30-Stunden-Woche: "Marxistisch und absolut weltfremd"

12.02.2013 | 12:12 |   (DiePresse.com)

Deutsche Politiker und Forscher fordern eine Verkürzung der Arbeitszeit auf 30 Stunden. Selbst linksgerichtete Ökonomen halten wenig davon.

Drucken Versenden AAA
Schriftgröße
Kommentieren

Mehr zum Thema:

In Deutschland sorgt ein offener Brief für Aufregung, in dem über 100 Politiker und Wissenschaftler eine 30-Stunden-Woche fordern - bei vollem Lohnausgleich (mehr dazu ...). Die Forderung stößt auf viel Unverständnis, auch bei Ökonomen, die eher dem gewerkschaftsnahen Lager zugeordnet werden können.

Mehr zum Thema:

"Das wäre wie das Paradies mit den gebratenen Tauben", sagt Heiner Flassbeck, Direktor der UNO-Organisation für Welthandel und Entwicklung (Unctad), zu "Spiegel Online". Er selbst hätte den Brief nicht unterschrieben. Damit ein voller Lohnausgleich funktioniere, müsste die Produktivität der Arbeitnehmer im selben Maße wie der Stundenlohn steigen, was bei einer Arbeitszeitverkürzung auf 30 Stunden pro Woche unmöglich wäre.

"Für Deutschland ist das sicher der falsche Weg", sagt auch der Wirtschaftsweise Peter Bofinger. Grundsätzlich sei Arbeitszeitverkürzung eine gute Idee. So hätte etwa Kurzarbeit den starken Konjunkturrückgang 2009 abgefedert. Jetzt gebe es in Deutschland jedoch fast eine Vollbeschäftigung. Probleme würden eher durch Fachkräftemangel und demografischen Wandel verursacht.

"Griff in die Mottenkiste"

Die Forderung nach einer 30-Stunden-Woche sei "absolut weltfremd", sagt Karl Brenke, Konjunkturexperte am DIW-Institut. Die Idee stamme aus den siebziger Jahren und sei von der marxistischen Vorstellung geprägt, dass der Gesellschaft die Arbeit ausgegangen sei. Für Arbeitslosigkeit gebe es in Deutschland heute aber ganz andere Gründe. So seien etwa viele zu schlecht ausgebildet, um einen Job zu finden.

Dass Deutsche aufgrund fehlender Qualifikationen arbeitslos werden, sagt auch der Deutsche Industrie- und Handelskammertag. Die Forderung sei ein "Griff in die Mottenkiste". Eine künstliche Verknappung der Arbeitszeit sei "völlig kontraproduktiv". Im Gespräch mit der "Neuen Osnabrücker Zeitung" warnte Geschäftsführer Martin Wansleben, eine solche Maßnahme würde Jobs vernichten, weil damit die Kosten massiv steigen würden.

(Red.)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Lesen Sie hier weiter zum Thema:

Mehr aus dem Web

82 Kommentare
 
12 3

Ja ! Ja !

her mit dem Zaster dafür.

hat in Frankreich auch gut geholfen...

genauso wie der Atomstrom....

ich bin dafür

30 Stunden bei vollem Lohnausgleich.
passt. endlich mehr zu Hause

Ich wäre dafür

Aber erst ab 50 Jahre, ansonsten kommen die jungen Leute nur auf blöde Gedanken. Zu viel Freizeit ist auch nichts.

Re: Ich wäre dafür

wenn dies ausschließlich durch eine 75 % Steuer ab 1 Million im Jahr finanziert wird.

Re: Re: Ich wäre dafür

geh doch, nein! Enteignung ab 1 Mio und VERSTAATLICHUNG!!!

Ein gemütlicheres Europa Dank der elitären Wissenschaft

Utl: A working-place for two

Cool, das befinden soziale Mut-Bürgerinnen zu den neusten Wissenschaftlichen Erkenntnissen doch lieber acht Stunden weniger zu Arbeiten.

"Burn-Out als Bürgerinnenerkrankung wird somit stark reduziert", sagt eine Ärztin welche zu den neuen Wissenschaftlichen Erkenntnissen diesen Schritt nun auch Medizinisch befürworten kann.

Während nur zu Ostern die allermeisten Bürgerinnen der "ormen Sölin" denken, denkt Werner Faymann ständig daran, wie wir sozial schwächeren Bürgerinnen unterstützen können. Aus einen Arbeitsplatz macht zwei, das reduziert die Arbeitslosigkeit zu 100 Prozent. Garantiert. Potenzial wird nicht länger verschwendet.

Auch Jesus sagte: Teile! Warum auch nicht die Arbeit? Was der vor 2000 Jahren konnte - Mensch das können wir doch heute auch, erinnern Bürgerinnen an seine Worte. Mensch - da bleibe ich am Freitag Zuhause und branche mit einer Freunding nach einem Work-out gemütlich Karotten und Tomaten, freut Bürgerin sich jetzt bereits.

Ganz schön gemütlich, in Europa zu arbeiten. Wohin knallharte Anstrengungen führen, sehen wir täglich bei den vielen Bandscheibenvorfällen die es jährlich zu beklagen gibt. Somit ist diese höchst wissenschaftliche und Elitäre Erkenntnis auch eine Präventionsmaßnahme um Schmerz- und sorgenfrei das hohe Alter zu erreichen, zeigen sich Bürgerinnen zufrieden.

Dieses Ziel wird - auch politisch - gepredigt

"Das wäre wie das Paradies mit den gebratenen Tauben", sagt Heiner Flassbeck.Zitatende.

missverständnis

Es ging doch um das erwerbslose, bedingungs-lose Grundeinkommen. Bei fortgesetzt sinkendem Bildungsniveau wird eine Grundsicherung unausweichlich, wollen wir den sozialen Frieden beibehalten - sagen gewisse politische Kräfte. Und diese Kräfte werden bei steigenden Arbeitslosenzahlen Zulauf erhalten. Spindelegger ist dzt in SA, und die sind sehr reich....

Die 30h Woche ist schon längst Realität

Wenn man 5-6 Wochen Urlaub, die Feiertage und einen kleinen Krankenstand dazurechnet, arbeitet der Österreicher durchschnittlich ohnehin nur ca.30h/Woche.
Von diesen lächerlichen knappen 18% der Gesamtwoche soll dann alles zu finanzieren sein: Kranken-und Pensionsvorsorge, Wohnen,Auto,Kinder, Urlaubsreise, Freizeitgestaltung, Essen etc.
Dazu kommt, daß immer weniger Produktive immer mehr Unproduktive oder Scheinproduktive (Beamte) mitfinanzieren müssen. Das kann sich nie rechnen.
Es wird auch stets vergessen, daß die durchschnittliche Arbeitsproduktivität nur deshalb steigt, weil unproduktive Jobs aus Kostengründen
wegfallen - auch aus der Statistik

Re: Die 30h Woche ist schon längst Realität

Ist mir bei mir zu Hause nicht aufgefallen ( selbtständig - drei Wochen Urlaub, 80 Stundenwoche, 50 % Steuer.

Re: Die 30h Woche ist schon längst Realität


Meinen sie Lehrer ?? Wenn man halbwegs bei Verstand ist u. leichtsinnigerweise in Ösistan im Gewerbe arbeiten, kommt man locker auf 1800 produktive Stunden.

Verantwortliche mit "all in"-Verträgen auf 2000 Std pro Jahr.

Warum auch nicht ? Wäre Ösistan allerdings so strukturiert wie die Schweiz hätten die Produktiven die DOPPELTEN Bezüge.

Fakten jederzeit lieferbar !

Karl MARX wusste, dass Arbeit & Kapital Komplemente sind !!


Daraus eine Folgerung von vielen: Löhne sollten bis auf die Mindestsicherung freigegeben werden !!

Auch A.F. von Hayek vertrat diese Ansicht. Das Märchen von der Arbeit, die ausgeht ist in Wahrheit ein Bildungsproblem.

Doch im Wahljahr darf man jeden ökon. Schwachsinn absondern.

Übrigens, wir leben in einer globalisierten Welt, werte Sozialträumer.

Die 30h Woche ist schon längst Realität


Re: Die 30h Woche ist schon längst Realität

Wo leben sie denn?
Sie würde ich im Sommer sofort auf die Baustelle schicken.
Büro und den ganzen Tag vor dem Computer sitzen ist für mich keine Arbeit.

Re: Re: Die 30h Woche ist schon längst Realität

das ist nicht fair, auch im Büro leisten einige viel!

was uns die herren aber verschweigen dass es bald nicht mehr genug arbeit für alle geben wird und zwar sehr viel weniger


warum nicht?

gemäß wikipedia: "Verschiedene Autoren weisen darauf hin, dass eine Arbeitszeitverkürzung nicht mit einem Rückgang der Produktion verbunden sein muss. „Tatsache ist, dass sich das Arbeitsvolumen, das heißt, die Zahl der effektiv geleisteten Arbeitsstunden pro Kopf der Bevölkerung von 1900 bis zum Jahr 2000 recht genau halbiert hat. ... Richtig ist, dass heute – jedoch aufgrund des Produktivitäts-Fortschritts – pro Kopf der Bevölkerung die sechsfache Menge an Gütern und Dienstleistungen erwirtschaftet wird wie vor 100 Jahren“ (http://de.wikipedia.org/wiki/Arbeitszeit)

wir produzieren also bereits in der halben zeit die sechsfache menge an gütern. sogar bei berücksichtigung der steigerung hinsichtlich der anzahl an arbeitnehmern stellt dies eine massive produktivitätssteigerung dar. die frage ist wohl eher ob die menschheit jemals den hals voll bekommt oder nicht.

Je weniger wir arbeiten um so weniger Arbeit gibt es!

Würden wir alle am Samstag arbeiten, hätten wir alle am Samstag Arbeit....

Re: Je weniger wir arbeiten um so weniger Arbeit gibt es!

Ja und am Sonntag auch und für die Ineffizienz reduzieren wir gleich den Lohn auf 50%, was eh egal ist, weil die Menschen ohnehin keine Zeit mehr haben, zu konsumieren...

Ich fordere sogar eine 10-Stunden-Woche bei voller Bezahlung!

Und damit sich das ausgeht, verkaufen wir die ganzen vorsätzlichen Dauerarbeitslosen an Organhändler.

So eine 3oStd.Woche empfinde ich als gerecht:

Nachdem ich, im öffentlichen Dienst tätig, zwar für 38.5 Std. bezahlt bekomme, jedoch bloss so um die 2o Std. wahrlich tätig bin, bin ich gerne bereit, mich dem Kompromiss dieser 3ostündigen Arbeitszeit anzupassen.

Schwachsinnige Argumentation...

...wenn das erforderliche Arbeitspensum in 30 Stunden erledigt wird, warum nicht...Es zeichnet doch besonders produktive Unternehmen aus, die notwendigen Leistungen in küzeseter Zeit erbringen zu können. Ich möchte nicht wissen, wie viele Mitarbeiter ihr Arbeitspensum ohne qualitative Einschränkung auch in 30 Stunden pro Woche erbringen könnten. Sie tun es lediglich nicht, weil Sie Anwesenheitspflichten zw. 38,5 und 40 Stunden haben. Was eine Produktivitätssteigerung mit Marxismus zu tun haben soll, weiss auch nur Brenke allein.

Re: Schwachsinnige Argumentation...

Erzählen sie das mal jemand in einem Pflegeberuf oder sonstigen Sozialberuf. Und bei Altenpflege: Nicht sagen , das ist ihnen Wurscht. Und auch sie kommen in diese Ecke, jeder, ausnahmslos!!!!

Re: Schwachsinnige Argumentation...

In einem effizienten Unternehmen wird das Arbeitspensum durch einen Computer oder eine Maschine erledigt.

Die, die dann noch herumlaufen sind "Unternehmer" und denken nicht an die Stechuhr, sondern an ihre Ideen, ihre Selbstverwirklichung, ihr gutes Gefühl.

"Die Arbeit Hoch!"- ist out. Das ist nämlich Knechtschaft!

Re: Re: Schwachsinnige Argumentation...

Ein Computer, wie auch eine Anlage kann ohne einen Menschen dahinter gar kein Arbeitspensum leisten. Genau so wie die beste Software keine Probleme lösen kann, obwohl dieser Irrtum nach wie vor weit verbreitet ist. Ich denke lediglich, dass Anwesenheitszeiten absolut kein passendes Kriterium sind.


 
12 3

Umfrage

AnmeldenAnmelden