Währungen: Euro, Yuan, Gold und Bitcoin gegen den Dollar

China und Südkorea verbünden sich, Euro und Gold gewinnen an Bedeutung: Die Stellung des US-Dollar als Weltwährung wackelt zusehends. Und jetzt hat auch noch das Internet sein eigenes Geldsystem: Bitcoin.

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Symbolbild – (c) EPA (Dennis M Sabangan)

Wien. Die tektonischen Platten des internationalen Währungssystems verschieben sich mit zunehmender Geschwindigkeit. Die Exportriesen China und Südkorea haben am Dienstag eine neue Allianz angekündigt. Die Länder wollen einen Währungstausch in der Höhe von umgerechnet 45 Milliarden Euro durchführen – und den bilateralen Handel in Zukunft verstärkt in den Währungen Yuan (China) und Won (Südkorea) durchführen. Sie schalten sozusagen den Mittelsmann aus. Einen Mittelsmann namens Dollar. Und sie sind nicht alleine. Seit der Finanzkrise sägen Staaten rund um den Globus am Thron des Dollar. Dazu kommen die wachsende Bedeutung von Gold und Euro – sowie das Auftauchen neuartiger Onlinewährungen wie Bitcoin.

Gas und Öl für Gold

Die Tage des „exorbitanten Privilegs“, wie der damalige französische Finanzminister Valéry Giscard d'Estaing schon in den 1960er-Jahren die Rolle des US-Dollar als einzige Weltreservewährung nannte, scheinen gezählt.

Rückblick: Schon 1944, also vor dem Ende des Zweiten Weltkrieges, beschließen die 44 Länder der Alliierten ein neues Geldsystem mit dem Dollar im Zentrum. Nur noch der Dollar war an Gold gebunden, die übrigen Währungen an den Dollar. Aber 1971 hob US-Präsident Richard Nixon die Eintauschbarkeit des Dollar in Gold auf. Schon zwei Jahre zuvor, als die Gold-Zahlungsschwierigkeiten der USA absehbar waren, begannen in Europa die ersten Vorbereitungen einer Währungsunion. Das Ziel: der Welt eine vertrauenswürdige Währung anzubieten, die als Handels- und Reservewährung den Dollar ablösen könnte. In den Siebzigern hatte die Welt schlicht keine Alternative zum Dollar – heute ist das anders. Schon jetzt macht der Euro 25 Prozent der weltweiten Währungsreserven aus. Das ist es, was viele Politiker wirklich meinen, wenn sie den Euro als „Erfolgsgeschichte“ bezeichnen.

Freilich: Noch steht der Dollar für knapp 60 Prozent der Reserven. Diese Zahlen berücksichtigen aber nicht den seit mehr als zehn Jahren steigenden Goldpreis. Das Metall macht beispielsweise inzwischen mehr als 65 Prozent der EZB-Reserven aus. Und auch als internationale Handelswährung wird Gold wieder eingesetzt. So handelt der Iran Gas und Öl für Gold, um die US-Sanktionen gegen das Land zu umgehen. Inzwischen hat Washington verstanden, dass es der eigenen Währung schadet, wenn man dem viertgrößten Ölproduzenten der Welt den Handel mit Dollar verbietet. Die Sanktionen wurden vergangene Woche auf Goldzahlungen ausgeweitet.

Allerdings: Alleine die rohstoffarme Türkei hat im Handel für Gas in diesem Jahr Gold im Wert von rund neun Milliarden Euro in den Iran exportiert. Auch Indien und China kaufen Öl vom Iran für eine Kombination aus Gold, Yuan und Rupien. Dass diese Länder sich den Import der notwendigen Rohstoffe aus dem Iran von den USA verbieten lassen, kann ausgeschlossen werden. China würde am liebsten die eigene Währung als nächste Leitwährung sehen. Der Yuan kommt für diese Rolle aber nicht infrage, solange die kommunistische Führung den Wechselkurs nicht komplett freigibt. Peking weiß das, weshalb Verträge mit Südkorea und anderen Ländern abgeschlossen werden, um den Yuan „salonfähiger“ zu machen. Gleichzeitig kommt von China (zumindest mittelfristig) große Unterstützung für den Euro als Dollar-Alternative.

Iraner nutzen Bitcoin

Aber kaum ein Staatschef außerhalb Europas trägt seine Euro-Begeisterung so nach außen wie Russlands Vladimir Putin. Der sagte 2010 gar, dass Russland eines Tages dem Euro beitreten könnte. Aus dem isolierten Iran, wo die Bevölkerung mit den Wirtschaftssanktionen und dem autoritären Regime gleichzeitig leben muss, meldet die Agentur Bloomberg indes die wachsende Popularität der Onlinewährung „Bitcoin“.

Das neuartige Zahlungssystem ist in einem Peer-to-peer-Netzwerk dezentral organisiert – wie das Downloadsystem Bitorrent. Die Iraner haben zurzeit mit starker Inflation zu kämpfen, ausländische Devisen sind ein Ausweg – aber schwer zu bekommen. Junge Iraner greifen jetzt zu Bitcoin, schreibt Bloomberg. Um Geld ins und aus dem Land zu schaffen – oder um Dollar und Euro zu kaufen. Alles anonym – das Regime hat gar keine Chance auf Kontrolle.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.12.2012)

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