearing" - der Verrechnung der Finanzströme - dienen, ohne dass es zu einer Kreditgewährung kommt. Die Kredite sollten täglich glattgestellt werden.

Target wurde nach Finanzkrise zu Problem

Bis zur Finanzkrise waren die Target-Salden kein Thema. Dann versiegte allerdings der private Kapitalzufluss in den Krisenländern Griechenland, Irland, Italien, Portugal und Spanien. Die Folge: Seit Beginn 2007 stieg das Volumen der Refinanzierungskredite zur Eigenversorgung in den europäischen Krisenländern von 79 auf 866 Milliarden Euro im Mai 2012. Mit anderen Worten: Die Zentralbanken haben faktisch die Kapitalversorgung für die Geschäftsbanken übernommen. "Die Selbstbedienung mit der Notenpresse fand in einem Ausmaß statt, das atemberaubend ist", schreibt dazu Sinn. Strafen brauchten die Länder nicht zu befürchten, "denn was sie taten, war ja völlig legal". Schließlich hatten sie sich das Gelddrucken selbst im Zentralbankrat genehmigt.

Was ist Target?
Target ist der Name des 1999 ins Leben gerufenen Zahlungssystems der Euro-Zentralbanken, über das die internationalen Zahlungen zwischen Banken im Euroraum abgewickelt werden. Das Target-System transferiert und misst die grenzüberschreitenden Geldüberweisungen zwischen den nationalen Notenbanken der Euroländer.

Bei den Target-Salden handelt es sich um einen Überlauf an Zentralbankkrediten über jenes Maß hinaus, das der Geldversorgung im Inneren eines Landes dient. Dass es zu diesem Überlauf an Liquidität kam, ist das unmittelbare Ergebnis des gesunkenen Standards jener Papiere, die Banken bei den Zentralbanken für Refinanzierungskredite hinterlegen müssen.

Von der EZB gibt es bis heute keine zusammenfassende Statistik zu den Target-Salden. Diese werden aus den Bilanzen der nationalen Notenbanken und Daten des IWF berechnet.

Sinn warnt vor der Illusion, dass die Salden in Kürze von selbst verschwinden, weil die Krise wieder abklingen werde. "Solange die Niedrigzinskonkurrenz für den Interbankenmarkt durch die Notenpresse nicht abgestellt wird, werden die Salden immer weiter wachsen, es sei denn, sie werden durch andere Rettungskredite innerhalb und außerhalb der EZB ersetzt", schreibt der Ökonom. Er fasst das wahre Problem der Target-Salden folgendermaßen zusammen: "Das EZB-System gab den Krisenländern die goldene Kreditkarte mit einem unbegrenzten Überziehungskredit, und damit dieser Kredit nicht in Anspruch genommen und bereits bestehender vielleicht sogar zurückgezahlt wird, muss die Platin-Karte her. Die Möglichkeit, sich Güter und Vermögenswerte in Deutschland auf Pump zu besorgen, indem man einfach nur bei der Bundesbank anschreiben lässt, erzeugt eine verhängnisvolle Pfadabhängigkeit der Politik, die in jeder Krise zu neuen Konzessionen gegenüber den Krisenländern zwingt."

Warnung vor Banklizenz für ESM

Sinn warnt zudem vor einer Banklizenz für den ESM. Tatsächlich könnte sich dann auch der ESM die nötigen Mittel direkt über Refinanzierungskredite bei der EZB besorgen. Die Folge: "Für die Krisenländer entsteht nun kein Target-Saldo mehr, weil ja Geld vom ESM kommt, das für Käufe von Gütern und Wertobjekten sowie für die Schuldentilgung wieder an andere Länder abgegeben wird. Dafür hat nun der ESM selbst einen negativen Target-Saldo." Für die deutsche Bundesbank und Co. würde sich jedoch nichts ändern. Sie würden weiterhin Target-Forderungen aufbauen, die wohl ebenfalls beim Zerbrechen der Eurozone ihre rechtliche Grundlage verlieren würden.

Der ESM drohe demnach die Target-Maschinerie weiter auszudehnen und "immer mehr Ersparnisse der Deutschen in bloße Ausgleichsforderungen der Bundesbank gegen die EZB" zu verwandeln, die "im Falle des Zusammenbrechens des Euro verloren wären und auch so eigentlich nicht viel wert sind, weil sie keinerlei reale Zinsen bringen". Ließe man das zu, würde die Target-Falle endgültig zuschnappen.

Ausweg: Vorbild USA

Sinn will aber nicht nur Probleme, sondern auch Lösungen aufzeigen. Er weist deshalb auf die Struktur des amerikanischen Geldsystems hin. Diese sei mit dem Eurosystem durchaus vergleichbar, schreibt der Ökonom. Gibt es in der Eurozone zwölf nationale Notenbanken, sind es im US-System 17 unabhängige Distrikt-Notenbanken ("Feds"). Die zentrale Fed sitzt in Washington, D.C. Im US-System konnten Salden aber nie entstehen, "weil die privaten Banken immer argwöhnisch darauf geschaut haben, dass im Zahlungsverkehr keine ungedeckten Kreditpositionen aufgebaut wurden".

Zwar ist es auch in den USA möglich, dass eine Distrikt-Notenbank mehr Geld druckt, als für die Geldzirkulation benötigt wird. "Anders als in Europa bleibt die Schuld in den USA aber nicht stehen und baut sich von Jahr zu Jahr weiter auf, sondern wird im April eines jeden Jahres getilgt", schreibt Sinn. Sein Fazit fällt nicht ganz ohne Häme aus: "Nur in Europa können sich die Einwohner einer Region das Geld nach Belieben aus der Notenpresse ziehen, um anderswo einzukaufen und dann zu einem Zins von derzeit 0,75 Prozent anschreiben lassen. In den USA kann man nicht anschreiben lassen. Dort muss man stattdessen echte, marktfähige Wertpapiere abtreten, die mit sechs Prozent verzinst sind". Mit anderen Worten: Man darf den Märkten nie die Möglichkeit nehmen, das eingesetzt Geld zu verlieren.

Deutschland auf verlorenem Posten?

Sinn ist überzeugt, dass die unbegrenzte Verfügbarkeit der Target-Kredite "der zentrale Konstruktionsfehler des Eurosystems" ist. Wenn man diesen nicht beseitige, werde das Eurosystem am Ende auseinanderbrechen. Er empfiehlt der EZB daher, die Politik der niedrigen Sicherheitsstandards für Refinanzierungskredite zu beenden: Tatsächlich haben die nationalen Zentralbanken seit Dezember 2011 die Möglichkeit, Forderungen auf die Rückzahlung normaler Unternehmenskredite als Sicherheiten zu akzeptieren.

Der Ökonom sieht Deutschland gefordert, obwohl er zugibt, dass "eine Lösung innerhalb des bestehenden EZB-Systems offenkundig nicht möglich ist", solange Länder, die von den Target-Salden profitieren, die Mehrheit im EZB-Rat haben. Er denkt deshalb noch weiter: Über den zeitweiligen Austritt von Ländern aus der Eurozone.

Griechen-Austritt kommt billiger

Sinn hat daher auch ausgerechnet, was ein Konkurs Griechenlands kosten würde. Sein Ergebnis: Ein Konkurs mit einem gleichzeitigen Austritt Griechenlands aus der Eurozone käme Deutschland günstiger (84,1 Mrd. Euro) als eine Griechen-Pleite, bei der Athen in der Eurozone bleibt (87,2 Mrd. Euro). Der Vorteil eines Austritts sei für die Gläubiger-Länder aber in Wahrheit noch viel größer, als es die Rechnung zum Ausdruck bringe.

Denn wenn Griechenland in der Eurozone bleibe, würden immer mehr Hilfskredite fließen, um den Konkurs zu verhindern und die fehlende Wettbewerbsfähigkeit des Landes auszugleichen. "Das verhindert die Verluste zunächst scheinbar, weil man sie noch nicht zeigen muss, doch in Wahrheit wachsen sie um die Hilfen mit jedem Jahr, das ins Land streicht", so Sinn. Er ist der Überzeugung, dass nur ein Austritt mit einer Abwertung Griechenland helfen könne. Und er könnte einen positiven Ansteckungseffekt haben: "Sollte sich nämlich zeigen, dass Griechenland durch einen Euroaustritt und eine Abwertung wieder zu neuem Wachstum zurückkehrt, wird das nicht ohne Wirkung auf die anderen Krisenländer bleiben", ist er überzeugt. "Sie werden dann auch aus dem Euro austreten wollen, um die Erfolge Griechenlands zu kopieren."

Alles nur ein Mythos?

Auf den ersten Blick ist "Die Target-Falle" ein lehrreiches Buch über die Schwächen des Eurosystems. Wer die 400 Seiten Target-Problematik absolviert hat, fragt sich aber auch zwangsläufig, warum außer Sinn niemand auf die Gefahren aufmerksam wurde. Namhafte Ökonomen wie Peter Burgold und Sebastian Voll sprechen im Zusammenhang mit Target sogar von einem "Mythos". "Die Salden sind keine echten Kredite und sollten nicht als solche betrachtet werden", schreiben die Beiden. Die Vorwürfe gegen das Zahlungssystem seien haltlos und würden auf unzutreffenden Argumenten beruhen.

Buchtipp: Hans-Werner Sinn: Die Target-Falle

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  • Sinn: "Griechenland wird austreten - wetten?"

    Bild: (c) Reuters (Michaela Rehle) Die ökonomischen Probleme, die entstehen, wenn das Land in der Eurozone bleibt, seien schlicht unlösbar, sagt der deutsche Ökonom Hans-Werner Sinn.

  • Target2: Das Fed-System ist nicht die Lösung

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76 Kommentare
 
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Target-Salden - unverblümte Sicht hinter den offiziellen Kulissen

Eine sehr aufschlussreiche und vor allem nicht von Medien beeinflussbare Informationsquelle über die Target-Salden.

Länderspezifische Darstellungen und gute Beiträge zur Entwicklung der Volkswirtschaften:

http://www.querschuesse.de/target2-salden/

Gast: Stephan130179
17.10.2012 08:02
8

Target Kredite

wer mal etwas mehr zu TARGET wissen möchte sollte sich das Papier von Prof. Peter Garber durchlesen (the TARGET mechanism). Es handelt sich tatsächlich im Kredite zwischen den Zentralbanken, nur wird das kein Politiker zugeben. Vermutlich haben von der technischen Abwicklung 99,99 % der Politiker auch keine Ahnung. Vor dem Euro gab es den EWS und der war anfällig für Spekulationen. Damals fand die Verrechnung der Zentralbanken noch über VSTFF statt. Die Bundesbank stellt aber hier nicht unbegrenzt Kredite zur Verfügung, daher schied Italien z.B. aus dem EWS aus, da nach den Spekulationen die Wechselkursbandbreite nicht mehr gehalten werden konnte. Im TARGET System können die Kredite unbegrenzt zur Verfügung gestellt werden, da die BuBa ja die Überweisung (z.B. aus Griechenland) ausführen muß.

Schwach-Sinn...

... aber ein Buch nach dem anderen und gut verkaufen, gell?

Gast: targett
15.10.2012 18:17
1

so ganz blick ich da nicht durch?

Diese Targetsalden in der EU laufen erst seit 2007 so extrem auseinander (vorher ausgeglichen), also genau seit Beginn der Krise 07.

Die Euroeinführung gab es aber schon 6 Jahre früher und Deutschland war von Beginn an exportsüchtig, so wie die Anderen importsüchtig waren.

Wenn das mit den Ungleichgewichten in der Handelsbilanz möglicherweise wenig zu tun hat, könnte es der Zusammenbruch der Interbankenmarktes sein??

Bekanntlich trauten sich die Banken ab 2007 in der Eurozone untereinander nicht mehr und borgten sich gegenseitig nichts mehr, sodass der Banken-Kreditmarkt vollkommen zum Erliegen kam. Die EZB mußte alles übernehmen.




Re: so ganz blick ich da nicht durch?

Die Goldman Sachs Tricks kamen heraus, die Subprime Schrottpapiere steckten in den Banken, die Immobilienblase in Spanien und ein künstlicher Bauboom im Süden ließen die Preise dort künstlich in die Höhe schnellen und simulierten unechtes Wachstum im Süden.
Dann platzte die US-ImmobilienHypotheken-Blase, die Banken der Südländer hatten die Schrottpapiere und die Bauboom-Blase platzte somit zeitgleich. Jetzt hatten wir überzogenes Lohnniveau im Süden, korrupte übergewichtige Regierungen und die Sparauflagen wurden so umgesetzt, dass bei der Realwirtschaft in den Südländern durch Steuern gespart wurde und der Staatsapparat behielt seine prunkvollen Beamtengehälter. Weiters hatten die alle bei deutschen Banken Kredite, Private und auch die Südstaaten.
Noch Fragen?
http://3.bp.blogspot.com/-hBtd0eSrTk0/UGXs_IfUUtI/AAAAAAAAMXE/zCzYPAgJTVQ/s1600/ECBTARGET2.jpg

Re: so ganz blick ich da nicht durch?

Nee, bis 2007 haben private Investoren Geld an Griechenland geliehen, womit die Targetsalden ausgeglichen wurden.

Re: Re: so ganz blick ich da nicht durch?

hätte ich auch gesehen...

Warum so kompliziert Herr Sinn?

Das Target ist die Statistik der giralen Geldschöpfung zwischen den Gebieten der NBs. Dies ist eine zeitweilige Geldschöpfung in der Kreditvergabe der Banken, die mit der Rückzahlung der Kredite wieder abgebaut wird. Fällt ein Schuldner aus, weil der € zerbricht, wird die Geldschöpfung sozusagen realisiert. Gewinner des Spiels ist derjenige, der die Ware geliefert hat und dafür aus dem Kredit bezahlt wurde. Verlierer ist die Bank, die sich mit der Kreditvergabe verspekuliert hat, und dann bekanntlich der Staat - oder es wird gedruckt. Man bedenke dabei: Initiator des Kredits ist überwiegend der Lieferant, weil er verkaufen will und der exportierende Staat, der die Wirtschaft unterstützen will.
Klingelts? Die Geldschöpfung ist beim Staat des Lieferanten gelandet. Dieser verhindert aber die angemessene Inflation und zwingt damit die anderen zur Deflation. Er sollte demütig schweigen und zukünftig solche Geschäfte unterlassen. Oder in Partnerschaft helfen, es wäre so einfach!

Antworten Gast: Stephan130179
17.10.2012 07:59
0

Re: Warum so kompliziert Herr Sinn?

wer mal etwas mehr zu TARGET wissen möchte sollte sich das Papier von Prof. Peter Garber durchlesen (the TARGET mechanism). Es handelt sich tatsächlich im Kredite zwischen den Zentralbanken, nur wird das kein Politiker zugeben. Vermutlich haben von der technischen Abwicklung 99,99 % der Politiker auch keine Ahnung. Vor dem Euro gab es den EWS und der war anfällig für Spekulationen. Damals fand die Verrechnung der Zentralbanken noch über VSTFF statt. Die Bundesbank stellt aber hier nicht unbegrenzt Kredite zur Verfügung, daher schied Italien z.B. aus dem EWS aus, da nach den Spekulationen die Wechselkursbandbreite nicht mehr gehalten werden konnte. Im TARGET System können die Kredite unbegrenzt zur Verfügung gestellt werden, da die BuBa ja die Überweisung (z.B. aus Griechenland) ausführen muß.

Re: Warum so kompliziert Herr Sinn?


Beruhen diese riesigen Target-Salden zugunsten D. nicht auch auf den gewaltigen Zufluss von Fluchtgeldern aus den Club-Med-Staaten?

Die Export-Überschüsse der Deutschen sind ja in den letzten vier Jahren gegenüber den Jahren davor nicht so gewaltig gestiegen (die Taget-Salden waren vor 2008 praktisch ausgeglichen).

Re: Warum so kompliziert Herr Sinn?

Bitte erklären sie mir ihre Theorie näher:

Ich als "Lieferant" produziere oder biete eine innovative Ware an, die jeder haben will zB Smartphones. Das Hirnschmalz das hier in die Entwicklung gesteckt wurde, sowie die Produktion dieser Ware haben ihren Preis. Deswegen kann und will ich meine Ware nicht verschenken.
Jetz kommen Millionen auf der ganzen Welt daher und wollen diese Ware kaufen, haben aber kein Geld, nehmen sich also Kredite auf (Plastikgeld), die sie nicht zurückzahlen können.
Da ich daher als "Lieferant" der Initiator der Kredite also der Schuldige bin, werde ich zur Rettung des Systems, damit die Banken nicht krachen, gezwungen nichts mehr zu liefern oder zu produzieren.
Ja da hören wir alle auf zu arbeiten, neues zu erfinden, weil jene die kein Geld haben sonst von uns zu uneinbringlichen Krediten verleitet werden und damit die Wirtschaft ruinieren.
Der Lieferant samt seinem Staat "..sollte demütig schweigen und zukünftig solche Geschäfte unterlassen. Oder in Partnerschaft helfen, es wäre so einfach!"

Und was ist mit der "Globalisierung", den Global Players? Dürfen die dann nur mehr im eigenen Land verkaufen?

Brrrrr...


Re: Re: Warum so kompliziert Herr Sinn?

Sie haben es richtig erkannt, letztendlich leben wir vom Tauschhandel. Wenn keine Gegenleistung möglich ist, können Sie Ihr tolles Produkt nur verschenken oder es gibt eben keinen Markt. Oder Sie schaffen sich den Markt, indem Sie Ihrem Kunden auch einen Gegenmarkt ermöglichen. Ansonsten ist es ein Geschäft auf Kosten der Allgemeinheit, sozusagen eine soziale Spende in Form eines Smartphones auf Kosten des Steuerzahlers.
Die Fluchgelder sind, soweit sie tatsächlich z.B. nach D überwiesen wurden, selbstverständlich auch Teil des Target, hier verschieben Sie lediglich die Abgrenzung der Geldmengen.

Re: Re: Re: Warum so kompliziert Herr Sinn?

So ist aber nun einmal unser Wirtschaftssystem in dem wir leben, die freie Marktwirtschaft. Und daher ist es nicht so einfach, wie sie es behaupten, das Problem zu lösen.
Da haben sich schon unzählige Wissenschafter daran die Zähne ausgebissen und sind zu keinem Schluß gekommen.
Sie sind ein Träumer wenn sie schreiben: "Er sollte demütig schweigen und zukünftig solche Geschäfte unterlassen." Wer verzichtet heute auf Geschäfte? Banken und Versicherungen beschäftigen Hundertschaften an Angestellten, die immer neue "Finanzprodukte" erfinden um abzuzocken. Großkonzerne spielen Global Player und reden der Politik ein, Arbeitsplätze nach China zu verlegen, weil sie sonst pleite gehen würden uns aber mit billigem Ramsch überschwemmen. Die Banken vergeben Kredite ohne sich abzusichern, wie sie schon erwähnten, weil sie ihre Bilanzen mit zu erwartenden Gewinnen aus den Krediten im Voraus schmücken. Aus diesem Teufelskreis so "einfach", wie sie meinen heraus zu kommen ist nicht möglich. Die Horrorszenarien die manche Kenner der Szene schildern, sind nicht von der Hand zu weisen.
Ich hoffe nur, daß einem klugen Kopf einfällt, wie dieser Schlamassel zu lösen ist und sich EU-Europa wie einst Baron Münchhausen am eigenen Zopf aus dieser Krise herauszieht. Ich hoffe daß dies gelingt, aber ich glaub's nicht.

Antworten Antworten Gast: Halbwissen
15.10.2012 19:36
1

Re: Re: Warum so kompliziert Herr Sinn?

Wenn die anderen nichts haben dann können sie Ihre Sachen nur selber verwenden oder verschenken !

Was haben Sie geglaubt ?

Wenn sie ihnen einen Kredit für 10 Jahre einräumen dann haben die anderen nach 10 Jahren ja noch immer nichts. Woher wenn sie nichts haben und nichts können.
Sie können ja Sachen für sich selbst erfinden. Ist ja nicht verboten. Wollen Sie die anderen mit Gewalt zwingen das sie etwas haben wenn sie doch nichts haben ?

Aber wenn der Schmäh auffliegt das sie für Leute arbeiten die nichts haben dann wissen alle das sie selber nichts haben und werden von denen nicht mehr beliefert ( ich sage nur Öl ).

Antworten Gast: Halbwissen
15.10.2012 17:14
2

Re: Warum so kompliziert Herr Sinn?

Die Deutschen sollen nichts mehr exportieren ?

Dann stehen ja die halben Fabriken leer.
Aber vor allem wären sie ja nicht mehr "Wötmasta". Das wäre ja überhaupt das schlimmste.

"Target ist ein Mythos"

Völlig richtig. Denn das Geld, das da abgezweigt wird, existiert ja eigentlich gar nicht.
Wie diese beiden "Ökonomen" aber auf die Idee kommen, das Targetprinzip entspräche keinem Billigkredit, das ist mir schleierhaft.

Gast: PÖHSE
15.10.2012 16:27
7

Den EU-lern ins Stammbuch: Geht zu


eurer Bank, und zahlts den Kredit mit Target ab !

Und GENAU berichten, was der Herr Direktor wörtlich gesagt hat !

Wir wollen auch amal an Spaß haben !

Re: Den EU-lern ins Stammbuch: Geht zu

dazu müssten die von Ihnen Angesprochenen erst mal etwas ins EU -Ausland exportiert haben

Gast: PÖHSE
15.10.2012 15:48
10

Sinn hat recht, die Politruks nicht !


Jeder weiß das, also weg mit den Spinnern .

Antworten Gast: uburoi
15.10.2012 16:17
0

Re: also weg mit den Spinnern?

ja wie denn, was denn?

wo wollen sie ihr team hernehmen?

ende legende.

die bleiben wo und was sie sind.

guten morgen!

Antworten Antworten Gast: PÖHSE
15.10.2012 16:28
0

Re: Re: also weg mit den Spinnern?



'bougre de ma merdre'

Nein, Moderation, nix Ördinäres, sondern ein Originalzitat aus Alfred Jarry's 'Ubu Roi ' .

18

Alle, die den EMS-Schwachsinn unterschrieben haben, müssten

zurücktreten und die persönliche Haftung für ihr Fehlverhalten übernehmen.

Gast: smilefile
15.10.2012 14:58
15

So traurig es klingt,...



....aber Barbara Rosenkranz war die einzige Stimme im Parlament,- die sich gegen den EU- Beitritt Österreich ausprach,....


Antworten Gast: toro
15.10.2012 15:44
6

Re: So traurig es klingt,...

Das klingt wirklich traurig, weil komplett falsch.
Rosenkranz ist seit 2002 im NR, der Beitritt erfolgte 1995.

Da kann sie sich gleich gegen den 30jährigen Krieg aussprechen.

Gast: Held der Arbeit
15.10.2012 14:46
12

was mich wundert

ist, dass dieses buch und auch die bücher von sarrazin etc. in der eu nicht schon längst verboten sind und deren lektüre zumindest mit langjährigen haftstrafen geahndet wird. kommt aber sicher noch, wenn es den eu schergen nicht mehr reicht, diese meinungen nur als "haltlos", "Mythos" oÄ zu denunzieren.

Gast: Halbwissen
15.10.2012 14:45
0

Um wie viel würde der Euro bei einem Austritt Gr. aufwerten ?

Und welchen Wechselkurs braucht Spanien um zu überleben ?

 
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